Das Epos wirkt tot, tot wie die lateinische Sprache. Denn das Zeitalter, dem es entstammt, ist eine Epoche, die längst vergangen und uns daher völlig fremd erscheint.
Das Epos ist so antiquiert, dass sogar für die Autoren, die die großen Werke verfasst haben, die eigentlich epischen Taten ihrer Helden längst vergangen waren. Hätte man diese alten Erzählungen nicht niedergeschrieben, wären sie heute gänzlich verloren. Die Iliaden, Odysseen, Mahabharatas, Überlieferungen von chinesischen Urkaisern und Niebelungenlieder sind scheinbar nur noch Sache von Literaturprofessoren und anderen Freaks. Nur noch die Überreste des Bildungsbürgertums von gestern klammern sich, dem Scheine nach, an die letzten Überreste heldenhafter Erzählungen.
Alle Anderen scheint der alte Plunder nicht weiter zu kümmern. Epische Heldentaten sind ja nicht mehr zeitgemäß. Heldentaten und Heroismus ist sowieso ziemlich out. Heute geht man shoppen, Pokémon fangen, aus Protest gegen selbst verschuldete Politik Alternativen für Deutschland wählen, auf den Ringstraßen und im Veedel Schürzen oder Cocktails jagen und dabei davon träumen, wie man Pillen auf Ibiza einnimmt. Allenfalls wartet man noch auf die nächste Staffel von "GoT" oder die filmischen Heldentaten des nächsten "xXx".
Gleichzeitig ist auch heute weiterhin die Rede vom "Epischen". Bei youtube findet man stundenlange Ansammlungen von "epic music", die eine ideale Unterlegung für Filme mit "epischen Schlachten" und "epischen Helden" liefern könnten. Dann gibt es noch die "epic rap battles of history", in denen allgemein bekannte historische Persönlichkeiten gegeneinander rappen. "Episch" sind natürlich auch die Zweikämpfe zwischen berühmten Boxern wie Ali und Frazier oder solcher Filmfiguren wie Batman und Superman. Riskante Sprünge von parcour-Kids in den Pariser banlieues sind mindestens genauso episch.
Das Epische in diesem Sinne lässt einen vor Erfurcht erstarren, bereitet Gänsehaut, provoziert Ausrufe des Erstaunens und erfüllt Einen mit Bewunderung und gar Stolz. Darüber befragt, was es denn für sie sei, definierte ein junges Mädchen "episch" ganz trefflich erst vor wenigen Tagen als: Etwas, das cooler sei als cool, etwas so Großartiges, dass es einen "woaaah!" ausrufen lässt, das einem die Sprache verschlägt und ganz allgemein gewaltige Gegensätze aufeinanderprallen lässt - und das, obwohl sie nur einen einzigen Absatz von Georg Lukács und noch nie Hegel gelesen hatte.
Das Epische ist also nicht einfach tot, es ist allenfalls untot. Wie ein gefangener Unsterblicher schläft es in der Welt der Künste und wartet geduldig auf den richtigen Zeitpunkt für eine effektvolle Wiedergeburt (wie etwa "Apocalypse"). Es ist im Grunde das Plusquamperfekt der Poesie, welches einen gedanklichen Abschluss mit einer neulich erst verblassten Gegenwart erfordert. Das Epos ist damit, wenn es heute wieder entsteht, sowohl die reinste Nostalgie wie auch die bombastische Verkündung einer neu anbrechenden Epoche.
"X-Men: Apocalypse" hat formal nahezu alles, um als "episches Werk" von heute durchzugehen. Trotz allem ist es kein (post)modernes Film-Epos. Das entscheidende Kriterium fehlt.
Dieser Film bietet epische Helden und ihre Schlachten, eine epische Handlung und Moral, epische Mythologie, epische Musik, Akustik und Szenerie - und fast alles andere, was man episch nennen darf. Alles an dem Hollywood-Blockbuster ist episch, außer die Rezeption.
Ein Kinogänger wird vielleicht begeistert oder zumindest beeindruckt aus dem Film herausgehen. Er wird womöglich sogar mit dem für ein Epos typischen Staunen an den Film zurückdenken. Die großen Heldinnen und Helden des Werks werden uns als strahlende Vorbilder in Erinnerung bleiben. Wir haben Teil an ihrem übermenschlichen Wagemut und ihrer grenzenlosen Tugend.
Und doch ist dieses fabelhafte Werk noch kein Epos. Denn dazu gehört nicht nur das Werk, sondern auch das entsprechende Publikum. Das eigentliche Epos ist eine dialektische Beziehung zwischen dem epischen Werk und der heldenhaft gesinnten Anhängerschaft des Geistes, von dem das Werk erzählt.
Und das Publikum von "Apocalypse" ist allgemein ganz weit davon entfernt, auch nur im geringsten heldenhaft gesinnt zu sein: Man geht als neugieriger Konsument einer filmischen Ware ins Kino und kommt als gesättigter wieder heraus, um wieder brav dem sinnlosen Leben des Biedermeiers zu frönen. Die Erinnerung an die heldenhafte Fiktion des Films bleibt, aber die eigentlich epische Wirkung, die ein episches Werk zum Epos macht, fehlt völlig. Daran ist aber nicht der Film Schuld.
Das epische Publikum und seine Rezeption gibt es nur da, wo es einen epischen Weltzustand gibt, eine revolutionäre Situation. Da dieser Zustand für die meisten Filmkonsumenten nicht gegeben ist und kaum einer von uns je zum Helden wird, kann also auch bei "Apocalypse" nicht von einem Epos geredet werden. Ein wirkliches Epos für unsere Zeit muss erst noch durch einen revolutionären Aufbruch möglich werden.
Soll heißen: Erst wenn draußen vor dem Kino die Barrikaden stehen, wenn sich die Massen zur revolutionären Heldentat entschieden haben, wenn Polizeistationen brennen und die korrupten Politiker ins Ausland fliehen, wird ein echtes filmisches Epos möglich sein. Im Grunde können nur reale Helden Teil eines epischen Publikums sein. In Deutschland ist ein Epos daher unwahrscheinlich. Die Deutschen sind keine Helden, sondern wundern sich nach dem Kinobesuch mit dem gewohnten Schafsblick über jede epische Fantasterei.
Fast jeder Mensch kennt die tödliche Langeweile. Man ist unterfordert oder überfordert und weiß nicht, was mit sich anzustellen ist. Das ist nicht nur geist- und nervtötend. Es ist in der Tat auch ungesund, geradezu tödlich. Eine 3sat-Doku berichtet darüber.
Die Lösung für das Problem kann für die meisten Menschen vermutlich nicht innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft gefunden werden. Denn der Kapitalismus kann seine Gier nach Profit nicht abstellen. Aus dieser folgen immer wieder die physische und psychische Zerstörung menschlichen Lebens, Tierquälerei und Umweltzerstörung. Bescheuerte Tätigkeiten, die von Maschinen erledigt werden sollten, werden von Arbeitern erledigt, weil sie billiger als Maschinen sind. Dass dafür vierzig, fünfzig oder noch mehr volle Jahre draufgehen, ist das Leid des typischen Proleten. Er lebt vor allem für die blinden (Ge)Triebe des Kapitals und vergisst dabei die eigenen Bedürfnisse, sofern sie über das Routineprogramm hinausgehen. Damit wird er zum bloßen Anhängsel der kapitalistischen Maschinerie.
Leo Kofler, ein Humanist und Faschismus-Flüchtling aus Ostgalizien, sprach in diesem Zusammenhang von der "sterbenden Zeit". So würdigt Kofler, dass andere scharfsinnige Beobachter bemerkt hätten,
"daß die wichtigste Zeit im Leben des Arbeiters, die Arbeitszeit, eine 'sterbende Zeit' ist. Sie ist unschöpferisch und von Langweile erfüllt, so daß auf den Europäischen Gesprächen der Gewerkschaften in Recklinghausen Kasnacich-Schmid unter Zitierung von Walter Rathenau sagen konnte:
'Das Arbeitsleid ist eine sehr reale Gegebenheit. Wer mechanische Arbeit am eigenen Leib kennengelernt hat, wer das Gefühl kennt, das sich ganz und gar in einen schleichenden Minutenzeiger einbohrt, das Grauen, wenn ein verflossene Ewigkeit sich auf einen Blick auf die Uhr als eine Spanne von zehn Minuten erweist, wer das Sterben eines Tages nach einem Glockenzeichen mißt, wer Stunde um Stunde seiner Lebenszeit tötet, mit dem einzigen Wusch, daß sie rascher sterbe, der wird das Märchen von der Arbeitslust mit Hohn beiseite schieben...'"
