Posts mit dem Label Recht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Recht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 11. Februar 2016

Ich spucke auf dein Grab - ein Meisterwerk über feministische Selbstjustiz

Wie gerufen kommt der dritte Teil von "I spit on your grave" für die deutschen Zuschauer*innen nach Silvester 2015/16. Die Serie behandelt ein überaus makabres Thema: Rache infolge von Vergewaltigung. Anders als Teil 1 und 2 ist der dritte Teil jedoch nicht bloß ein weiterer "Rape and Revenge"-Splatterfilm. "I spit on your grave III" ist vielmehr ein surreales Meisterwerk ganz im Stile von "Fight Club".

Rachesequenz aus "I spit on your grave III"
Jennifer Hills (Sarah Butler) ist die bereits bekannte Protagonistin aus dem ersten Teil, in dem sie Opfer einer Gruppenvergewaltigung durch einige Rednecks wurde, an denen sie sich im Anschluss brutal revanchierte. Im dritten Teil hat sie mit den psychischen Folgen der Ereignisse zu kämpfen: Sie ist allgemein äußerst misstrauisch geworden, hat Alpträume und Paranoia. Überall sieht sie potenzielle Vergewaltiger. Ihren Namen hat sie zu Angela umändern lassen, um mit ihrer Vergangenheit zu brechen. Auch sucht sie eine Therapeutin auf und nimmt an Gruppensitzungen mit anderen Geschädigten teil.

Gleich eine der ersten Szenen ist perfekt. Angelas Kollege spricht sie unvermittelt an und löst damit die typische Situation aus, wenn eine Frau ungewollt angemacht wird:

"Hey, Angie. Warte doch."
"Bitte nenn mich nicht immer so. Ja?"
"Komm schon. Was ist denn mit dir los? Ich meine. Rieche ich? Habe ich faule Zähne?"
"Ich möchte nur nicht Angie genannt werden."
"Augenblick, was ist mit dir? Ich versuche doch nur, nett zu sein."
"Wieso?"
"Was ist falsch daran, nett zu sein?"
"Dann sei doch nett zu Gloria oder xyz§#ß."
"Du bist ja echt schwierig. Hör zu, nicht jeder will dir gleich an die Wäsche."
"Nicht jeder, aber du."

Eiskalt abgeblitzt, bemüht sich der wirklich nette Kollege immer wieder, aber hat im Grunde keine Chance, Angela zu treffen. In einer Therapiestunde erklärt Angela den Grund dafür, d.h. ihr Weltbild:

"Da draußen ist man Raubtier oder Beute. Man muss sich entscheiden."
"Eine etwas einseitige Sicht. Glauben sie nicht an Altruismus?"
"Sie meinen die Gutmenschen? Die kann ich echt nicht ausstehen." 

Bei ihren Gruppensitzungen lernt sie die hammerharte Marla (Jennifer Landon) kennen, die aufgrund ihrer eigenen Geschichte eine Männerhasserin mit viel Humor und Selbstvertrauen ist. Bis dahin konnte Angela ihr Leben kaum genießen. Gemeinsam mit Marla ändert sie fortan jedoch ihre Einstellung. Sie bricht mehr und mehr mit der klassischen Opferrolle und wird zum agierenden Subjekt. Von Marla übernimmt Angela die radikalen Ansichten:

"Für diese Frauen gibt es nur eine Hoffnung und die heißt: Rache... Und die Cops helfen dir nicht. Niemand hilft dir. Du musst dir selbst helfen. Geh deinen Weg und schau nicht zurück. Wenn das nicht hilft, nimmst du ein Messer, schlizt ihn auf und nimmst ihn aus wie einen Fisch und schneidest ihm den verdammten Kopf ab." 

Marla spricht es aus, Angela begreift sofort. Die beiden ziehen also gemeinsam los in den Krieg gegen die Männer. Ob der Kollege, der Angela kennenlernen möchte, der unbekannte Frauenschläger aus der Kneipe oder der angehende Vergewaltiger - alle werden nun zu Opfern psychischer oder physischer Gewalt der beiden Racheengel. Angela muss ihre fiktive Freundin (eine Anspielung auf Marla in "Fight Club"?) sogar mäßigen. Doch ist sie bald selbst nicht mehr zu halten.

Das Hauptmotiv des Plots ist abgesehen von der Verwandlung des Opfers zur Täterin das Fluktuieren unserer Heldin zwischen staatlichem Recht, feministischer Gerechtigkeit und sadistischer Selbstgerechtigkeit. Die Polizei wirkt machtlos oder unwillig, Angela bei der Aufklärung eines Mordes an einer Freundin zu helfen. Der Staat versagt also wie so oft darin, dem Recht die Gerechtigkeit folgen zu lassen. Einzig logische Konsequenz für unsere Rächerin ist die Selbstjustiz. Sie zieht los, um endgültig zu strafen, wo der Staat nicht einmal das öffentliche Recht durchzusetzen vermag. 

