Posts mit dem Label Klassengesellschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Klassengesellschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 9. Februar 2015
Bürgertum vs. Unterschicht im SPIEGEL
"Umso größer das Bedürfnis der Mittelschichten, sich abzusetzen
gegenüber den gesellschaftlichen Verlierern. Sich und anderen zu
vergewissern: Mir kann nicht passieren, was der Unterschicht passiert,
denn ich bin grundlegend anders als die." - so steht es geschrieben in einem absolut bemerkenswerten Artikel von Christian Rickens im SPIEGEL:
Sonntag, 7. Dezember 2014
Edoardo Sanguineti: "Man muss den Klassenhass wiederherstellen"
Man muss den Klassenhass wiederherstellen. Sie hassen uns, wir müssen das erwidern. Sie sind die Kapitalisten, wir sind die Proletarier der heutigen Welt: nicht mehr die Fabrikarbeiter von Marx oder Maos Bauern, sondern "all jene, die für einen Kapitalisten arbeiten, die in irgend einer Weise einem Kapitalisten unterstehen, der ihre Arbeit ausbeutet". Ein Punkt liegt mir am Herzen. Ich sehe, dass heute darauf verzichtet wird, über das Proletariat zu reden. Im Gegensatz dazu glaube ich, dass es keinen Grund gibt, sich für ein erneutes Aufwerfen dieser Frage zu schämen.Das pfeifen die Spatzen vom Dach: das Proletariat existiert. Es ist ein Missstand, dass das Klassenbewusstsein den Rechten überlassen wird, während die Linke sich schrittweise entproletarisiert. Man muss hingegen den Klassenhass wiederherstellen, denn sie hassen uns, und wir müssen das erwidern. Sie betreiben Klassenkampf. Warum sollten die Arbeitenden ihn nicht betreiben - ausgerechnet in einer Phase, in der der Mensch die am meisten entwertete und ausverkaufte Ware überhaupt ist?
Es ist wesentlich, das Klassenbewusstsein des heutigen Proletariats wiederzuerlangen. Es ist wichtig, die Existenz des Proletariats zu bekräftigen. Die Proletarier sind heutzutage sogar Ingenieure, Akademiker, prekär Beschäftigte und Rentner.* Alsdann gibt es das Subproletariat, das existenzielle Probleme hat, und dem die Rechte mit Erfolg das Blaue vom Himmel verspricht.
Edoardo Sanguineti
Genua, Januar 2007
Quelle: contropiano.org
übersetzt von Alëša und AlexithymiaN
*In Italien sind Ingenieure und Akademiker typischer Weise schlechter bezahlt als in Deutschland.
Mittwoch, 5. Februar 2014
Menschen, Recht und Menschenrecht
In diesem Artikel geht es um das Verhältnis von Rechten und speziell Menschenrechten zu ihren Schöpfern, den Menschen. Teil 1 der Serie über Menschenrechte und Klassenkämpfe.
Menschen, Rechte und Menschenrechte
Es existiert kein Recht und kein Menschenrecht ohne Menschen. Menschen machen sich ihre Rechte. Menschenrechte sind daher nicht angeboren, sondern sozial konstruiert. Sie entstehen im Kopf der Menschen und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Ohne Menschen, die für Recht und Menschenrechte eintreten, gibt es keine Rechte und keine Menschenrechte. Der Mensch ist also die Wurzel des Rechts. Das Recht an seiner Wurzel zu erfassen, am Menschen, ist radikal sein in Bezug auf Recht und Ordnung.
"Recht", "Recht haben", "Recht behalten" usw. sind also soziale Konstrukte, Erfindungen der Menschen. Es sind im Grunde Ideen oder Werte, die das Handeln der Menschen anleiten sollen, damit es nicht zu unnötigen zwischenmenschlichen Problemen, d.h. zu Unrecht, kommt. Unrecht ist ebenfalls eine soziale Konstruktion, aber das ändert nichts daran, dass Recht und Unrecht äußerst real sind. Überall auf der Welt gibt es Recht und Unrecht in ganz großem und in ganz kleinem Maßstab. Zum einen gibt es bereits Unterdrückung zwischen zwei Menschen, familiäre Unterdrückung, häusliche Gewalt, Mobbing, Kriminalität und strukturelle Gewalt auch in den aller modernsten Gesellschaften. Diese müssen im Sinne des Rechts bekämpft werden, wenn nötig auch mit Hilfe staatlichen Rechtes oder mit kleinen, persönlichen Aufständen. Zum anderen gibt es ganz großes Unrecht auf höchster Ebene.
Aber alles echte Recht der Welt steht auf Seiten der Unterdrückten und entlarvt ausnahmslos alle Unterdrücker und Tyrannen dieser Welt. Insofern sind Ausdrücke wie "Recht haben" oder "Recht behalten" absolut treffend. Recht haben, Rechte, Anerkennung und Achtung der Menschenrechte, Wahrheit, Ehrlichkeit, Ehrwürdigkeit, Würde und Kampf für Menschenrechte gehören ohne Zweifel zusammen. "Unrecht haben" und "bloß gestellt sein" sind ebenso treffend. Denn Unrecht haben, Unrecht, "Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte", Lug, Trug, Würdelosigkeit, Heuchelei und Tyrannei gehören ohne Zweifel ebenfalls zusammen
Das Problem ist, dass sich Unrecht stets als Recht tarnt. Auch die größten Tyrannen schämen sich nicht, Worte wie "Wahrheit", "Freiheit", "Gerechtigkeit", "Gleichheit", "Demokratie", "Recht" usw. mit ihrer Heuchelei zu beschmutzen. Solche Heuchelei dient immer der Verkleidung von Egoismus, Partikularinteressen und Unrecht im strahlenden Kleid des Rechts. Tyrannen schmücken sich nicht umsonst immer mit den Insignien und Reliquien von Heiligen, Märtyrern und Freiheitskämpfern.
Gerade die Staatsmacht und die sogenannte "Herrschaft des Rechtes", gleich wie modern die jeweilige Gesellschaft ist, dienen ja vor allem den Interessen des jeweiligen Staates und den Herrschenden. Durch "die Herrschaft des Rechts" behalten die Herrschenden Recht. Das herrschende Recht ist in der Klassengesellschaft an sich stets das Recht der Herrschenden, der herrschenden Kapitalisten, der stärkeren Klassen, des Stärkeren. Wie die herrschenden Gedanken die Gedanken im Sinne der Herrschenden sind, ist das herrschende Recht im Sinne der Herrschenden.
In der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 wird der "Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung" als "letztes Mittel" zum Zweck der Durchsetzung von Menschenrechten benannt:
"[...] da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen [...]"
Da Aufstände nie völlig friedlich sein können, wurde damit also die Gewalt als legitimes Mittel gegen Tyrannei und Unterdrückung durch die Unterzeichnerstaaten der Erklärung anerkannt. Die Erklärung wurde also im Sinne von Staaten unterzeichnet, die sich die internationale Durchsetzung der Menschenrechte auf die Fahne geschrieben haben. Das geschah nur drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, des bisher barbarischten und tyrannischsten Menschenmordes der Weltgeschichte, was ausgerechnet vom hochmodernen deutschen Staat und seinen Verbündeten und den Alliierten umgesetzt wurde. Nach dem Massenmorden kam die späte Erkenntnis, dass man durch internationales Recht oder frühzeitigen Aufstand viele unnötige Todesopfer hätte verhindern können. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 diente also vor allem der Beruhigung der Gewissensbisse der Herrschenden und der Legitimation der damals herrschenden Staatsmächte.
| "Demokratie"? Die Herrschaften ("Kratie") pissen auf das Volk ("Demo(s)"), Karikatur von Oliver Schopf: http://www.oliverschopf.com/img/pol_kar/welt/w603x486/demokratie_protest.jpg |
Woher kann man wissen, dass nicht die Rettung echter Menschenleben und echtes Recht die oberste Priorität bei der Erklärung einnahmen? Ganz einfach. Im selben Jahr als die Erklärung proklamiert wurde, 1948, wurde z.B. mit Hilfe einiger Unterzeichner-Staaten jegliches Menschenrecht mit Füßen getreten und mit ihm gleich hunderttausende Palästinenser aus ihrer Heimat vertrieben und unzählige ermordet, misshandelt und vergewaltigt, um den Staat Israel auf ehemals palästinensischem Boden zu sichern.
Als Antwort auf die Gründung Israels kam es in den umliegenden arabischen Staaten zu einem gewaltsamen Aufstand gegen das, was sie als ungeheuerliches Unrecht und als Heuchelei einiger Unterzeichner-Staaten auffassten: die Beraubung und Vertreibung hunderttausender Menschen von ihrem "rechtmäßigen" Territorium. Die Zionisten, die mit allen Mitteln für die Gründung eines jüdischen Staates kämpften, sahen das natürlich anders. Für viele von ihnen war Palästina das "rechtmäßige" Territorium der Juden.
Dass dieser Zwist um Recht und Unrecht bis heute anhält und den Weltfrieden nicht nur bedroht, sondern völlig unmöglich macht, zeigt wie wichtig es den Menschen ist, "Recht zu behalten", "Recht zu haben". Dass der Konflikt erst ein Ende nehmen kann, wenn ein sogenannter "Rechtsstaat" in diesem Gebiet gegründet wird, der allen seinen Anwohnern, Einwohnern und Bürgern gleiches Recht zugesteht, ist den linken Antizionisten und linken Postzionisten schon lange klar. Aber Nationalisten und Zionisten diverser Länder wollen solch eine Lösung offenbar nicht, weil es ihre Herrschaft oder ihre Privilegien bedrohen würde.
Wenig später kam es 1950-1953 zum Korea-Krieg, in dem die zwischen Nordkorea, der UdSSR und China einerseits und Südkorea und den USA andererseits ein weiterer katastrophaler Krieg ausbrach, in dem allein über eine Million Chinesen, eine Million Südkoreaner und zwei einhalb Millionen Nordkoreaner starben, nur um beim Eroberungskrieg die selben Grenzen wie zuvor wiederherzustellen und bis heute die militarisierteste Region der Welt zu schaffen. Man darf daran zweifeln, ob es den Kriegsführern um Menschenrechte ging.
Die USA bekleckerten sich schon seit den 50er Jahren nicht mit Ruhm als sie in der "McCarthy-Ära" Kommunisten, Sozialisten, Radikale, Demokraten und unpolitische Bürger verfolgten. Presse- und Gewissensfreiheit sind offenbar ohnehin nicht das Ding des amerikanischen Staates. Aber der amerikanische Vietnam-Krieg von 1965-1975 überbot alle bisherigen Schandtaten der USA noch bei weitem. Wie der Korea-Krieg war auch der Vietnam-Krieg ein Stellvertreter-Krieg zwischen der westlichen und der östlichen Supermacht und wieder ging es um ein geopolitische Aufteilung eines Landes nach politischen Sympathien. Diesmal siegten jedoch die Stellvertreter des Ostblocks, indem sie ganz Vietnam eroberten und dem amerikanischen Kriegsterror zehn Jahre lang Widerstand leisteten. Die Bilanz des Krieges schloss bis zu vier Million tote Zivilisten und Soldaten ein, aber auch hunderttausende Verletzte, Traumatisierte und Deklassierte. Es ging hier nicht um Menschenrecht, sondern um Klassenkampf und Geopolitik.
Die Liste der Verbrechen der Unterzeichner-Staaten kann beliebig lang weitergeführt werden. Der staatlichen Untaten und Gräuel gibt es unzählige. In der Klassengesellschaft erfolgen Tyrannei und Unterdrückung mehrheitlich durch staatliche Bürokratien und die Herrschenden, da die Macht der herrschenden Klassen und die Staatsmacht zusammen die mächtigsten Gruppen auf diesem Planeten sind. Aber selbst die modernsten Staaten sind heute nicht frei von Tyrannei und Unterdrückung.
Der deutsche Staat unterdrückt seine Bevölkerung auf subtile und offensichtliche Weisen. Außerdem unterdrückt er gewisse Gruppen der Gesellschaft kaum, während er andere in hohem Maße zu unterwerfen versucht. Seine unterdrückerischen Methoden umfassen zum einen subtile Maßnahmen wie strukturelle Gewalt, systematische und tolerierte Diskriminierungen und staatliche Ideologieproduktion durch Medien, Zensur und Desinformation. Zum anderen schließen seine Methoden auch erbärmliche Diffamierungskampagnen, brutale Polizeigewalt und Militäreinsätze ein.
Auf fast jeder antifaschistischen Aktion, sei sie noch so friedlich, schlagen die Bullen zu oder sprühen zumindest aus Spaß ein wenig Pfefferspray raus. Oft werden jugendliche Aktivisten gedemütigt und misshandelt, wenn sie nach einer Aktion unrechtmäßig inhaftiert werden für begrenzte Dauer. Die Polizeigewalt bei den Nazi-Blockaden gegen Demokraten und in Stuttgart gegen die bürgerlichen Demonstranten werden niemals vergessen werden. Die Polizei ist dafür da, um zuzuschlagen. Sie ist der tollwütige Pitbull des Staates.
Dieser Staat ist ein Staat, der die Menschheit hasst. Sogar einen Großteil seiner eigenen Bevölkerung behandelt er wie Abschaum, aber andere Völker behandelt er noch viel schlimmer. Oberst Klein, der für die Ermordung von Zivilisten in Afghanistan auch noch zum General befördert worden ist, ist nur ein Beispiel für die Menschenverachtung durch den bundesrepublikanischen Staat.
Auf fast jeder antifaschistischen Aktion, sei sie noch so friedlich, schlagen die Bullen zu oder sprühen zumindest aus Spaß ein wenig Pfefferspray raus. Oft werden jugendliche Aktivisten gedemütigt und misshandelt, wenn sie nach einer Aktion unrechtmäßig inhaftiert werden für begrenzte Dauer. Die Polizeigewalt bei den Nazi-Blockaden gegen Demokraten und in Stuttgart gegen die bürgerlichen Demonstranten werden niemals vergessen werden. Die Polizei ist dafür da, um zuzuschlagen. Sie ist der tollwütige Pitbull des Staates.
Dieser Staat ist ein Staat, der die Menschheit hasst. Sogar einen Großteil seiner eigenen Bevölkerung behandelt er wie Abschaum, aber andere Völker behandelt er noch viel schlimmer. Oberst Klein, der für die Ermordung von Zivilisten in Afghanistan auch noch zum General befördert worden ist, ist nur ein Beispiel für die Menschenverachtung durch den bundesrepublikanischen Staat.
Aber wenn sogar so moderne Staaten wie die BRD noch immer zutiefst repressiv sind, was bringen dann Rechte, Menschenrechte und andere Errungenschaften? Sind Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und dergleichen dann nicht nutzlos und bloße Fassade im Sinne der Herrschenden? Nein. Die Errungenschaften, die über Jahrhunderte und Jahrzehnte erkämpft worden waren, sind neben dem Leben selbst das größte Gut für die Menschheit. Aber sind die Errungenschaften nicht automatisch gekommen? Immerhin entwickelt sich die Gesellschaft ja stets weiter. Nein. Die gesamten Errungenschaften für die Menschheit sind Errungenschaften, die den herrschenden Klassen im Klassenkampf abgerungen worden waren. Alles andere ist schlecht gewordener Quark.
Die Erkämpfung von Menschenrechten in weltweiten Klassenkämpfen
Die gesamten Errungenschaften für die Menschheit sind also Errungenschaften, die den herrschenden Klassen im Klassenkampf abgerungen worden waren? Ist dem so? Was ist denn mit der Demokratie, mit der Gleichheit vor dem Gesetz, mit der Pressefreiheit, mit der Krankenversicherung, mit dem Verbot der Kinderarbeit, mit der Schulbildung, mit der Aufklärungsphilosophie, mit der Emanzipation der Frau und dem Ende der Sklaverei? Sind das etwa im Klassenkampf errungene soziale Errungenschaften? Kamen diese Dinge an sich nicht automatisch zustande? Waren sie nicht ein an sich natürliches Produkt der gesellschaftlichen Entwicklung? Sind sie nicht Teil der menschlichen Natur?
