Posts mit dem Label Sexismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sexismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 8. März 2016

"Heraus zum 8. März! Bekämpft das Patriarchat und den Imperialismus!"



Heraus zum 8. März!
Bekämpft das Patriarchat und den Imperialismus!


Wir, die Roten Frauenkomitees Hamburg und Wien, rufen alle revolutionären und fortschrittlichen Kräfte, Aktivisten der Frauenbewegung, Frauen im allgemeinen und insbesondere alle Arbeiterinnen, zu einer kraftvollen Feier des 8. März auf, dem Internationalen Frauentag. Wir wollen, dass der 8. März dieses Jahr ein Zeichen setzt, in dem er die wachsende revolutionäre Frauenbewegung auf dem Vormarsch zeigt. Der 8. März ist ein besonderer Kampftag, ein Tag an dem Frauen überall auf der Welt ihre Stimmen gegen das Patriarchat erheben und auf der Straße ihre Entschlossenheit für ihre Emanzipation zu kämpfen zeigen. Es ist eine dringende Notwendigkeit für die Entwicklung der kommunistischen Bewegung, und der revolutionären Bewegung im allgemeinen, jeden Standpunkt der die Unterdrückung der Frau als einen politischen „Nebenwiederspruch“ betrachtet oder jeden Feminismus als „kleinbürgerlich“ betrachtet zu zerschlagen. Die Frauen der Arbeiterklasse leiden unter einer doppelten Unterdrückung, zu der Unterdrückung als Teil des Proletariats kommt die Unterdrückung durch das Patriarchat. Die Frauen der Arbeiterklasse werden nicht nur durch die Lohnsklaverei ausgebeutet, sondern außerdem durch die Sklaverei unter dem Patriarchat. Eine kommunistische und revolutionäre Politik ist ihren Namen nur als solche wert, solange sie Ausdruck der Interessen der meist Unterdrückten und Ausgebeuteten ist, entsprechend kann keine kommunistische und revolutionäre Kraft die besondere Rolle und Bedeutung der Mobilisierung, Politisierung und Organisierung der Frauen, insbesondere der Arbeiterinnen, negieren, ohne sich selbst als Betrüger zu demaskieren. Diejenigen, die in der „linken Szene“ den Kampf gegen das Patriarchat zu einem Kampf gegen „Sexismus“ reduzieren haben Überhaupt nichts vom Standpunkt des Marxismus verstanden und die die glauben, dass es ausreicht mit Verhaltensregeln, welche besagen, dass solange Männer nicht Pornografie gucken oder Frauen anbaggern alles in Ordnung ist und die Frau „gleichberechtigt“ ist, die sind in der Tat Verteidiger des Patriarchats, ihre Apologeten in der revolutionären Bewegung.

Im Dienste der Weiterentwicklung der kämpfenden klassenbewussten Frauenbewegung ist es notwendig die Trennungslinien zwischen dem bürgerlichen, dem kleinbürgerlichen und dem proletarischen Feminismus zu ziehen, um den letzteren zu stärken und die Arbeiterinnen zu ermutigen ihre Rolle in den ersten Reihen des Klassenkampfes einzunehmen.



Download des Plakates: Klick hier!

Wir lassen uns nicht spalten: bürgerlicher Feminismus ist imperialistischer Chauvinismus!


Die Imperialisten, d.h. die Herrschenden in der BRD und Österreich, benutzen die sogenannte „Flüchtlingskrise“, um eine zynische Doppelpolitik zu betreiben: auf der einen Seite versuchen sie die Arbeiterklasse weiter zu spalten und die ausländischen Arbeiter zu benutzen, um die einheimischen Arbeiter weiter zurückzudrängen, kurz, um die Ausbeutung der Arbeiterklasse insgesamt zu verschärfen und teilweise auf diesem Grund eine faschistische Massenbewegung zu schaffen. In diesem bösen Spiel benutzen sie alle Mittel, in der letzten Periode auch insbesondere den bürgerlichen Feminismus. Der von den staatlichen Behörden der BRD losgelassene „Skandal“ wegen Silvester in Köln und der folgende Aufschrei im bürgerlichen und kleinbürgerlichen Lager, suggeriert, dass das Patriarchat vor allem ein „Problem“ der Männer der dritten Welt sei. In den „erleuchteten“ Ländern BRD und Österreich sei die Frau „gleichgestellt“. Die Übergriffe seien ein „kulturelles Problem“ usw., am Ende nichts anderes als der „Kampf der Kulturen“ den die Yankee-Imperialisten seit Anfang der 1990-er Jahre als „Rechtfertigung“ für ihre imperialistische Aggression gegen die arabischen Völker propagiert. Wir revolutionäre Frauen verurteilen als proletarische Feministinnen diesen abscheulichen Versuch die Frauenmassen gegen andere Teile der unterdrückten Massen zu hetzen. Das Vorhandensein von halbfeudalen stockreaktionären Standpunkten und Haltungen unter der absoluten Mehrheit der Einwanderer aus der dritten Welt ist für uns kein Geheimnis und es entspricht dem halbkolonialen und halbfeudalen Zustand ihrer Herkunftsländer. Das ist aber in keinem Fall eine Rechtfertigung, um imperialistischen Chauvinismus zu verbreiten. Die Männer der dritten Welt sind voll mit patriarchaler Ideologie, genau wie die Männer der imperialistischen Länder. Den einen zu denunzieren und als einen perversen Vergewaltiger darzustellen und den anderen als zivilisierten Gutmenschen darzustellen, heißt nur der imperialistischen Aggression zu dienen und nichts anderes als bürgerlicher Feminismus. Die imperialistischen Nationen sind diejenigen, die die Nationen der dritten Welt in Sklaverei halten, sie saugen ihr Blut durch den bürokratischen Kapitalismus aus und halten sie unterjocht in halbfeudalen und halbkolonialen Verhältnissen und das ist genug, um den imperialistischen Nationen jedes Recht auf moralische Verurteilungen der Bevölkerung dort abzuerkennen. Wir kämpfen für die Einheit der Unterdrückten und lassen uns nicht spalten und darum haben wir nichts gemeinsam mit dem bürgerlichen Feminismus.

Idealismus bekämpfen: es reicht nicht, dass die Frau zum Gewehr greift, das Ziel muss der Kommunismus sein, um die Emanzipation erkämpfen zu können!


Der Ursprung der Unterdrückung der Frau liegt in der Klassengesellschaft, im Privateigentum und sie kann nur zusammen mit dem Privateigentum verschwinden, d.h. im Kommunismus. Entsprechend ist der Kampf um die wahre Emanzipation der Frau untrennbar mit dem Kampf für den Kommunismus verbunden. Die Unterdrückung der Frau kommt durch materielle Ursachen, der gesamte patriarchale Mist mit allen seinen Ausdrücken, seien es religiöse, kulturelle, soziale usw., sind nicht etwas vom Himmel gefallenes, sondern haben eine materielle Grundlage. Das Gegenteil behauptet der kleinbürgerliche und bürgerliche Feminismus, für sie ist das Problem vor allem von ideologischem und kulturellem Charakter; egal mit welcher wörterdrehenden sprachwissenschaftlichen Finesse sie versuchen es zu vertuschen, für diese Leute ist das Problem, dass Männer „böse sind“ – was nichts anderes ist als Idealismus. Solange dieser Idealismus nur eine Quelle für Diskussionen des Lebensstils ist, ist er relativ harmlos. Aber wenn er die kämpfenden Bewegungen dominiert, wird sein Effekt verheerend.

In der menschlichen Gesellschaft ist eine Revolution nicht der Wechsel von einer Regierungsform zu einer anderen, eine Revolution ist ein Gewaltakt mit dem eine Klasse die Diktatur einer anderen stürzt und ihre eigene errichtet. Über eine „Frauenrevolution“ in der Klassengesellschaft zu reden ist im „besten Falle“ reiner Idealismus, ansonsten ein Betrug. Im gegenwärtigen menschlichen Panorama trennen Klassen die Menschen mehr als das Geschlecht. Die Frauen können nicht alle gemeinsam kämpfen. Den wahren Kampf um die Befreiung können die Töchter des Volkes nur zusammen mit dem Proletariat und unter der Führung seiner Vortruppe auskämpfen, das gilt für jede Form der Revolution und jedes Land. Das wird noch deutlicher, wenn wir uns daran erinnern, dass wir uns in der Ära des Imperialismus und der proletarischen Revolution befinden und die Bourgeoisie unfähig ist die Aufgaben der demokratischen Revolution durchzuführen. Idealisten können in der gegenwärtigen Welt über eine „Revolution“ reden die nicht vom Proletariat geführt wurde, Marxisten nicht.

Trotz des großartigen Heroismus und der bewundernswerten Opferbereitschaft mit welcher Frauen heute die Gewehre ergreifen und kämpfen, um eigene Strukturen durchzusetzen, wird dies zu nichts anderem führen als eine Evolution der Formen der patriarchalen Unterdrückung, solange sie nicht Teil von einer wahren demokratischen oder sozialistischen Revolution sind, welche beide nur unter der Führung des Proletariats, die sich in der Kommunistischen Partei konkretisiert, möglich sind.

Der proletarische Feminismus ist eine Demarkationslinie zwischen Revisionismus und Marxismus und als solcher ist er eine Waffe im Kampf für die Rekonstitution der Kommunistischen Parteien


Der Revisionismus hat die Kommunistischen Parteien in Europa ausnahmslos zerstört. Die Kommunisten kämpfen darum ihre Parteien zu rekonstituieren, um ihren Wiederaufbau einzuleiten, um die höchste Form des Klassenkampfes einzuleiten, als Teil und im Dienst der proletarischen Weltrevolution. Die Arbeiterinnen haben einen besonderen Drang dazu dieser Aufgabe auf jeder Ebene zu dienen; denn durch den Kommunismus können wir uns von der Doppelunterdrückung befreien. Ohne eine wahre Kommunistische Partei ist es unmöglich den Kampf in Richtung der Emanzipation zu entwickeln. Als revolutionäre Frauen haben wir so einen doppelten Anlass, um für die Rekonstitution der Kommunistischen Partei zu kämpfen.

Wir brauchen Kommunistische Parteien neuen Typs, marxistisch-leninistisch-maoistische Parteien, die sich durch Aktionen militarisieren und den Volkskrieg in jedem Land auf die konkreten Bedingungen der Revolution anwenden. Solche Parteien verstehen den proletarischen Feminismus als einen Teil der Ideologie des Proletariats, des Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus. Solche Parteien messen ihre Erfolge in einem wichtigen Teil in wie weit sie Aktivistinnen, Kämpferinnen und Militante und unter diesen weibliche Kader und Führerinnen hervorbringen, die nicht zur Dekoration da sind, sondern um ihre Verantwortung für die gesamte Entwicklung der revolutionären Bewegung anzupacken. Solche Parteien sind nicht Gewissenserleichterer der Kleinbürger oder Bandenbezeichnungen der Facebookhelden, die sich als Häuptlinge über ihre Sippe einbilden. Solche Parteien sind Kampfabteilungen des internationalen Proletariats; ein Truppe, die Vortruppe, der Klasse.

Ohne die Emanzipation der Frau wird es keine Emanzipation der Menschheit geben. Ohne den Kampf der klassenbewussten Frauen wird es keine Revolution geben. Ohne die Kommunistinnen in Formierung werden die Kommunistischen Parteien sich nicht als wahre solche rekonstituieren. Die „Frauenfrage“ ist nicht eine Nebensache. Die Rolle der Frau in der Revolution ist eine entscheidende im Kampf für den Kommunismus. In diesem Sinne:

Heraus zum 8. März!

Bekämpfen wir das Patriarchat und den Imperialismus!

Nieder mit dem bürgerlichen Feminismus und dem imperialistischen Chauvinismus!

Proletarischer Feminismus für den Kommunismus!



Rotes Frauenkomitee Hamburg                                            Rotes Frauenkomitee Wien
Februar 2016

Donnerstag, 11. Februar 2016

Ich spucke auf dein Grab - ein Meisterwerk über feministische Selbstjustiz

Wie gerufen kommt der dritte Teil von "I spit on your grave" für die deutschen Zuschauer*innen nach Silvester 2015/16. Die Serie behandelt ein überaus makabres Thema: Rache infolge von Vergewaltigung. Anders als Teil 1 und 2 ist der dritte Teil jedoch nicht bloß ein weiterer "Rape and Revenge"-Splatterfilm. "I spit on your grave III" ist vielmehr ein surreales Meisterwerk ganz im Stile von "Fight Club".

Rachesequenz aus "I spit on your grave III"
Jennifer Hills (Sarah Butler) ist die bereits bekannte Protagonistin aus dem ersten Teil, in dem sie Opfer einer Gruppenvergewaltigung durch einige Rednecks wurde, an denen sie sich im Anschluss brutal revanchierte. Im dritten Teil hat sie mit den psychischen Folgen der Ereignisse zu kämpfen: Sie ist allgemein äußerst misstrauisch geworden, hat Alpträume und Paranoia. Überall sieht sie potenzielle Vergewaltiger. Ihren Namen hat sie zu Angela umändern lassen, um mit ihrer Vergangenheit zu brechen. Auch sucht sie eine Therapeutin auf und nimmt an Gruppensitzungen mit anderen Geschädigten teil.