Die Zuschauer*innen werden nicht nur Mitgefühl für die Vergewaltigungsopfer empfinden, sondern auch sadistische Lust bei der Bestrafung der Täter. Das ist immer der intendierte Effekt bei diesem Filmgenre. Allein, das Geniale an diesem Film, das ihn außergewöhnlich macht, ist die Überspannung der Selbstjustiz. Die feministische Gerechtigkeit verschmilzt immer mehr mit sadistischer Selbstjustiz. Denn Angela rächt sich nicht bloß. Sie rastet aus und attackiert sogar unschuldige Männer und Frauen. Unterschiedslos rächt sie sich nun also an der ganzen Menschheit. Ihre zunächst gerecht wirkende Verwandlung in eine Rächerin schlägt in einen durch nichts zu rechtfertigenden Menschenhass um. Aus der zornigen Feministin wird so eine Sadistin, aus dem Racheengel ein gefallener. Ganz wunderbar lässt sich das im Kontrast zwischen der Szene im Gefängnis und der Szene in der Mitte des Films erkennen, in der sie sich auf einen kurzen Flirt mit dem Kollegen einlässt. Dort schien es einen Hoffnungsschimmer für die verzweifelte Kreatur gegeben zu haben. Doch der Film endet düster.

Angela selbst weiß um ihre Schuld, weshalb sie Gott um Vergebung bittet. Natürlich löst dieser ihre Probleme nicht. Darum geht es in dem Film. Kein Gott, kein Kaiser noch Tribun errettet die Opfer von Gewalt. Sie müssen sich selbst retten, selbst wenn es so schwer fällt wie Angela. Und genau diese Spannung zwischen den Kontrasten erhebt den Film auf den Thron des Genres.


Mittwoch, 20. Januar 2016

Die unerwartete Mobilisierung des Russlanddeutschen durch Rechtspopulismus

Es passieren immer eigenartigere Dinge in Deutschland.

Gerüchte über eine durch die Berliner Polizei angeblich vertuschte Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens provozieren Protest von Russlanddeutschen im Netz und auf der Straße. Vielleicht zurecht. Bislang jedenfalls konnte der Fall noch nicht geklärt werden. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Das muss polizeilich und juristisch, d.h. professionell, aufgeklärt werden.


Aber ob das eine sonst völlig apathisch auf Politik reagierende Menschengruppe schaffen kann? Die Rede ist nicht von der Berliner Polizei, sondern von den russlanddeutschen Spätaussiedlern. Selbst wenn an den Anschuldigungen etwas dran sein sollte, sind die Umstände des russlanddeutschen Protests durchaus bedenklich. Die Gerüchte mobilisieren ihre alten rassistischen Vorurteile. Emotionen kochen hoch, das Hirn schmilzt weg, die Denkleistung verdampft. Urängste bestimmen das Reden und Handeln. Allein, das ist noch nicht alles. Die empörten Russlanddeutschen bezichtigen die Polizei der Komplizenschaft mit verdächtigten Flüchtlingen. Diese wollen sie eigenständig, extra-legal bestrafen. Selbstjustiz wird verlangt. Dafür tun sie sich teilweise auch mit rechtsextremen Ideologen zusammen. Merkwürdig? Absolut...

Denn nun werden Selbstjustiz und Rassenhass von Leuten eingefordert, die teils selbst nach 24 Jahren im Lande kaum Deutsch können; denn Hartz4, Reallohnverluste, Demokratieabbau, Überwachung und Medienkampagnen, Kriege, Welthunger und Klimawandel sind ihnen egal gewesen; denn die Beherrschung der deutschen Sprache war immer nachrangig für viele von ihnen; denn ie Befreiung der Frau und der Feminismus waren ihnen immer eher suspekt. Aber jetzt rasten sie aus. Merkwürdig? Absolut, aber erklärbar. Denn es geht gegen andere Ausländer, die kulturell noch weniger integriert und sozial noch schwächer sind.

Würde es den neuen Aktivisten um Gerechtigkeit gehen, hätten sie sich früher einer antikapitalistischen oder zumindest fortschrittlichen Bewegung angeschlossen. Sie hätten mit uns Linken und Friedensaktivisten gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan oder in Syrien protestiert oder zumindest den europäischen Kriegskurs gegen Russland und den westlich gestützten Völkermord im Donbass kritisiert. Aber durch westliche Intervention im Ausland getötete Kinder sind dem Mob zunächst gleichgültig. Gerechtigkeit ist nicht ihr Motiv.

Es geht ihnen vielmehr um ihre teils romantischen, teils völlig surrealen Utopien von einem unberührten, spießigen Leben im Wahnsinn, den man Kapitalismus nennt. Die Verletzung der Menschenrechte überall auf der Welt durch die Großkonzerne und politischen Eliten ist ihnen eigentlich scheißegal. Hauptsache ihr Vorgarten oder Treppenflur bleibt sicher. Dieses Ideal hat den proletarischen, prekarisierten und kleinbürgerlichen Russlanddeutschen aber noch immer keine völlige Integration gewährt. Dafür ist das Erbe des Hitlerismus zu fest im staatlichen Gerüst verschraubt. Sie ahnen es zumindest, dass sie trotz deutschem Pass keine vollwertigen Deutschen sind.