Foto von: zahnraeder-netzwerk.de
Die sterbende Zeit des eigentlichen Proletariers ist auch heute noch durchaus verschieden von der des kleinbürgerlichen Lohnabhängigen, des Angestellten, Bürokraten oder prekarisierten Intellektuellen mit Hochschulabschluss. Wieso? Der Kleinbürger kann sich meist noch in gewissem Maße in seiner Abhängigkeit verwirklichen und einen gewissen Status genießen. Der eigentliche Prolet dagegen genießt nur den Konsum, den ihm sein Lohn ermöglicht. Auf der Arbeit langweilt er sich meist genauso wie daheim vor dem Fernseher oder in unbefriedigenden familiären Verhältnissen - es sei denn, er entwickelt besondere Überlebenstechniken gegen die tödliche Langeweile. Der eine macht unanständige Witze, der andere hat nur Frauen im Kopf. Die nächste hat wiederum Make-Up oder Haushalt im Sinn, während wieder eine überlegen muss, wie sie den einen Macker vor dem anderen geheim hält und beide vor dem Vater, der wiederum die Mutter besänftigen muss, die aber selbst gerne mal ohne Mann verreisen würde etc. pp. Das sind die "Lösungen" der meisten Proleten, um aus der sterbenden Zeit eine leidenschaftliche zu machen.
Der österreichisch-deutsche Marxist Leo Kofler (1907-1995) widmete sich in diversen Schriften und Vorträgen dem Thema der Bildung, wie sie die drei großen Klassen im Kapitalismus - Proletariat, Kleinbürgertum und Großbürgertum - mehr oder wenig selbstverständlich kultivieren. Seine Ideen verbreitete dieser Autodidakt und Pädagoge, der durch Größe beeindruckte, an Volkshochschulen, Universitäten, vor Gewerkschaftern und Studierenden und einfachen Arbeitern. Auch heute noch sind seine Ansichten beachtenswert.
Im Folgenden Auszüge, wie sie in Koflers fast völlig vergriffenen Publikationen immer wieder zu finden sind. Auszug aus Leo Kofler: Soziologie des Ideologischen, 1975, S. 55-60. Teil 2 der Reihe zur Frage der Bildung bei Kofler und x-ter Teil von Klasse-is-muss.
Leo Kofler über die "kleinbürgerliche Bildung"
Bürgerlichkeit des Kleinbürgers
Gründet sich ein gewisser Stolz des Arbeiters auf seine Hand- und technischen Fertigkeiten, so hat der Kleinbürger keinen Grund zu einem solchen Stolz, denn seine Arbeit ist zumeist formale und abstrakte Manipulation, die an der Sachwelt nichts ändert. Den Kern des Kleinbürgertums bildet die Angestelltenschaft in ihren verschiedenen Formen. Das Schicksal kleinbürgerlicher Arbeit ist die nicht die Produktivität, sondern die Sterilität. Von der kollektiven Einordnung des Arbeiters in einem Arbeitsprozeß unterscheidet sich der arbeitsmäßige Individualismus des Angestellten grundsätzlich. Besonders seinem Bewußtsein nach. Die relative Entfernung dieser Arbeit vom produktiven Prozeß verstärkt diese individualistische Tendenz. Damit hängt auch zusammen das Gefühl des Bewahrtbleibens von den Unbilden der körperlichen Arbeit und deshalb des Anders- und Besserseins im Vergleich zum Arbeiter. Interessant an dieser Haltung ist auch, daß trotz der üblichen verbalen Ableugnung der Existenz eines Proletariertums in unserer Zeit diese Existenz zugleich durch ein fanatisch zu nennendes Bemühen, sich von diesem Proletariertum abzugrenzen, zugegeben wird. Daraus ergibt sich die Neigung des Kleinbürgers, es dem Bürger gleichzutun, die Neigung zur Verbürgerlichung. Was dem Arbeiter nur äußerlich bleibt, ist hier echt; von einer Verbürgerlichung des Kleinbürgertums kann durchaus gesprochen werden.
Kleinbürger Steinbrück in der SPD:
Demokratie und Gerechtigkeit
als Kapital
Trotzdem bleibt eine unaufgelöste Differenz zwischen dem Bürger und dem Kleinbürger, die dem gewissenhaften Beobachter nicht entgehen kann - z.B. beim Studium der "bürgerlichen" Wohnung des Kleinbürgers, die stets einen eigenen, eben kleinbürgerlichen Geschmack hinterläßt. Mag in Kleidung und Gestik, in der Rede und in der Weltansicht die Nachahmung mehr oder weniger als gelungen erscheinen, es bleibt ein "auf den ersten Blick" erkannbarer Unterschied. Das ist zunächst die kleinbürgerliche Unsicherheit, die durch das "Gehabe" durchscheint und sich von der Sicherheit des echten Bürgers abhebt. Der Kleinbürger hat mit dem Arbeiter ungeachtet aller darin liegenden unterschiedlichen Nuancen das Inferioritätsgefühl gemeinsam. Vom Bürger unterscheidet er sich durch die Unfähigkeit, der gesellschaftlichen Wirklichkeit mit der gleichen Distanz zu begegnen wie jener. Der Bürger beherrscht die Realität, aber er unterliegt ihr - wenigstens in seinem subjektiven Bewußtsein - nicht, während der Kleinbürger bis in seine subtilsten seelischen Erlebnisse hinein dem Gefühl, von den äußeren Mächten abhängig zu sein und sich ihnen "geschickt" anpassen zu müssen, nicht entrinnt. Auch dies ist geeignet, die Kluft von bürgerlicher Sicherheit und kleinbürgerlicher Inferiorität zu vertiefen. Was daraus noch folgt, weist auf die verfeinerte Versubjektivierung des Bürgers auf der einen Seite und auf das gleichzeitig manische wie mißlungene Bemühen des Kleinbürgers zur Aneignung dieser versubjektivierten Technik der Lebens- und Erlebensgestaltung. Was beim Kleinbürger herauskommt, ist ein Surrogat, das mehr die Sehnsucht nach verinnerlicht-verfeinertem Leben verrät als das Gelingen.
Pauperismus des Kleinbürgers
Wir haben es mit einer Dialektik des Widerspruchs zwischen der gereizt-fanatischen Neigung zur Nachahmung des Bürgerlichen und dem Versagen, dem äußeren Gelingen und dem grundsätzlichen Mißlingen dieser Nachahmung in den zentralsten Belangen des eigentlich Bürgerlichen zu tun. Sehen wir näher zu, so läßt sich erkennen, daß diese Dialektik nur die Kehrseite einer anderen ist, nämlich der Dialektik der fanatischen Neigung zur Abgrenzung gegen alles Proletarische und des im letzten nicht zu vermeidenden ständigen Rückfalls auf dessen menschlich-pauperisierte Position, wenn auch mit den entsprechenden Unterschieden, die aus der stärkeren Verbürgerlichung des Kleinbürgers resultieren. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß in einer, wenn auch nuancenmäßig abgewandelten, Gestalt die aufgewiesenen fünf Momente der menschlichen Tragik des Arbeiters auch für den Kleinbürger gelten, was sich am leichtesten am Angestellten demonstrieren läßt:
Erstens die Pauperisierung der menschlichen Totalität als Folge von Beruf, Spezialistentum, Inferiorität und Integration in das allgemeine entfremdete Bewußtsein. Zweitens der notwendige Schutz durch die Sozialgesetzgebung, denn nur der Schwache und Abhängige muß geschützt werden. Drittens die Bindung an das "Eigentum", das in Wahrheit keines ist, denn es gewährt nicht Freiheit im Sinne der bürgerlichen Unabhängigkeit, sondern fesselt im Sinne des "Realitätsprinzips" den einzelnen an die Notwendigkeit der Reproduktion dieses "Eigentums". Viertens die sterbende Zeit, die sich von jener des Arbeiters kaum unterscheidet. Fünftens die Funktion der Freizeit als eine Funktion der zweiten Stufe der Bildung, der Einordnung in das Schema verdinglichter Kultur. Von besonderer Bedeutung wird für den Kleinbürger der fünfte Punkt der Freizeit und Kultur, der sich in der kleinbürgerlichen Denkweise zum Problem der Bildung verdichtet. Um da zu verstehen, müssen wir auf das Problem des Schicksals zurückgreifen.