Gleich eine der ersten Szenen ist perfekt. Angelas Kollege spricht sie unvermittelt an und löst damit die typische Situation aus, wenn eine Frau ungewollt angemacht wird:

"Hey, Angie. Warte doch."
"Bitte nenn mich nicht immer so. Ja?"
"Komm schon. Was ist denn mit dir los? Ich meine. Rieche ich? Habe ich faule Zähne?"
"Ich möchte nur nicht Angie genannt werden."
"Augenblick, was ist mit dir? Ich versuche doch nur, nett zu sein."
"Wieso?"
"Was ist falsch daran, nett zu sein?"
"Dann sei doch nett zu Gloria oder xyz§#ß."
"Du bist ja echt schwierig. Hör zu, nicht jeder will dir gleich an die Wäsche."
"Nicht jeder, aber du."

Eiskalt abgeblitzt, bemüht sich der wirklich nette Kollege immer wieder, aber hat im Grunde keine Chance, Angela zu treffen. In einer Therapiestunde erklärt Angela den Grund dafür, d.h. ihr Weltbild:

"Da draußen ist man Raubtier oder Beute. Man muss sich entscheiden."
"Eine etwas einseitige Sicht. Glauben sie nicht an Altruismus?"
"Sie meinen die Gutmenschen? Die kann ich echt nicht ausstehen." 

Bei ihren Gruppensitzungen lernt sie die hammerharte Marla (Jennifer Landon) kennen, die aufgrund ihrer eigenen Geschichte eine Männerhasserin mit viel Humor und Selbstvertrauen ist. Bis dahin konnte Angela ihr Leben kaum genießen. Gemeinsam mit Marla ändert sie fortan jedoch ihre Einstellung. Sie bricht mehr und mehr mit der klassischen Opferrolle und wird zum agierenden Subjekt. Von Marla übernimmt Angela die radikalen Ansichten:

"Für diese Frauen gibt es nur eine Hoffnung und die heißt: Rache... Und die Cops helfen dir nicht. Niemand hilft dir. Du musst dir selbst helfen. Geh deinen Weg und schau nicht zurück. Wenn das nicht hilft, nimmst du ein Messer, schlizt ihn auf und nimmst ihn aus wie einen Fisch und schneidest ihm den verdammten Kopf ab." 

Marla spricht es aus, Angela begreift sofort. Die beiden ziehen also gemeinsam los in den Krieg gegen die Männer. Ob der Kollege, der Angela kennenlernen möchte, der unbekannte Frauenschläger aus der Kneipe oder der angehende Vergewaltiger - alle werden nun zu Opfern psychischer oder physischer Gewalt der beiden Racheengel. Angela muss ihre fiktive Freundin (eine Anspielung auf Marla in "Fight Club"?) sogar mäßigen. Doch ist sie bald selbst nicht mehr zu halten.

Das Hauptmotiv des Plots ist abgesehen von der Verwandlung des Opfers zur Täterin das Fluktuieren unserer Heldin zwischen staatlichem Recht, feministischer Gerechtigkeit und sadistischer Selbstgerechtigkeit. Die Polizei wirkt machtlos oder unwillig, Angela bei der Aufklärung eines Mordes an einer Freundin zu helfen. Der Staat versagt also wie so oft darin, dem Recht die Gerechtigkeit folgen zu lassen. Einzig logische Konsequenz für unsere Rächerin ist die Selbstjustiz. Sie zieht los, um endgültig zu strafen, wo der Staat nicht einmal das öffentliche Recht durchzusetzen vermag. 

Die Zuschauer*innen werden nicht nur Mitgefühl für die Vergewaltigungsopfer empfinden, sondern auch sadistische Lust bei der Bestrafung der Täter. Das ist immer der intendierte Effekt bei diesem Filmgenre. Allein, das Geniale an diesem Film, das ihn außergewöhnlich macht, ist die Überspannung der Selbstjustiz. Die feministische Gerechtigkeit verschmilzt immer mehr mit sadistischer Selbstjustiz. Denn Angela rächt sich nicht bloß. Sie rastet aus und attackiert sogar unschuldige Männer und Frauen. Unterschiedslos rächt sie sich nun also an der ganzen Menschheit. Ihre zunächst gerecht wirkende Verwandlung in eine Rächerin schlägt in einen durch nichts zu rechtfertigenden Menschenhass um. Aus der zornigen Feministin wird so eine Sadistin, aus dem Racheengel ein gefallener. Ganz wunderbar lässt sich das im Kontrast zwischen der Szene im Gefängnis und der Szene in der Mitte des Films erkennen, in der sie sich auf einen kurzen Flirt mit dem Kollegen einlässt. Dort schien es einen Hoffnungsschimmer für die verzweifelte Kreatur gegeben zu haben. Doch der Film endet düster.

Angela selbst weiß um ihre Schuld, weshalb sie Gott um Vergebung bittet. Natürlich löst dieser ihre Probleme nicht. Darum geht es in dem Film. Kein Gott, kein Kaiser noch Tribun errettet die Opfer von Gewalt. Sie müssen sich selbst retten, selbst wenn es so schwer fällt wie Angela. Und genau diese Spannung zwischen den Kontrasten erhebt den Film auf den Thron des Genres.


Mittwoch, 27. Januar 2016

Юлий Жуковский-Кребс: "Так против кого же идут эти демонстрации?"

Дорогие мои соотечественики, поволжские-немцы и русские, нам надо поговорить!

Уже несколько дней я слышу о случае Лизы из Берлина. И вижу как быстро развилось всеобщее мнение в нашей общине. Не прошло и дня как вдруг по всей Германии начались демонстрации против ... да против кого? Против насильствия над женщинами? Нет. Против патриархалного общества, которое допускает что каждый день насилуют женщин без того что общество реагирует. Вроде тоже нет. Так против кого же идут эти демонстрации?

Ответ настолько ужасающий как он прост, против беженцев. Еще до того как закончились исследования полиции всем стало ясно, что единственные люди которые могут быть ответственны это беженцы. Почему? Да потому что они такие. Грязные, дикие, ужасные. Никого не интересуют ни расследования полиции или прокуратуры. Они такие и все. Что как девочка сама так и семья противоречили своим собственным высказываниям и их история не совсем сходится, никого не интересует. Это были беженцы и все, точка. Как все-же жалко смотреть на это, зная что все мы стремились в Германию чтобы найти достойную жизнь.

А ведь она просто так не бывает. Она часть системы. Например правовой. В которой есть некие ценности которые мы све должны уважать. На пример что до доказательства вины подозреваемый считается не виновным. Например что работает система проверки и баланса в которой каждый гражданин*ка/человек имеет возможности на влияния на органы власти и имеет свои права итд. Вдруг все это забыто. Потому что они такие эти дикие беженцы.

А я помню время когда, мы русские и поволжские-немцы были именно этими дикарями. С середины 80тых вплоть до середины 2000ных, были предрассудки и проив нас. Пьяницы, бездельники, нарко-дилеры. Помните? Я помню. Я помню что даже живя во Фрайбурге достаточно либеральном городе, я как и многие моих сверстников подвергались расизму и дискриминации. Именно из-за этих предрассудков. Если где-то что-то украли и ломали. Первые на кого показывали пальцем это были мы. Даже если мы к этому не имели никакого отношения. Помните?

Так почему мы не научились ничему из этого урока жизни? Почему теперь мы показываем пальцем на людей которые бежали от бомб, смерти и безнадежности? Почему никто из нас не выходит на демонстрации 8 марта, чтобы поддержать борьбу женщин за больше прав в обществе? Почему мы не выхоим на демонстрации против войны в Сирии и других странах? Почему мы не выходим на демонстрации против ухудшения наших зарплат, поднимающихся квартплат и плохого уровня жизни? А вместо этого выходим на демонстрации с фашистами НПД?

Давайте опомнимся и станим людьми!

‪#‎беженцывгермании‬


Юлий Жуковский-Кребс, председатель левой молодежи Германии

Donnerstag, 21. Januar 2016

Anmerkungen zur russlanddeutschen Ideologie


Ja, die Russlanddeutschen haben es mal schwer gehabt, was auch die obige Doku nicht schlecht zeigt. Sie wurden in Russland als Deutsche und Verräter und in Deutschland als Russen und Fremdkörper betrachtet. Alles das, obwohl sie oft zu vorbildlichem Fleiß und zur perfekten Anpassung an die Anforderungen des Marktes geneigt haben. Viel Unrecht wurde ihnen angetan. Die Russlanddeutschen haben tendenziell größere Probleme mit ihrer Identität als etwa Biodeutsche. Denn sie wurden aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit diskriminiert. Gegen diese Verurteilung als Spione, Verräter, Asipack oder Säufer mussten sie sich behaupten und haben sich oft gut integriert - nicht selten zu gut. Leider neigen sie daher zur russlanddeutschen Selbstgerechtigkeit.

Und die weniger integrierten unter ihnen haben es noch immer nicht leicht, zwischen berechtigter Dankbarkeit gegenüber der Regierung Kohl für die schnelle Einbürgerung und abscheulichem Chauvinismus zu unterscheiden. Die Rede ist von Großrussentum, von weißem Wohlstandschauvinismus und von männlichem Chauvinismus unter den gemeinen Russlanddeutschen. Das führt unter anderem dazu, dass sie sich umso mehr an ihre Vorrechte klammern und Bürgerrechte umso exklusiver betrachten als andere Deutsche. Denn nicht wenige dieser fiesen Exemplare kann man auch nach Jahrzehnten noch an ihrem Akzent oder an gewissen Sprachfehlern erkennen. Das ist zunächst nicht schlimm, wird aber schlimm, sobald sie sich und andere Wirtschaftsflüchtlinge mit zweierlei Maß beurteilen. Und das tun sie allzu oft.

Flüchtlinge und Ausländer, denen jetzt die selben Rechte gewährt werden, bedeuten nämlich für den gemeinen Halbdeutschen eine Herabstufung. Denn, wenn nun Ausländer oder Migranten, die ebenfalls die deutsche Sprache nicht perfekt beherrschen, in den Medien rassistisch unter Generalverdacht gestellt werden, dann werden auch die Migranten aus Russland wieder verdächtig. Der psychologische Abwehrreflex ist daher der Rechtspopulismus unter Russlanddeutschen, Halbrussen und Deutschrussen, die sich so über die Neuankömmlinge erheben wollen.

Linke und radikale Demokraten findet man unter ihnen dagegen noch seltener als unter Biodeutschen, was wirklich schade ist, da sie kulturell und persönlich doch oft viel zu bieten haben. Aber ihr eigentümliches Kollektivgedächtnis lässt sie zu ihrer merkwürdigen Ideologie tendieren. Man könnte fast von der Russlanddeutschen Ideologie sprechen (vielleicht in einem späteren Artikel ausführlicher).

Es sollte auch nicht verwundern, dass es Russlanddeutsche in der NPD gibt oder dass viele von ihnen die AfD wählen oder bei Pegida, Hogesa, Endgame etc. mitlaufen. Diese Mitläufer bilden einen Teil des zukünftigen faschistischen Potenzials in Deutschland. Sie werden alles tun, um innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft zu verbleiben. Für sie werden der Burgfrieden und die Klassenversöhnung zum Ideal, der Krieg nach außen zur Notwendigkeit und der sozialistische Klassenkampf von unten zum Schreckgespenst werden. Wie in Russland werden sie nach einem starken Mann wie Putin rufen, aber ernten werden sie am Ende einen Naziführer, der sie doch nur als Slawen unterjochen, d.h. mit Terror in ihrem eigenen Land versklaven, wird.


KölnHBF - "Eh, sorry, jetzt rede ich"


Mittwoch, 20. Januar 2016

Die unerwartete Mobilisierung des Russlanddeutschen durch Rechtspopulismus

Es passieren immer eigenartigere Dinge in Deutschland.

Gerüchte über eine durch die Berliner Polizei angeblich vertuschte Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens provozieren Protest von Russlanddeutschen im Netz und auf der Straße. Vielleicht zurecht. Bislang jedenfalls konnte der Fall noch nicht geklärt werden. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Das muss polizeilich und juristisch, d.h. professionell, aufgeklärt werden.


Aber ob das eine sonst völlig apathisch auf Politik reagierende Menschengruppe schaffen kann? Die Rede ist nicht von der Berliner Polizei, sondern von den russlanddeutschen Spätaussiedlern. Selbst wenn an den Anschuldigungen etwas dran sein sollte, sind die Umstände des russlanddeutschen Protests durchaus bedenklich. Die Gerüchte mobilisieren ihre alten rassistischen Vorurteile. Emotionen kochen hoch, das Hirn schmilzt weg, die Denkleistung verdampft. Urängste bestimmen das Reden und Handeln. Allein, das ist noch nicht alles. Die empörten Russlanddeutschen bezichtigen die Polizei der Komplizenschaft mit verdächtigten Flüchtlingen. Diese wollen sie eigenständig, extra-legal bestrafen. Selbstjustiz wird verlangt. Dafür tun sie sich teilweise auch mit rechtsextremen Ideologen zusammen. Merkwürdig? Absolut...