Aber endlich hat der russlanddeutsche Kleingeist am Rande der deutschen Gesellschaft eine Gelegenheit gefunden, um sich selbst über andere Paria zu erheben. Alteingesessene Migranten hetzen zusammen mit den deutschen Rassisten gegen Neuankömmlinge. Die entstellte Fratze des Wohlstandschauvinismus vereint nun deutsche, russische (und vermutlich immer offener auch türkische) Nationalisten in Deutschland unter dem Banner der Asylkritik.

Vor allem die nationalistische oder völkische Selbstgerechtigkeit treibt sie an. Ihr deutschnationaler Narzissmus wurde gekränkt. Wieso sollten Neuankömmlinge auch die selben Vorrechte genießen wie die Alteingesessenen? Und dann kommen auch noch Übergriffe vor. Nun wird natürlich Blutrache eingeklagt. Und wenn man die wirklichen Täter nicht fassen kann, werden eben andere "Schwarze", wie nicht wenige Russen alle Dunkelhäutigeren nennen, an ihrer Stelle bestraft. In Russland erledigen das die Neonazis bereits mit großem Erfolg, indem sie wahllos "Schwarze" terrorisieren. Putin toleriert das mehr oder weniger, da er die Faschisten durchaus fürchten sollte und sie wie jeder konservative Staatsmann selbst noch als Schlägertrupp gegen Linke gebrauchen könnte.

Sogar bislang völlig unpolitische und äußerst pragmatisch eingestellte Halbdeutsche radikalisieren sich gerade als Reaktion auf die medialen Hetzkampagnen. In den sozialen Netzwerken und bei Whatsapp werden immer mehr Gerüchte verbreitet. Doch ihr Protest ist zunächst bloß die Mitleid erregende Verzweiflungstat der sonst ohnmächtigen Lumpen, Proleten und Kleinbürger, die verspätet aus ihrem politischen Koma erwachen.

"Achtung! Das heißt Krieg!",
Aufruf zum Protest überall im Land
Leider bringt dieses Erwachen keine Klarheit mit sich. Von geschärftem Klassenbewusstsein dürfte kaum die Rede sein. Die Dumpfheit der Klassenversöhnung unter rechtspopulistischen Parolen ist dagegen bereits Realität. Es sind dunkle Zeiten zu erwarten, in denen die "Moral" des Brutaleren und Unmenschlichen sich auch in Deutschland wieder durchsetzt. Es sei denn, der bürgerliche Rechtsstaat erobert sich mühsam sein Gewaltmonopol und seine Legitimation zurück oder wird durch den sozialistischen überwunden...

Die deutsche Linke sollte die Gefahren von rechts sehen, aber zugleich sollte sie sich auf einen Dialog mit den kürzlich erwachten Schichten einlassen. Denn nun dreht sich alles um die Köpfe solcher Menschen. Sie sehnen sich nach einer glaubwürdigen Perspektive für ein besseres Leben. Die Linke muss ihnen klar machen, dass die Antwort nicht im chauvinistischen Bündnis mit den Herrschenden, sondern allein in einer antikapitalistischen Bewegung gegen die Herrschenden liegen kann.


Donnerstag, 14. Januar 2016

Sahra Wagenknecht über Gastrecht und Kapazitäten in Deutschland



Sahra spricht hier von einem Verwirken des Gastrechts bei straffälligen Asylbewerbern oder Flüchtlingen. Außerdem erwähnt sie Obergrenzen für die Aufnahme von Menschen aus anderen Ländern. Ist das nun realistisch oder unfair? Jedenfalls wurde die Vorsitzende der Linkspartei dafür von links scharf kritisiert. Man vermutet, dass sie bisher unerreichte Wählerstimmen gewinnen will, die Koalition mit SPD und Grünen vorzubereiten gedenkt oder schlicht eine vernünftige Position entwickelt hat. Darüber lässt sich ewig streiten. Jedenfalls sollte man sie besonnen kritisieren und nicht verfrüht hetzen. Das machen Medien und Rechte schon zu genüge.

Ken Jebsen über die Silvesternacht in Köln


Mit diesem Beitrag hat Ken Jebsen offenbar Sahra Wagenknecht soeben von links überholt. Jebsen wendet sich gegen die rassistische Selbstjustiz der sogenannten Bürgerwehren, gegen die verlogene Rhetorik und jämmerliche Politik Merkels und die dunkle, heuchlerische Seite der deutschen Bevölkerung, die jetzt plötzlich ihren Antisexismus und Feminismus entdeckt, weil es gegen Migranten geht.

Bravo! Und danke!

Dienstag, 5. Januar 2016

Gewalt an Frauen, Rassismus und die sogenannte "Vertuschungsdemo"

Es gibt Menschen, die bei passender Gelegenheit einfach durch und durch unehrlich und feige sind. So auch "Tanja". Bei der facebook-Veranstaltung zur Kundgebung am Kölner Dom gegen Gewalt an Frauen und Rassismus am 05.01.2016 gab es tatsächlich diese "Tanja", die offenbar gegen den Rechtsstaat, gegen Migranten/Fremdwirkende und die angebliche "Vertuschung" von Kriminalität wetterte.