Das kleinbürgerliche Bewusstsein
Gorki lachte über die Kleinbürger
Wir haben gesehen, der Arbeiter erlebt das Schicksal als eine gesellschaftliche Macht. Daraus resultiert sein praktischer Bildungsbegriff und das bewußte Aufsichnehmen der Unbildung. Der Arbeiter, der sich seiner Inferiorität und ihres gesellschaftlichen Grundes bewußt ist, hat Minderwertigkeitsgefühle, aber keine Schuldgefühle. Der Schuldige ist für ihn die Gesellschaft. Daraus entspringt seine offene oder, wie heute, in Westdeutschland, verborgene Haltung gegen die Gesellschaft. Der Kleinbürger dagegen hat nicht nur Minderwertigkeits-, sondern auch ihn zutiefst beunruhigende Schuldgefühle. Sie entstehen dadurch, daß er in ideologischer Abwehr der kollektivistischen proletarischen - "gewerkschaftlichen", hört man ihn oft sagen - Denkweise und in Zuneigung zum bürgerlichen Subjektivismus die gesellschaftliche Bedingtheit seiner menschlichen Misere nicht oder nicht primär gelten läßt und in weiterer Folge die subjektivistische, durch den allgemeinen bürgerlichen Individualismus zuätztlich genährte, Neigung entwickelt, diese Misere aus dem eigenen Versagen zu erklären. Er verlegt die vom objektiven Sein ihm aufgezwungene Schicksalsfrage in den Bereich des Individuellen, wo er sie zu bewältigen und zu lösen versucht.
Eingeklemmt zwischen die Pole der bürgerlich-individualistischen Anreizung zur Ausnützung der "freien Konkurrenz", "aus sich etwas zu machen", auf der einen Seite, der tragischen Gebundenheit an die erwähnten Momente des menschlichen Pauperismus und der Entfremdung auf der anderen Seite, findet der Kleinbürger aus diesem verhexten Kreis nicht heraus. Da er dem kleinbürgerlichen Indidivualismus zuneigt, der einzelne eher schuldig erscheint als das Ganze, schlagen die aus dieser widerspruchsvollen Situation emporwachsenden Gefühle der Verzweiflung leicht in subjektive Schuldgefühle um.
Die Neigung, "etwas aus sich zu machen", mündet in das bekannte kleinbürgerliche Bildungsstreben aus. Erscheint das Schicksal dem Kleinbürger in doppelten irrational-"mystischen" Gestalt: als objektiv-undurchdringliches und als subjektiv-verschuldetes, so gibt beides Anlaß zur Fortsetzung der grundsätzlich individualistischen Haltung in einem "Tun"; nicht etwa die Gesellschaft zu verändern, denn das scheint angesichts der undurchdringlichen objektiven Mächte und des Aufrufs zur subjektiven Selbsterlösung irrelevant oder von sekundärer Bedeutung, sondern sich von seinem Schuldgefühl zu befreien durch "Bewährung" im Sinne des individualistischen Aufrufs zur Entfaltung der Persönlichkeit. Das Heil liegt in der Selbsterlösung. Der Weg dahin kann aber nur der sein, der dem Kleinbürger zur Verfügung steht, der der Bildung. Da aber unter den gegebenen pauperisierten Lebensbedingungen dieses Ziel nur relativ, nur sehr unbefriedigend zu erreichen ist, wird das Schuldgefühl nicht getilgt, sondern es verstrickt sich nur noch mehr in die bedrückende subjektive Problematik und bedrängt den einzelnen, je ernster er sich nimmt und je bemühter um die Selbsterlösung er ist, desto schwerer.
Der mit Hilfe der Bildung zu erzwingende Durchbruch durch die dem Kleinbürger eigene Welt des Scheins wird erschwert und verhindert durch die Tatsache, daß die erstrebte Bildung im gegebenen geschichtlichen Stadium nur die Bildung der zweiten Stufen sein kann, der Stufe des Scheins und der spekulativen Philosophie. Umgekehrt kann der Kleinbürger diese Stufe nicht überwinden, weil alle seine geschilderten situationsbedingten und habituellen Eigenschaften ihn auf diese Stufe verweisen, ihn an sie fesseln.
Der kleinbürgerliche Utopismus
"Sozialismus für Kleinbürger",
ein Buch über Proudhon und die Nazis
Die unerfüllte Sehnsucht weist in die Utopie, die aber nicht wie beim Arbeiter einen wesentlich realen Charakter annimmt, sondern einen subjektivistisch-irrealen. Vorläufig, im "Diesseits", soll die Verbesserung der materiellen Besitzlage zu erhöhtem Prestige verhelfen. Prestige und Sicherheit erfordern ein gesteigertes materielles Streben. Aber da im Vergleich zum nachgeahmten Bürger die "Erlösung" durch materiellen Genuß nur halb gelingt, ergänzt das kleinbürgerliche Bewußtsein dieses Streben durch das Gegenteil davon, nämlich durch die sehnsuchtsvolle utopische Hoffnung auf eine künftige Erlösung sowohl in materieller als auch in persönlicher Beziehung. Dieser kleinbürgerliche Utopismus ist der typischen kleinbürgerlichen Mentalität entsprechend verschwommener und widerspruchsvoller Natur. Seinem eigenen Utopismus begegnet der Kleinbürger bald mit gläubigem Ernst, bald mit höhnender Ironie, je nach den gesellschaftlichen und persönlichen Umständen. Zeigt der Utopismus des Arbeiters eine deutliche Realitätsbezogenheit und Konstanz, wobei er sich besonders im Umkreis des Sozialen und Technischen bewegt, so steht der kleinbürgerliche Utopismus auf einer bestimmten, schwankenden Grundlage.
Das "Träumen" des Kleinbürgers ist haltloser und verschwommener als das des Arbeiters. So wenig es aus der seelisch-geistigen Welt des Kleinbürgers weggedacht werden kann, und so wahr es ist, daß er sich in diesem Träumen selbst verwirklicht, weil sein ganzes Leben auf illusionärer Grundlage basiert, was sich aus seiner Zwischenstellung zwischen Proletariat und Bürgertum und aus seinem ungefestigten Subjektivismus erklärt, so wahr ist es aber auch, daß er unvermittelt in eine Stimmung ironischens [sic! Alexithymian] Verneinens gerät, wenn man ihm seine traumhaft-utopischen Neigungen vorhält. Er schämt sich seines "kritischen" Utopismus, der an den proletarischen erinnert und der Utopielosigkeit des Bürgers widerspricht, um desto zäher an dem utopischen Selbsterlösungsbedürfnis festzuhalten. Es bleibt jedoch kennzeichnend, daß der Kleinbürger infolge der ihm eigenen subjektivistischen Tendenzen auch seinen Utopismus versubjektiviert, d.h. aus dem Bereich des Real-Zukunftsgerichteten ins Irrational-Subjektive ausbricht und unter Zukunft nur sekundär die soziale versteht, primär die persönliche Zukunft, grundsätzlich eine Zukunft innerhalb der vorhandenen Beziehungen und Verhältnisse.
Jap.