Denn nun werden Selbstjustiz und Rassenhass von Leuten eingefordert, die teils selbst nach 24 Jahren im Lande kaum Deutsch können; denn Hartz4, Reallohnverluste, Demokratieabbau, Überwachung und Medienkampagnen, Kriege, Welthunger und Klimawandel sind ihnen egal gewesen; denn die Beherrschung der deutschen Sprache war immer nachrangig für viele von ihnen; denn ie Befreiung der Frau und der Feminismus waren ihnen immer eher suspekt. Aber jetzt rasten sie aus. Merkwürdig? Absolut, aber erklärbar. Denn es geht gegen andere Ausländer, die kulturell noch weniger integriert und sozial noch schwächer sind.

Würde es den neuen Aktivisten um Gerechtigkeit gehen, hätten sie sich früher einer antikapitalistischen oder zumindest fortschrittlichen Bewegung angeschlossen. Sie hätten mit uns Linken und Friedensaktivisten gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan oder in Syrien protestiert oder zumindest den europäischen Kriegskurs gegen Russland und den westlich gestützten Völkermord im Donbass kritisiert. Aber durch westliche Intervention im Ausland getötete Kinder sind dem Mob zunächst gleichgültig. Gerechtigkeit ist nicht ihr Motiv.

Es geht ihnen vielmehr um ihre teils romantischen, teils völlig surrealen Utopien von einem unberührten, spießigen Leben im Wahnsinn, den man Kapitalismus nennt. Die Verletzung der Menschenrechte überall auf der Welt durch die Großkonzerne und politischen Eliten ist ihnen eigentlich scheißegal. Hauptsache ihr Vorgarten oder Treppenflur bleibt sicher. Dieses Ideal hat den proletarischen, prekarisierten und kleinbürgerlichen Russlanddeutschen aber noch immer keine völlige Integration gewährt. Dafür ist das Erbe des Hitlerismus zu fest im staatlichen Gerüst verschraubt. Sie ahnen es zumindest, dass sie trotz deutschem Pass keine vollwertigen Deutschen sind.

Aber endlich hat der russlanddeutsche Kleingeist am Rande der deutschen Gesellschaft eine Gelegenheit gefunden, um sich selbst über andere Paria zu erheben. Alteingesessene Migranten hetzen zusammen mit den deutschen Rassisten gegen Neuankömmlinge. Die entstellte Fratze des Wohlstandschauvinismus vereint nun deutsche, russische (und vermutlich immer offener auch türkische) Nationalisten in Deutschland unter dem Banner der Asylkritik.

Vor allem die nationalistische oder völkische Selbstgerechtigkeit treibt sie an. Ihr deutschnationaler Narzissmus wurde gekränkt. Wieso sollten Neuankömmlinge auch die selben Vorrechte genießen wie die Alteingesessenen? Und dann kommen auch noch Übergriffe vor. Nun wird natürlich Blutrache eingeklagt. Und wenn man die wirklichen Täter nicht fassen kann, werden eben andere "Schwarze", wie nicht wenige Russen alle Dunkelhäutigeren nennen, an ihrer Stelle bestraft. In Russland erledigen das die Neonazis bereits mit großem Erfolg, indem sie wahllos "Schwarze" terrorisieren. Putin toleriert das mehr oder weniger, da er die Faschisten durchaus fürchten sollte und sie wie jeder konservative Staatsmann selbst noch als Schlägertrupp gegen Linke gebrauchen könnte.

Sogar bislang völlig unpolitische und äußerst pragmatisch eingestellte Halbdeutsche radikalisieren sich gerade als Reaktion auf die medialen Hetzkampagnen. In den sozialen Netzwerken und bei Whatsapp werden immer mehr Gerüchte verbreitet. Doch ihr Protest ist zunächst bloß die Mitleid erregende Verzweiflungstat der sonst ohnmächtigen Lumpen, Proleten und Kleinbürger, die verspätet aus ihrem politischen Koma erwachen.

"Achtung! Das heißt Krieg!",
Aufruf zum Protest überall im Land
Leider bringt dieses Erwachen keine Klarheit mit sich. Von geschärftem Klassenbewusstsein dürfte kaum die Rede sein. Die Dumpfheit der Klassenversöhnung unter rechtspopulistischen Parolen ist dagegen bereits Realität. Es sind dunkle Zeiten zu erwarten, in denen die "Moral" des Brutaleren und Unmenschlichen sich auch in Deutschland wieder durchsetzt. Es sei denn, der bürgerliche Rechtsstaat erobert sich mühsam sein Gewaltmonopol und seine Legitimation zurück oder wird durch den sozialistischen überwunden...

Die deutsche Linke sollte die Gefahren von rechts sehen, aber zugleich sollte sie sich auf einen Dialog mit den kürzlich erwachten Schichten einlassen. Denn nun dreht sich alles um die Köpfe solcher Menschen. Sie sehnen sich nach einer glaubwürdigen Perspektive für ein besseres Leben. Die Linke muss ihnen klar machen, dass die Antwort nicht im chauvinistischen Bündnis mit den Herrschenden, sondern allein in einer antikapitalistischen Bewegung gegen die Herrschenden liegen kann.


Donnerstag, 14. Januar 2016

Sahra Wagenknecht über Gastrecht und Kapazitäten in Deutschland



Sahra spricht hier von einem Verwirken des Gastrechts bei straffälligen Asylbewerbern oder Flüchtlingen. Außerdem erwähnt sie Obergrenzen für die Aufnahme von Menschen aus anderen Ländern. Ist das nun realistisch oder unfair? Jedenfalls wurde die Vorsitzende der Linkspartei dafür von links scharf kritisiert. Man vermutet, dass sie bisher unerreichte Wählerstimmen gewinnen will, die Koalition mit SPD und Grünen vorzubereiten gedenkt oder schlicht eine vernünftige Position entwickelt hat. Darüber lässt sich ewig streiten. Jedenfalls sollte man sie besonnen kritisieren und nicht verfrüht hetzen. Das machen Medien und Rechte schon zu genüge.

Ken Jebsen über die Silvesternacht in Köln


Mit diesem Beitrag hat Ken Jebsen offenbar Sahra Wagenknecht soeben von links überholt. Jebsen wendet sich gegen die rassistische Selbstjustiz der sogenannten Bürgerwehren, gegen die verlogene Rhetorik und jämmerliche Politik Merkels und die dunkle, heuchlerische Seite der deutschen Bevölkerung, die jetzt plötzlich ihren Antisexismus und Feminismus entdeckt, weil es gegen Migranten geht.

Bravo! Und danke!

Dienstag, 5. Januar 2016

Gewalt an Frauen, Rassismus und die sogenannte "Vertuschungsdemo"

Es gibt Menschen, die bei passender Gelegenheit einfach durch und durch unehrlich und feige sind. So auch "Tanja". Bei der facebook-Veranstaltung zur Kundgebung am Kölner Dom gegen Gewalt an Frauen und Rassismus am 05.01.2016 gab es tatsächlich diese "Tanja", die offenbar gegen den Rechtsstaat, gegen Migranten/Fremdwirkende und die angebliche "Vertuschung" von Kriminalität wetterte.

"Tanja" schrieb, die Kundgebung unter dem Titel "Gegen Gewalt an Frauen & Rassismus" sei eine sogenannte "Vertuschungsdemo", weil angeblich irgendetwas vertuscht werde. Sie beschwerte sich dann auch noch darüber, dass die Polizei angeblich die Täter schütze. Außerdem war sie offenbar unzufrieden, dass die Demo sich gegen Sexismus und Rassismus, gegen Gewalt an Frauen und vor allem an geflüchteten Frauen, richtet. Gewöhnliche polizeiliche Ermittlungen und die Durchsetzung des Strafgesetzes entsprechend rechtsstaatlicher Vorgaben sei in diesem Fall keine ausreichende Abschreckung, wie man zwischen den Zeilen relativ eindeutig lesen kann. Außerdem betonte "Tanja" immer gerne die Frage der Nationalität.

Auf Nachfragen, was denn statt einer solchen Kundgebung und polizeilichen Ermittlungen geschehen sollte, wurde der ganze Diskussionsfaden offenbar von "Tanja" selbst gelöscht. Ist solche Löschung etwa keine Vertuschung der eigenen Ideenwelt? Ist das keine unehrliche und feige Reaktion auf eine offene Diskussion? Wurde da etwa ein tiefer, bräunlicher Abgrund in den Gedanken einer ungeschickten Rassistin entlarvt? Man kann es nur vermuten. Aber damit ja nichts "vertuscht" wird, sind unten die Screenshots dazu. Die Gerechtigkeit im Lande muss walten. ;-)

Eine Frage, die die Threadstellerin wunderbar entlarvt hat, war ungefähr:

"Also, Tanja, was schlägst du vor? 
a) Die Polizei hört auf zu ermitteln und schlägt beliebige Migranten zu Brei? 
b) Ein Lynchmob mobbt oder lyncht nach Belieben "verdächtige" Personen? 
c) Die Polizei ermittelt wie bei jeder Straftat zunächst nach Straftatbeständen und fahndet nach möglichen Tätern, um davon mit etwas Können vielleicht einige ausfindig zu machen und gemäß des Strafgesetzes zu bestrafen. Außerdem mobilisiert die Zivilgesellschaft zu dieser Kundgebung gegen Sexismus und Rassismus. Meinetwegen auch gegen die Polizeigewalt.  
Bist du eher für a), b) oder wie ich eher für c)?"

Auf diese Frage folgte keine Antwort, sondern bloß Vertuschung der entlarvten Ideenwelt im Kaltland, das Deutschland zuweilen ist.

Im Übrigen sagt das folgende Zitat einer Leserin der ZEIT alles über die abstoßende Moral von "Tanja":




Auch bei twitter findet sich eine kluge Anmerkung in dieser Richtung:





Hier die Screenshots:






Dienstag, 25. März 2014

Radikalität zwischen Kleinbürgerin und Proletarierin (Serie: Klasse-is-muss, Teil 2)

Für die Anhängerin des Kapitalismus ist jede Form des praktischen Antikapialismus ein Unding, das nur von Untieren verfolgt werden kann. Für die liberale, konservative oder rechte Bürgerin ist Sozialismus immer Barbarei oder das selbe wie Faschismus. Radikalismus, ob links oder rechts, ist für die Dame von Hause das selbe wie Unordnung, Chaos, Zerstörung und Unsitte. Und was gibt es für die gnädige Frau Schlimmeres als die Unsitte?


Die Wurzel der Sache


Radikal sein heißt ja bekanntlich, die Sache an der Wurzel (lat. radix) zu greifen. Die kultivierte Herrin fasst grundsätzlich nichts an der Wurzel. Das ist Sache des arbeitenden Weibes, der Bäuerin oder Arbeiterin. Am Radikalismus macht Frau sich ja die Hände schmutzig und mit bäuerlichen und proletarischen Greifarmen lässt sich bekanntlich schlecht Klavier spielen und operieren. Radikalität ist also eine Sache der werktätigen Frau. Radikalismus ist die handwerkliche Arbeit, der die arbeitenden Klassen zuneigen und wogegen die ausbeutenden Klassen eine tiefe Abneigung hegen. Bekanntlich ist der Sozialismus eine Form des Radikalismus. Und bekanntlich gibt es auch Vertreterinnen eher bürgerlicher und gehobener Schichten der Bevölkerung im Umfeld des Sozialismus. Einige gehobene Damen und Herren - man oder frau nenne sie ruhig dominus und domina (lat. Herr bzw. Herrin) - nennen sich sogar Sozialist oder Sozialistin! Diese feinen Menschen beschmutzen ihre Hände natürlich meistens dennoch nicht mit Radikalismus. Das würde ihre Erhabenheit über die weltlichen Angelegenheiten in Frage stellen. Ihr "Sozialismus" ist daher ein bereinigter Sozialismus, ein Sozialismus, an dem man und frau sich die Hände nicht beschmutzt. Solch ein Sozialismus ist ein gehobener, erhabener, herrlicher Sozialismus, ein Sozialismus für die Damen und Herren. Dieser Sozialismus der Dominas ist daher nicht zufällig die dominierende Form des Sozialismus, der lange gereinigt werden musste, um so herrlich und herrisch zu werden wie man ihn heute kennt. Es ist ein bürgerlicher Sozialismus der bürgerlichen Damen und Herren, womit er sowohl herrisch als auch dämlich ist. Es ist ein Sozialismus, wie ihn die SPD-Jugend, die Jusos ("Jungsozialisten"), heute mehrheitlich vertreten, ein bürgerlich gesäuberter und damit völlig verkrüppelter Sozialismus, der daher auch kein Stück radikal ist. Mit diesem Vorwort kann zum eigentlichen Punkt übergegangen werden.