"Tanja" schrieb, die Kundgebung unter dem Titel "Gegen Gewalt an Frauen & Rassismus" sei eine sogenannte "Vertuschungsdemo", weil angeblich irgendetwas vertuscht werde. Sie beschwerte sich dann auch noch darüber, dass die Polizei angeblich die Täter schütze. Außerdem war sie offenbar unzufrieden, dass die Demo sich gegen Sexismus und Rassismus, gegen Gewalt an Frauen und vor allem an geflüchteten Frauen, richtet. Gewöhnliche polizeiliche Ermittlungen und die Durchsetzung des Strafgesetzes entsprechend rechtsstaatlicher Vorgaben sei in diesem Fall keine ausreichende Abschreckung, wie man zwischen den Zeilen relativ eindeutig lesen kann. Außerdem betonte "Tanja" immer gerne die Frage der Nationalität.

Auf Nachfragen, was denn statt einer solchen Kundgebung und polizeilichen Ermittlungen geschehen sollte, wurde der ganze Diskussionsfaden offenbar von "Tanja" selbst gelöscht. Ist solche Löschung etwa keine Vertuschung der eigenen Ideenwelt? Ist das keine unehrliche und feige Reaktion auf eine offene Diskussion? Wurde da etwa ein tiefer, bräunlicher Abgrund in den Gedanken einer ungeschickten Rassistin entlarvt? Man kann es nur vermuten. Aber damit ja nichts "vertuscht" wird, sind unten die Screenshots dazu. Die Gerechtigkeit im Lande muss walten. ;-)

Eine Frage, die die Threadstellerin wunderbar entlarvt hat, war ungefähr:

"Also, Tanja, was schlägst du vor? 
a) Die Polizei hört auf zu ermitteln und schlägt beliebige Migranten zu Brei? 
b) Ein Lynchmob mobbt oder lyncht nach Belieben "verdächtige" Personen? 
c) Die Polizei ermittelt wie bei jeder Straftat zunächst nach Straftatbeständen und fahndet nach möglichen Tätern, um davon mit etwas Können vielleicht einige ausfindig zu machen und gemäß des Strafgesetzes zu bestrafen. Außerdem mobilisiert die Zivilgesellschaft zu dieser Kundgebung gegen Sexismus und Rassismus. Meinetwegen auch gegen die Polizeigewalt.  
Bist du eher für a), b) oder wie ich eher für c)?"

Auf diese Frage folgte keine Antwort, sondern bloß Vertuschung der entlarvten Ideenwelt im Kaltland, das Deutschland zuweilen ist.

Im Übrigen sagt das folgende Zitat einer Leserin der ZEIT alles über die abstoßende Moral von "Tanja":




Auch bei twitter findet sich eine kluge Anmerkung in dieser Richtung:





Hier die Screenshots:






Donnerstag, 10. Dezember 2015

Die Hölle als Zuschauertribüne des Himmels




Populäre Rap-Musik kann provozieren. Die wunderbar provokative Hitler-Hymne von KIZ ist ein Beispiel dafür. Der Musik-Clip zum Track überragt den Text sogar noch.

Jedenfalls endet das Video damit, dass der auferstandene Hitler sich wieder selbst erschießt, aber an der Tür zum Himmel abgewiesen wird. Der Türsteher schließt das Tor und es wird wieder dunkel um den allein gelassenen Diktator. Fast könnte man Mitleid mit dem Ausgestoßenen bekommen. Fast. Oder auch nicht.

Diese letzte Szene regt den futuristischen Blogger dazu an, über eine mögliche Variante der Strafe für verstorbene Verbrecher zu spekulieren: Die Hölle als Zuschauerbank des Himmels.

Da sämtliche Verbrecher dazu neigen, ihre Verbrechen zu rechtfertigen, glauben sie sich sicher. Entweder erfinden sie legale oder moralische Rechtfertigungsgründe für ihre Straftaten, sodass sie als tragische Figuren in den Himmel oder nach dem Tod ins Nirvana eingehen können. Hitler dachte womöglich wirklich, dass er einen irgendwie gerechten Kampf gegen eine "jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung" austragen musste. Sein feiger Selbstmord sollte ihn der Bestrafung durch das Weltgericht der Bolschewisten entziehen. Und in seinem kranken Hirn stellte er sich das Nachleben entweder als Himmel für Diktatoren oder als Nirvana-Nichts vor. So wäre er ja glimpflich davongekommen.

Aber vielleicht endet die Geschichte für die Terroristen-Verbrecher nach ihrem Ableben doch eher wie im Video von KIZ? Der Diktator erhofft Himmel oder Nirvana für sich, aber tatsächlich gelangt er auf die Zuschauertribüne des Himmels. Alle guten, unschuldigen Menschen und reuigen Sünder gehen an ihm vorbei und werden vom Türsteher des Himmels ins Paradies gelassen. Für alle Ewigkeit vergnügen sie sich wahlweise mit Daim, Bitterschokoladeneis, World of Warcraft oder ganz vielen Jungfrauen und -männern oder Trauben - oder was auch immer das sündige Herz der Himmelsbewohner so begehrt.