Es ist nicht leicht, diesen verschwommenen und ambivalenten Utopismus genau zu beschreiben. Wie der Kleinbürger zwischen allen Extremen hin und her schwankt, so schwankt auch sein Utopismus zwischen der Hoffnung auf materielle Sicherstellung und der Befriedigung des Bedürfnisses nach Erhöhung seiner Individualität mittels der Zugänglichmachung aller Bildungsmöglichkeiten. Der kleinbürgerliche Bildungsphilister, ein Produkt der Verbindung von verbürgerlichtem Individualismus und der zweiten Stufe der Bildung, sieht die Erfüllung seiner Sehnsucht nach Prestige und subjektivem Glanz zeitweilig auch in einer neuen sozialen Ordnung, von der er sich aber einen mehr sentimentalen Begriff macht, und wird "revolutionär". Man unterschätze aber andererseits diese Haltung nicht, denn sie macht unter günstigen Umständen gewisse kleinbürgerliche Schichten zugänglich für ernste humanistische Parolen, deren Anliegen gleichfalls, wenn auch nicht aus Gründen des Prestiges, sondern aus Gründen der Emanzipation durch die Wiederherstellung der Einheit von Mensch und "Spiel", die individuelle "Persönlichkeit" ist. Der Kleinbürger hat sich stets von einer kraftvollen und nicht integrierten, von einer humanistischen und nicht "ethisch" verwässerten, von einer mit kritischer Theorie gesättigten, vor allem aus allen diesen Gründen selbstbewußt auftretenden gesellschaftlichen Bewegung imponieren lassen. Die Diskussion darüber, wie der Kleinbürger in seiner Masse für den Humanismus zu gewinnen sei, findet in diesem Aspekt ihre Antwort. Allerdings hat der ambivalente Habitus des Kleinbürgers auch seine gefährliche Seite. Geneigt, jedem zu folgen, der in irgendeiner Weise seinem sehnsuchtsvollen Utopismus entgegezukommen bereit ist, geht er leicht auch dem Faschismus, dessen hohl-deklamatorischen Revolutionarismus nicht durchschauend, auf den Leim.
Die eigentliche Tragik des Kleinbürgers
Die eigentliche Tragik des Kleinbürgers ist zu suchen im Widerspruch zwischen seiner Neigung zur Anpassung an die vorhandenen gesellschaftlichen Lebensbedingungen und der gleichzeitigen Neigung zur Revolutionierung seiner subjektiven, insbesondere intellektuellen Existenz. Die kleinbürgerlichen Minderwertigkeitsgefühle, die den subjektiven Bildungsbegriff des Kleinbürgers provozieren - und der ihm anhaftet wie die Lüge dem Sophisten -, zwingen ihm die Vorliebe dafür auf, etwas zu scheinen, was er nicht ist. Vergleicht man ihn mit dem Arbeiter und dem Bürger, so ergibt sich eine subjektiv ganz verschiedene Haltung. Der Arbeiter will nicht mehr scheinen als er faktisch ist, weil er aus seinem mehr oder weniger klaren Wissen um seine menschliche Inferiorität heruas sich keiner Illusion hinsichtlich der Realisierbarkeit eines prestigeerzeugenden Scheins hingibt. Was er ist, das will er auch solange zu sein scheinen, solange unter den für ihn unabdingbar geltenden Lebensbedingungen seine armselige Gestalt durch die ideologischen Manöver, die ihm das auszureden versuchen, sich unverkennbar zu erkennen gibt.
Auszug aus:
Leo Kofler: Soziologie des Ideologischen, 1975, S. 55-60.
Absztrakkt ist der reinste Rapper der Leere. Das mag zwar scheiße klingen, ist aber ein großes Kompliment. Mit "Leere" sind nämlich nicht "leere Phrasen" gemeint wie sie bei so unendlich vielen "Rappern" der leeren Phrasen üblich sind.
Gemeint ist Nichtigkeit, Bedeutungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Leidlosigkeit, Glücklosigkeit, Gemeint sind Eigenschaften oder Nicht-Eigenschaften erleuchteter Wesen. Erleuchtete Wesen sind Buddhas, wie die Buddhisten sie nennen. Sie sind, ob tot oder lebendig, bereits in ganz anderen Sphären des Seins oder Nicht-Seins. Dieses Andere ist nichts anderes als das Nirwana.
Das Nirwana ist ein Begriff aus dem Buddhismus. Und Absztrakkt rappt buddhistisch. Wer sich mit dieser Philosophie beschäftigt hat, ahnt vielleicht, was das heißt: schlichte Aussagen, in denen viele Ansagen stecken; gerappte Koans, die einen verrückt machen könnten; Sinnlossätze; Reflexionen über Sein und Nicht-Sein; die kalte, nasse Unterhose, die sich Wahrheit nennt, im Gesicht; sprachliche Schädelbohrungen; Shaolin-Kampfansagen; östliche Weisheiten, dialektische Widersprüche, Mir-egal-Humor und so weiter.
Als geistiger Vater von Cr7z hat Absztrakkt mit diesem einige Kollaborationen abgeliefert. Wie auch Cr7z hat Absztrakkt vor allem beim Label 58Muzik ziemlich gute Arbeit geleistet. Auch kann man trotz unterschiedlicher Stilistik und Wortwahl die innere, geistige Verwandtschaft der beiden Rapper erahnen. Die Inhalte dieser beiden Seelengucker ähneln sich stark. Natürlich wirkt Absztrakkt eher mystisch-religiös und abgeklärt zugleich, während Cr7z eher okkult und abgefuckt wirkt. Aber beide teilen scheinbar einen knallharten menschlichen Maßstab gegenüber der menschlichen Gesellschaft.
Tracks wie "Egoszhooter" sind meditativ und ähneln Gebeten, vor allem, wenn so schön buddhistisch getextet wird:
Überall kann der Ort sein, wo das Ego zerschossen wird. Aus absztrakkt wird konkkret. Alles, was man im Außen erlebt, ist nur Spiegel eigener, innerer Realitätwie beim Straßenkampf: einer sieht aus wie 'n schmaler Hans, aber boxt dich weg mit 'nem harten Punch.
"Karma" ist superwitzig und spielt gleichzeitig mit den üblichen Klischees über Buddhismus und Rap, wobei Rapper-Egozentrik, Buddhisten-Esoterik und ein eigenartiger Rap-Buddhisten-Sexismus zusammenfinden:
Ey, wer Absztrakkt hört oder sieht oder beides beweist schon mal den richtigen Weitblick. Und entweder heißt es: du hast schon genug Karma bereinigt oder dass es dafür jetzt an der Zeit ist. Du entscheidest. Und wer den Diamantgeiszt in ihm hört oder sieht oder beides zeigt schon mal die richtige Einsicht und entweder heißt es: du hast schon genug Karma bereinigt, dass die Natur des Geisztes nicht mehr weit ist oder dass du selbst schon befreit bist.
Besonders witzig ist diese buddhistisch-sarkastische Stelle:
Aber komm mir nicht dumm, du Arsch. Ich hab schon so viel Karma bereinigt, dass ich dich ungestraft umbringen darf!
"Karma" ist auch ein witziges Selbstlob und zugleich eine Belehrung über buddhistische Logik:
Wer Absztrakkt hört oder sieht oder beides,zeigt schon mal den richtigen Weitblick,und entweder heißt es: du hast schon genug Karma bereinigtoder dass es dafür jetzt für dich an der Zeit ist. DU entscheidest! Wer den Diamantgeiszt in ihm hört oder sieht oder beides,zeigt schon mal die richtige Einsicht,und entweder heißt es: du hast schon genug Karma bereinigt,dass die Natur des Geistes nicht mehr weit ist,oder dass du selbst schon befreit bist.
Wie Cr7z hat auch Absztrakkt eine dezidierte Kritik an der heutigen, bürgerlichen Gesellschaft. Sein Maßstab ist zwar kein explizit linker oder sozialistischer, sondern ein eher "absztrakkt"-menschlicher Maßstab, aber er liefert auch damit eine scharfe antikapitalistische Kritik, wie etwa in "Photosynthese":
Dummes Gelaber hat ihr Hirn komplett zermartert.Für Viele ist die Mattscheibe wie ein Vater,den sie niemals hinterfragt haben.[Ich dagegen denk mit sieben Heads]und fiel aus der bürgerlichen Realität, könnt ich würgen,bei dem was sie erzähl'nDas hier sind nur arme Seelen die nichts kapiert haben,und wie Zombies ausgeliefert sindder Eiseskälte der WirtschaftEs sind immer noch die selben Methoden,der Geistesverblendung und das, was für mich wichtig ist,ist für mich immer noch Zeitverschwendung.