Radikalität zwischen Kleinbürgerin und Proletarierin


Für die utopische Sozialistin ist der Sozialismus oft genug eine rein ethische, allgemein-menschliche Frage und Konzeption, die der gedankliche Gegenentwurf zum Kapitalismus zu sein hat. Allgemein-menschliche Fragen sind für sie weniger Fragen des Klassenkampfes als Fragen der Philosophie. Aber: 

"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt darauf an, sie zu verändern." 

Die sozialistische Philosophin sieht das oft nur phrasenhaft ebenso. In Wirklichkeit hat sie Angst vor einer Veränderung, die über die Interpretation hinausgeht. Das ist die natürliche Angst des bürgerlichen Sozialismus. Er neigt zur Interpretation der Revolutionen, aber dünkt sich über denselben erhaben, so sehr er sich ihr auch verbal zurechnet. Denn nur selten vermag es die kleinbürgerliche Klasse, konsequent im Sinne der klassenlosen Gesellschaft zu handeln. Sie hat zumeist furchtbare Angst vor der revolutionären proletarischen "Diktatur", die den konsequenten Sozialistinnen zufolge den Übergang von Kapitalismus zu Kommunismus darstellen muss. Diese kleinbürgerliche Angst hat diverse Quellen, aber stets ist sie Ausdruck der Klassenverhältnisse und des Klassenkampfes.


Die proletarische Sozialistin kann sich sicher sein, dass die bürgerliche Sozialistin nur in begrenztem Maße ihre Gesinnungsgenossin sein kann. Denn das Kleinbürgertum muss mit den eigenen Klasseninteressen brechen, um sich dem Proletariat konsequent anzuschließen. Das ist in der Klassengesellschaft aber sehr viel verlangt und die proletarische Sozialistin ahnt daher, was Sache ist. Sie kann sich letztlich nur auf sich selbst verlassen. Von der kleinbürgerlichen Demokratie kann sie nur bedingt Hilfe erwarten. Diese kann die proletarische Demokratie motivieren, bilden, erziehen und fördern, aber sie kann die revolutionäre "Diktatur" des Proletariats offenbar nicht ersetzen. Die kleinbürgerliche Demokratie schreckt schon beim inflationär gebrauchten Wörtchen "Diktatur" entsetzt auf:

"Diktatur!? Und dann auch noch eine 'proletarische'!? Das kann doch nicht angehen! Das allein klingt schon nach Gewalt, Pöbeleien und Irrationalismus! Das stinkt zudem nach 'Volksgemeinschaft', 'volksfremden Parasiten', nationalistischem Mord und sozialistischem Totschlag!" 

Die Dame aus den gehobenen Klassen ahnt, dass es in der Frage der Diktatur dieser oder jener Klasse um die Wurst geht. Aber sie ernährt sich in diesem Sinne ja hauptsächlich von Bio-Gemüse und Soja-Schnitzel. Da wäre eine Party der Fleischeslust ja ein ethisch-moralischer Rückschritt und Statusverlust. Und was fürchtet die kleine Bourgeoisie mehr als die Gleichstellung mit der ungebildeten Masse an Proletarierinnen und Proleten? 


Immerhin bildet sich das Bildungsbürgertum doch seit jeher vor allem darum, um sich von der ungebildeten Masse abzuheben. Wenn diese Masse ähnlich oder noch gebildeter sein sollte wie die bürgerlichen Klassen, dann bleibt denen nichts anderes übrig als von der Bildung abzusehen und sich ein neues Feld der Abgrenzung zu suchen: Geschmack, Charme, Sitten und Gebräuche. Denn wenn Bildung für Teile der Masse leicht zu erreichen ist, dann sind kleinbürgerliche und großbürgerliche Verhaltensweisen noch immer sehr schwer zu kopieren. An der Sprechweise, an den Tischmanieren, an der Mode oder an Gewohnheiten lässt sich der "Pöbel" noch immer eindeutig von der geistigen und moralischen "Elite" abtrennen. 


Das wissen auch die kleinbürgerlichen Sozialistinnen, die politisch dem linken Spektrum zugeordnet werden könnten, aber kulturell eher den gehobenen Etagen angehören und sich vom proletarischen Mob abgrenzen. Bildung ist nicht mehr das zentrale Kriterium der Abgrenzung zwischen proletarischen und bürgerlichen Radikalen. Daher sind Sprechweise, Vokabular, Geschmack, Charme, die Sitten und Gebräuche entscheidend, um die kleinbürgerlichen von den proletarischen Sozialistinnen nach äußeren Merkmalen zu unterscheiden. Die ökonomischen Unterschiede erkennt man an den Konsumgewohnheiten, sozialen Perspektiven und Sicherheiten und Unsicherheiten. 

Mit den äußeren Merkmalen, die der Diskriminierung zwischen bürgerlichen und proletarischen Gruppen dienen, lassen sich neue politökonomische Klassenanalysen begründen, die auch Kultur und Einstellungen beinhalten. Klassenanalyse könnte ihre Einseitigkeiten verlieren, die bisher Gang und Gebe waren: trocken soziologische oder ökonomische Kategorisierungen, maoistische Gleichsetzung von politischem Duktus und Klassenzugehörigkeit, rein agitatorischer Slang von Flugblättern oder postmoderne Auflösung aller Klassenverhältnisse. Die neue Klassenanalyse muss Politische Ökonomie, Vergleichende Soziologien, Kulturwissenschaften, Religionswissenschaft, Diskursanalyse und Geschichtswissenschaft verbinden. Damit ließe sich die bisherige Geschichte ebenso wie die heutige Politik neu lesen: als Kampf der verschiedenen Klassen in den verschiedensten Zusammenhängen.

Damit ließe sich auch die merkwürdige Zwiespältigkeit des modernen Radikalismus besser verstehen. Die allergischen Reaktionen kleinbürgerlich sozialisierter Sozialistinnen auf Begriffe wie "Diktatur" "Diktatur des Proletariats", "Arbeiterstaat", "Klassenkampf", "die Herrschenden", "die Klasse der Kapitalisten", "Volk", "Antiimperialismus", "Antizionismus", "Internationalismus" etc. werden im Lichte der neuen, klassistischen Klassenanalyse leicht verständlich. 


Die Kleinbürgerinnen haben schlicht Angst vor den proletarischen Massen. Die Geschichte der proletarischen Kämpfe, die Erfahrung des proletenhaften Auftretens der Proletarierinnen und die unbekannte und fremd wirkende Zukunft dieser Klasse macht den bürgerlichen Klassen selbstverständlich zittrige Knie. Denn anders als die Proletarierinnen haben die Bürgerinnen im Klassenkampf viel mehr als ihre Ketten zu verlieren. Die Bürgerinnen haben ja ihre Bio-Burger, ihre Soja-Schnetzel, ihre Kolumbien-Urlaube und ihren gehobenen Status zu verlieren. Sie haben ihre Besonderheit, ihre Abgehobenheit, ihre gewohnte Ungleichheit zu verlieren. Deswegen betonen die bürgerlichen Sozialistinnen so gerne die "Transformation", den "Übergang", die "Umwandlung" und "Emanzipation", "Reform" und Partizipation". Denn diese Begriffe klingen nicht nur freundlicher und gehobener als "kommunistische Revolution", "proletarische Diktatur" und "Arbeiterstaat", sondern bewirken auch eine Verschmelzung von kleinbürgerlichem Radikalismus und dem kernigen Radikalismus der Arbeiterinnen. Lenin hatte vor dieser Gefahr gewarnt als er schrieb:

"Aber der ist kein Sozialist, der erwartet, daß der Sozialismus ohne soziale Revolution und Diktatur des Proletariats verwirklicht wird. Diktatur ist Staatsmacht, die sich unmittelbar auf Gewalt stützt."

Die kleinbürgerlich orientierten und aus dem Kleinbürgertum stammenden Sozialistinnen könnten sich angesprochen fühlen. Allerdings spricht Lenin ja hier von "Sozialisten" und nicht von Sozialistinnen. Für die kleinbürgerlichen Radikalen ist sowas oft genug Grund, um sich nicht angesprochen zu fühlen. Denn er redet ja nur von Männern, wie es scheint. Darüber können sich die Kleinbürgerinnen dann wochenlang, monatelang, jahrelang oder ein ganzes Leben lang empören. Proletarische Sozialistinnen kümmern solche völlig belanglosen Unvollkommenheiten eines im 19. Jahrhundert geborenen Russen meistens eher nicht. Sie wissen, dass Herrschaft nicht die reine Sache von Floskeln ist. Bürgerliche Sozialistinnen vergessen oder verdrängen das oft, wie es scheint. Denn, wie zuvor herausgearbeitet, haben sie ja Angst vor Veränderungen, die weit über Floskeln hinausgehen. Reine Theorie, reine Interpretation, reine Floskeln sind Sache der kleinbürgerlichen Philosophinnen. Praktische Theorie, praktisch wirksame Interpretation und Parolen, die Millionen von Proletarierinnen mobilisieren können, sind Sache der proletarischen Sozialistinnen.


Die Kleinbürgerin, die sich entschließt, konsequent Sozialistin zu sein, muss das Selbstbewusstsein der Proletarierin stärken, sie fördern und dazu ermächtigen, die Bäuerin, die Arbeitslose, die Sklavin, die Prostituierte, die Stripperin, die Mutter, die Oma, die heranwachsende Jugendliche, die Industriearbeiterin, die Malerin, die Lehrerin, die Professorin, die Politikerin und die Unternehmerin auf ihre Seite zu ziehen. Nicht-proletarische Frauen müssen die eigenen Klasseninteressen unter Umständen verraten, um die Interessen der proletarischen Sozialistin zu unterstützen. Aber damit verraten sie nicht sich selbst, sondern sie helfen sich damit, sich von den Klasseninteressen und der ganzen Unterdrückung, Diskriminierung und Unterentwicklung in der Klassengesellschaft überhaupt zu befreien. Indem man und frau sich auf die Seite des proletarischen Sozialismus stellt, stellt man und frau sich auf die Seite der Befreiung aller Menschen. Das und nichts Anderes ist echte "Emanzipation", echte "Umwälzung" und "Partizipation" für eine bessere Gesellschaft. Wenn man oder frau davon abweicht, dann muss man oder frau sich nicht wundern, wenn man oder frau enttäuschte, vorwurfsvolle oder wütende Blicke von proletarischen Sozialisten und Sozialistinnen zugeworfen bekommt.


Freitag, 28. Februar 2014

Kommuniqué Nr. 1 von "Боротьба" in drei Sprachen

Die ukrainische sozialistische Organisation "Боротьба" (Borotba/ borot'ba, dt.: Streit, Zwist, Kampf), eine Abspaltung der Kommunistischen Partei der Ukraine, hat im Zuge der politischen Krise in der Ukraine, in deren Verlauf die rechtsgerichteten Kräfte aufgestiegen sind, eine erste Verlautbarung veröffentlicht, die auf ihrer Homepage http://borotba.org/ auf Russisch und Englisch zugänglich ist. 

Hier ist eine erste Übersetzung der Verlautbarung ins Deutsche durch die geheimnisvolle Blogger-Gemeinschaft von alexithymiaN.blogspot.de. Eine weitergehende Verbreitung linker Positionen über die Lage in der Ukraine ist wünschenswert.

Deutsch:




Kommuniqué Nr. 1, veröffentlicht von der Union "Borotba" und des Zentrums für Antifaschistischen Widerstand vom 25. Februar 2014


Wie die Union* "Borotba" im November und Dezember vorhersagte, hat der Sieg des EuroMaidan den Block der Ultraliberalen und Nazis an die Macht gebracht. Und die zuletzt aufgestellte Riege der neuen Regierung hat unsere frühzeitige Schlussfolgerung bestätigt.

Der zukünftige Premierminister Arsenij Jatsenjuk, dessen Nominierung von EU-Vertretern wie Elmar Brok unterstützt wurde, stellte zuletzt fest: "Der Westen wird uns helfen, aus der Krise zu kommen... Wir brauchen Soforthilfe von den europäischen Partnern. Wir müssen das IWF-Programm sofort wiederherstellen."

Wir sollten erinnern, dass die Hauptbedingung für den Erhalt von IWF-Krediten die Anhebung der Preise für öffentliche Versorgung auf "Weltniveau", die Kürzung von Sozialleistungen und die zunehmende Beschleunigung neoliberaler Reformen ist. Daher bedeutet die Stellungnahme Jatsenjuks, dass die neue Macht nicht auf die Stimme des ukrainischen Volkes hören wird, sondern auf die Stimme globaler Finanzinstitutionen.

Die Tatsache, dass so eine symbolische Figur für die Ukraine wie Wiktor Pynsenyk, der "Pate" und "führende Kopf" der Plünder-Privatisierung, in die neue Regierung geholt wird, enthüllt die Stoßrichtung der ökonomischen Politik der neuen Macht: Das Vorantreiben des liberalen Kapitalismus bis zum Maximum, während der Sozialstaat bis zum Minimum herabgedrückt wird.

Nationalistische Kräfte beanspruchen aktiv die Ressorts für Verteidigung, Staatliche Sicherheit, Kultur und Erziehung. Es ist zudem bezeichnend, dass die Position des Ministers für Erziehung an Irina Farion von der "Svoboda"-Partei gehen kann, die für ihre Nazi-Ansichten und besonders für ihren Ruf nach Kriminalisierung der Nutzung der russischen Sprache berüchtigt ist.