Nein, allein schon die Idee ist zum Totlachen lächerlich. An sich wurden all diese Dinge von unterdrückten Menschen für sich errungen, mit viel Mühen und im Klassenkampf, d.h. sie sind soziale Konstrukte, die den Herrschenden aller Zeiten mit Gewalt abgezwungen wurden. Denn die Herrschenden hatten an sich zunächst keinerlei Interesse an diesen Dingen. Aber sobald die Dinge sich durchgesetzt hatten und es nicht mehr normal war, Kinder zur Arbeit zu schicken oder Bürger vor dem Gesetz offenbar ungleich zu behandeln, war es im Interesse der herrschenden Klassen, diese Errungenschaften in gewissem Maße für sich zu vereinnahmen und sie in gewisser Weise nicht anzuzweifeln.
| Die Ideale der französischen Revolution mussten im Klassenkampf durchgesetzt werden. |
Denn das Verbot von Kinderarbeit, von Sklaverei, von Vergewaltigung in der Ehe etc. und die selbstverständlich erscheinenden Rechte der Frau, wählen zu können, nach eigenem Gewissen abtreiben zu können, sich scheiden zu können etc. sind ebenso Früchte des schärfsten Klassenkampfes wie die Proklamation der Menschenrechte in der französischen Revolution von 1789 und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948.
Das Recht auf Klassenkampf ist das Recht der Menschen
Unser Fazit kann lauten: Das Recht auf Klassenkampf ist das ureigenste Recht der Menschen. Die Menschheit ist in höchstem Maße an Klassenkampf interessiert. Ohne Klassenkampf käme die Menschheit keinen Schritt voran. Es gibt aber, seit es die Klassengesellschaft gibt, an sich ohnehin keinen Moment, in dem es nicht zum Klassenkampf kam. Klassenkampf und Klassengesellschaft sind im Grunde das selbe. Das eine ist daher ohne das Andere nicht denkbar. Die Utopie einer kapitalistischen Klassengesellschaft ohne Klassenkampf ist bloßes Fantasieprodukt wie das Schlaraffenland auch. Es kann keine Klassengesellschaft ohne Klassengesellschaft geben.
Allerdings kann Klassenkampf zurückgedrängt, gedämpft und verschleiert werden. Es kann, wie heute in Deutschland z.B., dazu kommen, dass Klassenkampf fast nur von einer Seite betrieben wird. Es kann zu einer relativen Dominanz des Klassenkampfes von oben kommen. Es kann passieren, dass sich die unterdrückten Klassen kaum wehren, stumm und passiv bleiben, während zugleich ihre innersten Klasseninteressen mit Füßen getreten werden. Die Schlangenlederstiefel der Herrschenden können unter Umständen auf die Pantoffeln der Beherrschten treten, ohne das letztere aufschreien, protestieren oder rebellieren. Das ist in Deutschland im Grunde in den letzten Jahrzehnten passiert. In Griechenland passiert dagegen zur Zeit etwas ganz Anderes. Da wird geschrien, protestiert und rebelliert was das Zeug hält. Allerdings reicht der Protest der griechischen Arbeitenden nicht aus, um die Menschenfeind-Clique des dunklen Lords Angelo Merte zu verscheuchen, die mit Klassenkampf von oben ganz Europa verwüstet.
In der französischen Revolution von 1789, in der russischen Revolution von 1917, in der deutschen Revolution von 1918, in der chinesischen Revolution von 1925-1927, in der spanischen Revolution der 30er Jahre und so weiter kam es dagegen zur Dominanz des Klassenkampfes von unten. Die unterdrückten Klassen wurden selbstbewusst und wagemutig. Daher nahmen sie sich das Recht, mit dem "letzten Mittel", dem Aufstand, die Herrschenden und Tyrannen dieser Welt in Angst und Schrecken zu versetzen. Dem Menschen wäre mehr von diesem "Schrecken" zu wünschen, damit überall auf der Welt die Menschenrechte durchgesetzt werden.
In der französischen Revolution von 1789, in der russischen Revolution von 1917, in der deutschen Revolution von 1918, in der chinesischen Revolution von 1925-1927, in der spanischen Revolution der 30er Jahre und so weiter kam es dagegen zur Dominanz des Klassenkampfes von unten. Die unterdrückten Klassen wurden selbstbewusst und wagemutig. Daher nahmen sie sich das Recht, mit dem "letzten Mittel", dem Aufstand, die Herrschenden und Tyrannen dieser Welt in Angst und Schrecken zu versetzen. Dem Menschen wäre mehr von diesem "Schrecken" zu wünschen, damit überall auf der Welt die Menschenrechte durchgesetzt werden.
Dienstag, 21. Januar 2014
Majakowski als Dichter der Revolution, Teil 1
Majakowski als Dichter der Revolution. Teil 3* der Serie zu Marxismus und Kunst. Nachdem im ersten Teil bereits die Ästhetik von Georg Lukács dargestellt worden war, scheint es passend zu sein, nun Majakowski, seinen extremen Gegenspieler innerhalb des sozialistischen Lagers vorzustellen.
Lukács war klassizistischer Literaturkritiker und verabsolutierte die kritisch-realistische Kunst des 19. Jahrhunderts, die er zum Vorbild für sozialistische Künstler stilisierte, wohingegen er die abstrakte und avantgardistische Kunst verachtete.
Majakoswki dagegen war der schillerndste und wichtigste Vertreter genau dieser modernen Avantgarde-Kunst, die das Begräbnis der kritisch-realistischen Kunst ausrief. Ein größerer Gegensatz innerhalb der linken Kunstdebatte ist kaum denkbar. Allerdings wurde die entsprechende Debatte zwischen Lukács und Brecht geführt. Majakowski starb zu früh, um daran Anteil haben zu können. Trotz seines frühen Todes ist Majakowski unsterblich geworden.
Wladimir Wladimirowitsch Majakowski (1893-1930) könnte problemlos zu den Sozialisten gezählt werden, die sich mit Kunst und Ästhetik am intensivsten befasst haben. Er war daneben ein großartiger Künstler und Verehrer Lenins. Die Oktoberrevolution 1917 war für ihn ein epochales Ereignis, das er mit Wort und Tat unterstützen wollte. Seine Kunst widmete er spätestens seit der bolschewistischen Machtübernahme im Oktober ganz der Sache des Kommunismus. Aber das machte ihn nicht zum bloßen Parteisoldaten. Sein Privat- und sein Seelenleben waren ebenso spannend und er führte es wie ein hedonistischer Künstler und nicht wie der asketische Lenin. Edward J. Brown charakterisierte Majakowski in seiner Biographie wie einen bunten Hund:
Die privaten Absonderlichkeiten Majakowskis sind einen eigenen Artikel wert und unmittelbar mit seiner politischen Dichtung verbunden. Seine irrationale Angst vor Schmutz und Infektion hat ebenso in seine Dichtung gefunden wie sein ebenso irrationales Liebesleben und seine Sehnsüchte. Brown schreibt:
Majakowski hatte diverse Macken und Eigentümlichkeiten dieser Art. Seine Beziehung zu Frauen war z.B. gewiss nicht einfach und seine ungestüme Art führte ihn schon als Teenager mehrfach ins Gefängnis. Denn als Jugendlicher war er bereits einer der mutigen Revolutionäre, die den Zarismus stürzen wollten. Hier ist vor allem seine Rolle als "Dichter der Revolution" von Interesse. Denn kaum ein anderer Dichter hat sich so sehr bemüht, Dichtung und Revolution zusammenzuführen.
Schon bei unpolitischen Künstlern ist es eine Torheit, die Welt der Kunst und die Welt des Künstlers völlig voneinander trennen zu wollen. Bei einem betont politischen Künstler wie Majakowski wäre es eine Todsünde. Majakowkis Kunst versteht man erst durch sein Leben und die Gesellschaft, in der er lebte. Brown schreibt in diesem Sinne:
Nachdem er den libertären Demokraten Lenin verehrt und ihm nach dessen Tod 1924 ein Poem gewidmet hatte, schrieb er seit Stalins Aufstieg zum Super-Bürokraten auch stalinistische Propaganda. Die Parteilichkeit gehörte schließlich zu seinem Verständnis von revolutionärer Kunst. Entsprechend wurde er auch von den Stalinisten bejubelt. 1930 jedoch beging er Selbstmord, wohl auch, weil die Bürokratisierung der sowjetischen Gesellschaft entsetzliche Ausmaße angenommen hatte und die gleichgeschalteten und versnobten Sowjet-Bürger kaum verstanden, was er ihnen mit seiner Kunst sagen wollte. Selbstmord war die poetischste Lösung des Problems!
Majakowskis Widersprüchlichkeit liegt also vor allem darin, dass die Spannung zwischen seinem Privatleben und seinem politischen Leben, seinem Bekenntnis zur klassenlosen Gesellschaft und zum Realsozialismus und seine Hochachtung für den Demokraten Lenin und den Autokraten Stalin sein Leben zerrissen haben. Sein Versuch, diese Gegensätze in sich zusammenzubringen, schlug fehl. Der Freitod bot ihm einen Ausweg aus dieser Spannung.
Obwohl Majakowski schon in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts Sozialist war, konnte man ihn bis 1917 ohne Weiteres zu den russischen Künstlern zählen, die keine explizit sozialistische Kunst machten. Er war einfach ein Futurist. Die Futuristen verstanden sich zwar wie alle neuen künstlerischen Richtungen als Revolutionäre und als Avantgarde ihres Fachs, aber das war bis dahin nichts Herausragendes im Vergleich zu anderen Richtungen. Erst ab 1917 wurde seine Ästhetik eine explizit sozialistische Ästhetik.
Der russische Futurismus war, anders als der italienische unter Marinetti, kein Produkt von zutiefst bürgerlichen und zudem reaktionären Apologeten der Technokratie, sondern ein künstlerischer Protest aufsteigender Klassenmilieus mit revolutionärer Gesinnung. Anders als den italienischen Futuristen ging es den russischen Futuristen weniger um die Verherrlichung kriegerischer Akte und neuer Herrschaftstechniken als um eine Kampfansage gegen verkrustete Strukturen, den Muff des Zarenmantels und um eine Emanzipation menschlicher Möglichkeiten. Ihre Kunst war "große Kunst" (Lukács) im Sinne einer anvisierten Befreiung der Menschheit durch die Fortschritte der wirtschaftlichen und künstlerischen Technik.
Leo Bronstein, genannt "Trotzki", ein führender Vertreter der proletarischen Avantgarde, würdigte diese Entwicklung in einem Artikel:
Anders als der politische Polyphem Lenin und der geistesgeschichtliche Gigant Lukács, die die kritischen Realisten verherrlichten, schätzte der intellektuelle Titan Trotzki die futuristische Strömung als künstlerisches Experiment besonders hoch ein. Er glaubte, dass die neuen, avantgardistischen Richtungen in Russland und Europa die adäquaten Spiegelungen der neuesten sozialen Entwicklungen waren. So schrieb er:
Trotzki gibt hiermit im Grunde nur wieder, was die Futuristen vor ihm gesagt hatten. Der Futurismus war im Grunde eine künstlerisch ausgeformte "Vorahnung" (Trotzki) der zukünftigen Katastrophen und Fortschritte, der Zukunft. Trotzkis scharfsinniger Verstand hat aber noch weit mehr begriffen als das.
So wie er eine großartige Revision des Marxismus auf politischem Gebiet vornahm, nahm Trotzki auch eine Revision der marxistischen Kunstauffassung vor. Nachdem er bereits 1906 Marxens These der "permanenten Revolution" zu einer vollwertigen und praxisnahen Theorie der "ungleichen und kombinierten Entwicklung" von Revolutionen weiterentwickelt hatte, entwickelte er nun eine Theorie der ungleichen und kombinierten Entwicklung in der Kunst. Er vermerkte:
Diese Idee einer künstlerischen Antizipation der russischen Revolution ist im Übrigen auf die ganze russische Literatur seit dem 18. Jahrhundert anwendbar. Bis dahin steckte die russische Literatur noch in Kinderschuhen. Aber seit Puschkin (1799-1837), Anfang des 19. Jahrhunderts, wuchs die noch junge russische Literatur zum Riesen in der Weltliteratur heran, von dem die russischen Dichter heute noch zehren können. In jedem anständigen Kanon der Weltliteratur sind daher zurecht einige Russen genannt, fast immer Tolstoi und Dostojewski, aber auch Pasternak oder Nabokow.
Die jämmerlichen sozialen und politischen Verhältnisse Russlands im 19. Jahrhundert ermöglichten es den Literaten paradoxer Weise, unsterbliche Meisterwerke und menschliche Höchstleistungen zu schaffen. Denn die sozialen Widersprüche des sich entwickelnden Kapitalismus erreichten in Russland eine so große Spannung, dass sie die ganze gesellschaftliche Ordnung bedrohten. Eine Aufarbeitung der Ursachen für diese Spannung war absolut notwendig, wenn man eine soziale Explosion verhindern wollte.
Die zaristische Autokratie allerdings, der reaktionärste Polizeistaat Europas, unterdrückte die Gewissens-, Rede- und Pressefreiheit mit aller Kraft, die ihre Bürokratie noch aufbringen konnte. Die gebildeten Klassen konnten daher gar nicht anders als diese Spannungen von ihren Vertretern künstlerisch verpackt zu erfassen. Die schönen Künste waren der einzige Ort, an dem sich die Intelligenz des Zarenreiches frei austoben konnte. Und die Darstellung der realen Spannungen zwang sogar reaktionäre Künstler wie Dostojewski dazu, äußerst radikale Kunstwerke zu produzieren, die im Grunde schon Jahrzehnte vor der Oktoberrevolution dieselbe vorhersahen. Majakowski war also nicht der erste Dichter der Revolution. Aber er war wohl der bewussteste Dichter der Revolution.
Die Entwicklung der russischen Revolution hat Majakowskis Kunst und der Kunst in ganz Russland einen enormen Auftrieb gegeben. Majakowski gewann durch die neue soziale Perspektive auch eine neue ästhetische Perspektive. Dieser Mann war bereit, alles für diese Perspektive zu tun und bewies das künftig.
Kunst sollte nun noch mehr als zuvor ihre Möglichkeiten ausreizen. Diese sollten mit den neuen gesellschaftlichen Möglichkeiten im revolutionären Russland einhergehen. Kunst sollte die Avantgarde in der Politik unterstützen und damit wirklich zu einer Avantgarde-Kunst werden.
Besonders paradox ist bei Majakowski die komische Verbindung von äußerster Parteilichkeit und äußerster Autonomie der Kunst. Denn die nun auch künstlerisch wirksame Parteilichkeit schränkte Majakowskis Kunst nicht ein. Seine Parteilichkeit zwang ihn nicht zu blindem Gehorsam gegenüber der kommunistischen Partei und nicht zur Fesselung seiner Kunst durch Politik. Vielmehr entfesselte sie seine Kunst! Die politische Leidenschaft Majakowskis befreite seine künstlerische Leidenschaft.
Das veränderte seinen Begriff von Kunst, die nun die Kunst der Avantgarde der Menschheit sein sollte. Die Befreiung der Kunst von Altlasten sollte die Befreiung der Menschheit von Altlasten unterstützen und letzterer vorausgehen. Die neuen sozialen Möglichkeiten im revolutionären Russland sollten neue künstlerische Möglichkeiten eröffnen. Ulbrecht schreibt in diesem Sinne:
Seit 1917 sah Majakowski die Grenzen aller vorangegangenen Kunst samt des bisherigen Futurismus klarer. Diese Einsicht ermöglichte eine radikale Kritik an bisherigen Künsten und Medien: Lyrik, Dramatik, Epik, Malerei, Fotographie, Filmographie, Architektur und Modellbau. An Stelle der alten Formen sollte etwas Neues treten, dessen Formen noch unklar blieben. So schrieb Majakowski in seiner typisch martialischen Ausdrucksweise:
Das Leben in Russland hatte bereits die alten sprachlichen Konventionen überholt. Die alte Sprache, die Majakowski nun konservativ und unpraktisch erschien, war tatsächlich zum Hindernis geworden. Eine neue Sprache musste her, um der neuen Realität gerecht zu werden. Aber was für eine Sprache sollte das sein? Das war auch den Avantgarde-Künstlern und Majakowski noch nicht klar. Sie mussten daher experimentieren.