"Seelenjuwelen" veranschaulicht die antibürgerliche Kritik und buddhistische Utopie dieses Rappers der menschlichen Leere besonders klar:
Es ist alles nur in der Schriftrolle niedergeschrieben, und wir spielen alle nur unsere Rolle in der Maschine. Ich bin Herbstkind, aber Frühlingsrapper,tanze mitten des Kosmos mit einem Kranz aus Blütenblättern.
Meditation heißt nicht alles schön zu finden,sich so und so hinzusetzen und die ganze Zeit blöd zu grinsen.Es bleibt nur die Einfachheit des Seins und die wahre Natur des Geistes, die einem Diamanten gleicht. Es bricht gerade ein Licht durch die Härte des Eisens,und entzündet eine Flamme, reinen Herzens und Geistes.Weder der pfeifende Wind in den Hängen, noch das Wasser aller Ozeane könnte sie dran hindern zu brennen.Schlimm das zu sehen, ich sprech' mein Gebet.Der Himmel öffnet sich, die Luft knistert vor Elektrizität. Absztrakkt ist back und ihr seht Deutschland hat ihn wahrgenommen.Ich leb Untergrund-Buddhismus im Babylon.
Das Bild, was ich vorm geistigen Auge sehe, in der materiellen Welt zu manifestieren dauert LEBEN!
"Beautiful" ist offenbar vor allem die Verarbeitung einer schönen Liebe und/oder Freundschaft, die ihre hässliche Fratze im Laufe der Zeit gezeigt hat. Der Track wirkt wenig erleuchtet, dafür aber sehr zornig und leidenschaftlich:
Ich zieh' am Splith und merk ich bin wie eine Ziege:Ich brauch' nur eine Wiese, was zum Grasen und viel Liebe.Spiel Spiele, aber nicht mit mir.Ich bin 'ne gute Seele. Mach mich nicht zum Tier.Ich seh', nur hab ich Wut wie Kehle.
"Der Tempel" ist eine sozialistisch-buddhistische Utopie, in der es um "tiefe Versenkung", das "Brechen geistiger Begrenzungen, von massiver Entfremdung", um die "geistige Revolution" und eine neue Zivilisation "ohne Religionen und politische Richtungen" geht.
Mit seiner "absztrakkt"-menschlichen Utopie kommt Absztrakkt vielleicht an seine geistigen Grenzen. Vielleicht ist es auch eine konkrete Handlungsanweisung für die Hörer dieses großartigen Künstlers. Jedenfalls lohnt es sich, ihn sich immer mal wieder reinzuziehen!
"Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen" und die Geschichte der Volksrepublik China ist ein besonders spannender Abschnitt dieser Geschichte. Die VR China heute ist ein Land mit den schärfsten Klassenkämpfen und und dem größten revolutionären Potenzial. Allerdings hält sich die Staatsmacht trotz dieser Klassenkämpfe am Leben und die herrschenden Klassen Chinas haben das Ruder noch immer fest im Griff. Einige Anmerkungen dazu im Folgenden.
Beispiele für einprägsame Klassenkampf-Ereignisse
Tiananmen-Revolution, 1989
1989 kam es faktisch zu einer revolutionären Situation in China. Arbeiter und die kleinbürgerliche Intelligenzija - vor allem Studierende, aber auch Professoren - besetzten und umringten in Peking wochenlang den Platz des Himmlischen Friedens (tiananmen guanchang 天安门广场).
Allein bei Peking sollen an die 5 Millionen Demonstranten beteiligt gewesen sein. Aber es kam zu weiteren ähnlichen Aktionen in anderen Teilen des Landes. Die Demonstanten stellten nicht nur ökonomische, sondern auch weitgehende politische Forderungen, die sich immer weiter zuspitzten. Es wurde u.a. eine Demokratisierung des Landes und die Absetzung so mächtiger Einzelpersonen wie Deng Xiaoping und Li Peng gefordert. 300.000 Soldaten wurden um Peking herum zusammengezogen, um die Stadt zu sichern. Ca. 30.000 Soldaten wurden dann am 4. Juni zum Tiananmen abkommandiert, um den Platz gewaltsam zu räumen. Dabei wurde vor allem die Arbeiterschaft brutal niedergemetzelt, während die Studierenden eher wenige Tote zu verzeichnen hatten. Denn die Arbeiter waren die gefährlichere Kraft und zugleich für den Staat entbehrbarer. Allerdings wurden die Führer beider Gruppen oft für Jahre inhaftiert oder gleich ermordet. Auch der so genannte "Tank Man", der sich am nächsten Tag vor die einrollenden Panzer stellte, wurde entsorgt. Damit ist die fatale Niederschlagung der Revolution vom Tiananmen erfolgt.
Soldaten räumen den Platz des himmlischen Friedens unfriedlich
Wenn ein Staat, der von Militärs, Bürokraten und Kapitalisten geleitet wird Arbeiter und Studierende gewaltsam unterdrückt, die sich in Massen organisieren, um Demokratie und soziale Forderungen durchzusetzen, dann kann das kaum etwas anderes sein als eine Konterrevolution.
Nach dieser Konterrevolution folgte eine längere Phase der Demotivation. Vor allem wurden die Intellektuellen davon abgeschreckt, sich offen den Angriffen durch den Staat auszusetzen. Die ganze Kultur Chinas wurde davon betroffen. Es ist kein Wunder, dass die "Müll-Literatur", wie Professor Kubin sie nennt, seither einen Aufschwung aufwies. Denn große gesellschaftspolitische Themen waren zu brisant für die kleinbürgerliche Intelligenzija, die ihre neuen Privilegien in der Phase nach Mao nicht umsonst opfern wollten.
Aber auch um die Arbeiterklasse wurde es eine Weile lang still. Die Ruhe endete jedoch mit den Reformen des staatlichen Sektors. Denn es sollte die Hälfte der Arbeiterschaft in den Staats- und Kollektivbetrieben - im so genannten "sozialistischen Sektor" - wegrationalisiert werden.
Die staatlichen Arbeiter, die offiziell noch als "herrschende Klasse" gehandelt wurden, waren empört von dieser Behandlung. Ihre Privilegien wollten sie nicht verlieren. Massive Proteste nahmen in den Jahren rund um die Millenniumswende extrem zu. Eines der bedeutendsten Ereignisse war die Daqing-Rebellion 2002.
Daqing-Rebellion, 2002
2002 kam es zu einer massenhaften Rebellion, die revolutionäres Potenzial hatte. Es kam zur Entlassung von Ölfeld-Arbeitern beim berühmten Ölfeld von Daqing. Die Arbeiter protestierten zunächst gegen „unfaire“ Abfindungen nach massiven Entlassungen und die Unfähigkeit und Böswilligkeit der staatlichen Bürokraten der Ölförderung. Drei Wochen Straßenprotest von ca. 50.000 Arbeitern alarmierten die Herrschenden. Es kam wie in Peking 1989 zur Abriegelung der Stadt, auf die wiederum eine gewaltsame Niederschlagung der Rebellion folgte. Weitere Proteste im Gefolge dieser Rebellion in anderen Örtlichkeiten und Provinzen wurden ebenfalls unterdrückt. Aber das hinderte das Proletariat nicht daran, später erneut zu rebellieren, wie die Liaoyang-Unruhen von 2002 und 2003 zeigten.
Liaoyang-Unruhen, 2002-2003
Lohnrückstände, Entlassungen, Renten-Streichungen, bekannte Fälle von Korruption durch die staatlichen Vertreter und Polizeigewalt verleiteten die Arbeiter von Liaoyang im Nordosten Chinas zu Protesten, die sich über ein Jahr lang hinzogen. In der Hochphase der Unruhen kamen bis zu 30.000 Arbeiter auf die Straßen der Stadt. Versprechungen und Einschüchterungen durch die KPCh-Bürokraten reichten zur Beendigung der Unruhen nicht aus, sodass es schließlich wieder zur gewalttätigen Repression durch die Staatsmacht kam. Auch hier kam es damit zur Niederlage der Bewegung. Zwei der Rädelsführer wurden für 7 und 4 Jahre inhaftiert. Der China Labour Bulletin verfolgte die ungerechte Klassenjustiz des chinesischen Staates aufmerksam. Aber auch diese staatliche Unterdrückung verhinderte weitere Proteste keineswegs. In der Streikwelle von 2010 zeigten die chinesischen Arbeiter erneut, was sie drauf haben.