Daher ist es der Klassencharakter der neuen liberal-nationalistischen Macht, gegenüber der arbeitenden Mehrheit des ukrainischen Volkes feindselig zu sein.

Die Auskunft darüber, dass die Repräsentanten der offen nazistischen Einheiten des "Rechten Sektors" in die Ressorts der Staatlichen Sicherheit und des Inneren berufen werden und der Versuch, die Aktivitäten der Kommunistischen Partei zu verbieten sowie der Druck auf oppositionelle Medien enthüllt den repressiven und antidemokratischen Charakter der neuen Macht ziemlich klar.

Die Union "Borotba" unterstützt spontane antifaschistische Aktionen, die sich in den Städten der südlichen und östlichen Ukraine ausbreiten. Wir stellen fest, dass unsere Mitglieder an solchen Aktionen aktiv teilnehmen werden. Nach der Absetzung von Janukowitsch genießen solche Aktionen nicht länger die Unterstützung seitens der Regierung. Zugleich betrachten wir den Einfluss der russischen Nationalisten in derartigen Aktionen als schädlich. All die heilsamen Kräfte der Gesellschaft können nur auf Grundlage von Internationalismus und Freundschaft zwischen den Völkern vereint werden, nicht jedoch auf der Grundlage von ethnischen, sprachlichen oder religiösen Spaltungen.

Man kann das Zentrum für Antifaschistischen Widerstand per E-Mail erreichen unter: front@borotba.org
099 134 14 64

Englisch:


Communiqué #1 Released by the union ‘Borotba’ and the Centre of Antifascist Resistance 25 February 2014

As ‘Borotba’ union predicted in Novemer-December – the victory of EuroMaidan would lead the block of ultra-liberals and Nazis to power. And recently released staff of the new government confirms our early conclusion.
The future prime-minister Arseniy Yatsenyuk (his nomination was supported by EU officials incl. Elmar Brok) stated recently: “The West will help us to come out of the crisis… We need an immediate help from our European partners. We need to restore the program with IMF immediately”.
We should remind that the main condition for receiving IMF loans is the rise of public utilities prices up to the ‘world level’, social spending cuts and the further acceleration of neoliberal reforms. Thus, the statement of Yatsenyuk actually means that new power will not listen to the voice of the Ukrainian people but only to the voice of global financial institutes.
The fact of including into new government such a symbolic in Ukraine figure as Victor Pinzennyk – ‘the godfather’ and ‘head foreman’ of the plundering privatization – reveals the general direction of economic policy of the new power: it means pushing liberal capitalism – to the maximum, while social state – to the minimum.
Nationalist forces actively lay their claims to the departments of Defense, State security, Culture and Education. It is also quite indicative that the position of minister of education can be given to Irina Farion (from ‘Svoboda’ party) infamous for her Nazi views and particularly for her calls to introduce criminal responsibility for using Russian language.
Thus, we see that the new liberal-nationalist power has a class character which is hostile to the workers and to the majority of the people as well.
The information about incorporation into the departments of State Security and Internal Affairs of the representatives of openly Nazi units from ‘Right Sector’, as well as the attempt to ban the activity of Communist Party and the pressure on dissent media – quite clearly reveals the repressive and anti-democratic character of the new power.
The union ‘Borotba’ supports spontaneous antifascist actions spreading across the cities of South and East of Ukraine. We state that our members will take an active part in such actions. After deposing of Yanukovich such actions no longer have the character of government support. At the same time we see the Russian-nationalists’ influence in such actions as harmful. All the healthy forces of society can be united only on the basis of internationalism and friendship among peoples but not on the basis of ethnic, language or religious divisions.
You can contact with the Centre of Antifascist Resistance via e-mail: front@borotba.org, 099 134 14 64

Russisch:


КОММЮНИКЕ №1 Объединения «Боротьба» и центра антифашистского сопротивления от 25 февраля 2014 
Как и предсказывала «Боротьба» еще в ноябре-декабре победа Майдана приведет к власти блок ультралибералов и нацистов. Опубликованный примерный состав нового правительства подтверждает наш вывод.
Будущий премьер Арсений Яценюк, чья кандидатура активно поддержана чиновниками ЕС (Элмар Брок), заявил: «Западный мир поможет выйти из кризиса… Необходимо немедленная помощь от наших европейских партнеров. Необходимо немедленно возобновить программу с МВФ».
Напомним, что условием получения денег МВФ является увеличение тарифов для населения до уровня мировых цен, сокращение социальных выплат и ускорение неолиберальных реформ. Это заявление Яценюка означает, что новая власть собирается прислушиваться к голосу международных финансовых структур, а не к голосу собственного народа.
Участие в новом правительстве такой символичной фигуры как Виктор Пинзеник – «духовный отец» и «прораб» грабительской приватизации, показывает направление экономической политики новой власти – максимум либерального капитализма, минимум социального государства.
Националистические силы активно претендуют на «силовой» и культурно-гуманитарный блок нового правительства. Характерно, что в качестве возможного кандидата на пост министра образования называется Ирина Фарион из ВО «Свобода», известная своими нацистскими взглядами, в частности призывавшая к уголовному преследованию за использование русского языка.
Таким образом, новая либерально-националистическая власть носит классовый характер враждебный трудовому большинству населения страны.
Информация о включении в руководство СБУ и МВД представителей откровенно нацистских структур «Правого сектора», попытка запрета деятельности коммунистов, давление на неугодные СМИ наглядно иллюстрируют репрессивный и антидемократический характер новой власти.
Объединение «Боротьба» поддерживает стихийные акции антифашистского содержания в городах Юго-Востока и заявляет, что боротьбисты будут активно участвовать в этих акциях. После низложения Януковича такие акции больше не имеют характера поддержки власти. Одновременно, мы считаем вредным влияние русско-националистических сил в этих протестах. Объединить здоровые силы общества можно только на основе интернационализма и дружбы народов, а не на противопоставлении людей по национальному, языковому или религиозному признаку. 
Связаться с центром антифашистского сопротивления можно через е-мейл: front@borotba.org, тел.: 099 134 14 64



*Es ist unklar, ob mit  "Объединение" bzw. "Union" eher Gewerkschaft oder eher Union ausgedrückt werden soll. Hier wird daher einfach als Union übersetzt.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Русский мат в стихах Русских поэтов

Вот Русский мат в стихах Русских поэтов

Пушкин А. С. - «Орлов с Истоминой в постеле»


Орлов с Истоминой в постеле
В убогой наготе лежал.
Не отличился в жарком деле
Непостоянный генерал.
Не думав милого обидеть,
Взяла Лаиса микроскоп
И говорит: "Позволь увидеть,
Чем ты меня, мой милый, ёб".

Пушкин А. С. - «В Академии наук»


В Академии наук
Заседает князь Дундук.
Говорят, не подобает
Дундуку такая честь;
Почему ж он заседает?
Потому что жопа есть.

Пушкин А. С. - «Накажи, святой угодник»


Накажи, святой угодник,
Капитана Борозду,
Разлюбил он, греховодник,
Нашу матушку пизду

Пушкин А. С. - «Недавно тихим вечерком»


Недавно тихим вечерком
Пришел гулять я в рощу нашу
И там у речки под дубком
Увидел спящую Наташу.
Вы знаете, мои друзья,
К Наташе вдруг подкравшись, я
Поцеловал два раза смело,
Спокойно девица моя
Во сне вздохнула, покраснела;
Я дал и третий поцелуй,
Она проснуться не желала,
Тогда я ей засунул хуй -
И тут уже затрепетала.

Пушкин А. С. - «От всенощной вечор идя домой»


От всенощной вечор идя домой,
Антипьевна с Марфушкою бранилась;
Антипьевна отменно горячилась.
«Постой, — кричит, — управлюсь я с тобой;
Ты думаешь, что я уж позабыла
Ту ночь, когда, забравшись в уголок,
Ты с крестником Ванюшкою шалила?
Постой, о всем узнает муженек!»
— Тебе ль грозить! — Марфушка отвечает:
Ванюша — что? Ведь он еще дитя;
А сват Трофим, который у тебя
И день и ночь? Весь город это знает.
Молчи ж, кума: и ты, как я, грешна,
А всякого словами разобидишь;
В чужой пизде соломинку ты видишь,
А у себя не видишь и бревна.

Пушкин А. С. - «Смеетесь вы, что девой бойкой»


Смеетесь вы, что девой бойкой
Пленен я, милой поломойкой.

Она не старая мигушка,
Не кривожопая вострушка
И не плешивая ебушка.

Лермонтов М. Ю. - «О как мила твоя богиня»


Экспромт

О как мила твоя богиня.
За ней волочится француз,
У нее лицо как дыня,
Зато жопа как арбуз.


Лермонтов М. Ю. - «К Тизенгаузену»


Не води так томно оком,
Круглой жопкой не верти,
Сладострастьем и пороком
Своенравно не шути.
Не ходи к чужой постеле
И к своей не подпускай,
Ни шутя, ни в самом деле
Нежных рук не пожимай.
Знай, прелестный наш чухонец,
Юность долго не блестит!
Знай: когда рука господня
Разразится над тобой
Все, которых ты сегодня
Зришь у ног своих с мольбой,
Сладкой влагой поцелуя
Не уймут тоску твою,
Хоть тогда за кончик хуя
Ты бы отдал жизнь свою.

Есенин С. А. - «Ветер веет с юга и луна взошла»


Ветер веет с юга
И луна взошла,
Что же ты, блядюга,
Ночью не пришла?

Не пришла ты ночью,
Не явилась днем.
Думаешь, мы дрочим?
Нет! Других ебём!

Есенин С. А. - «Не тужи, дорогой, и не ахай»


Не тужи, дорогой, и не ахай,
Жизнь держи, как коня, за узду,
Посылай всех и каждого на хуй,
Чтоб тебя не послали в пизду!

Маяковский В. В. - «Вы любите розы? А я на них срал»


Вы любите розы?
а я на них срал!
стране нужны паровозы,
нам нужен металл!
товарищ!
не охай,
не ахай!
не дёргай узду!
коль выполнил план,
посылай всех
в пизду
не выполнил -
сам
иди
на
хуй.


Маяковский В. В. - «Гимн онанистов»


Мы,
онанисты,
ребята
плечисты!
Нас
не заманишь
титькой мясистой!
Не
совратишь нас
пиздовою
плевой!
Кончил
правой,
работай левой!!!

Маяковский В. В. - «Лежу на чужой жене»


Лежу
на чужой
жене,
потолок
прилипает
к жопе,
но мы не ропщем -
делаем коммунистов,
назло
буржуазной
Европе!
Пусть хуй
мой
как мачта
топорщится!
Мне все равно,
кто подо мной -
жена министра
или уборщица!

Маяковский В. В. - «Нам ебля нужна»


Нам ебля нужна
как китайцам
рис.
Не надоест хую
радиомачтой топорщиться!
В обе дырки
гляди -
не поймай
сифилис.
А то будешь
перед врачами
корчиться!

Маяковский В. В. - «Эй, онанисты»


Эй, онанисты,
кричите "Ура!" -
машины ебли
налажены,
к вашим услугам
любая дыра,
вплоть
до замочной
скважины!!!

Некрасов Н. А. - «Наконец из Кенигсберга»


Наконец из Кенигсберга
Я приблизился к стране,
Где не любят Гуттенберга
И находят вкус в говне.
Выпил русского настою,
Услыхал "ебёну мать",
И пошли передо мною
Рожи русские писать.

Mittwoch, 5. Februar 2014

Menschen, Recht und Menschenrecht

In diesem Artikel geht es um das Verhältnis von Rechten und speziell Menschenrechten zu ihren Schöpfern, den Menschen. Teil 1 der Serie über Menschenrechte und Klassenkämpfe.

Menschen, Rechte und Menschenrechte


Es existiert kein Recht und kein Menschenrecht ohne Menschen. Menschen machen sich ihre Rechte. Menschenrechte sind daher nicht angeboren, sondern sozial konstruiert. Sie entstehen im Kopf der Menschen und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Ohne Menschen, die für Recht und Menschenrechte eintreten, gibt es keine Rechte und keine Menschenrechte. Der Mensch ist also die Wurzel des Rechts. Das Recht an seiner Wurzel zu erfassen, am Menschen, ist radikal sein in Bezug auf Recht und Ordnung.

"Recht", "Recht haben", "Recht behalten" usw. sind also soziale Konstrukte, Erfindungen der Menschen. Es sind im Grunde Ideen oder Werte, die das Handeln der Menschen anleiten sollen, damit es nicht zu unnötigen zwischenmenschlichen Problemen, d.h. zu Unrecht, kommt. Unrecht ist ebenfalls eine soziale Konstruktion, aber das ändert nichts daran, dass Recht und Unrecht äußerst real sind. Überall auf der Welt gibt es Recht und Unrecht in ganz großem und in ganz kleinem Maßstab. Zum einen gibt es bereits Unterdrückung zwischen zwei Menschen, familiäre Unterdrückung, häusliche Gewalt, Mobbing, Kriminalität und strukturelle Gewalt auch in den aller modernsten Gesellschaften. Diese müssen im Sinne des Rechts bekämpft werden, wenn nötig auch mit Hilfe staatlichen Rechtes oder mit kleinen, persönlichen Aufständen. Zum anderen gibt es ganz großes Unrecht auf höchster Ebene.