Klar war jedoch bereits, dass die neue Realität zu komplex geworden war für die alte Sprache eines Puschkin oder eines Tolstoi. Die neue Sprache musste fähig werden, die neue Kompliziertheit darzustellen. Dafür brauchte es neuer Inhalte und neuer Formen in der Sprache. Eine völlig neue Sprache aus dem Nichts heraus zu entwickeln, war dennoch nicht der Weg, den Majakowski einschlug.
Die sozialistischen Avantgarde-Künstler wussten, dass sie die alten Sprach- und Denkgewohnheiten nicht völlig ausradieren konnten, sondern weiterentwickeln mussten. Schließlich wollten sie kein kleiner elitärer Kreis bleiben, wie die italienischen Futuristen, die deswegen auch völlig versagten, sondern die gesamte Gesellschaft umwälzen. Dafür mussten sie praktische Neuerungen der Sprache anbieten. Schklowski, der große Theoretiker des russischen Formalismus, vermerkte passend dazu:
Eine "dialektische Anwendung des Alten" durch Montage? Was meinte er damit? Dialektik und Montage sind zwei zentrale Begriffe, um Majakowskis Ästhetik wie die Ästhetik der anderen sozialistischen Avantgardisten zu begreifen.
Die Dialektik kann als konfliktgeladene soziale Bewegung verstanden werden, die keine starren Verhältnisse erlaubt. Alles ist stets in Bewegung. Auch scheinbar uralte gesellschaftliche Gewohnheiten und Beziehungen sind stetem Wandel unterworfen. Dieser Wandel geht in Form von mit einander ringenden Tendenzen vor sich. Die progressiven Kräfte Russlands z.B. setzten sich im Kampf gegen die reaktionären Kräfte durch, sodass es zur Oktoberrevolution gekommen war. Die Dialektik der Gesellschaft, die explosiven Spannungen zwischen verschiedenen sozialen Gruppen, erzwang eine Modernisierung des Ganzen. Die Revolution wurde absolut notwendig, um einen völligen Verfall der Gesellschaft zu verhindern. Revolution aber ist ein hektischer Tanz, den man beherrschen muss, um Chaos und unnötige Zusammenstöße zu vermeiden. Und die sind schwer zu vermeiden wegen der Uneinheitlichkeit der Gesellschaft. Deren Teilung und Zersplitterung in verschiedene Tendenzen verweist auf den anderen Begriff, die Montage.
Die Montage wurde zum wichtigen Prinzip der Avantgarde-Kunst. Es ging nicht wie in früheren Kunstwerken um Harmonie und Einheitlichkeit in der Kunst, sondern umgekehrt um die Disharmonie und Uneinheitlichkeit der Kunst. Sie waren Teil der neuen Realität, die nun nicht mehr durch ein einziges Prinzip gesteuert zu sein schien. Die frühere Einfachheit und Einheit der Gesellschaft und ihr Verständnis musste anders erreicht werden als durch die alten Mittel der Erkenntnis, denn die kapitalistischen Verhältnisse in Russland waren viel komplizierter geworden als es die vor-kapitalistischen Verhältnisse unter der Autokratie der Zaren noch waren.
Ulbrecht vermerkt in seiner Arbeit über Majakowski die Vorwegnahme des späteren postmodernen Denkens bei ihm. Das postmoderne Denken, welches seit den 70er Jahren die Uneinheitlichkeit, Fragmentierung, Zersplitterung, Vielschichtigkeit, Mehrdeutigkeit und Unvollendung gesellschaftlicher Strukturen im neoliberalen Kapitalismus auf die Ebene des Geistes hebt und übernimmt, ist daher keine ganz neue Erfindung der letzten Jahrzehnte, sondern ein älteres Phänomen.
Allerdings war Majakowski ein leidenschaftlicher Sozialist und hervorragender Künstler, dem daher klar war, dass es einen Unterschied zwischen Gesellschaft und Kunst, zwischen sozialer Fragmentierung und künstlerischer Widerspiegelung derselben gab. Diese Fähigkeit zur Differenzierung fehlt bei nicht wenigen postmodernen Gedankengebäuden, die daher notwendig einstürzen müssen wie billig gebaute Schulen im heutigen Sichuan. Ulbrecht jedenfalls merkt an:
Die dialektische Montage der Avantgardisten ist also ein Mittel der Aufklärung. Die Avantgardisten bekämpften das rationale und dialektische Denken nicht, sondern kritisierten mit genau solchem Denken die gefährliche Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft. Die war im Ersten Weltkrieg völlig außer Rand und Band geraten als die liberalen und sozialdemokratischen Bourgeoisien Europas ihren aufgeklärten Liberalismus in reaktionärstem Nationalismus ertränkten. Das "liberale" Bürgertum hat damit die bürgerliche Gesellschaft, die kapitalistische Bestie entfesselt. Da die bestialische Seite der bürgerlichen Gesellschaft der imperialistische Kapitalismus ist, führte ihre Entfesselung zu Massenmord und Massenverelendung. Angewidert von dieser "zivilisierten" Gesellschaft, wollten die antikapitalistischen Avantgardisten sie entlarven als das, was sie schon immer war: eine barbarische Klassengesellschaft, die überwunden werden muss. Dialektische Montage veranschaulicht diesen Zusammenhang von bürgerlicher "Zivilisiertheit" und kapitalistischer Barbarei, zweier kämpfender Tendenzen der heutigen Gesellschaft.
Der russische Futurismus war also in die revolutionäre Begeisterung geraten, die der Oktoberumsturz auf der ganzen Welt provozierte. Die Geistlosigkeit der tradierten bürgerlichen Kunst sollte nun ebenso hinweggefegt werden wie das geistlose Bürgertum Russlands. Ergraute Greise und ihre Klassiker sollten nun der radikalen Jugend und ihren Experimenten weichen. Selbst wenn Majakowski den russischsten aller Dichter, Puschkin, verehrte, so musste er vom "Dampfer der Gegenwart" gestoßen werden, wie Majakowski forderte. Puschkin hatte die moderne russische Sprache geprägt wie kein Anderer und gehört wieder in Form einer Gesamtausgabe in jedes gutbürgerliche Wohnzimmer, das etwas auf sich hält. Im revolutionären Russland des 20. Jahrhunderts war der verstaubte Puschkin aus dem 18. Jahrhundert (geboren 1799) jedoch reaktionär geworden.
Wie konnte das geschehen? Hatte Lukács nicht die ewige Schönheit Puschkins proklamiert? Hat Puschkin nicht die tiefsten menschlichen Probleme angesprochen? War er nicht noch immer hoch aktuell und damit revolutionär? Jein. Majakowski forderte im Gefolge der sozialen Revolution nichts anderes als eine Kulturrevolution. Majakowski war zwar kein Mao Zedong. Mao ließ in seiner "Kulturrevolution" die alte Kultur vernichten. Majakowski sah lediglich die Hürde als die sich die alte Kultur den politischen und künstlerischen Avantgardisten darstellte. Das konservative Festhalten an Puschkin wurde zum Hindernis.
Schließlich drohte die Gefahr der technokratischen Revolution. Die Technokratie, die Herrschaft einer Staatsmacht mittels immer weiter entwickelter Technik, hatte ihre gemeingefährlichste Gestalt bereits in den modernsten und "zivilisierten" Ländern gezeigt. Sie manifestierte sich schon im Ersten Weltkrieg, im aufstrebenden Faschismus und in den irrationalen und autoritären Tendenzen des geistigen Lebens in ganz Europa. Mit der gewaltsamen Niederschlagung der proletarischen Weltrevolution in jenen Jahren in Deutschland, Italien, Ungarn, Polen und China z.B., gelangte die Technokratie nun ausgerechnet im revolutionärsten, fortschrittlichsten und vorbildlichsten Land zur Höchstform: in Russland.
Brown, Edward J.: Mayakovsky. A Poet in the Revolution, Princeton 1973.
Ulbrecht, Siegfried: Die Dramatik des jungen Vladimir Majakovskij und des jungen Bertolt Brecht, Frankfurt am Main 1996.
Trotzki, Leo: Literatur und Revolution, Essen 1994.
*Im Blog sind kleine Korrekturen ja erlaubt, hehe. Vorher stand hier statt einer "3" fälschlicher Weise eine "2".
Lukács war klassizistischer Literaturkritiker und verabsolutierte die kritisch-realistische Kunst des 19. Jahrhunderts, die er zum Vorbild für sozialistische Künstler stilisierte, wohingegen er die abstrakte und avantgardistische Kunst verachtete.
Majakowskis Widersprüchlichkeit
Wladimir Wladimirowitsch Majakowski (1893-1930) könnte problemlos zu den Sozialisten gezählt werden, die sich mit Kunst und Ästhetik am intensivsten befasst haben. Er war daneben ein großartiger Künstler und Verehrer Lenins. Die Oktoberrevolution 1917 war für ihn ein epochales Ereignis, das er mit Wort und Tat unterstützen wollte. Seine Kunst widmete er spätestens seit der bolschewistischen Machtübernahme im Oktober ganz der Sache des Kommunismus. Aber das machte ihn nicht zum bloßen Parteisoldaten. Sein Privat- und sein Seelenleben waren ebenso spannend und er führte es wie ein hedonistischer Künstler und nicht wie der asketische Lenin. Edward J. Brown charakterisierte Majakowski in seiner Biographie wie einen bunten Hund:
"After the October revolution he was a leading producer of pro-bolshevik propaganda in the form of cartoons and agitational verse. And in addition to all this, his emotional makeup and his erratic and self-consuming love life should invite the attention of any biographer with a bent for psychological analysis."
Die privaten Absonderlichkeiten Majakowskis sind einen eigenen Artikel wert und unmittelbar mit seiner politischen Dichtung verbunden. Seine irrationale Angst vor Schmutz und Infektion hat ebenso in seine Dichtung gefunden wie sein ebenso irrationales Liebesleben und seine Sehnsüchte. Brown schreibt:
"He was a kind of hypochondriac, preternaturally afraid of infection from knives, forks, spoons, drinking glasses, and even other people's hands offered in friendship. He was a compulsive washer of his own hands. He was also a compulsive gambler"
Majakowski hatte diverse Macken und Eigentümlichkeiten dieser Art. Seine Beziehung zu Frauen war z.B. gewiss nicht einfach und seine ungestüme Art führte ihn schon als Teenager mehrfach ins Gefängnis. Denn als Jugendlicher war er bereits einer der mutigen Revolutionäre, die den Zarismus stürzen wollten. Hier ist vor allem seine Rolle als "Dichter der Revolution" von Interesse. Denn kaum ein anderer Dichter hat sich so sehr bemüht, Dichtung und Revolution zusammenzuführen.
Schon bei unpolitischen Künstlern ist es eine Torheit, die Welt der Kunst und die Welt des Künstlers völlig voneinander trennen zu wollen. Bei einem betont politischen Künstler wie Majakowski wäre es eine Todsünde. Majakowkis Kunst versteht man erst durch sein Leben und die Gesellschaft, in der er lebte. Brown schreibt in diesem Sinne:
"It is of course possible for a critic to speak of Mayakovsky without reference to the real world with which his poems are in frequent and fruitful intercourse; but such a critic would emasculate the poetry and, however subtle his own pattern of insights and nuances, obscure rather than elucidate the poetic artifact."
Nachdem er den libertären Demokraten Lenin verehrt und ihm nach dessen Tod 1924 ein Poem gewidmet hatte, schrieb er seit Stalins Aufstieg zum Super-Bürokraten auch stalinistische Propaganda. Die Parteilichkeit gehörte schließlich zu seinem Verständnis von revolutionärer Kunst. Entsprechend wurde er auch von den Stalinisten bejubelt. 1930 jedoch beging er Selbstmord, wohl auch, weil die Bürokratisierung der sowjetischen Gesellschaft entsetzliche Ausmaße angenommen hatte und die gleichgeschalteten und versnobten Sowjet-Bürger kaum verstanden, was er ihnen mit seiner Kunst sagen wollte. Selbstmord war die poetischste Lösung des Problems!
Majakowskis Widersprüchlichkeit liegt also vor allem darin, dass die Spannung zwischen seinem Privatleben und seinem politischen Leben, seinem Bekenntnis zur klassenlosen Gesellschaft und zum Realsozialismus und seine Hochachtung für den Demokraten Lenin und den Autokraten Stalin sein Leben zerrissen haben. Sein Versuch, diese Gegensätze in sich zusammenzubringen, schlug fehl. Der Freitod bot ihm einen Ausweg aus dieser Spannung.
Majakowskis Ästhetik
Die Futuristen und der Futurismus
Der russische Futurismus war, anders als der italienische unter Marinetti, kein Produkt von zutiefst bürgerlichen und zudem reaktionären Apologeten der Technokratie, sondern ein künstlerischer Protest aufsteigender Klassenmilieus mit revolutionärer Gesinnung. Anders als den italienischen Futuristen ging es den russischen Futuristen weniger um die Verherrlichung kriegerischer Akte und neuer Herrschaftstechniken als um eine Kampfansage gegen verkrustete Strukturen, den Muff des Zarenmantels und um eine Emanzipation menschlicher Möglichkeiten. Ihre Kunst war "große Kunst" (Lukács) im Sinne einer anvisierten Befreiung der Menschheit durch die Fortschritte der wirtschaftlichen und künstlerischen Technik.
Leo Bronstein, genannt "Trotzki", ein führender Vertreter der proletarischen Avantgarde, würdigte diese Entwicklung in einem Artikel:
"Der Futurismus ist eine europäische Erscheinung und ist unter anderem dadurch interessant, daß er entgegen der Lehre der russischen formalistischen Schule sich nicht auf den Rahmen der künstlerischen Form beschränkte, sondern von Anfang an, besonders in Italien, sich mit der politischen und gesellschaftlichen Ordnung in Verbindung brachte."
Anders als der politische Polyphem Lenin und der geistesgeschichtliche Gigant Lukács, die die kritischen Realisten verherrlichten, schätzte der intellektuelle Titan Trotzki die futuristische Strömung als künstlerisches Experiment besonders hoch ein. Er glaubte, dass die neuen, avantgardistischen Richtungen in Russland und Europa die adäquaten Spiegelungen der neuesten sozialen Entwicklungen waren. So schrieb er:
"Der Futurismus spiegelte in der Kunst jene historische Zeitspanne wider, die in der Mitte der neunziger Jahre begann und unmittelbar in den Weltkrieg mündete. Die kapitalistische Menschheit durchschritt zwei Jahrzehnte eines noch nie dagewesenen wirtschaftlichen Aufschwungs, der alle bisherigen Vorstellungen von Reichtum und Macht über den Haufen war, neue Maßstäbe und Kriterien für das Mögliche und Unmögliche schuf und den Menschen vom Unterbewußtsein her zu immer neuen Wagnissen trieb."
Trotzki gibt hiermit im Grunde nur wieder, was die Futuristen vor ihm gesagt hatten. Der Futurismus war im Grunde eine künstlerisch ausgeformte "Vorahnung" (Trotzki) der zukünftigen Katastrophen und Fortschritte, der Zukunft. Trotzkis scharfsinniger Verstand hat aber noch weit mehr begriffen als das.
Die künstlerische Antizipation der russischen Revolution
So wie er eine großartige Revision des Marxismus auf politischem Gebiet vornahm, nahm Trotzki auch eine Revision der marxistischen Kunstauffassung vor. Nachdem er bereits 1906 Marxens These der "permanenten Revolution" zu einer vollwertigen und praxisnahen Theorie der "ungleichen und kombinierten Entwicklung" von Revolutionen weiterentwickelt hatte, entwickelte er nun eine Theorie der ungleichen und kombinierten Entwicklung in der Kunst. Er vermerkte:
"Zurückgebliebene Länder, die aber über ein gewisses Niveau geistiger Kultur verfügen, spiegeln in ihrer Ideologie die Errungenschaften fortschrittlicher Länder klarer und stärker wider. So hat das deutsche Denken des 18. und 19. Jahrhunderts die wirtschaftlichen Errungenschaften der Engländer und die politischen - der Franzosen widergespiegelt. Darum hat der Futurismus seinen klarsten Ausdruck nicht in Amerika - und nicht in Deutschland gefunden, sondern in Italien und in Rußland."