Der enttäuschte Aussetzige dagegen und seine Kameraden, die Schwule für ihre Liebe zu Männern zusammengeschlagen haben; seine Kollegen von ISIS, die echten Moslems Köpfe abgeschnitten haben; die Kolonialisten-Siedler, die anderen Völkern ihr Land mit teuflischer Gewalt geraubt haben; die Militaristen und Imperialisten, die ihr eigenes Land und andere Länder unterworfen und zerstört haben; die demokratisch gewählten Feinde der Demokratie - sie alle sammeln sich vor der Himmelstür und kommen für alle Ewigkeit nicht rein. Zugleich hören sie von weitem die freudigen Himmelsbewohner und können durch einen Türspalt oder das Schlüsselloch alle tausend Jahre mal einen Blick hineinwerfen. Ihre Strafe ist so vielleicht viel schmerzhafter als die gewöhnliche Vorstellung von Hölle.

Obwohl man ihnen durchaus einen Gang durch sämtliche Stufen der Höllenqualen im tibetischen Buddhismus wünschen kann. Oder noch besser: Das Weltgericht durch die Bolschewiki dieser Welt, solange man ihrer habhaft werden kann. Oder eine Neuauflage der Nürnberger Prozesse. Ja, das wäre wirklich eine angemessene Strafe, von der auch die Erdenbürger noch was hätten. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.


Donnerstag, 5. Juni 2014

Jean Ziegler über das "Afrika des Hasses" (1987)

http://www.booklooker.de/
1987 erschien beim Rotbuch Verlag das Büchlein "Endspiel Südafrika" von Robin Cohen. Es thematisiert  Ideologie und die Existenzbedingungen der weißen Rassisten-Diktatur in Südafrika. Jean Ziegler schrieb damals ein wundervolles Vorwort dazu. Anders als Cohen war Ziegler optimistischer, was den Widerstand gegen das Regime anging, und pessimistischer, was die friedliche Reform der Apartheid anging. Nicht in allem mag er Recht behalten haben, aber es lohnt sich, die klaren und trefflichen Gedanken Zieglers in Erinnerung zu rufen.

Im Folgenden das ungekürzte und abgetippte Vorwort* über das "Afrika des Hasses":

Jean Ziegler 

Afrika des Hasses


Zwei gegensätzliche Bilder steigen bei der Lektüre des klugen Buches von Robin Cohen in meiner Erinnerung auf. Sie zeigen gleichzeitig, wo und warum ich mit den Zukunftsprognosen Cohens nicht einverstanden bin.
11. November 1984: die High Society des Transvaal feiert im Ballsaal des Hotel Carlton den Waffenstillstand von 1914. Was eigentlich gefeiert wird, ist nicht ganz klar. 1914 war der Bure Jan Smuts an der Regierung. Ein letzter Aufstand von ungefähr 10 000 ehemaligen Kämpfern des Buren-Krieges unter dem Kommando ehemaliger Buren-Generäle brach aus. Smuts schickte die südafrikanische Armee gegen die Aufständischen ins Feld, massakrierte sie und ließ jeden erschießen, der aus der Armee zu den Aufständischen überlief. 11. November: Gedächtnis-Feier des letzten Buren-Aufstandes oder Gedenktag des Sieges der Alliierten auf dem europäischen Kontinent? So genau will es mir keiner meiner Tischnachbarn erklären. Das Orchester spielt Walzer und Jazz aus den zwanziger Jahren. Die Einladung zum Fest der Buren-Elite verdanke ich dem Schweizer Generalkonsul. Ich komme mir vor wie Malaparte als SS-Mann verkleidet im Ghetto von Warschau. Meine Uniform ist die weiße Haut. Sie verschafft mir Zugang zu dieser häßlichen Welt. Die burischen Damen sind mit Edelsteinen und Gold beladen. Die Herren im Frack sind - wie ihre Damen - meist gesetzten Alters und ziemlich wohlleibig. Sie lachen laut, essen viel und strahlen Zuversicht, Zufriedenheit, Reichtum und Arroganz aus. Die indischen Musiker, die schwarzen Kellner sind Schatten an der Wand. Ihnen wird mit lässiger Handbewegung dies und jenes befohlen. Keiner redet mit ihnen, keiner schaut sie an. Der Lord-Major von Johannesburg - blon, groß, dickleibig, mir rot angelaufenem Gesicht und feistem Nacken - trägt eine herrschaftliche Silberkette über dem Bauch. Ein Adjunkt legt ein silbernes Szepter vor ihn auf das Pult. Der Lord-Mayor steht auf, das Orchester spielt einen flotten Marsch und die Rede beginnt: die weiße Ballgesellschaft, so sagt der Bürgermeister, stehe im Kampf gegen den internationalen Kommunismus und die allgemeine Barbarei. Die Weißen anderswo - vor allem in Europa - verstünden nicht, daß ihre Zivilisation hier verteidigt werde. Demokratie dürfe schließlich keine Schwäche bedeuten ... Tosender Beifall im Saal. Entlang der Wand nicken sogar die schwarzen Schatten höflich Zustimmung. Kafka unter den Tropen.