Aber alles echte Recht der Welt steht auf Seiten der Unterdrückten und entlarvt ausnahmslos alle Unterdrücker und Tyrannen dieser Welt. Insofern sind Ausdrücke wie "Recht haben" oder "Recht behalten" absolut treffend. Recht haben, Rechte, Anerkennung und Achtung der Menschenrechte, Wahrheit, Ehrlichkeit, Ehrwürdigkeit, Würde und Kampf für Menschenrechte gehören ohne Zweifel zusammen. "Unrecht haben" und "bloß gestellt sein" sind ebenso treffend. Denn Unrecht haben, Unrecht, "Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte", Lug, Trug, Würdelosigkeit, Heuchelei und Tyrannei gehören ohne Zweifel ebenfalls zusammen


Das Problem ist, dass sich Unrecht stets als Recht tarnt. Auch die größten Tyrannen schämen sich nicht, Worte wie "Wahrheit", "Freiheit", "Gerechtigkeit", "Gleichheit", "Demokratie", "Recht" usw. mit ihrer Heuchelei zu beschmutzen. Solche Heuchelei dient immer der Verkleidung von Egoismus, Partikularinteressen und Unrecht im strahlenden Kleid des Rechts. Tyrannen schmücken sich nicht umsonst immer mit den Insignien und Reliquien von Heiligen, Märtyrern und Freiheitskämpfern.

Gerade die Staatsmacht und die sogenannte "Herrschaft des Rechtes", gleich wie modern die jeweilige Gesellschaft ist, dienen ja vor allem den Interessen des jeweiligen Staates und den Herrschenden. Durch "die Herrschaft des Rechts" behalten die Herrschenden Recht. Das herrschende Recht ist in der Klassengesellschaft an sich stets das Recht der Herrschenden, der herrschenden Kapitalisten, der stärkeren Klassen, des Stärkeren. Wie die herrschenden Gedanken die Gedanken im Sinne der Herrschenden sind, ist das herrschende Recht im Sinne der Herrschenden.

In der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 wird der "Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung" als "letztes Mittel" zum Zweck der Durchsetzung von Menschenrechten benannt:

"[...] da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen [...]"

Da Aufstände nie völlig friedlich sein können, wurde damit also die Gewalt als legitimes Mittel gegen Tyrannei und Unterdrückung durch die Unterzeichnerstaaten der Erklärung anerkannt. Die Erklärung wurde also im Sinne von Staaten unterzeichnet, die sich die internationale Durchsetzung der Menschenrechte auf die Fahne geschrieben haben. Das geschah nur drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, des bisher barbarischten und tyrannischsten Menschenmordes der Weltgeschichte, was ausgerechnet vom hochmodernen deutschen Staat und seinen Verbündeten und den Alliierten umgesetzt wurde. Nach dem Massenmorden kam die späte Erkenntnis, dass man durch internationales Recht oder frühzeitigen Aufstand viele unnötige Todesopfer hätte verhindern können. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 diente also vor allem der Beruhigung der Gewissensbisse der Herrschenden und der Legitimation der damals herrschenden Staatsmächte.

"Demokratie"? Die Herrschaften ("Kratie") pissen auf das Volk ("Demo(s)"), Karikatur von Oliver Schopf: http://www.oliverschopf.com/img/pol_kar/welt/w603x486/demokratie_protest.jpg





Woher kann man wissen, dass nicht die Rettung echter Menschenleben und echtes Recht die oberste Priorität bei der Erklärung einnahmen? Ganz einfach. Im selben Jahr als die Erklärung proklamiert wurde, 1948, wurde z.B. mit Hilfe einiger Unterzeichner-Staaten jegliches Menschenrecht mit Füßen getreten und mit ihm gleich hunderttausende Palästinenser aus ihrer Heimat vertrieben und unzählige ermordet, misshandelt und vergewaltigt, um den Staat Israel auf ehemals palästinensischem Boden zu sichern.

Als Antwort auf die Gründung Israels kam es in den umliegenden arabischen Staaten zu einem gewaltsamen Aufstand gegen das, was sie als ungeheuerliches Unrecht und als Heuchelei einiger Unterzeichner-Staaten auffassten: die Beraubung und Vertreibung hunderttausender Menschen von ihrem "rechtmäßigen" Territorium. Die Zionisten, die mit allen Mitteln für die Gründung eines jüdischen Staates kämpften, sahen das natürlich anders. Für viele von ihnen war Palästina das "rechtmäßige" Territorium der Juden.

Dass dieser Zwist um Recht und Unrecht bis heute anhält und den Weltfrieden nicht nur bedroht, sondern völlig unmöglich macht, zeigt wie wichtig es den Menschen ist, "Recht zu behalten", "Recht zu haben". Dass der Konflikt erst ein Ende nehmen kann, wenn ein sogenannter "Rechtsstaat" in diesem Gebiet gegründet wird, der allen seinen Anwohnern, Einwohnern und Bürgern gleiches Recht zugesteht, ist den linken Antizionisten und linken Postzionisten schon lange klar. Aber Nationalisten und Zionisten diverser Länder wollen solch eine Lösung offenbar nicht, weil es ihre Herrschaft oder ihre Privilegien bedrohen würde.

Wenig später kam es 1950-1953 zum Korea-Krieg, in dem die zwischen Nordkorea, der UdSSR und China einerseits und Südkorea und den USA andererseits ein weiterer katastrophaler Krieg ausbrach, in dem allein über eine Million Chinesen, eine Million Südkoreaner und zwei einhalb Millionen Nordkoreaner starben, nur um beim Eroberungskrieg die selben Grenzen wie zuvor wiederherzustellen und bis heute die militarisierteste Region der Welt zu schaffen. Man darf daran zweifeln, ob es den Kriegsführern um Menschenrechte ging.

Die USA bekleckerten sich schon seit den 50er Jahren nicht mit Ruhm als sie in der "McCarthy-Ära" Kommunisten, Sozialisten, Radikale, Demokraten und unpolitische Bürger verfolgten. Presse- und Gewissensfreiheit sind offenbar ohnehin nicht das Ding des amerikanischen Staates. Aber der amerikanische Vietnam-Krieg von 1965-1975 überbot alle bisherigen Schandtaten der USA noch bei weitem. Wie der Korea-Krieg war auch der Vietnam-Krieg ein Stellvertreter-Krieg zwischen der westlichen und der östlichen Supermacht und wieder ging es um ein geopolitische Aufteilung eines Landes nach politischen Sympathien. Diesmal siegten jedoch die Stellvertreter des Ostblocks, indem sie ganz Vietnam eroberten und dem amerikanischen Kriegsterror zehn Jahre lang Widerstand leisteten. Die Bilanz des Krieges schloss bis zu vier Million tote Zivilisten und Soldaten ein, aber auch hunderttausende Verletzte, Traumatisierte und Deklassierte. Es ging hier nicht um Menschenrecht, sondern um Klassenkampf und Geopolitik.

Die Liste der Verbrechen der Unterzeichner-Staaten kann beliebig lang weitergeführt werden. Der staatlichen Untaten und Gräuel gibt es unzählige. In der Klassengesellschaft erfolgen Tyrannei und Unterdrückung mehrheitlich durch staatliche Bürokratien und die Herrschenden, da die Macht der herrschenden Klassen und die Staatsmacht zusammen die mächtigsten Gruppen auf diesem Planeten sind. Aber selbst die modernsten Staaten sind heute nicht frei von Tyrannei und Unterdrückung.

Der deutsche Staat unterdrückt seine Bevölkerung auf subtile und offensichtliche Weisen. Außerdem unterdrückt er gewisse Gruppen der Gesellschaft kaum, während er andere in hohem Maße zu unterwerfen versucht. Seine unterdrückerischen Methoden umfassen zum einen subtile Maßnahmen wie strukturelle Gewalt, systematische und tolerierte Diskriminierungen und staatliche Ideologieproduktion durch Medien, Zensur und Desinformation. Zum anderen schließen seine Methoden auch erbärmliche Diffamierungskampagnen, brutale Polizeigewalt und Militäreinsätze ein.

Auf fast jeder antifaschistischen Aktion, sei sie noch so friedlich, schlagen die Bullen zu oder sprühen zumindest aus Spaß ein wenig Pfefferspray raus. Oft werden jugendliche Aktivisten gedemütigt und misshandelt, wenn sie nach einer Aktion unrechtmäßig inhaftiert werden für begrenzte Dauer. Die Polizeigewalt bei den Nazi-Blockaden gegen Demokraten und in Stuttgart gegen die bürgerlichen Demonstranten werden niemals vergessen werden. Die Polizei ist dafür da, um zuzuschlagen. Sie ist der tollwütige Pitbull des Staates.

Dieser Staat ist ein Staat, der die Menschheit hasst. Sogar einen Großteil seiner eigenen Bevölkerung behandelt er wie Abschaum, aber andere Völker behandelt er noch viel schlimmer. Oberst Klein, der für die Ermordung von Zivilisten in Afghanistan auch noch zum General befördert worden ist, ist nur ein Beispiel für die Menschenverachtung durch den bundesrepublikanischen Staat.

Aber wenn sogar so moderne Staaten wie die BRD noch immer zutiefst repressiv sind, was bringen dann Rechte, Menschenrechte und andere Errungenschaften? Sind Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und dergleichen dann nicht nutzlos und bloße Fassade im Sinne der Herrschenden? Nein. Die Errungenschaften, die über Jahrhunderte und Jahrzehnte erkämpft worden waren, sind neben dem Leben selbst das größte Gut für die Menschheit. Aber sind die Errungenschaften nicht automatisch gekommen? Immerhin entwickelt sich die Gesellschaft ja stets weiter. Nein. Die gesamten Errungenschaften für die Menschheit sind Errungenschaften, die den herrschenden Klassen im Klassenkampf abgerungen worden waren. Alles andere ist schlecht gewordener Quark.

Die Erkämpfung von Menschenrechten in weltweiten Klassenkämpfen


Die gesamten Errungenschaften für die Menschheit sind also Errungenschaften, die den herrschenden Klassen im Klassenkampf abgerungen worden waren? Ist dem so? Was ist denn mit der Demokratie, mit der Gleichheit vor dem Gesetz, mit der Pressefreiheit, mit der Krankenversicherung, mit dem Verbot der Kinderarbeit, mit der Schulbildung, mit der Aufklärungsphilosophie, mit der Emanzipation der Frau und dem Ende der Sklaverei? Sind das etwa im Klassenkampf errungene soziale Errungenschaften? Kamen diese Dinge an sich nicht automatisch zustande? Waren sie nicht ein an sich natürliches Produkt der gesellschaftlichen Entwicklung? Sind sie nicht Teil der menschlichen Natur?

Nein, allein schon die Idee ist zum Totlachen lächerlich. An sich wurden all diese Dinge von unterdrückten Menschen für sich errungen, mit viel Mühen und im Klassenkampf, d.h. sie sind soziale Konstrukte, die den Herrschenden aller Zeiten mit Gewalt abgezwungen wurden. Denn die Herrschenden hatten an sich zunächst keinerlei Interesse an diesen Dingen. Aber sobald die Dinge sich durchgesetzt hatten und es nicht mehr normal war, Kinder zur Arbeit zu schicken oder Bürger vor dem Gesetz offenbar ungleich zu behandeln, war es im Interesse der herrschenden Klassen, diese Errungenschaften in gewissem Maße für sich zu vereinnahmen und sie in gewisser Weise nicht anzuzweifeln.

Die Ideale der französischen Revolution mussten im Klassenkampf durchgesetzt werden.

Denn das Verbot von Kinderarbeit, von Sklaverei, von Vergewaltigung in der Ehe etc. und die selbstverständlich erscheinenden Rechte der Frau, wählen zu können, nach eigenem Gewissen abtreiben zu können, sich scheiden zu können etc. sind ebenso Früchte des schärfsten Klassenkampfes wie die Proklamation der Menschenrechte in der französischen Revolution von 1789 und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948.

Das Recht auf Klassenkampf ist das Recht der Menschen


Unser Fazit kann lauten: Das Recht auf Klassenkampf ist das ureigenste Recht der Menschen. Die Menschheit ist in höchstem Maße an Klassenkampf interessiert. Ohne Klassenkampf käme die Menschheit keinen Schritt voran. Es gibt aber, seit es die Klassengesellschaft gibt, an sich ohnehin keinen Moment, in dem es nicht zum Klassenkampf kam. Klassenkampf und Klassengesellschaft sind im Grunde das selbe. Das eine ist daher ohne das Andere nicht denkbar. Die Utopie einer kapitalistischen Klassengesellschaft ohne Klassenkampf ist bloßes Fantasieprodukt wie das Schlaraffenland auch. Es kann keine Klassengesellschaft ohne Klassengesellschaft geben. 