Diese Idee einer künstlerischen Antizipation der russischen Revolution ist im Übrigen auf die ganze russische Literatur seit dem 18. Jahrhundert anwendbar. Bis dahin steckte die russische Literatur noch in Kinderschuhen. Aber seit Puschkin (1799-1837), Anfang des 19. Jahrhunderts, wuchs die noch junge russische Literatur zum Riesen in der Weltliteratur heran, von dem die russischen Dichter heute noch zehren können. In jedem anständigen Kanon der Weltliteratur sind daher zurecht einige Russen genannt, fast immer Tolstoi und Dostojewski, aber auch Pasternak oder Nabokow.
Die jämmerlichen sozialen und politischen Verhältnisse Russlands im 19. Jahrhundert ermöglichten es den Literaten paradoxer Weise, unsterbliche Meisterwerke und menschliche Höchstleistungen zu schaffen. Denn die sozialen Widersprüche des sich entwickelnden Kapitalismus erreichten in Russland eine so große Spannung, dass sie die ganze gesellschaftliche Ordnung bedrohten. Eine Aufarbeitung der Ursachen für diese Spannung war absolut notwendig, wenn man eine soziale Explosion verhindern wollte.
Die zaristische Autokratie allerdings, der reaktionärste Polizeistaat Europas, unterdrückte die Gewissens-, Rede- und Pressefreiheit mit aller Kraft, die ihre Bürokratie noch aufbringen konnte. Die gebildeten Klassen konnten daher gar nicht anders als diese Spannungen von ihren Vertretern künstlerisch verpackt zu erfassen. Die schönen Künste waren der einzige Ort, an dem sich die Intelligenz des Zarenreiches frei austoben konnte. Und die Darstellung der realen Spannungen zwang sogar reaktionäre Künstler wie Dostojewski dazu, äußerst radikale Kunstwerke zu produzieren, die im Grunde schon Jahrzehnte vor der Oktoberrevolution dieselbe vorhersahen. Majakowski war also nicht der erste Dichter der Revolution. Aber er war wohl der bewussteste Dichter der Revolution.
Die Entwicklung der russischen Revolution hat Majakowskis Kunst und der Kunst in ganz Russland einen enormen Auftrieb gegeben. Majakowski gewann durch die neue soziale Perspektive auch eine neue ästhetische Perspektive. Dieser Mann war bereit, alles für diese Perspektive zu tun und bewies das künftig.
Die gesellschaftliche Notwendigkeit neuer Kunst
Kunst sollte nun noch mehr als zuvor ihre Möglichkeiten ausreizen. Diese sollten mit den neuen gesellschaftlichen Möglichkeiten im revolutionären Russland einhergehen. Kunst sollte die Avantgarde in der Politik unterstützen und damit wirklich zu einer Avantgarde-Kunst werden.
Besonders paradox ist bei Majakowski die komische Verbindung von äußerster Parteilichkeit und äußerster Autonomie der Kunst. Denn die nun auch künstlerisch wirksame Parteilichkeit schränkte Majakowskis Kunst nicht ein. Seine Parteilichkeit zwang ihn nicht zu blindem Gehorsam gegenüber der kommunistischen Partei und nicht zur Fesselung seiner Kunst durch Politik. Vielmehr entfesselte sie seine Kunst! Die politische Leidenschaft Majakowskis befreite seine künstlerische Leidenschaft.
Das veränderte seinen Begriff von Kunst, die nun die Kunst der Avantgarde der Menschheit sein sollte. Die Befreiung der Kunst von Altlasten sollte die Befreiung der Menschheit von Altlasten unterstützen und letzterer vorausgehen. Die neuen sozialen Möglichkeiten im revolutionären Russland sollten neue künstlerische Möglichkeiten eröffnen. Ulbrecht schreibt in diesem Sinne:
"Die Zerschmetterung der dargestellten Wirklichkeit in Einzelteile und Bruchstücke bei den Malern und die damit verbundene Entlastung der Kunst von jeglicher äußerer Gängelung und Konvention auf dem Weg zu ihrer Autonomie muß für Majakovskij und sein Werk geradezu befreiend wirken"
"Zerschlagen werde die alte Sprache, die ohnmächtig ist, den Sprunglauf des Lebens einzuholen."
Das Leben in Russland hatte bereits die alten sprachlichen Konventionen überholt. Die alte Sprache, die Majakowski nun konservativ und unpraktisch erschien, war tatsächlich zum Hindernis geworden. Eine neue Sprache musste her, um der neuen Realität gerecht zu werden. Aber was für eine Sprache sollte das sein? Das war auch den Avantgarde-Künstlern und Majakowski noch nicht klar. Sie mussten daher experimentieren.
Klar war jedoch bereits, dass die neue Realität zu komplex geworden war für die alte Sprache eines Puschkin oder eines Tolstoi. Die neue Sprache musste fähig werden, die neue Kompliziertheit darzustellen. Dafür brauchte es neuer Inhalte und neuer Formen in der Sprache. Eine völlig neue Sprache aus dem Nichts heraus zu entwickeln, war dennoch nicht der Weg, den Majakowski einschlug.
Dialektische Montage und die Gefahren der technokratischen Revolution
Die sozialistischen Avantgarde-Künstler wussten, dass sie die alten Sprach- und Denkgewohnheiten nicht völlig ausradieren konnten, sondern weiterentwickeln mussten. Schließlich wollten sie kein kleiner elitärer Kreis bleiben, wie die italienischen Futuristen, die deswegen auch völlig versagten, sondern die gesamte Gesellschaft umwälzen. Dafür mussten sie praktische Neuerungen der Sprache anbieten. Schklowski, der große Theoretiker des russischen Formalismus, vermerkte passend dazu:
"Die menschliche Kultur ist 'montiert'. Das Vergangene verschwindet nicht. [...] Das 'Neue' erscheint als Abwandlung des Alten, es ist die dialektische Anwendung des Alten."
Eine "dialektische Anwendung des Alten" durch Montage? Was meinte er damit? Dialektik und Montage sind zwei zentrale Begriffe, um Majakowskis Ästhetik wie die Ästhetik der anderen sozialistischen Avantgardisten zu begreifen.
Die Dialektik kann als konfliktgeladene soziale Bewegung verstanden werden, die keine starren Verhältnisse erlaubt. Alles ist stets in Bewegung. Auch scheinbar uralte gesellschaftliche Gewohnheiten und Beziehungen sind stetem Wandel unterworfen. Dieser Wandel geht in Form von mit einander ringenden Tendenzen vor sich. Die progressiven Kräfte Russlands z.B. setzten sich im Kampf gegen die reaktionären Kräfte durch, sodass es zur Oktoberrevolution gekommen war. Die Dialektik der Gesellschaft, die explosiven Spannungen zwischen verschiedenen sozialen Gruppen, erzwang eine Modernisierung des Ganzen. Die Revolution wurde absolut notwendig, um einen völligen Verfall der Gesellschaft zu verhindern. Revolution aber ist ein hektischer Tanz, den man beherrschen muss, um Chaos und unnötige Zusammenstöße zu vermeiden. Und die sind schwer zu vermeiden wegen der Uneinheitlichkeit der Gesellschaft. Deren Teilung und Zersplitterung in verschiedene Tendenzen verweist auf den anderen Begriff, die Montage.
Die Montage wurde zum wichtigen Prinzip der Avantgarde-Kunst. Es ging nicht wie in früheren Kunstwerken um Harmonie und Einheitlichkeit in der Kunst, sondern umgekehrt um die Disharmonie und Uneinheitlichkeit der Kunst. Sie waren Teil der neuen Realität, die nun nicht mehr durch ein einziges Prinzip gesteuert zu sein schien. Die frühere Einfachheit und Einheit der Gesellschaft und ihr Verständnis musste anders erreicht werden als durch die alten Mittel der Erkenntnis, denn die kapitalistischen Verhältnisse in Russland waren viel komplizierter geworden als es die vor-kapitalistischen Verhältnisse unter der Autokratie der Zaren noch waren.
Ulbrecht vermerkt in seiner Arbeit über Majakowski die Vorwegnahme des späteren postmodernen Denkens bei ihm. Das postmoderne Denken, welches seit den 70er Jahren die Uneinheitlichkeit, Fragmentierung, Zersplitterung, Vielschichtigkeit, Mehrdeutigkeit und Unvollendung gesellschaftlicher Strukturen im neoliberalen Kapitalismus auf die Ebene des Geistes hebt und übernimmt, ist daher keine ganz neue Erfindung der letzten Jahrzehnte, sondern ein älteres Phänomen.
Allerdings war Majakowski ein leidenschaftlicher Sozialist und hervorragender Künstler, dem daher klar war, dass es einen Unterschied zwischen Gesellschaft und Kunst, zwischen sozialer Fragmentierung und künstlerischer Widerspiegelung derselben gab. Diese Fähigkeit zur Differenzierung fehlt bei nicht wenigen postmodernen Gedankengebäuden, die daher notwendig einstürzen müssen wie billig gebaute Schulen im heutigen Sichuan. Ulbrecht jedenfalls merkt an:
"Der Entfremdung und Verdinglichung innerhalb der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft hält der avantgardistische Künstler das Prinzip der Montage entgegen, um das Subjekt in seinem unheilvollen Zustand der Zersplitterung und Deformierung nachzeichnen zu können. Sein montiertes Kunstwerk will darauf hinweisen, daß es 'aus Realitätsfragmenten zusammengesetzt' und der Fragmentcharakter ein Kennzeichen der Vielschichtigkeit der abgebildeten Realität ist. Insgesamt erwirkt das Kunstwerk den Eindruck eines 'Zusammenhangs des Nichtzusammenhangs'."
| Von einem Erdbeben zerstörte Häuser in der chinesischen Provinz Sichuan, von ZEIT.de | ©Stringer China/Reuters |
Die dialektische Montage der Avantgardisten ist also ein Mittel der Aufklärung. Die Avantgardisten bekämpften das rationale und dialektische Denken nicht, sondern kritisierten mit genau solchem Denken die gefährliche Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft. Die war im Ersten Weltkrieg völlig außer Rand und Band geraten als die liberalen und sozialdemokratischen Bourgeoisien Europas ihren aufgeklärten Liberalismus in reaktionärstem Nationalismus ertränkten. Das "liberale" Bürgertum hat damit die bürgerliche Gesellschaft, die kapitalistische Bestie entfesselt. Da die bestialische Seite der bürgerlichen Gesellschaft der imperialistische Kapitalismus ist, führte ihre Entfesselung zu Massenmord und Massenverelendung. Angewidert von dieser "zivilisierten" Gesellschaft, wollten die antikapitalistischen Avantgardisten sie entlarven als das, was sie schon immer war: eine barbarische Klassengesellschaft, die überwunden werden muss. Dialektische Montage veranschaulicht diesen Zusammenhang von bürgerlicher "Zivilisiertheit" und kapitalistischer Barbarei, zweier kämpfender Tendenzen der heutigen Gesellschaft.
Die Jahre 1989/90 und 1917/18 stehen ebenso für zwei gegensätzliche Tendenzen. Im Gegensatz zur Zeit nach 1989 war die Zeit nach 1917 eine kurze Epoche der geistigen Blüte. Seitdem der Zusammenbruch der Sowjetunion auf die globale Linke wirkt, sie verwirrt, das postmoderne Denken gestärkt und aus einigen typisch deutschen Linken Ausgeburten nationalistischer Ideologien gemacht hat, die sich progressiv oder emanzipatorisch dünken, hatte die Oktoberrevolution und der anfängliche Aufbau der Sowjetunion die globale Linke motiviert, geläutert, das dialektische Denken gestärkt und sogar die Deutschen, diesen tragischen Auswuchs des verspäteten Nationalismus, an den Rand eines Umsturzes der bürgerlichen Ordnung getrieben. Trotzki schrieb über den Zusammenhang von Nation und Kunst:
"Es ist kein Zufall und kein Mißverständnis, sondern völlig gesetzmäßig, daß der italienische Futurismus im Strom des Faschismus aufgegangen ist. Der russische Futurismus wurde in einer Gesellschaft geboren, die [...] sich auf die demokratische Februarrevolution vorbereitete. Schon dies brachte unserem Futurismus Vorteile. Er fing die noch unklaren Rhythmen der Aktivität, des Handelns, Ansturms und der Zerstörung ein. Den Kampf um seinen Platz an der Sonne führte er schärfer und entschiedener, vor allem aber lärmender als die ihm vorangegangenen Schulen in Übereinstimmung mit seinem aktivistischen Weltempfinden. Der junge Futurist ging natürlich nicht in die Werke und Fabriken, sondern polterte in den Cafés herum, trommelte mit der Faust auf Rednerpulte, zog sich eine gelbe Bluse an, färbte sich die Backen und drohte wer weiß wem mit der Faust."
Der russische Futurismus war also in die revolutionäre Begeisterung geraten, die der Oktoberumsturz auf der ganzen Welt provozierte. Die Geistlosigkeit der tradierten bürgerlichen Kunst sollte nun ebenso hinweggefegt werden wie das geistlose Bürgertum Russlands. Ergraute Greise und ihre Klassiker sollten nun der radikalen Jugend und ihren Experimenten weichen. Selbst wenn Majakowski den russischsten aller Dichter, Puschkin, verehrte, so musste er vom "Dampfer der Gegenwart" gestoßen werden, wie Majakowski forderte. Puschkin hatte die moderne russische Sprache geprägt wie kein Anderer und gehört wieder in Form einer Gesamtausgabe in jedes gutbürgerliche Wohnzimmer, das etwas auf sich hält. Im revolutionären Russland des 20. Jahrhunderts war der verstaubte Puschkin aus dem 18. Jahrhundert (geboren 1799) jedoch reaktionär geworden.
Wie konnte das geschehen? Hatte Lukács nicht die ewige Schönheit Puschkins proklamiert? Hat Puschkin nicht die tiefsten menschlichen Probleme angesprochen? War er nicht noch immer hoch aktuell und damit revolutionär? Jein. Majakowski forderte im Gefolge der sozialen Revolution nichts anderes als eine Kulturrevolution. Majakowski war zwar kein Mao Zedong. Mao ließ in seiner "Kulturrevolution" die alte Kultur vernichten. Majakowski sah lediglich die Hürde als die sich die alte Kultur den politischen und künstlerischen Avantgardisten darstellte. Das konservative Festhalten an Puschkin wurde zum Hindernis.
Schließlich drohte die Gefahr der technokratischen Revolution. Die Technokratie, die Herrschaft einer Staatsmacht mittels immer weiter entwickelter Technik, hatte ihre gemeingefährlichste Gestalt bereits in den modernsten und "zivilisierten" Ländern gezeigt. Sie manifestierte sich schon im Ersten Weltkrieg, im aufstrebenden Faschismus und in den irrationalen und autoritären Tendenzen des geistigen Lebens in ganz Europa. Mit der gewaltsamen Niederschlagung der proletarischen Weltrevolution in jenen Jahren in Deutschland, Italien, Ungarn, Polen und China z.B., gelangte die Technokratie nun ausgerechnet im revolutionärsten, fortschrittlichsten und vorbildlichsten Land zur Höchstform: in Russland.
Die revolutionäre Ästhetik konnte von den sozialistischen Futuristen nicht zu Ende gedacht und gebracht werden. Sie scheiterte letztlich. Denn die revolutionären Tendenzen Russlands wurden im Gefolge der weltweiten Erdrosselung der Revolution fast völlig erstickt. Der geschundene Leichnam der russischen Revolution wachte als lebender Toter, als gruseliger Zombiestaat, als "staatsbürokratische Klassengesellschaft" wieder auf.
Das war der Aufstieg des Stalinismus im Osten. Der Stalinismus hat seit Mitte der 20er Jahre jegliche revolutionäre Tendenzen in Kunst und Gesellschaft bewusst unterdrückt und damit auch die Dichter der Revolution. Das hielt Stalin und seine Bürokraten natürlich nicht davon ab, aus Majakowski nach seinem Tod einen Säulenheiligen zu machen, um ihn für seine unheiligen Zwecke zu vereinnahmen. Verherrlichung und Vernichtung gehen nicht selten Hand in Hand. Und in Russland wurde nun das revolutionäre Erbe Lenins verherrlicht, nur um die revolutionäre Opposition gegen den Bürokratismus um Trotzki zu vernichten.