Streikwelle, Mai-Juli 2010
Arbeitskräftemangel war ein relativ neues Problem im bevölkerungsreichen China. Im Süden des Landes gibt es aber seit Jahren tatsächlich eine wachsende Arbeitslosigkeit und andererseits einen Mangel an benötigten Arbeitern. Zugleich war der Umsatzzuwachs in der Automobilindustrie enorm, während die Mindestlöhne, die es in China formal gibt, nur minimal gestiegen oder faktisch sogar gesunken sind. Anfang 2010 kam es daher zu Protesten, die durch Auslagerungen, Kündigungen, versteckte Lohnkürzungen und eine Selbstmordwelle beim Apple-Zulieferer Foxconn ausgelöst wurden. Es kam zu einer enormen Ausbreitung der Streiks im Süden. Die Streiks waren hierbei auffällig offensive Lohnkämpfe, die ökonomische mit politischen Forderungen wie Demokratisierung der Betriebsstrukturen verbanden. Zudem war die Streikwelle äußerst erfolgreich, denn es kam zu Lohnzuwächsen von sagenhaften 30%! Es gibt wohl kein anderes Land der Welt, wo es solche erfolgreichen Lohnkämpfe gibt. Aber wieso war diese Streikwelle so erfolgreich? Die Arbeiter in der Automobilindustrie hatten seit einiger Zeit an Macht gewonnen, weil sie gut vernetzt waren und weil die Produktionsweise im Automobilsektor sich gewandelt hatte. Es gibt dort nämlich die für Arbeitsstops sehr anfällige Just-in-time-Produktion, die flexibel und spontan auf Aufträge reagiert. Das macht ermöglicht es den Arbeitern, ebenso flexibel die Just-in-time-Produktion just im rechten Augenblick zu verhindern, was enorme Kosten verursacht und den Kapitalisten besonders weh tut. Sie haben daher furchtbare Angst vor einem derartig flexiblen und selbstbewussten Proletariat.
Erklärung der Klassenkämpfe
Wie kann man diese Klassenkämpfe, ihre Ursachen, ihre Form, ihren Verlauf und ihre Wirkung erklären? Wieso laufen die Kämpfe so anders ab als z.B. in Deutschland?
Das Gemeinsame der Klassenkämpfe in China
Was sind nun die Gemeinsamkeiten dieser verschiedenen Beispiele? Es kommt immer wieder zu politischen Forderungen, die weit über die begrenzten Anliegen der Lohnerhöhnung etc. hinausgehen. Es kommt scheinbar spontan zur Organisation der Proteste. Oft gibt es ungewollte Auslöser durch die Staatsmacht oder die Kapitalseite, die dann spontan Empörung auslösen. Es kommt immer wieder auch zur Gründung autonomer Gewerkschaften oder Arbeiterräte, die eine flexible und demokratisch gewählte Führung der Arbeiterklasse darstellen, während die offizielle Staatsgewerkschaft ACFTU hauptsächlich ein staatlicher Apparat zur Kontrolle des Proletariats ist. Die auffälligen Tendenzen zur Ausbreitung der Aktionen sind ebenso bemerkenswert. Allerdings ist genauso wenig zu missachten, dass die staatliche Gewalt sich stets darum bemüht, die Ausbreitung der Proteste zu verhindern. Es ist ohnehin eines der bemerkenswertesten Charakteristiken der chinesischen Klassenkämpfe, dass der Staat sich ständig einmischt. Der chinesische Kapitalismus ist immerhin ein bürokratischer Staatskapitalismus, der sich seit Jahrzehnten rasant liberalisiert, aber die staatliche Bürokratie nicht aufzulösen beabsichtigt und dem Markt auch keineswegs völlige "Handlungsfreiheit" gewährt. Wie in anderen Ländern soll der Markt ja vor allem den herrschenden Klassen dienen. Ein freier Markt, in dem es zu autonomen Aushandlungen zwischen Kapital und Arbeit kommt, liegt nicht im Interesse der Kapitalseite. Der chinesische Staat ist nicht viel mehr als ein notwendiges Immunsystem oder ein Organ des Kapitals, damit es funktionieren kann. Ohne die Staatsmacht wäre das Kapital bald eine kränkliche Hülle, die von den Arbeitern ordentlich bearbeitet würde. Es wäre ein wehrloses Prügelopfer gegenüber der proletarischen Faust.
Wirtschaftsdaten
Die Urbanisierung erreichte in China erst in den letzten Jahren 50%-Quote. Die Hälfte der Chinesen gehört damit zur städtischen Bevölkerung. Zu Maos Zeiten war die Quote noch weitaus geringer. In einem so bevölkerungsreichen Land wie China heißt das: in den letzten paar Jahrzehnten kam es zur rasantesten Urbanisierung, die die Menschheit bisher erlebt hat. Hunderte von Millionen von rural lebenden Menschen sind urbane Bewohner geworden. Damit einher ging die Verwandlung von weit über 200 Millionen Bauern in Wanderarbeiter.
Die Wanderarbeiter markieren zudem die Industrialisierung Chinas, die ebenfalls einen einmaligen Prozess in der Geschichte darstellt. Industrie ersetzt immer mehr die primitive Kleinstproduktion in Handwerk und Landwirtschaft. Damit einher geht die Ersetzung des hunderte Millionen zählenden alten ruralen Kleinbürgertums in China durch das moderne Proletariat.
Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft ist ebenfalls ein Superlativ. Noch nie gab es in der Weltgeschichte eine so rasant verlaufende Vervielfachung eines nationalen Bruttoinlandsprodukts. Andere Staaten können davon nur träumen und tun es tatsächlich auch. Das chinesische Modell wird überall auf der Welt eifrig studiert, um es nachzuahmen, was allerdings nicht so einfach ist. In demokratischen Ländern müssen dafür zunächst die demokratischen Verhältnisse abgebaut werden und in anderen zurückgebliebenen Ländern müssen erst einmal die staatlichen und internationalen Handels- und Investitionsbedingungen geschaffen werden, die China so begünstigten. Nicht einmal Indien, ein vergleichbares Land, kann China nachahmen.
Allerdings sind die westlichen Staaten bereits eifrig dabei, die demokratischen Errungenschaften abzubauen, die in China die Kapitalakkumulation nicht behindern. Europa bricht auch deswegen auseinander. Denn ein Europa des reinen Kapitals ist unsolidarisch und muss in Chaos auseinanderfallen. Genau das ist der gegenwärtige Prozess. Entweder wird er durch eine soziale Union der europäischen Staaten zurückgenommen oder er wird in eine autoritäre, autokratische europäische Staatsmacht münden, die alle Proteste seiner Bevölkerung im Keim erstickt, so wie es auch in China versucht wird.
Die Lohnsteigerungen in China kamen trotz ihres Wachstum nicht im Geringsten dem Wachstum der Produktivität, der Warenproduktion, der Kapitalakkumulation und den Profiten der Kapitalisten nach. Die moralische Entrüstung der chinesischen Bevölkerung darf nicht verwundern. Die unglaublichen Reichtümer, die sich in China ansammeln, sind so gewaltig, dass man damit einen Großteil der Weltprobleme beseitigen könnte. Allerdings haben die Kapitalisten daran momentan kein Interesse. Es ist für sie günstiger, dreckig, asozial und antidemokratisch zu wirtschaften. Erst wenn die sozialpolitische und ökologische Krise in China solche Ausmaße angenommen hat, dass sie die Existenz des Kapitals an sich bedroht durch den Aufstand einer proletarischen Klasse für sich wird es zu einer radikalen Wandlung der kapitalistischen Produktionsweise in China kommen. Und die historischen Beispiele zeigen, dass dieser revolutionäre Ausbruch nicht allzu fern ist.