Allerdings kann Klassenkampf zurückgedrängt, gedämpft und verschleiert werden. Es kann, wie heute in Deutschland z.B., dazu kommen, dass Klassenkampf fast nur von einer Seite betrieben wird. Es kann zu einer relativen Dominanz des Klassenkampfes von oben kommen. Es kann passieren, dass sich die unterdrückten Klassen kaum wehren, stumm und passiv bleiben, während zugleich ihre innersten Klasseninteressen mit Füßen getreten werden. Die Schlangenlederstiefel der Herrschenden können unter Umständen auf die Pantoffeln der Beherrschten treten, ohne das letztere aufschreien, protestieren oder rebellieren. Das ist in Deutschland im Grunde in den letzten Jahrzehnten passiert. In Griechenland passiert dagegen zur Zeit etwas ganz Anderes. Da wird geschrien, protestiert und rebelliert was das Zeug hält. Allerdings reicht der Protest der griechischen Arbeitenden nicht aus, um die Menschenfeind-Clique des dunklen Lords Angelo Merte zu verscheuchen, die mit Klassenkampf von oben ganz Europa verwüstet.

In der französischen Revolution von 1789, in der russischen Revolution von 1917, in der deutschen Revolution von 1918, in der chinesischen Revolution von 1925-1927, in der spanischen Revolution der 30er Jahre und so weiter kam es dagegen zur Dominanz des Klassenkampfes von unten. Die unterdrückten Klassen wurden selbstbewusst und wagemutig. Daher nahmen sie sich das Recht, mit dem "letzten Mittel", dem Aufstand, die Herrschenden und Tyrannen dieser Welt in Angst und Schrecken zu versetzen. Dem Menschen wäre mehr von diesem "Schrecken" zu wünschen, damit überall auf der Welt die Menschenrechte durchgesetzt werden.


Freitag, 31. Januar 2014

Maeckes

Teil 6 der Serie über Deutschrap mit Anspruch. Diesmal über den Stuttgarter Rapper Maeckes, der schon im Zusammenhang mit Tua als Mitglied von Die Orsons erwähnt wurde.


Maeckes, www.splash-mag.de

Rap mit höheren Ansprüchen


Es geht Maeckes, wie allen Rappern mit höheren Ansprüchen, nicht vor allem um Geld durch Selbstdarstellung wie etwa Bushido oder Eko... Das findet man allzu oft im Rap von heute, der genau genommen kein Rap mehr ist, weil er seine Ursprünge verraten hat für den Absatz auf dem Markt. Maeckes grenzt sich intuitiv und sicher auch bewusst von diesem oft schwachen, weil zur reinen Ware gewordenen Rap ab. Er besinnt sich auf die Wurzeln des Hip-Hop. Talent, Leidenschaftlichkeit und die Rückbesinnung auf echten Rap sind das Geheimnis der Mucke von Maeckes.


Maeckes haut dich weg. Er haut dir den Schädel weg. Nicht körperlich, aber geistig, emotional, transzendental. Geistig haut er dich weg, weil er zu den klügsten und humorvollsten Hip-Hop-Musikern im Staate gehören dürfte. Emotional haut er dich weg, weil er in seiner Kunst Gefühle besser transportieren und wieder eliminieren kann als die meisten gefühlsduseligen Kunstprodukte, die man in der Jetztzeit so findet. Transzendental haut er dich weg, weil er stets nach den Bedingungen der Möglichkeit der Dinge fragt und die Bedingungen der Jetztzeit hinterfragt. Zu kompliziert? Kein Problem, denn Maeckes ist trotz seiner gedanklichen Höhenflüge echt bodenständig.

Maeckes ähnelt nicht nur vom Aussehen her Eminem. Abgesehen davon, dass er mit "White Trash" eine witzige Hommage an Eminem ausgedrückt hat (ob bewusst oder unbewusst), hat er auch ein technisches Repertoire, dass stark an den Slim Shady erinnert. Er unterbricht sich selbst, wechselt plötzlich Stimmton und -ausdruck, springt von bitterem Ernst zu Selbstironie, nutzt alle erdenklichen Geräusche und Rhythmen, um seinen Anspruch umzusetzen, gute Musik zu machen. Und es gelingt ihm fast immer.

Melodramatischer und gefühlsduseliger Rap?


Man muss verstehen, dass die Musik von Maeckes zwischen völlig gefühlloser Depression und total ausuferndem Schwall von Gefühlen schwankt, um die Höhen und Tiefen der menschlichen Situation darzustellen. Maeckes ist mit Sicherheit einer der emotionalsten und empfindsamsten Rapper im Lande. Das wird an einigen seiner Tracks sehr deutlich.

"Ehrlichkeit" ist einer der besten Tracks von Maeckes. Er zeigt hier bereits einen Großteil seines technischen und inhaltlichen Repertoires. Auch könnte man sich an "Es regnet" von Tua erinnern. Der Beat ist eigentlich kein Beat, es ist eher ein Dahinplätschern der Hintergrundmusik. Man muss an einen bewölkten, regnerischen Tag denken. Es ist die perfekte musikalische Unterlegung einer suizidalen Stimmung, die man allein gelassen im eigenen Zimmer beweint. Tiefste Melancholie, schmerzende Einsamkeit, Isolation vom Anderen - darum geht es hier, wenn Maeckes im Jammertal verschwindet:

Mit Ehrlichkeit kommt man nicht weit, ich weiß
Doch ohne Ehrlichkeit kommt man nicht nah, ich sah
Schon soviele kommen, soviele gehen
Oftmals ging auch ich, ohne wiederzukommen, doch
Mit Ehrlichkeit kommt man nicht weit, ich weiß
Doch ohne Ehrlichkeit kommt man nicht nah, ich war
Schon so oft kurz davor, so oft schon weit davon entfernt
Doch auch wenn Ehrlichkeit befreit
Ich hab meistens nichts gelernt!

Im selben Track thematisiert Maeckes den Sexismus und die Unehrlichkeit im Rap. Geht es noch tiefsinniger und selbstkritischer? Eher nicht. Maeckes bietet also den ehrlichsten Rap an. Aber wer ist ehrlich genug, um zu gestehen, dass er oder sie zu langweilig ist, um Maeckes zu verstehen oder um zu gestehen, dass er oder sie Maeckes' Emotionalität echt gut findet?

Immerhin war Ehrlichkeit schon immer nicht einfach. Wer ehrlich ist, macht sich angreifbar. Wer ehrlich ist, öffnet sein Herz. Wer ehrlich ist, hält dem Menschen-Wolf seinen Hals ungeschützt hin. Und seit Thomas Hobbes (und den unzähligen Kriegen, den Weltkriegen, Völkermördereien und heuchlerischen Verunglimpfungen der modernen Helden durch die moderne Technokratie nach ihm) wissen wir, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. Die Frage ist, ob es ein tollwütiger und hungriger Werwolf ist oder ein friedliches Rudeltier, das der Wolf eigentlich ist.

Auch die heutigen Menschen können tollwütige Bestien oder friedliebende Rudeltiere sein. Sie können Kriegstreiber, Volksverhetzer, Menschenmörder, Rufmörder oder einfach dumme Bullensöhne sein. Andererseits können sie auch Pazifisten, Internationalisten, Helden, Gesellschaftskritiker oder einfach intelligente Individuen sein. Manchmal mischen sich diese Kategorien auf merkwürdige und unverständliche Weise. Das ist auch das Thema eines weiteren Tracks von Maeckes.

"Versteh sie einfach nicht" thematisiert genau diese Komplexität und Banalität der Menschen:

Ich versteh diese Menschen nicht, wie sie herumrennenmit abgebrochenen Antennen,in den Kellern ihrer Selbst, sich nicht anerkennend,
aber sich erkennend an den Tränen und dem verklemmten LächelnIch versteh diese Menschen nicht, sie erwarben ihr Leben auf Kredit,doch sie bezahlen nicht ab,
Sie zahlen es zurück, Stück für Stück suchen sie wahres Glück,und wenn sie es haben schmeißen sie es weg.Ich versteh diese Menschen nicht, sie geben Liebe, um Liebe zu kriegen, führen Kriege um Kriege zu führen,reden, damit sie sich beim Reden zuhören können, sie tun alles nur für sichIch versteh diese Menschen nicht, sie funktionieren weder in Massen noch allein,weder getrennt noch vereint,sie funktionieren nicht, und wenn, nur um sich fortzupflanzen,um sich zu morden und zu hassen

Klar kann das auf manche Menschen gefühlsduselig, melodramatisch etc. wirken. Aber es gab ja auch Menschen, die Hitler nicht bekämpft haben, Menschen, die heute die Nazis nicht blockieren, und Menschen, die den Kampf für Menschenrechte in Palästina für "antisemitisch" halten. Menschen sind wirklich merkwürdige Wesen, und sehr kompliziert. Aber kann man diese Kompliziertheit je überwinden? Ist es nicht toll, dass Menschen ständig in scheinbar sinnlose Konflikte geraten? Ist das nicht zutiefst menschlich? Terminators würden sich sicher nicht mit Skynet streiten.

Wie bei so vielen guten Rappern wird bei Maeckes die ewige Frage der Liebesfähigkeit thematisiert und hinterfragt, wenn er feststellt:

Wir wollen leben, uns nicht richtig benehmen
Und als riesengroßer Arsch
Sitzt man sehr bequem
Und als riesengroßes Arschloch
Kriegt man viele Frauen
Nur man kriegt hier nicht viel Raum
Mit nem riesengroßen.. Herz!
Nicht, dass ich eins hab
Und wenn, dann nicht hinter 'nem Brustkorb -
Hinter 'nem Tresor schlägt es in Sicherheit
Und irgendwo steht auch der Zugangscode zu dem Herz
[Zugangscode? blabla was rede ich da?]
Klingt eigentlich wie ein guter Scherz
In Zeiten, in denen der Gute nervt
Der Badguy die Bitches kriegt

"Kürzester Weg zum Glück" ist eine ebenso depressive wie ironische Ode an das Liebesunglück:

Ich reich dir vollkommen aus, meint sie
Ich mein, zieh dich nicht vollkommen aus vor mir
Wir lieben uns so lange ich es rauszögern kann
Ich bin halt auch nur ein Mann
Ich zieh noch zwei, drei Mal
Doch drücke sie aus
Auf meinem Arm
Um wieder zu spüren
Ein paar Mauern ohne Dach machen kein Haus
Wohin wird uns dieser Weg wohl führen?

Natürlich hat dieser talentierte Wahrsager im wahrsten Sinne noch mehr zu bieten, wenn es um Emotion und Menschlichkeit geht.
In "Würgegriff des Glücks" beweist er noch mehr, welch unschlagbares Talent Maeckes in seinem Rap verwirklicht. Es lohnt sich, den ganzen Track in Dauerschleife so schnell wie möglich und so lange wie möglich zu hören:

Die Welt ist nicht am Arsch?
Dann erklär mal einem Kleinkind, wer Adolf Hitler war
"Papa, was hat der gemacht?" - "Nichts."
Siehst du, wie wir uns ziemlich echt verstellt haben
Schuld daran ist das Wort während der Liebesnächte der Eltern
Entscheidungen treffen sich kurz im Smalltalk
und lästern über nicht getroffene Entscheidungen ab
Gespräche finden wie die in Pornos statt
Lebenslanger Talkshowgast, Knast
Ich sitze vorbildhaft
Satellitenbilder liefern ein lückenloses Bild von mir
Wie ich nie genug von den Appetitzüglern kriegen kann
Dann erzähl mir nichts von Liebe!
Manche Eltern sind nur nicht geschieden, wegen batteriebetriebenen Liebhabern
Du willst wissen, wie ich mich fühle? Ich will wissen, wie ich mich fülle - diese Leere. In mir ist absolute Stille
Wir sind atommüllsicher halt kleinbürgerlich beschützt
durch den Würgegriff des Glücks, okay!



"Alles ist vorbei" ist ein großes Jammerlied über den Tod "Gottes" bzw. aller Werte und jeglichen Sinns. "Rap als Bedrohung der Oberen: Tot", "Aus der Freude am Leid wurden Freunde zum Feind", "Alle wollen sie selbst sein, selbst gleich - gleich selbst gleich selbst, gleich gestellt - gestellt gleich -alles ist vorbei", "Deutschrap ist ein Herrschaftswort", "Ich versteh mich nicht mal selbst, wie soll ich dich verstehen, wenn du dich weiterhin verstellst, und ich mich weiterhin verstelle, stell dir vor: es wird alles vorbeigehen. Alles ist vorbei."