Der stalinistische Zombiestaat konnte nicht anders überleben als sich von den Leichen der revolutionären Avantgarde zu ernähren und sich deren Leichenteile wie das Frankenstein-Monster einzuverleiben. Dass daraus nur ein ein Dämon werden konnte, dessen Hässlichkeit der des faschistischen Behemoth in nichts nachstand, sollte Majakowski nicht mehr erleben. Sein ohnehin schon durch misslungenes Liebesglück und die misslungene Revolution gebrochenes Herz brachte er am 14.04.1930 durch eine Pistolenkugel, wie sein verhasst-geliebter Vorgänger Puschkin, zum Stillstand. Eines großen Poeten würdig verabschiedete er sich:
![]() |
| Majakowski |
Das war der Aufstieg des Stalinismus im Osten. Der Stalinismus hat seit Mitte der 20er Jahre jegliche revolutionäre Tendenzen in Kunst und Gesellschaft bewusst unterdrückt und damit auch die Dichter der Revolution. Das hielt Stalin und seine Bürokraten natürlich nicht davon ab, aus Majakowski nach seinem Tod einen Säulenheiligen zu machen, um ihn für seine unheiligen Zwecke zu vereinnahmen. Verherrlichung und Vernichtung gehen nicht selten Hand in Hand. Und in Russland wurde nun das revolutionäre Erbe Lenins verherrlicht, nur um die revolutionäre Opposition gegen den Bürokratismus um Trotzki zu vernichten.
Der stalinistische Zombiestaat konnte nicht anders überleben als sich von den Leichen der revolutionären Avantgarde zu ernähren und sich deren Leichenteile wie das Frankenstein-Monster einzuverleiben. Dass daraus nur ein ein Dämon werden konnte, dessen Hässlichkeit der des faschistischen Behemoth in nichts nachstand, sollte Majakowski nicht mehr erleben. Sein ohnehin schon durch misslungenes Liebesglück und die misslungene Revolution gebrochenes Herz brachte er am 14.04.1930 durch eine Pistolenkugel, wie sein verhasst-geliebter Vorgänger Puschkin, zum Stillstand. Eines großen Poeten würdig verabschiedete er sich:
"An alle! Wie man so sagt, der Fall ist erledigt; das Boot meiner Liebe am Alltag zerschlug. Bin quitt mit dem Leben. Gebt niemandem die Schuld, dass ich sterbe, und bitte kein Gerede. Der Verstorbene hat das ganz und gar nicht gemocht. Mama, Schwestern, Genossen, verzeiht mir, das ist keine Lösung (anderen rate ich davon ab), aber für mich gibt es keinen Ausweg mehr"
Quellen
Brown, Edward J.: Mayakovsky. A Poet in the Revolution, Princeton 1973.
Ulbrecht, Siegfried: Die Dramatik des jungen Vladimir Majakovskij und des jungen Bertolt Brecht, Frankfurt am Main 1996.
Trotzki, Leo: Literatur und Revolution, Essen 1994.
*Im Blog sind kleine Korrekturen ja erlaubt, hehe. Vorher stand hier statt einer "3" fälschlicher Weise eine "2".
Donnerstag, 16. Januar 2014
Aufhebung oder Ausborgung des Bürgertums?
Nur die Linksradikalen können das Bürgertum einer Wurzelbehandlung unterziehen. Was heißt es aber, linksradikal zu sein und was heißt hier Bürgertum? Und was soll dieser irre machende Titel Aufhebung oder Ausborgung des Bürgertums?!?
Es gibt verschiedene, mehr oder weniger fortschrittliche Haltungen zum Bürgertum: Von Konservativen wird die bürgerliche Gesellschaft aufbewahrt, von Liberalen wird sie entfesselt, von Linksliberalen wird sie als sozial und demokratisch verkauft, von Bauchlinken wird sie schlecht verdaut, von Linken wird sie bekämpft und vorangetrieben und von Linksradikalen wird sie hoffentlich mal entwurzelt.* Radikal sein heißt ja bekanntlich, die Sache an der Wurzel (lat. radix) zu fassen. Ärgerlich ist, dass die Wurzel des Bürgertums viel tiefer reicht als uns lieb sein sollte.
Eines der unzähligen Probleme der bürgerlichen Gesellschaft ist, das sie in sämtlichen Köpfen ihrer "Bürger" Wurzeln schlägt. Nicht nur die Angehörigen der bürgerlichen Klassen, Schichten oder Milieus sind bürgerlich. Auch die proletarische Klasse und andere scheinbar nicht-bürgerliche Gruppen sind in der bürgerlichen Gesellschaft verwurzelt und damit "Bürger" oder "Staatsbürger". Es ist also nicht so, dass sich prinzipiell bürgerliche Gruppen und prinzipiell antibürgerliche Klassen gegenüberstehen.
Sämtliche Gruppen in der bürgerlichen Gesellschaft sind bürgerlich. Das gilt auch und in besonderem Maße für die Arbeiterklasse. Die Frage ist also nicht (mehr), ob die Arbeiterklasse verbürgerlicht. Sie ist schon lange verbürgerlicht. Die Frage ist viel mehr, ob die Verbürgerlichung der Arbeiterklasse, ob die Verwurzelung des Bürgertums in der Arbeiterklasse aufgehoben werden kann. Es geht um Aufhebung von Staat, Kapital, Nation, Bürokratie, Herrschaft und Klassengeschichte.
Und die noch wichtigere Frage ist, wie aufgehoben werden kann. Denn diverse bisherige Versuche der Aufhebung des Bürgertums scheiterten jämmerlich. Bisher wurde nur ausgeborgt und nicht aufgehoben. Die verbrecherische, physische Liquidierung des Bürgertums ist ein Beispiel dafür, da sie nur zur Ausborgung** des Bürgertums durch staatliche Bürokratien geführt hat.
Der Versuch der physischen Liquidierung des Bürgertums durch "roten" Terror kann nichts als Vernichtung von Leben und Produktivkräften bringen. Einen großen Fortschritt bedeutet das nicht. Im Gegenteil. Physische Liquidierung des Bürgertums ist ein kleiner Schritt für den roten Bürokraten, aber ein großer Rückschritt für die Menschheit.
Denn der Bürokrat ist definitionsgemäß
Und laut Meyers Konversationslexikon sei die "Schreibstubenherrschaft" eine
Die bürgerliche Gesellschaft, das Bürgertum und die Bürgerlichkeit lassen sich mit Gewalt nicht in Frieden, Freude und Eierkuchen verwandeln. Zwar hatte Mao Zedong irgendwie schon Recht als er feststellte:
Aber auch Mao, den großen Lehrmeister der östlichen Bürokraten, hätte ich sehr gerne physisch bestraft für seine Übertreibungen. Immerhin: Solange die Herrschenden sich gegen die Revolution mit Gewalt wehren, stimmt Maos Feststellung sogar. Und das tun sie bisher immer. Sobald ein "großer Sprung nach vorne" in Form einer sozialen Revolution droht, in dem die Menschheit mehr Freiheit erlangen kann, reagieren die Herrschenden darauf, indem sie sich in Form einer gegenrevolutionären Klasse formieren, um den drohenden Fortschritt aufzuhalten. Sie "ver- und zertreten" die Bevölkerung dann noch mehr als ohnehin schon.
So 1848, als eine radikaldemokratische Revolutionswelle ganz Europa erfasste und die alten Könige, Tyrannen und Diktatoren durch demokratische Systeme zu ersetzen drohte. Oder wie 1871, als im preußisch-französischen Krieg die die französische Hauptstadt von ihrer radikalisierten Bevölkerung in die legendäre "Pariser Kommune" verwandelt wurde, die den ersten ernsthaften Versuch darstellte, eine sozialistische Staatsmacht aufzubauen. Oder auch 1905 in Russland, als die radikalen Arbeiter und Arbeiterinnen, Bauern und Bäuerinnen und die linksradikalen Intellektuellen ohne Geschlecht drohten, den erzreaktionären Zaren und den Adel zu entmachten.
In diesen und vielen, vielen, wirklich sehr vielen anderen Fällen haben die Herrschenden den Fortschritt der Menschheit mit Blutvergießen und Terror zurückgeschlagen. Das tun sie praktisch immer. Und sie haben damit bislang immer Erfolg gehabt - sonst würden wir schon in einer besseren Welt leben, die keine systematische Unterdrückung und Ausbeutung kennt. Es sind immer nur neue Klassengesellschaften mit neuen herrschenden Klassen entstanden, die dann auch wieder Terror nutzten, um ihr Bürgertum zu retten. Die kernigeren Stalinisten und diejenigen unter den Linken, die zum irrationalen Klassenhass und zu Gewaltexzessen neigen, rufen daher im Grunde immer nur:

Sie schickten den Bürger an und für sich also bislang immer nur aufs Schafott, unter die Guillotine oder zum Schießstand, um ihn durch irgendwelche Marats oder Rasstrelnikows zu liquidieren. Stalin und Mao sind die bisherigen Rekordhalter dabei. Und sie benötigten dafür nicht einmal die Hilfe der Arbeiterklasse. Bravo! Welche Leistung! Wozu brauchen wir da noch das Proletariat? Das ist nämlich genau das, was die Bauern seit Jahrtausenden mit den Königen und Kaisern gemacht haben: physisch ersetzt. Haben sie damit die Klassen und die Klassengesellschaft abgeschafft? Nein, leider nicht. Sie haben sich nur eine Klassenposition ausgeborgt. Das Resultat war nicht die Aufhebung, sondern die Ausborgung der Klassenherrschaft. Denn man muss die Herrschaft strukturell ersetzen durch "die freie Assoziation freier Individuen" (Marx) und nicht bloß personell neu besetzen.
Aber der "rote" Terror, so notwendig er manchmal erscheint, konnte die bürgerliche Gesellschaft nicht an der Wurzel packen und ausreißen. Denn Stalin und Mao waren nicht einmal halb so radikal wie es ihre etwas naiven Epigonen, die Stalinisten und Maoisten, behaupten. Ja, liebe Genoss*nnen, wenn ihr jetzt des Sternchens oder der Entlarvung wegen sauer seid, kommt mich heimsuchen. Ich zeige gerne, wie sehr meine radikale Linke weh tun kann. ;-)
Jedenfalls enthaupten die Anhänger des staatsbürokratischen Sozialismus, die Stalinitos und xiao Mao*** mit größtem Klassenhass den Bürger-König, nur um einen bürokratischen Borg-König auf den Thron einer Bürokratenklasse zu setzen. Damit sind Staaten entstanden, die sich dann "Arbeiterstaat", "real existierender Sozialismus", "Sozialismus in einem Land", "Volksdemokratie" oder "Volksrepublik" nannten. Praktisch keine dieser Gesellschaften war klassenlos oder staatenlos, dafür aber gefesselt. Es waren sozusagen gefesselte bürgerliche Gesellschaften.
Deswegen werden solche Gesellschaften auch von den Liberalen so gehasst. Liberale wollen die bürgerliche Gesellschaft ja entfesseln. Das ist überhaupt die Macke des liberalen Bürgers, der das Bürgertum mit allen Mitteln entfesseln und damit wie der stalinistische Bürger für die bürgerliche Gesellschaft über Leichen geht. Wo der stalinistische Bourgeois aber erschießt, ins Lager steckt oder Nahrung vernichtet, da lässt der liberale Bourgeois für gewöhnlich die Schusswaffen produzieren, erhöht Preise oder spekuliert mit Nahrung. Alles das kann eine mehr oder minder subtile Art von Mord sein, denn: "Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet." (Jean Ziegler)
Die Aufhebung der Bürgerlichkeit und damit der ganzen Klassengeschichte ist zwar auch eine Frage der Gewalt, wie Mao und die anderen Terroristen immer betonten. Terroristen sind ja ohnehin Menschen, die den Terror überschätzen und entsprechend anwenden, wie etwa Stalin, Mao, George W. Bush, Osama bin Laden, Obama oder Oberst Klein, der für seinen verbrecherischen Terroranschlag in Afghanistan auch noch zum General befördert wurde. Aber: Wie Nigel Harris in seinem Buch Die Ideologien in der Gesellschaft so schön herausgearbeitet hat, gilt für die Gewalt als Mittel des Fortschritts:
Gewalt kann, muss aber kein herausragendes Mittel des Fortschritts sein. Wenn die herrschenden Klassen die Weltverbesserung mal nicht mit Gewalt unterdrückten, würden wir eine friedliche Revolution erleben können. Das wird vermutlich aber auch in Zukunft nicht geschehen. Auch in Nordafrika, in Erdogans Türkei, in Putins Russland und in Merkels Deutschland wird Fortschritt mit brutaler Polizei- und Militärgewalt und modernster Technik unterdrückt.
Überall ist die Gewalt ein technokratisches Mittel, um die Freiheit der Menschen zu beschränken und um ihr Streben nach Glück zu dämpfen. Streber sind gut und gewollt, aber sie sollen ja nur nach "Erfolg" und Geld etc. streben. Wer zu sehr nach Freiheit, Frieden und Freude strebt und daher die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, um zu fliehen. Oder er darf die Allwissenheit des Großen Bruders erfahren. Der weiß nämlich alles. Er beobachtet ja seine Bürgerbrüder ganz genau. Die könnten ja Ärger machen. Und zur Not liquidiert der Große Bruder den Bürgerbruder auch durch Einschüchterung, Erpressung, Einbuchtung oder Ermordung.
Wer darauf keinen Bock mehr hat, muss seinen Arsch in Bewegung setzen und Teil einer Bewegung werden, an der sich die Wänste von Staat, Kapital und Nation abarbeiten müssen. Marx hat es auch so formuliert:
Ich hoffe, ihr versteht, worauf ich hinaus will. Sonst kann ich auch Klartext texten und euch den ganzen vorangegangenen Text im Nachhinein sparen:
Oder, um Marx mal wieder zu zitieren:
*
Linksliberale = Menschen, die als Sozialdemokraten, Freidemokraten oder Christdemokraten gelten können?
Bauchlinke = Menschen, die merken, wie beschissen die bürgerliche Welt ist, aber keine Perspektive haben?
Linke = Menschen, die bauchlinks sind und eine gewisse soziale Perspektive haben
Linksradikale = Menschen, die von Kopf bis zum Fuß links sind und nicht nur in der Bauchgegend oder im Kopf
**
"Ausborgung" ist wie Aufhebung ein mehrdeutiger Begriff. Ich lasse ihn hier absichtlich etwas schleierhaft. Aber zur Annäherung siehe: http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/2wo/wort/idg/deutsch/b/borgen.htm.
***
(chin. "kleine Maos", "kurze Körperbehaarung" oder "Kätzchen")
Einstellungen zum Bürgertum
Es gibt verschiedene, mehr oder weniger fortschrittliche Haltungen zum Bürgertum: Von Konservativen wird die bürgerliche Gesellschaft aufbewahrt, von Liberalen wird sie entfesselt, von Linksliberalen wird sie als sozial und demokratisch verkauft, von Bauchlinken wird sie schlecht verdaut, von Linken wird sie bekämpft und vorangetrieben und von Linksradikalen wird sie hoffentlich mal entwurzelt.* Radikal sein heißt ja bekanntlich, die Sache an der Wurzel (lat. radix) zu fassen. Ärgerlich ist, dass die Wurzel des Bürgertums viel tiefer reicht als uns lieb sein sollte.
Verwurzelung des Bürgertums
Eines der unzähligen Probleme der bürgerlichen Gesellschaft ist, das sie in sämtlichen Köpfen ihrer "Bürger" Wurzeln schlägt. Nicht nur die Angehörigen der bürgerlichen Klassen, Schichten oder Milieus sind bürgerlich. Auch die proletarische Klasse und andere scheinbar nicht-bürgerliche Gruppen sind in der bürgerlichen Gesellschaft verwurzelt und damit "Bürger" oder "Staatsbürger". Es ist also nicht so, dass sich prinzipiell bürgerliche Gruppen und prinzipiell antibürgerliche Klassen gegenüberstehen.