Entlassungen und Unterbeschäftigung sind ein Teil des Arbeitslosigkeitsproblems in China. Offiziell liegt sie bei unter 10%, in der Realität dürfte sie eher zwischen 20 und 30% liegen. 30% Arbeitslosigkeit in China sind über 200 Millionen Menschen, die kaum einer geregelten Arbeit nachgehen können. Natürlich sind das zumeist Wanderarbeiter, die gerade so überleben. Aber auch unter den städtischen Bewohnern mit städtischer Wohnerlaubnis und Anbindung ("hukou" 户口) gibt es prekarisierte Elemente, die sich als Tagelöhner, Bettler, "Müllmenschen", Prostituierte, Kleinkriminelle etc. durchschlagen müssen. Die elenden Verhältnisse dieser Menschen werfen ein schlechtes Licht auf den "Sozialismus mit chinesischen Merkmalen", der nie ein Sozialismus war, sondern immer schon ein bürokratischer Staatskapitalismus.
Klassenkampf-Superlative
In China gibt es lauter Klassenkampf-Superlative, die kaum zu schlagen sind. Es gibt die größten Klassen in diesem Land: die größte Arbeiterklasse, die größte Klasse an Wanderarbeitern und die größte Bauernklasse, sofern man die Wanderarbeiter dazuzählt. Es kam mit der den angeblich fünf Millionen Protestlern in der Tiananmen-Revolution zum größten streikartigen Vorfall in einer einzigen Stadt, in Peking. Es gibt in China die längsten Schichten, die längsten Wochenarbeitszeiten, die längsten Lohnrückstande, die über Jahr gehen können, die größten Lohnerkämpfungen von bis zu 30% und den rasantesten Anstieg kollektiver Aktionen und Petitionen.
Die Massenvorfälle zwischen 1993 und 2005 sind gemäß offiziellen Zahlen in 12 Jahren auf das Zehnfache angestiegen, tatsächlich sind sie vermutlich aber noch rasanter gestiegen. Zudem werden die staatlichen Statistiken zu solchen Zahlen nicht mehr öffentlich zugänglich gemacht.
Daten zur Arbeiterklasse
Wie sieht die Arbeiterklasse in China aus? Von 1,3 Mrd. Chinesen sind etwa 650 Mio. Städter (50%), 761 Mio. Beschäftigte (56%), 350-400 Mio. sind Arbeiter (-30%), 250 Mio. Wanderarbeiter meist im privaten Sektor (18%) und 65 Mio. Staatsarbeiter (5%). Die Zahlen sind nur ein ungefährer Richtwert. Es gibt scharfe Diskussionen über die Gültigkeit solcher Zahlen. Zudem muss man für eine ordentliche Klassenanalyse Chinas eigentlich eine leistungsstärkere Klassentheorie nutzen als sie bisher existiert. Die bisherigen Klassentheorien sind oft zu schematisch, zu analytisch oder zu diffus. Es fehlt ihnen an Dialektik, um es mal so auszudrücken. Aber dazu später mal mehr.
Politik in der Reform-Ära
Das Problem der Revolution durch die chinesische Arbeiterklasse ist wie in anderen Ländern vielschichtig, aber durchschaubar. Es gibt den Mechanismus der Verbürgerlichung der Arbeiter, aber ebenso auch die Spaltung, Fragmentierung und Isolierung der Arbeiter. Zudem kommt es zu verschiedensten Unterdrückungsmaßnahmen durch den Staat und andere Klassen und Klassenfraktionen.
Die hegemoniale Ideologie im neuen China ist von Konsum-Wahn, Individualismus, Sozialdarwinismus und Entpolitisierung geprägt. Die Arbeiter werden zunehmend aus der alten maoistischen Einbindung im Betrieb herausgelöst und ihrem Schicksal überlassen. Zugleich schaffen sie es meist nicht, sich von einer Klasse an sich zu einer Klasse für sich zu wandeln. Die bürgerliche Gesellschaft in China verhindert das weitgehend. Und sobald die Arbeiter zur Klasse für sich werden, zu selbstbewussten Mitgliedern einer sozialen Schicksalsgemeinschaft, die im Widerspruch zum Kapital steht, wird sie durch die Klassenfeinde bekämpft.
Die Politik wird von "Technokraten" geführt, die die chinesische Bevölkerung im Grunde als formbare Masse, als Instrument und Menschenmaterial betrachten, mit dem zwar nicht zu spaßen ist, das aber geschickt gelenkt werden kann. Die Biomasse der chinesischen Bevölkerung wird somit von einer "Biopolitik" der Technokraten den technokratischen Ansprüchen des chinesischen Kapitals entsprechend bearbeitet. Die chinesische Technokratie ist einerseits äußerst rückständig und andererseits ziemlich fortgeschritten. Auf den "eisernen Sesseln" in China sitzen die geschicktesten Politiker, die die Welt je gesehen hat. Allerdings sind sie noch gezwungen, die "eisernen Reisschalen" der chinesischen Bevölkerung mit plumpen Methoden zu zerschlagen. Sobald Chinas Gesellschaft den sozialen Standard des heutigen Westens aufgeholt hat, wird die chinesische Technokratie womöglich der eleganteste Herrschaftsapparat der Weltgeschichte sein. Aber vielleicht wird das auch von inneren oder äußeren Konflikten verhindert werden. Kommen wir zu den inneren Konflikten zurück.
Die zwei großen Protest-Regionen in China
In China gibt es zwei Regionen, die sich nicht nur sprachlich, sondern auch sozial, kulturell, politisch und ökonomisch auffällig unterscheiden. Die wunderbare Chinaforscherin Ching Kwan Lee hat den Unterschied der beiden Regionen in Bezug auf die Arbeiterklasse meisterlich nachgezeichnet. Ching Kwan Lee zufolge gibt es die Region des nordöstlichen "Rustbelt" einerseits und die südöstliche Region des "Sunbelt" andererseits.
Im Nordosten ist traditionell die staatliche Schwerindustrie mit ihren schwerfälligen Staatsbetrieben und den fest angestellten Arbeitern angesiedelt. Die Staatsarbeiter wurden lange Zeit als die "herrschende Klasse" in China stilisiert. Das hatte natürlich mit der Realität nur sehr wenig gemein, aber diente der Ruhighaltung dieser gefährlichen Fraktion der Arbeiterklasse. Die Abwicklung großer Teile der staatlichen Industrie war daher der Hauptgrund für die Arbeiterproteste im Nordosten. Die Staatsarbeiter im Norden argumentieren gerne mit ihrer traditionellen Bevorzugung als "herrschende Klasse" und als "Führer des Betriebs" im chinesischen "Sozialismus", um sozialen Kahlschlag zu verhindern. Dabei genießen sie oft die Sympathie aus der Bevölkerung.
Im Südosten ist die private Leichtindustrie chinesischer und ausländischer Konzerne beheimatet. Rasantes Wachstum der exportorientierten Privatwirtschaft sorgte für den ebenso rasanten Aufstieg der südöstlichen Arbeiterschaft, die zum großen Teil aus Wanderarbeitern vom Land besteht. In den letzten Jahren sind diese Arbeiter immer selbstbewusster geworden. Anders als die Staatsarbeiter argumentieren die Wanderarbeiter weniger mit Privilegien in der Mao-Zeit, die sie ja nicht hatten, zumal diese Klasse relativ jung ist. Sie argumentieren eher mit Rechtsstaatlichkeit und unerträglichen Zuständen. Anders als die Staatsarbeiter genießen die Wanderarbeiter, die im Grunde innerchinesische Migranten sind, nicht allzu viel Respekt vom Rest der Bevölkerung. Sie werden oft diffamiert, diskriminiert und wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Oft haben sie keine Erlaubnis, in den Städten dauerhaft zu verbleiben. Der "hukou", die rurale Anbindung dieser Menschen durch den Staat, ist eine Form der Apartheid gegenüber den Arbeitern vom Land. Damit wird die chinesische Bevölkerung auf diskriminierende Weise gespalten. Der Sozialchauvinismus oder -darwinismus der nunmehr unpolitischen und neoliberal gesinnten Chinesen tut sein Übriges.