Zweite Erinnerung: Im September 1980 bin ich zusammen mit Régis Debray Gast von Präsident Samora Machel in Mozambique. 25. September: unser Besuch geht dem Ende entgegen. Eine letzte Diskussion mit Marcelino dos Santos, Oscar Monteiro, Aquino de Bragancccca, Samora Machel im Garten des Präsidenten -Bunkers, einem ehemaligen portugiesischen Offizierskasino nahe dem Strand am Indischen Ozean. Unter den Palmen stehen Fliegerabwehrgeschütze. Wir sitzen in großen Korbstühlen. Samora - entspannt, fröhlich, blitzgescheit - ruft den einen oder andern Kanonier herbei. Tee wird getrunken, Bilanz gezogen. Die Nacht bricht ein. Der Mond steigt auf. Wir verabschieden uns. Aquino hat eine letzte Überraschung für uns bereit: durch die menschenleeren Boulevards unter duftenden Bäumen und dem Sternenhimmel fahren wir gen Süden, Richtung Hafenviertel. Vor einem Hochhaus stehen schwarze Soldaten. Der Aufzug führt in den achten Stock. Die Tür geht auf. Vor uns steht Joeeeee Slovo, der Generalstabschef der Umkhoto We Sizwe (die Lanze der Nation). Er plant und führt - zusammen mit dem 18köpfigen Militär-Komitee - den bewaffneten Widerstand gegen die Apartheid-Diktatur. Slovo, eins erfolgreicher Geschäfts- und Finanz-Anwalt in Johannesburg, hat Nelson Mandela im Rivonia-Prozeß verteidigt; Mandela und praktisch der ganze damalige Führungsstab der Umkhoto We Sizwe waren am 11. Juni 1963 im Bauernhof Rivonia, nahe bei Johannesburg, umzingelt und verhaftet worden. Slovo ist mit der britischen Anthropologin und Oxford-Dozentin Ruth First verheiratet. Er ist ein hochgewachsener weißer Mann, kultiviert, überzeugter Marxist. Das genaue Gegenteil eines Barbaren. Seine komplexen Analysen der Situation - beeindrucken mich durch ihre Präzision, durch ihre undogmatische Subtilität. Er spielt Bridge in Weltklasse und redet ein Englisch in der Stilreinheit eines britischen Lords. Zwischen dem Bürgermeister von Johannesburg und Joeeee Slovo liegen Lichtjahre - und ein sicherlich unüberbrückbarer Haß. Versöhnung, Annäherung zwischen diesen beiden Welten scheinen mir heute ausgeschlossen. 

Ein Nachtrag zu diesem Exkurs in die Erinnerung: am 17. August 1982 explodiert ein Sprengbrief im Sitzungszimmer des Afrika-Institutes der Eduard-Mondlane-Universität in Maputo. Ruth First ist auf der Stelle tot. Bragancccca, ein amerikanischer und ein südafrikanischer Forscher - O'Laughlin und Jordan - sind schwer verletzt. Die Untersuchung ergibt, daß der Brief von einem südafrikanischen Agenten präpariert und transportiert wurde. Oktober 1986: das Flugzeug des Präsidenten Samora Machel stürzt im Wald nahe der südafrikanischen Grenze vom Himmel. Unter den Toten: mein Freund Aquino de Bragancccca. Joeeee Slovo lebt heute nicht mehr in Maputo. 

In seinem Schlußkapitel analysiert Cohen die möglichen Szenarien, welche der weißen Rassendiktatur in Südafrika ein Ende setzen könnten. Sowohl seine empirischen wie seine theoretischen Aussagen erscheinen mir als außerordentlich informiert und klug. Cohen glaubt nicht an den 'Grand-Soir', den entgültigen Aufstand der Sklaven, den mir Joeee Slovo in jener fernen Nacht in Maputo so eindrücklich beschrieben und prophezeit hatte. Vielmehr, so meint Cohen, werde durch Widerstand und Repression, Bewußtseins-Fortschritt bei den Unterdrückten und späte, langsame Einsicht bei den Herrschenden ein neues instabiles Gleichgewicht entstehen. Modelle? Libanon, Nord-Irland. Cohen zeigt, wie die neuen Entwicklungen die sozialen Schichten der schwarzen Bevölkerung verändert haben. Die Stratifikation ist vielfältiger geworden; die Segmentierung ist intensiv, Nebenwidersprüche und vermittelte Gegensätze sind zahlreich. Cohen zeigt auch überzeugend, wie stark die südafrikanische Wirtschaft heute vom internationalen Kapitalismus abhängig ist, wie stark die Überdeterminierung durch den kapitalistischen Weltmarkt auf das südafrikanische Sozialgebäude wirkt. Auch eine schwarze Regierung, hervorgegangen aus der allgemeinen, geheimen, demokratischen Abstimmung aller in Südafrika lebenden Bürger, wird diese Abhängigkeit nicht brechen und diese Überdetermination nicht korrigieren können. All das stimmt.