Sämtliche Gruppen in der bürgerlichen Gesellschaft sind bürgerlich. Das gilt auch und in besonderem Maße für die Arbeiterklasse. Die Frage ist also nicht (mehr), ob die Arbeiterklasse verbürgerlicht. Sie ist schon lange verbürgerlicht. Die Frage ist viel mehr, ob die Verbürgerlichung der Arbeiterklasse, ob die Verwurzelung des Bürgertums in der Arbeiterklasse aufgehoben werden kann. Es geht um Aufhebung von Staat, Kapital, Nation, Bürokratie, Herrschaft und Klassengeschichte.
Und die noch wichtigere Frage ist, wie aufgehoben werden kann. Denn diverse bisherige Versuche der Aufhebung des Bürgertums scheiterten jämmerlich. Bisher wurde nur ausgeborgt und nicht aufgehoben. Die verbrecherische, physische Liquidierung des Bürgertums ist ein Beispiel dafür, da sie nur zur Ausborgung** des Bürgertums durch staatliche Bürokratien geführt hat.
Verbrecherische Liquidierung des Bürgertums
Der Versuch der physischen Liquidierung des Bürgertums durch "roten" Terror kann nichts als Vernichtung von Leben und Produktivkräften bringen. Einen großen Fortschritt bedeutet das nicht. Im Gegenteil. Physische Liquidierung des Bürgertums ist ein kleiner Schritt für den roten Bürokraten, aber ein großer Rückschritt für die Menschheit.
Denn der Bürokrat ist definitionsgemäß
- "jemand, der in der Anwendung und Auslegung von Bestimmungen einem starren Formalismus verhaftet ist" (Duden)
- jemand, der "sich pedantisch und übergenau an Vorschriften" klammert bzw. "auf die Einhaltung von Vorschriften" pocht.
- ein "Beamter oder Angestellter, der einem Unterordnungsprinzip, eindeutig geregelten Entscheidungsbefugnissen sowie einer Reihe von verhaltensreglementierenden Vorschriften unterliegt. Als abgeleiteter Begriff der Bürokratie wird damit die infolge der zahlreichen Regeln sich ergebende Inflexibilität der Bürokrat im Sinn einer negativen Wortbedeutung unterstellt." (sic! Gabler Wirtschaftslexikon)
"Bezeichnung für eine kurzsichtige und engherzige Beamtenwirtschaft, welcher das Verständnis für die praktischen Bedürfnisse des Volkes gebricht. Auch eine solche Beamtenschaft und ihre Angehörigen nennt man Büreaukratie. Der Boden der Büreaukratie ist der Absolutismus. Das bürokratische Regiment kennzeichnet die Zeit des Polizeistaates, der polizeilichen Bevormundung des Volkes während des 19. Jahrhunderts. Die Begründung der konstitutionellen Regierungsform, das freie Vereins- und Versammlungsrecht, die Bedeutung der Presse für die öffentliche Erörterung der Staatsangelegenheiten, die Anerkennung des Selbstverwaltungsrechts der Gemeinden und höheren Gemeindeverbände sind Momente, welche ein bürokratisches Regiment in der Gegenwart ausschließen. Die Ausdrücke Büreaukratie und Büreaukratismus werden auch als gleichbedeutend mit der Bezeichnung 'büreaukratisches System' gebraucht."
Diese Definitionen treffen auf die Herrschaft der bürokratischen Klasse des ehemaligen Ostblocks ganz gut zu, um nicht zu sagen: so gut wie die proletarische Faust auf das Auge des Bürokraten. Die roten Bürokratien des Ostblocks waren spätestens ab den 1930er Jahren im Grunde immer rückschrittliche Formen der bürgerlichen Herrschaft. Es waren "Staatsbourgeoisien" oder "Staatskapitalisten", deren Herrschaft ebenso unmenschlich war wie die der Bourgeoisien und Kapitalisten andernorts.
Oder sind Stalin, Mao oder die Kims für ihre hochmodernen und humanen Gesellschaftssysteme bekannt geworden? Eher nicht. Pol Pot ließ sogar Brillenträger ermorden, weil sie so bürgerlich-intellektuell wirkten. Hätte dieser erbärmliche Pisser meine krasse Brille nur anfassen können! Dem hätte ich 'ne Schelle verpasst, die er nicht überstanden hätte. Egal. Kommen wir zurück zur Hauptidee dieses Artikels: verbrecherische, physische Liquidierung des Bürgertums reicht nicht zur Überwindung des Bürgertums, sondern ist bloß eine Form der Ausborgung des Bürgertums. Es ist im Grunde der Versuch des in die Ecke getriebenen Köters, den Angreifer mit roher Gewalt zu besiegen, wobei der Angreifer eben nicht ein Einzelner ist, sondern eine große Gruppe. So ein Hund wird leider eingeschläfert, weil er gemeingefährlich geworden ist. Er hätte gar nicht erst in die Ecke getrieben werden dürfen.
Aufhebung und Ausborgung des Bürgertums
Die bürgerliche Gesellschaft, das Bürgertum und die Bürgerlichkeit lassen sich mit Gewalt nicht in Frieden, Freude und Eierkuchen verwandeln. Zwar hatte Mao Zedong irgendwie schon Recht als er feststellte:
"Eine Revolution ist kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, kein Bildermalen oder Deckchensticken; sie kann nicht so fein, so gemächlich und zartfühlend, so maßvoll, gesittet, höflich, zurückhaltend und großherzig durchgeführt werden. Die Revolution ist ein Aufstand, ein Gewaltakt, durch den eine Klasse eine andere Klasse stürzt."
Aber auch Mao, den großen Lehrmeister der östlichen Bürokraten, hätte ich sehr gerne physisch bestraft für seine Übertreibungen. Immerhin: Solange die Herrschenden sich gegen die Revolution mit Gewalt wehren, stimmt Maos Feststellung sogar. Und das tun sie bisher immer. Sobald ein "großer Sprung nach vorne" in Form einer sozialen Revolution droht, in dem die Menschheit mehr Freiheit erlangen kann, reagieren die Herrschenden darauf, indem sie sich in Form einer gegenrevolutionären Klasse formieren, um den drohenden Fortschritt aufzuhalten. Sie "ver- und zertreten" die Bevölkerung dann noch mehr als ohnehin schon.
So 1848, als eine radikaldemokratische Revolutionswelle ganz Europa erfasste und die alten Könige, Tyrannen und Diktatoren durch demokratische Systeme zu ersetzen drohte. Oder wie 1871, als im preußisch-französischen Krieg die die französische Hauptstadt von ihrer radikalisierten Bevölkerung in die legendäre "Pariser Kommune" verwandelt wurde, die den ersten ernsthaften Versuch darstellte, eine sozialistische Staatsmacht aufzubauen. Oder auch 1905 in Russland, als die radikalen Arbeiter und Arbeiterinnen, Bauern und Bäuerinnen und die linksradikalen Intellektuellen ohne Geschlecht drohten, den erzreaktionären Zaren und den Adel zu entmachten.
In diesen und vielen, vielen, wirklich sehr vielen anderen Fällen haben die Herrschenden den Fortschritt der Menschheit mit Blutvergießen und Terror zurückgeschlagen. Das tun sie praktisch immer. Und sie haben damit bislang immer Erfolg gehabt - sonst würden wir schon in einer besseren Welt leben, die keine systematische Unterdrückung und Ausbeutung kennt. Es sind immer nur neue Klassengesellschaften mit neuen herrschenden Klassen entstanden, die dann auch wieder Terror nutzten, um ihr Bürgertum zu retten. Die kernigeren Stalinisten und diejenigen unter den Linken, die zum irrationalen Klassenhass und zu Gewaltexzessen neigen, rufen daher im Grunde immer nur:
"Der Bürger-König ist tot! Es lebe der Borger-König!"
Sie schickten den Bürger an und für sich also bislang immer nur aufs Schafott, unter die Guillotine oder zum Schießstand, um ihn durch irgendwelche Marats oder Rasstrelnikows zu liquidieren. Stalin und Mao sind die bisherigen Rekordhalter dabei. Und sie benötigten dafür nicht einmal die Hilfe der Arbeiterklasse. Bravo! Welche Leistung! Wozu brauchen wir da noch das Proletariat? Das ist nämlich genau das, was die Bauern seit Jahrtausenden mit den Königen und Kaisern gemacht haben: physisch ersetzt. Haben sie damit die Klassen und die Klassengesellschaft abgeschafft? Nein, leider nicht. Sie haben sich nur eine Klassenposition ausgeborgt. Das Resultat war nicht die Aufhebung, sondern die Ausborgung der Klassenherrschaft. Denn man muss die Herrschaft strukturell ersetzen durch "die freie Assoziation freier Individuen" (Marx) und nicht bloß personell neu besetzen.
Aber der "rote" Terror, so notwendig er manchmal erscheint, konnte die bürgerliche Gesellschaft nicht an der Wurzel packen und ausreißen. Denn Stalin und Mao waren nicht einmal halb so radikal wie es ihre etwas naiven Epigonen, die Stalinisten und Maoisten, behaupten. Ja, liebe Genoss*nnen, wenn ihr jetzt des Sternchens oder der Entlarvung wegen sauer seid, kommt mich heimsuchen. Ich zeige gerne, wie sehr meine radikale Linke weh tun kann. ;-)
Jedenfalls enthaupten die Anhänger des staatsbürokratischen Sozialismus, die Stalinitos und xiao Mao*** mit größtem Klassenhass den Bürger-König, nur um einen bürokratischen Borg-König auf den Thron einer Bürokratenklasse zu setzen. Damit sind Staaten entstanden, die sich dann "Arbeiterstaat", "real existierender Sozialismus", "Sozialismus in einem Land", "Volksdemokratie" oder "Volksrepublik" nannten. Praktisch keine dieser Gesellschaften war klassenlos oder staatenlos, dafür aber gefesselt. Es waren sozusagen gefesselte bürgerliche Gesellschaften.
Deswegen werden solche Gesellschaften auch von den Liberalen so gehasst. Liberale wollen die bürgerliche Gesellschaft ja entfesseln. Das ist überhaupt die Macke des liberalen Bürgers, der das Bürgertum mit allen Mitteln entfesseln und damit wie der stalinistische Bürger für die bürgerliche Gesellschaft über Leichen geht. Wo der stalinistische Bourgeois aber erschießt, ins Lager steckt oder Nahrung vernichtet, da lässt der liberale Bourgeois für gewöhnlich die Schusswaffen produzieren, erhöht Preise oder spekuliert mit Nahrung. Alles das kann eine mehr oder minder subtile Art von Mord sein, denn: "Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet." (Jean Ziegler)
Die Aufhebung der Bürgerlichkeit und damit der ganzen Klassengeschichte ist zwar auch eine Frage der Gewalt, wie Mao und die anderen Terroristen immer betonten. Terroristen sind ja ohnehin Menschen, die den Terror überschätzen und entsprechend anwenden, wie etwa Stalin, Mao, George W. Bush, Osama bin Laden, Obama oder Oberst Klein, der für seinen verbrecherischen Terroranschlag in Afghanistan auch noch zum General befördert wurde. Aber: Wie Nigel Harris in seinem Buch Die Ideologien in der Gesellschaft so schön herausgearbeitet hat, gilt für die Gewalt als Mittel des Fortschritts:
"'Bewaffneter Kampf' ist nur eines von vielen möglichen Mitteln, ist nicht das 'höchste' oder 'reale' Mittel. Tatsächlich war [im Marxismus] impliziert, daß die Anwendung offener oder militärischer Gewalt (sei sie nun traditioneller Art oder die der Guerillas) wenn möglich nur das allerletzte Stadium sein sollte, wenn die meisten Ergebnisse bereits erreicht waren, nicht aber das erste; das Guerillakriegswesen geht zurück auf das Gedankengut der Narodniks, der revolutionären Minderheit, die im Namen und trotz des Volkes die Macht ergreift, es geht eher auf den traditionellen Staatsstreich als auf die soziale Revolution zurück."
Gewalt kann, muss aber kein herausragendes Mittel des Fortschritts sein. Wenn die herrschenden Klassen die Weltverbesserung mal nicht mit Gewalt unterdrückten, würden wir eine friedliche Revolution erleben können. Das wird vermutlich aber auch in Zukunft nicht geschehen. Auch in Nordafrika, in Erdogans Türkei, in Putins Russland und in Merkels Deutschland wird Fortschritt mit brutaler Polizei- und Militärgewalt und modernster Technik unterdrückt.
Überall ist die Gewalt ein technokratisches Mittel, um die Freiheit der Menschen zu beschränken und um ihr Streben nach Glück zu dämpfen. Streber sind gut und gewollt, aber sie sollen ja nur nach "Erfolg" und Geld etc. streben. Wer zu sehr nach Freiheit, Frieden und Freude strebt und daher die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, um zu fliehen. Oder er darf die Allwissenheit des Großen Bruders erfahren. Der weiß nämlich alles. Er beobachtet ja seine Bürgerbrüder ganz genau. Die könnten ja Ärger machen. Und zur Not liquidiert der Große Bruder den Bürgerbruder auch durch Einschüchterung, Erpressung, Einbuchtung oder Ermordung.
Wer darauf keinen Bock mehr hat, muss seinen Arsch in Bewegung setzen und Teil einer Bewegung werden, an der sich die Wänste von Staat, Kapital und Nation abarbeiten müssen. Marx hat es auch so formuliert:
"Während es [gilt], die bloß unterdrückenden Organe der alten Regierungsmacht abzuschneiden, sollten ihre berechtigten Funktionen einer Gewalt, die über der Gesellschaft zu stehn [beansprucht], entrissen und den verantwortlichen Dienern der Gesellschaft zurückgegeben werden. Statt einmal in drei oder sechs Jahren zu entscheiden, welches Mitglied der herrschenden Klasse das Volk im Parlament ver- und zertreten soll, sollte das allgemeine Stimmrecht dem in Kommunen konstituierten Volk dienen, wie das individuelle Stimmrecht jedem andern Arbeitgeber dazu dient, Arbeiter, Aufseher und Buchhalter in seinem Geschäft auszusuchen. Und es ist bekannt genug, daß Gesellschaften ebensogut wie einzelne, in wirklichen Geschäftssachen gewöhnlich den rechten Mann zu finden und, falls sie sich einmal täuschen, dies bald wieder gutzumachen wissen. Andrerseits aber konnte nichts dem Geist der Kommune fremder sein, als das allgemeine Stimmrecht durch hierarchische Investitur zu ersetzen. [...] Die [kommunistische] Kommune [macht] das Stichwort aller Bourgeoisrevolutionen - wohlfeile Regierung - zur Wahrheit, indem sie [...] die Armee und das Beamtentum [aufhebt]."
Klartext
Ich hoffe, ihr versteht, worauf ich hinaus will. Sonst kann ich auch Klartext texten und euch den ganzen vorangegangenen Text im Nachhinein sparen:
Wie kommen wir zur menschlichen Gesellschaft? Durch Aufhebung der Bürgerlichkeit oder durch physische Liquidierung? Durch Aufhebung der Bürgerlichkeit natürlich! Das kann und muss wohl teils mit Gewalt geschehen, aber besser wäre es ohne. Dafür müssten die herrschenden Klassen aber einfach mal in ihren Sesseln und Thrönen sitzen bleiben, ohne uns ihre Schergen (Bürokraten, Volkszertreter, Polizisten, Militärs, Agents provocateurs etc.) auf den Hals zu hetzen, überhaupt ohne zu hetzen, ohne Rassismus, Sexismus, Klassismus und so weiter. Da dieses Szenario utopischer ist als jede kommunistische Utopie, müssen wir Menschen wohl oder übel in gewissem Maße die Unterdrücker maßregeln, z.B. mit guten Büchern, tiefsinnigen Gesprächen, viel Arbeit (an sich) und vielen "radikalen Linken", wenn nötig...
Oder, um Marx mal wieder zu zitieren:
"Man muß sich nicht darüber täuschen. Wie der amerikanische Unabhängigkeitskrieg des 18. Jahrhunderts die Sturmglocke für die europäische Mittelklasse läutete, so der amerikanische Bürgerkrieg des 19. Jahrhunderts für die europäische Arbeiterklasse. In England ist der Umwälzungsprozeß mit Händen greifbar. Auf einem gewissen Höhepunkt muß er auf den Kontinent rückschlagen. Dort wird er sich in brutaleren oder humaneren Formen bewegen, je nach dem Entwicklungsgrad der Arbeiterklasse selbst. Von höheren Motiven abgesehn, gebietet also den jetzt herrschenden Klassen ihr eigenstes Interesse die Wegräumung aller gesetzlich kontrollierbaren Hindernisse, welche die Entwicklung der Arbeiterklasse hemmen."