Isolation und Gesellschaft bei Maeckes


"Isolationierung" ist erst sehr schwer zu verstehen, aber wenn man das Ding öfter gehört hat und ein wenig Vernunft hat, wird man Maeckes als ganz großen Künstler betrachten:

Ich hab' keine Ansprüche an mich, außer Ehrlichkeit,ehrlich gesagt, dieses Lied ist auch für dich,keine Option scheint plausibel, es schrei'n so viele,doch es wird weder den Geist beflügeln noch denkt jeder Zweiteüber das, was gesagt wird, nach - verbale Fata Morgana, bla bla bla.."Der zeigt Gefühle! Alter, Pussyshit, der spielt Moralapostel, Alter, der denkt er lässt uns von der Wahrheit kosten, Alter!"Nein, ich denk' nur: mir geht's besser wenn ich's aussprech',aber hab' vergessen: hier gilt das Faustrecht!aber Ficker, am meisten kotzt mich an, wie ich mir Gedanken mach',über das, was ihr nach diesem Track zu Anderen sagt,denn diese Gefangenschaft tötet meine Liebe zur Musik,es liegt also doch nur an mir, dem MC, der sich wieder verbiegt,dem Mensch, der verzweifelt im Mittelpunkt steht und dem Freund,der sich aus Egomanie im Nihilismus verzieht

Egomanie und Nihilismus! Das sind auch die Themen in "Von Logen herab". Menschen kümmern sich offensichtlich nicht an Werte, die eigentlich noch gepredigt und vorgeheuchelt werden. Die geheuchelte Menschenliebe, Menschenfreundlichkeit und überhaupt Menschlichkeit verbergen sich hinter dem Wesen der Dinge, das nichts anderes als egomaner Nihilismus ist:

Rehaugen blicken mich an, ein Mädchen sagt die Welt wird untergehen
Schuld ist nur unser Ego daran, ich seh' sie an.
Sie ist vielleicht zehn Jahre alt, sie dreht sich dann zurück zur Bar,
Sie winkt kurz nach dem Barkeeper,
Der kommt sofort, schenkt ihr pures Glück ins Glas,
Sie trinkt rasch - leer - tschüss das war's!

Interessant wär's zu spekulieren darüber, ob der Barkeeper normalerweise bestreiten würde, dass er viel zu jungen Menschen die schlechten Angewohnheiten der "Erwachsenen" antut oder ob er sich sogar um den Schein der Anständigkeit 'nen Kehricht machen würde. Ihr könnt ja darüber diskutieren. Ich mache weiter mit dem Text, der verdammt kulturkritisch ist:

"Nur die allerschönsten kommen in den Himmel" sagt ein Mädchen,
das Stewardessen anbetet. Glenn Goulds Goldberg-Variationen sind ihrer Meinung nach der Soundtrack für ein verschwendetes Leben. Sie hört keine Musik, doch sie war mal in 'nem Wald - ein Tag, den sie bis heut' bereut, denn sie fand einen verhungerten Jäger auf seinem Hochsitz,
hätte sie ihr Handy dabei gehabt, wären es 1 Million Klicks!



"Jetztzeit 2" von Maeckes und Plan B ist für Rap Gesellschaftskritik in schönster Verpackung:

Ich öffne die Augen und kann ihnen plötzlich nicht trauen,
obwohl ich seh' was ich sonst seh'.
Öffentlicher Raum, überwacht vom öffentlichen Auge,
überdacht vom unerlöschlichen Glauben an die Macht.
Blablabla jajaja ich seh das Elend der Kriege und immer weniger Liebe
und ich steh nur vorm Spiegel und ich rede zu viel
und ich gebe wohl zu wenig Ficks auf Regeln wie Benehmen und Stil.
Der durchschlagende Erfolg des sich durchschlagenden Volks steht nur noch in Geschichtsbüchern auf zu Papier verarbeitetem Holz
und das fehlt uns, wenn wir in der Sonne stehen
und bei der kleinsten Bewegung eingehen.

"Probleme weglächeln" hat auch einige verdammt kluge Sätze, aber schon allein der Refrain haut einen weg:

Man sieht es ihnen nicht an
Du läufst an ihnen vorbei
Ihr trefft euch auf ein paar Bier
Doch du siehst nicht in sie hinein
Sie tragen Ängste in sich
Lächeln Probleme weg
Wir könn' uns täglich treffen vieles wird von uns nie entdeckt
Du denkst, dass du viele Leute wirklich gut kennst
Doch sind sie dir so fremd

"Heimweg.avi" ist nicht nur ein toller Track, sondern wird auch mit tollem Video geliefert. "Verfangen in einem Weg. Gedanken filme ich mich selbst mit meinem Handy. Leicht verwackelt auf meinem Heimweg wankend, betrunken weiss ich wo daheim ist. Ist das das Ende?"



Kinder als Motiv bei Maeckes 


Kinder bzw. "das Kind" im verdorbenen Menschen ist ein immer wiederkehrendes Motiv bei Maeckes. Er ist bei weitem nicht der einzige tiefsinnige Denker, der die Kindheit dem verdorbenen "Erwachsen" entgegenstellt. Schon der französische radikale Philosoph Rousseau machte kluge Sätze darüber. Aber auch rappende Philosophen wie Cr7z oder Tua kennen dieses Motiv. Maeckes hat sogar ein Soloalbum "Kids" genannt. 

"Verglast & Zugemauert" soll eine Hommage an den verstorbenen Falco sein. Es thematisiert einerseits die urbane Isolation, wie oben schon erwähnt, und andererseits den Gegensatz von Kindheit und "Erwachsen" ganz wunderbar, wenn er seinen Refrain einleitet mit der Frage: "wo ist das Kinderlied?":

Sind wir nicht einfach Kinder Mit einem verkrüppelten Geist,Der uns schlicht daran hindert,Einfach noch Kinder zu sein?

"Betrunkene Kinder" hat mehrere Ebenen und lässt daher viele Interpretationen zu. Die Hook ist bereits der Hammer:

Man sagt: ein Betrunkener sagt die Wahrheit...Und ein Kind und ein Kind [und ein Kind!] Also kidnappe ich ein Kind Und mix ihm 'nen Drink, mix ihm 'nen Drink [mix ihm 'nen Drink]So stark, dass es grade noch stehen kann [stehen kann!]Und mir die Wahrheit erzählen kann. [erzählen kann!] Näher werden wir nicht kommen.Näher werden wir nicht kommen.

Für die Wahrheitssuche wird also ein Kind, das Symbol der Wahrheit bei Maeckes, betrunken gemacht, damit es zum Betrunkenen wird, der ebenfalls für die Wahrheit steht. Am Ende sollte die absolute Wahrheit herauskommen. Was kommt heraus? Das dürft ihr selbst herausfinden. Maeckes jedenfalls leitet die Story schön tragikomisch ein:

Kurzer Blick nach hinten, wo das Kind sitzt, auf dem Rücksitz,
durch den Lolly vorübergehend glücklich.
Ich halte an der nächstbesten Bar an.
"Was willst du trinken?" frage ich das Kind und den Barmann.
Das Kind meint "Ich will Milch."
Ich sag "Ich will die Wahrheit! - es gibt keine Milch.
Zumindest nicht pur, doch heut' ist Weihnachten,
kennst du denn BigLebowski?
Wir trinken White Russian, Dude!"

In "Jetzt" (mit den Orsons) werden ebenfalls die Kinder von heute und morgen besungen, aber durchaus aus optimistischer Perspektive. Sobald man aus der Depression heraus will, kann man ruhig "Jetzt" in Dauerschleife hören, weil es ein Chor des Optimismus ist. Der geradezu buddhistisch wirkende Refrain besagt:

Sollten unsre Kinder irgendwann mal meckern „Früher war alles viel besser!“
Dann mein' sie damit jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt

Maeckes liefert neben dem unschlagbaren Meisterstück von Tua einen ebenso unwahrscheinlich genialen Part: 

Wir sitzen in Schlafsäcken
Auf Autodächern
Schau'n in die Sterne
Leer'n unsern kopfinternen Papierkorb aus
Erklär'n uns Universen als Riesengloryholes
Scherzen über Gott
Und ob Boris Becker auf Twitter wohl mehr Follower hat
Ach, die Erde ist so flach, wir lachen
Weil es kaum was besseres gibt
Außer vielleicht ficken
Außer vielleicht - da gibt es nichts
Jeder von uns ist nur ein Pixel
Und nur zusammen gibt’s 'n Bild
Wir verlangen doch nur nach fünf Minuten Himmel
Ich will doch nur, dass wir uns erinnern
„Heut“ wird das „früher“ sein für unsre Kinder


Sarkasmus und Ironie bei Maeckes


Wie auch Disarstar, JAW, Sookee und Amewu ist auch Maeckes ein überaus ironischer und sarkastischer Kritiker der heutigen bürgerlichen Gesellschaft. Sie sind Kritiker der Unehrlichkeit, Heuchelei, Doppelmoral und banalen Boshaftigkeit eines Bürgertums, das in einen stinkenden Sumpf der Dekadenz versunken ist. Da kann man nicht anders als sarkastisch und ironisch sein, wenn man kein Apologet dieses irdischen Jammertals, dieser Hölle auf Erden ist.

"Jetztzzeit" ist bitterböse Kapitalismus- und Konsumkritik:

Man kann alles haben, was man will
Weiß aber nicht mehr, was man eigentlich will.
Also schweigt man nur still.
Der eiserne Willen wird eingeschmolzen durch nen heisseren Film.
Scheinheilig: Man verkauft 'nem Blinden einfach 2 Brillen.
Jetztzeit: Man hört zur Entspannung Maschinengeratter,
Umgeben von nem Leben, fast so echt wie in Big Brother.
Stop: wer sich bei meinen Ansichten gar wundert:
Willkommen im 21. Jahrhundert!
Ich beschreib wahrscheinlich nur meine Utopien,
Doch alle werden als Orginal geboren, und viele sterben als Kopien.

"Niemandsland" ist ein wunderbares Team-Work von Maeckes mit Tua. Beide haben wieder ganz hervorragende Arbeit geleistet. Maeckes' Part ist so witzig und ironisch, dass man laut lachen müsste, wenn das Thema nicht so traurig wäre:

Willkommen im Land, in dem Milch und Honig fließen
Doch wird die Milch schnell schlecht und der Honig klebt fest
Und das Mondlicht hängt im Netz der Atomenergie
Kolibris sieht man Koka zieh'n, um hochzufliegen
Während du der Illusion erliegst
Alle deine Angstzustände werden zwangsverpfändet
Hast du Angst, du könntest ohne sie kollabier'n?
Wenn dir nichts fehlt, scheint es, als ob du alles hast
Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht
Ich lieg' wach, YouTube-Videos
Bring' mich durch die Nacht, jede Erinnerung zerplatzt
Mit jedem Bissen wird man hungriger, unsicher
Wer man is', weil um dich herum sind alle Wunderkinder
Ungefiltert droht dich der Alltag zu vergiften
Unsere Existenzen sind reine Unterhaltungsmechanismen
Denn ich werd' nie erkannt, hier wurde Liebe verbannt
Dafür gibt's sonst alles hier im Niemandsland, na vielen Dank

"Pisse aus Weingläsern" ist purer Sarkasmus und eine absolut geniale Kollaboration mit JAW. Die Parts beider Künstler sind fehlerfrei, Rap in höchster Perfektion, was Form und Inhalt angeht, soweit das hier zumindest beurteilt werden kann:

Ihr trinkt Pisse aus Weingläsern,
Schaufelt Scheiße aus feinstem Meißner-Porzellan in euch hinein.
Jeder von euch ein einziger Design-Fehler.
Ihr seid Krankheiten, die jedes mal vorbeigeh'n, wenn sie Leid seh'n,
Ihr scheiß Täter! Keiner macht 'nen Fehler.
Ihr hängt Wunderbäume über frisch geschaufelte Massengräber
Tagsüber wachsam vor den Fernsehgeräten
Könnt ihr nachts nich' schlafen aus Angst vor Schläfern
Eure Philharmonien spielen Klingelton-Sinfonien auf Mülldeponien
Ihr esst Früchte von Bäumen, an denen Menschen hingen.
Kein Produkt dieser Welt kann uns besänftigen
Aus Angst vor immer mehr tickenden Uhren
Macht ihr Last-Minute-Urlaub in Militärdiktaturen
Per Billigflug, wer bin ich nur? Lästiger Spam.
Da sind keine Gesichter mehr, wenn wir die Masken abnehmen.



Beide Rapper, JAW und Maeckes, beweisen hier erstens Mut zur Ehrlichkeit und zweitens große Kunst. Die erbärmliche Heuchelei der modernen Gesellschaft mit all ihren Täuschungen und Selbsttäuschungen wird entlarvt durch zwei Menschen, die sich wie "Verrückte" aufspielen und offenbar nicht "normal" und "nicht ganz richtig im Kopf" sind. 

Aber wer hat denn wissenschaftlich bewiesen, dass "Verrückte" nicht aus vernünftigen Gründen "verrückt" geworden sind? Seit wann ist der "normale" Bürger ein guter Mensch? Und wie "richtig" liegen Menschen, die zu 70% die Forderungen linker Parteien voll und ganz teilen, aber dann doch immer wieder die "konservativen" und "liberalen" Parteien wählen? Wer sind hier die Idioten und wer die Vernünftigen? Zeigt mir Studien! Los! Ich warte auf halbwegs objektive Nachweise, solange ich oder ihr nicht beerdigt seid. Bin da sehr geduldig. Maeckes muckt mit Mucke auf. Das ist mein Fazit, ihr scheiß Täter. ;-)