Trotzdem bin ich nicht mit der Cohen-These vom schleichenden Übergang einverstanden. Cohen sagt kaum etwas von der Kommando-Struktur der Widerstandsbewegung, der Widerstands-Front. Er analysiert lange, genau und interessant die ideologische Struktur der Apartheid (besser: er zeigt, warum die Apartheids-Theorie keine eigentliche Ideologie ist; sie verschleiert nämlich nichts!). Die Gegenseite kommt kaum zu Wort. Doch die Entwicklung des kollektiven Über-Ichs der Buren, des durchaus kohärenten, formallogisch homogenen Systems der Selbstdeutung des Apartheid-Staates wird man nur aus der Dialektik mit einem sich von Tag zu Tag radikalisierenden Selbstverständnis der schwarzen, farbigen unterdrückten Mehrheit begreifen können.

Ein zweites Argument: Cohen meint, die Apartheid sei eben im Begriff still dahinzusiechen. Seine Analyse der Botha-Strategie ist überzeugend. Aber eben: es fehlt ein Zusatz. Während Botha reformiert, abbaut, verhandelt, Brücken sucht, organisieren in seinem Rücken die Rassisten des eigenen Lagers ihre Sabotage. Sabotage? Das Wort ist zu schwach. Es handelt sich um eine eigentliche Konter-Revolution, die jener der OAS (Organisation de l'Armeée secrète) im französisch beherrschten Algerien der Jahre 1961/1962 ähnelt. Allein im Jahr 1986 sind mindestens drei solcher OAS-Organisationen tätig geworden. Im Untergrund oder auf offenem Feld. Die Aksie Eie Toekams-Organisation ist streng geheim, bewaffnet und agiert innerhalb des Expeditionskorps in Namibia, innerhalb der Bereitschaftspolizei und auf der Offiziersakademie. Das Wit-Kommando, auch Afrikaaner Weederstandsbeveging (AWB) genannt, führt ein Fahnen-Emblem, das direkt vom nationalsozialistischen Hakenkreuz inspiriert ist. innerhalb der Nationalen Partei, der Buren-Partei, bestand schon immer ein rechtsextremer Flügel: 1969 trennte sich der damalige Informationsminister Albert Hertzog von John Voster. Die Herstigte Nasionale Party (die 'gereinigte' National Party) entstand. Verbündet mit dem Broederbund gelingt es der HNP 16 Jahre später, ins Parlament einzuziehen. Dazu kommt: auch innerhalb der bestehenden Struktur der Nasionale Party gibt es heute wieder ein 'Endkampf'-Lager. Der rechtsextreme Flügel vereint heute die sogenannt verkrampten Abgeordneten und Parteimitglieder (die 'Verkrampften' - im Gegensatz zu den verligten, den aufgeklärten Botha-Anhängern).

Überschätze ich den derzeitigen Einfluß der Endkampf-Fanatiker im weißen Lager? Nein. Vieles deutet darauf hin, daß wie in Algerien (Juni 1962), wie in Rhodesien (1977) kein schleichender Übergang zur Mehrheitsdemokratie möglich sein wird - wie Cohen meint. Beispiele für die Schlagkraft der Endkämpfer? Es gibt deren viele: Im Mai 1986 stürmt Eugène Terre Blanche an der Spitze von über 2000 AWB-Fanatikern - Lederstiefel, weißes Hemd, schwarze Krawatte - in Pietersburg, im Norden des Transvaal, die Generalversammlung der Nationale Party, der Regierungspartei, und jagt den Außenminister Pik Botha handgreiflich aus dem Saal. Pietersburg ist umzingelt, abgeschirmt von Hunderten von Spezialtruppen, Bereitschaftspolizisten. Sie alle schauen wohlwollend dem Treiben der AWB-Schläger zu! Niemand schützt die anwesenden Minister. Ebenfalls im Jahr 1986 terrorisierten Gruppen von weißen AWB-Gangstern zwei ganze Wochen lang die Einwohner des Schwarzen-Ghettos von Kagiso, im osten Johannesburgs. Das erste Opfer, der schwarze Jugendliche Stephen Matshogo, 22 Jahre alt, wird auf dem Heimweg von seiner Arbeit abgefangen und zu Tode geprügelt. Die Polizei steht dabei und lacht. Ein letztes Beispiel: die südafrikanischen Ku-Klux-Klan-Brüder prügeln nicht nur, sie gewinnen auch stubenreine, freie weiße Wahlen. Von fünf Nach- und Teilwahlen im Jahre 1986 haben die AWB-Kandidaten deren vier gewonnen.

Unsere Verantwortung: Was heute in Südafrika geschieht und von Cohen analysiert wird, ist kein fernes Wetterleuchten für uns hier in Europa. Das ist nicht irgendein afrikanischer Buschkrieg, eine der unzähligen Illustrationen der Verrohung unserer Welt. So nebensächlich und fern, Tagesschau-Futter für europäische Regentage ist das Südafrika-Drama nicht. Die Tragödie geht uns direkt an, denn an ihr sind wir - in der Bundesrepublik, in Frankreich, in der Schweiz - direkt mit verantwortlich. 1985 rief der Friedens-Nobelpreisträger Desmond Tutu, anglikanischer Bischof, zum internationalen Wirtschafts-Boykott gegen Südafrika auf. Genaue Untersuchungen unter der schwarzen und farbigen Bevölkerung belegen, daß über 70% der unterdrückten Mehrheit den Boykott befürworten. Die südafrikanische Wirtschaft ist höchst verwundbar: die Gold-Exporte zum Beispiel bringen rund die Hälfte der südafrikanischen Devisen-Einkommen ein. Die 71 Minen beschäftigen über 450.000 Arbeiter und Techniker. Die Goldminen sind auch eine Bastion der rechtsextremen weißen Gewerkschaft. Ein schwarzer Minen-Arbeiter verdient fünfmal weniger als sein weißer Kollege. Die Schwarzen machen die gefährlichste Arbeit. Pro Jahr sterben in den 71 Minen im Durchschnitt 600 Menschen an Unfällen.