Anmerkungen
*
Linksliberale = Menschen, die als Sozialdemokraten, Freidemokraten oder Christdemokraten gelten können?
Bauchlinke = Menschen, die merken, wie beschissen die bürgerliche Welt ist, aber keine Perspektive haben?
Linke = Menschen, die bauchlinks sind und eine gewisse soziale Perspektive haben
Linksradikale = Menschen, die von Kopf bis zum Fuß links sind und nicht nur in der Bauchgegend oder im Kopf
**
"Ausborgung" ist wie Aufhebung ein mehrdeutiger Begriff. Ich lasse ihn hier absichtlich etwas schleierhaft. Aber zur Annäherung siehe: http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/2wo/wort/idg/deutsch/b/borgen.htm.
***
(chin. "kleine Maos", "kurze Körperbehaarung" oder "Kätzchen")
Montag, 13. Januar 2014
Disarstar - Schicksal [Lyrics]
Ich nehm' den Joint in die Hand und ich nehm' paar Züge
Ich könnt' sagen mein Leben ist fröhlich, doch ich will nicht lügen
Ich denk' zurück, ist es das Gleiche, wie es damals war?
Ich bin abgefuckt, schönen Dank an Vater Staat
Wo war Vater Staat, als er mich geschlagen hat?
Ich hab 'ne Faust bekommen, für mich war nie ein Vater da
War betrunken, weil er immer nur betrunken ist
Mama ist blind vor Liebe und ich weiß, dass sie ihm unterliegt
Und wer war für mich da? Die Straße hat mich aufgenomm'
Morgens früh abhau'n und erst abends spät nach Hause komm'
Wie soll man morgens aufsteh'n und zur Schule fahr'n
Wenn die Nacht lang geschrie'n wurde?
Nicht mal das Jugendamt kümmert sich darum
sagen, dass ich 'ne Zukunft hab
Die reden nur, die Narben in meinem Kopf, sie bluten stark
Du kannst es Zufall nenn', ich nenn' das Schicksalsschlag
Und würd ich nicht rappen, man, dann wär ich heute nicht mehr da
[Hook 2x]
Es ist ein Schicksalsschlag, was das Leben zu bieten hat
Ich hatt als Kind schon Sorgen, die du niemals haben wirst
Ich finde neue Kraft, denn heute bin ich Disarstar
Ich geh meinen Weg und keiner von euch kriegt mich bis mein Atem stirbt
[Part 2]
Ich hänge an der Flasche, damit ich mal vergessen kann
Dann komm die Bullen und nehmen mich mit und meinen, ich hätte Stress gemacht
Wer mich noch retten kann?
Ich frag mich, ob die Narben heilen, war ich stark verzweifelt
Wann kommen andere Zeiten?
Wann komm ich raus, raus aus dieser Scheiße hier?
Der Schmerz ist eingraviert, was ist über die Zeit passiert?
Papa hat geschlagen und beleidigt, viel zu viel gesehen
Ich guck in' Himmel, man, und frag womit ich es verdien
Hab ich das verdient? nein man, ich verdien es nicht
Ich frag mich seit ich denken kann, warum ich keine Liebe krieg
Kein Grund zum Lieben, weil die Seele eingefroren scheint
Ich will das alles nicht, ich will einfach frei von Sorgen sein
Denn ich hab Angst vor dem, was das Leben zu bieten hat
Ich raff mich auf und zieh in' Kampf, doch Leben ist ein Niederschlag
Ich hab vertrauen verlernt, ich spür keine Liebe mehr
Ich nehm den Zettel und den Stift und dann verzieht der Schmerz
[Hook 2x]
es ist ein Schicksalsschlag, was das Leben zu bieten hat
ich hatt als Kind schon Sorgen, die du niemals haben wirst
ich finde neue Kraft, denn heute bin ich Disarstar
ich geh meinen Weg und keiner von euch kriegt mich bis mein Atem stirbt
Donnerstag, 9. Januar 2014
Der Proll zum Obvah
"Halt die Fresse, wenn du mit mir redest. Und hör auf den Babo, du Chabo!"
Das kleinbürgerliche Obvah zum stalinistischen Proll:
"Wer ist der Babo? Was soll ich tun?"
Der großbürgerliche Babo zum stalinistischen Proll:
"Bürger, so kannst du mit dem selbsternannten Opfer doch nicht reden. Sag dem Opfer, dass ich der Bürger-King bin und er der Untertan. Kleinbürger müssen doch wissen, wer der Aktienbesitzer ist. Dafür bist du doch da. Mach also deine Arbeit, faules Schwein! Wofür betreibe ich denn mit dir Diplomatie!?"
Das kleinbürgerliche Obvah zum Stalino-Proll:
"Achso, ich verstehe. Du bist der Babo und ich bin der Chabo. Chabos wissen, wer der Babo ist!"
Der stalinistische Proll:
"So isses, Junge... Ich bin der Babo und du bist der Chabo."
Der Großbürger-Babo:
"Nein, ich bin euer Bürger-King. Ich mache, dass ihr die Burger macht. Also bin ich der großartig großbürgerliche LEISTUNGSTRÄGER und WERT-SCHÖPFER und ihr die wertlosen Arbeiter! Arbeitet für mich und ich gebe euch eine Arbeit und Wert!"
Das stalinistische Opfer (der Stalino-Proll) nun zum kleinbürgerlichen Opfer:
"Du Obvah, ich hab doch gesagt, wer der Babo ist! Der Bürger-King ist der Babo!"
Das kleinbürgerliche Opfer zum stalinistischen und zum großbürgerlichen Babo:
"Achso, ich verstehe. Ich bin der Babo!"
Der Proll-Troll, der die ganze Szene am Rande beobachtet und gebetsmühlenartig kommentiert hat:
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
"Ihr seid alle so dumme Opfer..."
Mittwoch, 8. Januar 2014
Sonntag, 29. Dezember 2013
Eine zugängliche Einführung in „Die revolutionären Ideen von Karl Marx“
„Mit diesem Buch möchte ich eine Lücke in der Literatur über Marx schließen und eine zugängliche, moderne Einführung in sein Leben und seine Gedanken unterbreiten, geschrieben von jemandem, der seine grundlegenden Ansichten über Geschichte, Gesellschaft und Revolution teilt“,
so Alex Callinicos, der Autor des Buches Die revolutionären Ideen von Karl Marx. Callinicos ist Professor für European Studies am King’s College in London und weiß, wovon er schreibt. Das Buch sieht tatsächlich nicht nur modern aus, es bietet auch auf insgesamt 277 Seiten dem Leser von heute einen zugänglichen Einstieg in die Ideen des Revolutionärs. Der Autor schafft bei Einsteigern schnell Klarheit über Marx und den Marxismus und räumt häufige Vorurteile und Missverständnisse aus. Die acht Kapitel sind thematisch gut geordnet und führen jeweils in einen Bereich der Marxschen Betätigung ein. Literaturtipps zum Weiterlesen runden die Einführung ab.
So wird dem Leben des Revolutionärs das erste Kapitel gewidmet. Die Darstellung der Verbindung von humorvollem Geist und ernsthaftem Engagement macht Marx menschlich sympathisch. Marx wird weiterhin als Mensch mit Fehlern, aber auch als Schule machender Vordenker der Revolution porträtiert. Trotz finanzieller Probleme schaffte er es, sich über Jahrzehnte mit den verschiedensten sozialen Problemen zu befassen und sie oft auch theoretisch zu bewältigen, um ihre praktische Bewältigung zu fördern.
Das zweite Kapitel behandelt die verschiedenen Ideen des Sozialismus vor Marx und die politischen Bewegungen, die hinter diesen Ideen standen. Hier wird klar, dass der Sozialismus aus der bürgerlichen Aufklärungsphilosophie, also aus der aufklärerischen Hoffnung auf eine wirklich humane Gesellschaft einerseits und der Kritik am Kapitalismus andererseits hervorging. Die Sozialisten übernahmen die Hoffnung der Aufklärungsphilosophie, aber kritisierten ihre Idealisierung der kapitalistischen Gesellschaft. Doch der Sozialismus blieb bis dahin immer nur eine unerreichbare Utopie, ein utopischer Sozialismus.
Kapitel drei und vier zeigen, wie Marx die wirklichkeitsfremde Philosophie und den utopischen Sozialismus kritisierte und statt dessen eine Philosophie der Praxis entwickelte, deren Ziel es sein sollte, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern wirklich zu verändern. Diese praktische Philosophie sollte zugleich die Grundlagen für einen wissenschaftlichen Sozialismus bieten. Sozialismus ist bei Marx nicht mehr nur eine schöne Utopie, sondern die echte politische Bewegung in Richtung einer solidarischen Gesellschaft, bestehend aus engagierten Menschen.
Im fünften Kapitel geht es um die Auffassung von Marx über Geschichte und Klassenkampf. Hier wird deutlich, dass nicht der Mensch „an sich“ unfähig ist, eine solidarische und gerechtere Gesellschaft hervorzubringen und dass es den Menschen “an sich” gar nicht gibt. Hingegen wird klar, dass viele soziale Probleme wie Unterdrückung, Kriege und Entdemokratisierung aus der Spaltung der Gesellschaft in unterdrückende und unterdrückte Klassen hervorgehen und dass der Streit zwischen den Klassen, der Klassenkampf, mit Fortschritt und Freiheit eng zusammenhängt. Der Kampf der Menschen um eine Verbesserung der Gesellschaft wird bei Marx mit geschichtlichem Fortschritt identifiziert. Die Analyse der unterschiedlichen Bedingungen und Formen dieses Kampfes hebt den Sozialismus auf wissenschaftliches Niveau.
Es dreht sich im sechsten Kapitel alles um die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie, der damals führenden ökonomischen Wissenschaft, die Marx für dogmatisch hielt. Komplizierte ökonomische Begriffe wie Lohnarbeit, Wert, Mehrwert, Ausbeutung, Preis, Profit und Krise werden hier verständlich gemacht. Weiterhin wird erklärt, wie der Kapitalismus entstand, wie er funktioniert, was seine Probleme sind und wie er ständig Widerstand und Protest provoziert.
Das siebte Kapitel ist mit „Arbeitermacht“ überschrieben und zeigt, wieso Marx gerade die Klasse des Proletariats, die modernen Lohnarbeiter, als „Totengräber des Kapitalismus“ bezeichnete, wie diese Klasse den Kapitalismus überwinden und zum Kommunismus führen kann. Dabei werden umstrittene Fragen wie die der Partei, der „Diktatur des Proletariats“ und der Revolution thematisiert. In diesem Kapitel zeigt sich, dass Sozialismus nicht Terror und Totalitarismus bedeuten kann, sondern auf eine Ausweitung der Demokratie angewiesen ist und dass umgekehrt eine umfassende Demokratisierung den Sozialismus benötigt.
Im letzten Kapitel wird gezeigt, wie Marx auch nach seinem Tod und heute noch Relevanz beansprucht. Der Autor versucht zu erklären, wieso der „real existierende Sozialismus“ à la Ostblock gar kein Sozialismus oder Kommunismus war und worin der Unterschied zum Sozialismus von Marx bestand. Auch wird gezeigt, dass die revolutionären Ideen von Karl Marx heute sogar noch aktueller denn je geworden sind. Die Arbeiterklasse ist nicht kleiner geworden, sondern hat sich verändert und ist noch viel größer und bedeutender geworden. Die Widersprüche des Kapitalismus sind nicht verschwunden, sondern spitzen sich mit der weltweiten Krise, mit Entdemokratisierung, Verarmung und Kriegen immer weiter zu. Eine Kenntnis der revolutionären Ideen von Karl Marx ist daher nicht von gestern, sondern gehört zum Verständnis des modernen Kapitalismus.
Das Buch ist beim VSA-Verlag für 16,80 € zu haben und ist seinen Preis wert.
So wird dem Leben des Revolutionärs das erste Kapitel gewidmet. Die Darstellung der Verbindung von humorvollem Geist und ernsthaftem Engagement macht Marx menschlich sympathisch. Marx wird weiterhin als Mensch mit Fehlern, aber auch als Schule machender Vordenker der Revolution porträtiert. Trotz finanzieller Probleme schaffte er es, sich über Jahrzehnte mit den verschiedensten sozialen Problemen zu befassen und sie oft auch theoretisch zu bewältigen, um ihre praktische Bewältigung zu fördern.
Das zweite Kapitel behandelt die verschiedenen Ideen des Sozialismus vor Marx und die politischen Bewegungen, die hinter diesen Ideen standen. Hier wird klar, dass der Sozialismus aus der bürgerlichen Aufklärungsphilosophie, also aus der aufklärerischen Hoffnung auf eine wirklich humane Gesellschaft einerseits und der Kritik am Kapitalismus andererseits hervorging. Die Sozialisten übernahmen die Hoffnung der Aufklärungsphilosophie, aber kritisierten ihre Idealisierung der kapitalistischen Gesellschaft. Doch der Sozialismus blieb bis dahin immer nur eine unerreichbare Utopie, ein utopischer Sozialismus.
Kapitel drei und vier zeigen, wie Marx die wirklichkeitsfremde Philosophie und den utopischen Sozialismus kritisierte und statt dessen eine Philosophie der Praxis entwickelte, deren Ziel es sein sollte, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern wirklich zu verändern. Diese praktische Philosophie sollte zugleich die Grundlagen für einen wissenschaftlichen Sozialismus bieten. Sozialismus ist bei Marx nicht mehr nur eine schöne Utopie, sondern die echte politische Bewegung in Richtung einer solidarischen Gesellschaft, bestehend aus engagierten Menschen.
Im fünften Kapitel geht es um die Auffassung von Marx über Geschichte und Klassenkampf. Hier wird deutlich, dass nicht der Mensch „an sich“ unfähig ist, eine solidarische und gerechtere Gesellschaft hervorzubringen und dass es den Menschen “an sich” gar nicht gibt. Hingegen wird klar, dass viele soziale Probleme wie Unterdrückung, Kriege und Entdemokratisierung aus der Spaltung der Gesellschaft in unterdrückende und unterdrückte Klassen hervorgehen und dass der Streit zwischen den Klassen, der Klassenkampf, mit Fortschritt und Freiheit eng zusammenhängt. Der Kampf der Menschen um eine Verbesserung der Gesellschaft wird bei Marx mit geschichtlichem Fortschritt identifiziert. Die Analyse der unterschiedlichen Bedingungen und Formen dieses Kampfes hebt den Sozialismus auf wissenschaftliches Niveau.
Es dreht sich im sechsten Kapitel alles um die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie, der damals führenden ökonomischen Wissenschaft, die Marx für dogmatisch hielt. Komplizierte ökonomische Begriffe wie Lohnarbeit, Wert, Mehrwert, Ausbeutung, Preis, Profit und Krise werden hier verständlich gemacht. Weiterhin wird erklärt, wie der Kapitalismus entstand, wie er funktioniert, was seine Probleme sind und wie er ständig Widerstand und Protest provoziert.
Das siebte Kapitel ist mit „Arbeitermacht“ überschrieben und zeigt, wieso Marx gerade die Klasse des Proletariats, die modernen Lohnarbeiter, als „Totengräber des Kapitalismus“ bezeichnete, wie diese Klasse den Kapitalismus überwinden und zum Kommunismus führen kann. Dabei werden umstrittene Fragen wie die der Partei, der „Diktatur des Proletariats“ und der Revolution thematisiert. In diesem Kapitel zeigt sich, dass Sozialismus nicht Terror und Totalitarismus bedeuten kann, sondern auf eine Ausweitung der Demokratie angewiesen ist und dass umgekehrt eine umfassende Demokratisierung den Sozialismus benötigt.