China. Diagonal nordöstlich von Yinchuan, Zhengzhou und Nanjing ist der Nordosten Chinas. Diagonal südöstlich von Qufu, Wuhan und Kunming ist der Südosten Chinas. Diese beiden Linien markieren die zwei großen Protestregionen des Landes.
In diversen Ländern dieser surrealen Welt werden die Staatsbürger auf den Straßen bereits behandelt wie in dem großartigen Film 28 Weeks Later, in dem eine Zombie-Epidemie in London ausbricht und das Militär daraufhin den Befehl erhält, wahllos in die Menge der Menschen und Zombies zu schießen, also jeden und jede auf den Straßen zu erschießen.
Das mag übertrieben brutal und unrealistisch wirken, weil ja Zombies auf den Straßen sind und ein zivilisierter Staat sowas in der Realität sonst angeblich nie machen würde. Aber die Realität ist weitaus brutaler.
Die Menschen werden jetzt schon und schon lange von ihren eigenen Regierungen auf den Straßen niedergemäht. Und sie werden nicht niedergeschossen, weil sie Zombies sind oder wenn sie zu Zombies werden, sondern wenn sie drohen, keine regierungsgläubigen, hörigen und untertänigen Zombies mehr zu sein, wenn sie protestieren, streiken, rebellieren.
Die Menschen, die selbstbewusst ihre Rechte auf den Straßen vertreten, werden von den Regierungen "ruhig gestellt", damit die Staatsgeschäfte in Ruhe weitergehen können. Menschen sollen Zombies sein, denn Zombie-Menschen sind den Regierungen dieser Welt am liebsten. Solche Zombie-Menschen denken kaum selbstständig und sie agieren noch viel weniger selbstständig. Und Eigenbrötler, die keine Zombies mehr sind, können so leicht für verrückt erklärt werden. Das ist überhaupt die beste Methode.
Vor Verrückten hat Mensch nämlich Angst, weil sie so unberechenbar sind. Das Volk soll aber berechenbar bleiben. Ein unberechenbares Volk ist für die Regierungen dieser Welt nicht regierbar und daher auch kein Volk mehr, sondern eine Ansammlung von "staatsgefährdenden" Verrückten. Vielleicht sollten noch viel mehr Menschen vom staatlich vorgegebenem Karriereweg "abrücken", "verrücken", "verrückt werden"?
Im Folgenden ein paar öffentlich noch zugängliche Videos dazu:
Staatsgewalt gegen Zivilisten im Film 28 Weeks Later
Staatsgewalt gegen Zivilisten in der Ukraine, Februar 2014
Staatsgewalt gegen Zivilisten in der Türkei, 2013?
Staatsgewalt gegen Zivilisten in Ägypten, 2013?
Staatsgewalt gegen Zivilisten in China, 1989
Staatsgewalt gegen Zivilisten in Deutschland, 2012
Орлов с Истоминой в постеле
В убогой наготе лежал.
Не отличился в жарком деле
Непостоянный генерал.
Не думав милого обидеть,
Взяла Лаиса микроскоп
И говорит: "Позволь увидеть,
Чем ты меня, мой милый, ёб".
Пушкин А. С. - «В Академии наук»
В Академии наук
Заседает князь Дундук.
Говорят, не подобает
Дундуку такая честь;
Почему ж он заседает?
Потому что жопа есть.
Пушкин А. С. - «Накажи, святой угодник»
Накажи, святой угодник,
Капитана Борозду,
Разлюбил он, греховодник,
Нашу матушку пизду
Пушкин А. С. - «Недавно тихим вечерком»
Недавно тихим вечерком
Пришел гулять я в рощу нашу
И там у речки под дубком
Увидел спящую Наташу. Вы знаете, мои друзья,
К Наташе вдруг подкравшись, я
Поцеловал два раза смело,
Спокойно девица моя
Во сне вздохнула, покраснела;
Я дал и третий поцелуй,
Она проснуться не желала,
Тогда я ей засунул хуй -
И тут уже затрепетала.
Пушкин А. С. - «От всенощной вечор идя домой»
От всенощной вечор идя домой,
Антипьевна с Марфушкою бранилась;
Антипьевна отменно горячилась.
«Постой, — кричит, — управлюсь я с тобой;
Ты думаешь, что я уж позабыла
Ту ночь, когда, забравшись в уголок,
Ты с крестником Ванюшкою шалила?
Постой, о всем узнает муженек!»
— Тебе ль грозить! — Марфушка отвечает:
Ванюша — что? Ведь он еще дитя;
А сват Трофим, который у тебя
И день и ночь? Весь город это знает.
Молчи ж, кума: и ты, как я, грешна,
А всякого словами разобидишь;
В чужой пизде соломинку ты видишь,
А у себя не видишь и бревна.
Пушкин А. С. - «Смеетесь вы, что девой бойкой»
Смеетесь вы, что девой бойкой
Пленен я, милой поломойкой.
Она не старая мигушка,
Не кривожопая вострушка
И не плешивая ебушка.
Лермонтов М. Ю. - «О как мила твоя богиня»
Экспромт
О как мила твоя богиня.
За ней волочится француз,
У нее лицо как дыня,
Зато жопа как арбуз.
Лермонтов М. Ю. - «К Тизенгаузену»
Не води так томно оком,
Круглой жопкой не верти,
Сладострастьем и пороком
Своенравно не шути.
Не ходи к чужой постеле
И к своей не подпускай,
Ни шутя, ни в самом деле
Нежных рук не пожимай.
Знай, прелестный наш чухонец,
Юность долго не блестит!
Знай: когда рука господня
Разразится над тобой
Все, которых ты сегодня
Зришь у ног своих с мольбой,
Сладкой влагой поцелуя
Не уймут тоску твою,
Хоть тогда за кончик хуя
Ты бы отдал жизнь свою.
Есенин С. А. - «Ветер веет с юга и луна взошла»
Ветер веет с юга
И луна взошла,
Что же ты, блядюга,
Ночью не пришла?
Не пришла ты ночью,
Не явилась днем.
Думаешь, мы дрочим?
Нет! Других ебём!
Есенин С. А. - «Не тужи, дорогой, и не ахай»
Не тужи, дорогой, и не ахай,
Жизнь держи, как коня, за узду,
Посылай всех и каждого на хуй,
Чтоб тебя не послали в пизду!
Маяковский В. В. - «Вы любите розы? А я на них срал»
Вы любите розы?
а я на них срал!
стране нужны паровозы,
нам нужен металл!
товарищ!
не охай,
не ахай!
не дёргай узду!
коль выполнил план,
посылай всех
в пизду
не выполнил -
сам
иди
на
хуй.
Маяковский В. В. - «Гимн онанистов»
Мы,
онанисты,
ребята
плечисты!
Нас
не заманишь
титькой мясистой!
Не
совратишь нас
пиздовою
плевой!
Кончил
правой,
работай левой!!!
Маяковский В. В. - «Лежу на чужой жене»
Лежу
на чужой
жене,
потолок
прилипает
к жопе,
но мы не ропщем -
делаем коммунистов,
назло
буржуазной Европе!
Пусть хуй
мой
как мачта
топорщится!
Мне все равно,
кто подо мной -
жена министра
или уборщица!
Маяковский В. В. - «Нам ебля нужна»
Нам ебля нужна
как китайцам
рис.
Не надоест хую
радиомачтой топорщиться!
В обе дырки
гляди -
не поймай
сифилис.
А то будешь
перед врачами
корчиться!
Маяковский В. В. - «Эй, онанисты»
Эй, онанисты,
кричите "Ура!" -
машины ебли
налажены,
к вашим услугам
любая дыра,
вплоть
до замочной
скважины!!!
Некрасов Н. А. - «Наконец из Кенигсберга»
Наконец из Кенигсберга
Я приблизился к стране,
Где не любят Гуттенберга
И находят вкус в говне.
Выпил русского настою,
Услыхал "ебёну мать",
И пошли передо мною
Рожи русские писать.