Im letzten Kapitel wird gezeigt, wie Marx auch nach seinem Tod und heute noch Relevanz beansprucht. Der Autor versucht zu erklären, wieso der „real existierende Sozialismus“ à la Ostblock gar kein Sozialismus oder Kommunismus war und worin der Unterschied zum Sozialismus von Marx bestand. Auch wird gezeigt, dass die revolutionären Ideen von Karl Marx heute sogar noch aktueller denn je geworden sind. Die Arbeiterklasse ist nicht kleiner geworden, sondern hat sich verändert und ist noch viel größer und bedeutender geworden. Die Widersprüche des Kapitalismus sind nicht verschwunden, sondern spitzen sich mit der weltweiten Krise, mit Entdemokratisierung, Verarmung und Kriegen immer weiter zu. Eine Kenntnis der revolutionären Ideen von Karl Marx ist daher nicht von gestern, sondern gehört zum Verständnis des modernen Kapitalismus.
Das Buch ist beim VSA-Verlag für 16,80 € zu haben und ist seinen Preis wert.
"Доверяй, но проверяй!"
„Vertraue, aber prüfe nach“
Das hat der libertäre Demokrat und Kommunist Lenin sicher nicht nur einmal gesagt. Interessant ist, dass man daraus etwas ganz anderes erdichtet hat. Wie so oft wurde einem politischen Gegner etwas in den Mund gelegt, was er nicht gesagt und nicht so gemeint hat. Aber nicht nur in der Liebe und im Krieg scheint alles erlaubt zu sein. Es gibt offenbar keine Regeln, an die sich gehalten wird. An sich ist überall alles erlaubt. Vor allem, wenn man in einer Gesellschaft zurecht kommen muss, die in Klassen gespalten ist, die verschiedene Interessen haben. Es sollte also nicht wundern, wenn einem großen Politiker und Revolutionär mit Lügen oder Umdeutungen der Ruf ruiniert wird. Denn einige Vertreter so mancher Klassen fürchten nichts mehr als Demokratie und "die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt", wie Marx und Engels den Kommunismus definierten. Daher wurde aus „Vertraue, aber prüfe nach" irgendwie das diktatorisch klingende:
"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."
Samstag, 28. Dezember 2013
Crème de la Crème und Abschaum (Serie: Erklärungen zur Erklärung, Teil 1)
"Du... du bist nicht das Geld auf deinem Konto...! Du bist... der singende, tanzende Abschaum der Welt!"
Du bist also der Abschaum der Welt. Aber die eigentliche Frage ist: Bist du jetzt beleidigt? Hoffentlich... Denn du bist echt der Abschaum dieser Welt! Und nicht einmal dein Kontostand kann diese tiefste Wahrheit aller Wahrheiten verschleiern. Das verfremdete Zitat kennst du hoffentlich aus Fight Club. Wenn nicht, dann guck den Film! Aber bevor näher zu erläutern ist, wieso DU der Abschaum bist, kommen wir zu einem ganz anderen Thema.
| http://www.wallcg.com/ |
Die Crème de la Crème
...ist ein luftiges, süßliches, schaumig-cremiges Wölkchen auf wohlig-warmen, delikaten, koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken. Sie ist sie eine kleine, luftige Schaumschicht, die dennoch alle Blicke auf sich zieht. Sie schwebt über kräftigem Kaffee und pulverigem Kaffeesatz. Ihr betörendes Aroma versetzt uns in himmlische Gefilde. Ob auf Cappuccino, Milchkaffee, Café au lait oder Espresso - überall beherrscht die Crème de la Crème das Geschehen. Aber die Crème de la Crème ist noch viel mehr. Sie verkörpert Wohlstand, Luxus, Dekadenz. Sie ist ein Symbol, ein Statussymbol. Hingegen ist...
| Crème de la Crème auf http://www.esmokeking.de/ |
Abschaum
| Du |
Der Gegensatz des Abschaums zur Crème de la Crème
Was? Nicht verstanden? Wenn du es bis hierher geschafft hast, kannst du sicher weiterlesen. Am Ende wirst du alles begreifen. Nur Geduld.
Abschaum und Crème sind feindliche Geschwister. Sie sind sich in ihrem Äußeren gar nicht unähnlich - beide schaumig, luftig - , aber ihre Substanz ist geradezu antagonistisch. Ihr Gegensatz ist ein prinzipieller, weil er prinzipiell unversöhnlich ist. Dessen ist sich zumindest die Crème bewusst.
| Foto von http://www.fest.md/ |
Das bewusste Sein der Crème de la Crème
Denn die oberste Schicht über Bodensatz und Mitte symbolisiert nicht bloß Ideen, sondern verkörpert diese auch. Als High Society, Schickeria und Jetset-Milieu steht die Crème weit über dem Abschaum. Der Abschaum, die Masse, der Pöbel ist ekelerregender Abfall aus Sicht der Crème. Für gewöhnlich grenzt sie sich daher physisch und psychisch vom Abschaum ab. Selten findet man Abschaum im Kaffee. Selten findet man Crème in der Fischbrühe. Nur in Ausnahmefällen kommen Crème und Crétins zusammen.
Die physische Abgrenzung ist ganz wunderbar in Filmen wie Land of the Dead, Banlieue 13 oder Elysium dargestellt. Im Zombiefilm Land of the Dead genießen die Reichen und Mächtigen die Früchte menschlicher Arbeit in ihrem gewaltigen Luxus-Hotel, das von Zombies und Abschaum umgeben ist, der für die Crème de la Crème die Drecksarbeit erledigt. In Banlieue 13, das ebenfalls in der Zukunft spielt, werden die jetzt schon bestehenden Vororte von Paris sogar mit Trennwänden und Polizei von der reichen Innenstadt abgeriegelt. In Elysium ziehen die Bonzen sogar auf eine paradiesische Raumstation in Erdnähe, damit sie den Abschaum der Welt nicht mal mehr aus der Entfernung sehen oder riechen müssen.
| Mortal Kombat Cappuccino auf http://lustich.de/ |
| Micky? Foto von http://cdn.myfreechoice.net/ |
Das bewusstlose Sein des Abschaums
Es ist eine bitterböse Ironie, dass die luftigen, parfümierten, Megareichen im crèmefarbenen Anzug oder Rock ihr Spiegelbild finden im stinkenden, singenden, tanzenden Abschaum der Welt. Auch das Bewusstsein des Jetset-Milieus ist eine Spiegelung des Bewusstseins des Kaffeesatzes.
Anders als die Crème de la Crème, die von ihren eigenen Gedanken, den herrschenden Gedanken, profitiert, wird der Kaffeesatz durch sie wie in der Kaffeepresse nieder gehalten. Die herrschenden Gedanken besagen:
DU BIST DAS GELD AUF DEINEM KONTO und DU BIST DIE CRÈME DE LA CRÈME DER WELT,
wenn du den Herrschenden den Arsch oder Speichel leckst. Die Ironie daran ist, dass ein Großteil des Abschaums sich für Crème hält. Denn das besagen ja die herrschenden Gedanken. Wir alle sind Crème, wenn wir uns an das Rezept für guten Milchkaffee halten. Viele Proleten lassen sich also durch die Kaffeemaschine pressen, nur um unten noch immer als Abschaum herauszuplumpsen. Abschaum bleibt Abschaum. Das weiß vor allem die Crème de la Crème.
Der Inhalt der herrschenden Gedanken ist: Diene dem herrschenden Gesocks und du verdienst, was du verdienst! Wehe, du verziehst die Nase bei all ihrem Scheiß! Dann bewerfen sie dich noch damit! Damit unterwerfen sie dich dann noch. Das Geld auf dem Konto macht die Menschen zur Crème de la Crème. Tut mir Leid wegen dieser vulgären Sprache, aber nur sie kann diese vulgäre Welt noch retten.
Dass sie dafür in Scheiße oder Blut baden müssen, ist für sie unerheblich, haben sie doch teuerstes Parfüm und edle Saunen zur Verfügung, die Säue in ihren "Saumänteln"*! Als Crème de la Crème haben sie natürlich, wie könnte es anders sein, keinen Riecher für den Mist, den sie anstellen. Wie der Hof des Sonnenkönigs parfümieren und maskieren sie sich, um in eine rosarote, wohl riechende Traumwelt zu entgleiten. Und den Abschaum kann man ja zur Not wegschütten.
Die herrschenden Ideen sind echt ein Haufen Scheiße und die Herrschenden sind vor allem ein Haufen Scheißkerle. Das ist leicht zu beweisen. Jeder auf dieser Welt riecht wohl, dass irgendetwas bis zum Himmel stinkt. Und das sind nicht die Müllberge, die die erste Welt in der dritten lagert. Es sind auch nicht die Leichenberge, die sich in den Kriegsgebieten und Krisenherden ansammeln. Es sind noch nicht einmal die wirklich erschreckenden Mengen an Furzgasen, die unsere Schlachttiere ausstoßen, während sie auf engstem Raum zusammengepfercht werden, um zu unserem Genuss massakriert zu werden.
Okay, doch, genau das sind die Dinge, die zum Himmel stinken. Und die Crème de la Crème trägt dafür die Verantwortung. Denn sie ist ja die Crème de la Crème de tout le monde. Die stinkende, parfümierte High Society, nicht Geld, regiert die Welt:
DAS ist tatsächlich die Crème de la Crème der Welt. Sie lecken wirklich gut. Wirklich gut lecken sie.
Abschaum, du merkst, wie dich das ganze beleidigt und wütend macht. Ich verstehe das. Zumindest will ich das.
Du willst Dinge zerstören, die du hasst. Vielleicht willst du diesen Blog zerstören, weil dir die Worte nicht passen? Wer die Wahrheit sagt, der braucht ein schnelles Pferd. Denn weder Crème, noch Abschaum wollen die Wahrheit hören. Die Wahrheit ist:
* Ist ein Insider. ;-)
| Die crèmefarbene Bourgeoisie, Banner von http://www.eventportalzentrale.de |
Der singende, tanzende Abschaum der Welt
Was hat es auf sich mit dem Abschaum der Welt, dem singenden, dem tanzenden? Ich verrat's dir. Dazu gehörst du auch. Zumindest vermute ich, dass die Großbourgeoisie diesen Blog nicht liest. In jedem Fall solltest du dich angesprochen fühlen. Hast ja bis hierher gelesen. Bravo! Dafür belohn' ich dich in Kürze mit der Conclusio.
Der Abschaum der Welt fühlt intuitiv, dass er ein Abfallprodukt ist. Daher sind seine Gesichter meist grau. Vor allem, wenn er morgens zur Arbeit fährt, ist er ein kläglicher Anblick. Man möchte ihn fast noch mehr in den nächsten Gulli gießen als er selbst es will. Aber auch der stinkendste Abschaum der Welt hat ein Recht auf Leben. Und das fühlt er auch. Deswegen singt und tanzt er gelegentlich, um zu vergessen, dass er keine Crème de la Crème ist. In der Disco sind nämlich alle, die nicht singen und tanzen können, gleich. Crème und Abschaum ähneln sich von der Substanz her schließlich. Sie sind entweder schaumig oder aus Fleisch und Blut. Und in der Disco tanzen sie meist gleich ungekonnt, darf man annehmen.
In der Karaoke-Bar, im Glücksspielsalon und im Fußballstadion nähern sich Crème und Abschaum so sehr an wie es nur denkbar ist. Sie verschmelzen zu einer unidentifizierbaren Masse aus johlenden, gröhlenden, sich verzerrenden Gesichtern. Der sonst für die Crème wertlose Abschaum wird zum singenden, tanzenden. Die Illusion der Gleichheit von Crème und Abschaum ist perfekt. Daher liebt der Abschaum diese Örtlichkeiten. Denn er liebt die Gleichheit und das kindische Soziologen-Märchen der nivellierten Mittelstandsgesellschaft oder "Nachklassengesellschaft". Er liebt die Gemeinschaft mit dem Adel der Welt. Aber was treibt die Crème dahin?
Der Abschaum der Welt fühlt intuitiv, dass er ein Abfallprodukt ist. Daher sind seine Gesichter meist grau. Vor allem, wenn er morgens zur Arbeit fährt, ist er ein kläglicher Anblick. Man möchte ihn fast noch mehr in den nächsten Gulli gießen als er selbst es will. Aber auch der stinkendste Abschaum der Welt hat ein Recht auf Leben. Und das fühlt er auch. Deswegen singt und tanzt er gelegentlich, um zu vergessen, dass er keine Crème de la Crème ist. In der Disco sind nämlich alle, die nicht singen und tanzen können, gleich. Crème und Abschaum ähneln sich von der Substanz her schließlich. Sie sind entweder schaumig oder aus Fleisch und Blut. Und in der Disco tanzen sie meist gleich ungekonnt, darf man annehmen.
In der Karaoke-Bar, im Glücksspielsalon und im Fußballstadion nähern sich Crème und Abschaum so sehr an wie es nur denkbar ist. Sie verschmelzen zu einer unidentifizierbaren Masse aus johlenden, gröhlenden, sich verzerrenden Gesichtern. Der sonst für die Crème wertlose Abschaum wird zum singenden, tanzenden. Die Illusion der Gleichheit von Crème und Abschaum ist perfekt. Daher liebt der Abschaum diese Örtlichkeiten. Denn er liebt die Gleichheit und das kindische Soziologen-Märchen der nivellierten Mittelstandsgesellschaft oder "Nachklassengesellschaft". Er liebt die Gemeinschaft mit dem Adel der Welt. Aber was treibt die Crème dahin?
| "Crème de là Crème" (sic!) von http://micahgianneli.com/ |
Das Geld auf dem Konto
Dass sie dafür in Scheiße oder Blut baden müssen, ist für sie unerheblich, haben sie doch teuerstes Parfüm und edle Saunen zur Verfügung, die Säue in ihren "Saumänteln"*! Als Crème de la Crème haben sie natürlich, wie könnte es anders sein, keinen Riecher für den Mist, den sie anstellen. Wie der Hof des Sonnenkönigs parfümieren und maskieren sie sich, um in eine rosarote, wohl riechende Traumwelt zu entgleiten. Und den Abschaum kann man ja zur Not wegschütten.
Aber drehen wir die Sache doch einmal um.
Die herrschenden Ideen sind echt ein Haufen Scheiße und die Herrschenden sind vor allem ein Haufen Scheißkerle. Das ist leicht zu beweisen. Jeder auf dieser Welt riecht wohl, dass irgendetwas bis zum Himmel stinkt. Und das sind nicht die Müllberge, die die erste Welt in der dritten lagert. Es sind auch nicht die Leichenberge, die sich in den Kriegsgebieten und Krisenherden ansammeln. Es sind noch nicht einmal die wirklich erschreckenden Mengen an Furzgasen, die unsere Schlachttiere ausstoßen, während sie auf engstem Raum zusammengepfercht werden, um zu unserem Genuss massakriert zu werden.
Okay, doch, genau das sind die Dinge, die zum Himmel stinken. Und die Crème de la Crème trägt dafür die Verantwortung. Denn sie ist ja die Crème de la Crème de tout le monde. Die stinkende, parfümierte High Society, nicht Geld, regiert die Welt:
- So wie G.S., der sozialdemokratelnde Klassenverräter, der Putins Demokratur näher steht als der Sozialdemokratie als sie noch sozial und demokratisch war.
- Oder wie J.F., der als Vernichter der Umwelt in Ländern wie Afghanistan bekannt wurde, in denen seine Uran-Munition Mensch und Umwelt verseucht und vertilgt hat.
- Oder, um eine böse Frau zu nennen, wie UvdLeyen, die im Sinne der Herrschenden die wenig begüterten Familien enteignet hat, um die bereits begüterten Familien mit noch mehr Gütern zu versorgen.
DAS ist tatsächlich die Crème de la Crème der Welt. Sie lecken wirklich gut. Wirklich gut lecken sie.
Ganz kurz vorm Ausrasten?
Aus Orientierungslosigkeit wird Ohnmacht, aus Ohnmacht Verzweiflung, aus Verzweiflung Empörung, aus Empörung Wut, aus Wut Hass, aus Hass Zerstörung.
Du willst Dinge zerstören, die du hasst. Vielleicht willst du diesen Blog zerstören, weil dir die Worte nicht passen? Wer die Wahrheit sagt, der braucht ein schnelles Pferd. Denn weder Crème, noch Abschaum wollen die Wahrheit hören. Die Wahrheit ist:
Crème und Abschaum können nie zusammenfinden. Und beide singen und tanzen, während es bis zum Himmel stinkt.
| http://lovetechno.blogsport.de/ |
Abonnieren
Posts (Atom)