Das Südafrika-Gold wird von Swissair-Sondermaschinen nach Zürich transportiert. Die drei Schweizer Großbanken - Kreditanstalt, Bankgesellschaft und Bankverein - handelten 82% des südafrikanischen Goldes des Jahres 1986 ... und machten Riesenprofite. Industrie- und Finanzkapital aus der Bundesrepublik, Frankreich, England, USA hält die hochentwickelte südafrikanische Industrie, den Handel und die Militärmaschinerie auf Hochtouren. Mittelfristige Bankkredite aus Europa erlauben dem schwer verschuldeten Apartheids-Staat die extravagantesten Militär-Abenteuer: fortlaufende Besetzung der ehemals deutschen Kolonie Namibia, regelmäßige Einfälle in Südangola, Unterstützung und Finanzierung der konterrevolutionären Sabotage- und Guerilla-Bewegung RNM in Mozambique. Aber nicht nur von europäischen Investitionen, europäischen Devisen, sondern auch von europäischer Technologie ist Südafrika direkt und lebenswichtig abhängig: die Rassen-Diktatur ist heute der erste Nuklear-Produzent des Kontinentes (die Zentrale Koeberg, nahe beim Kap an der Atlantikküste, hat heute zwei Reaktoren mit je 920 Megawatt in Betrieb).

Der Boykott-Aufruf von Bischof Tutu gehört keineswegs ins Reich idealistischer Träume verwiesen. Er verdient ernst genommen zu werden, weil er Erfolg verspricht. Zwischen 1966 und 1982 haben die Auslandsinvestitionen in Südafrika um 14% pro Jahr zugenommen. Der Weltwährungsfonds schätzte sie im Jahre 1983 auf 17 Milliarden Dollar. Die Profite waren in Südafrika außerordentlich hoch. Inzwischen sind die Investitionen zurückgegangen. Die Profite ebenfalls: 7% im Durchschnitt im Jahre 1984, 5% im Jahre 1985. Die Hälfte der Kapitalien kommt aus den Staaten des Europäischen Gemeinsamen Marktes. England hat mit 600 Gesellschaften, die rund 350 000 Menschen beschäftigen, den höchsten Anteil (10% aller englischen Auslandsinvestitionen werden in Südafrika getätigt, gegen nur 1% der USA). Die Bundesrepublik steht an dritter Stelle: 6,4% ihrer gesamten Auslandsinvestitionen sind in Südafrika. Frankreich hat rund 80 Gesellschaften und 4,7% seiner Auslandsinvestitionen in der Rassen-Diktatur. Sinkende Profite, Rückzug der nordamerikanischen Kapitalien, Verbot des Verkaufes der Krügerrands in den USA, schwindende Zuversicht der europäischen Investoren ... die Zeit ist günstig für die Organisation und Durchführung eines Finaz- Handels-, Rohstoff- (vor allem Erdöl)-Boykotts.

Wollen die Europäer diesen Boykott und damit das Ende der Rassen-Diktatur? Die Mehrheit will ihn nicht. Staats-Räson, Profitgier, geistige und politische Indolenz charakterisieren die Beziehungen zwischen den westeuropäischen Demokratien und Südafrika. 1911 rief Jean Jaurès den Generalstreik aus gegen die geplante französische Invasion Marokkos. Der Generalstreik fand statt, die Invasion wurde verzögert. Heute ist das Bewußtsein internationaler Solidarität in der europäischen Arbeiterbewegung vollständig verkommen. Keine der großen westeuropäischen Gewerkschaften - von den Skandinaviern und den Holländern abgesehen - hat sich für den Boykott entschieden. In der Sozialistischen Internationale verteidigen nur die alten, konsequenten Anti-Faschisten wie Willy Brandt, Wischnewski und wiederum die Schweden, Dänen, Holländer, Finnen den Boykott. Alle anderen - und in den Gewerkschaften, in den sozialistischen Parteien sind sie leider die überwiegende Mehrheit - ziehen es vor, die Resultate des sogenannten "friedlichen Übergangs zum Mehrheitswahlrecht" abzuwarten. Kurz: Heuchelei, Indolenz, intellektuelle Stumpfheit und politische Verantwortungslosigkeit beherrschen den Tag.

Die Rassen-Tyrannei von Pieter Botha ist eine nackte, pure Gewaltherrschaft. Der Weekly Mail, die südafrikanische Wochenzeitung, meldet, daß gegenwärtig nach Angabe der Elternvereinigungen über 4000 Kinder unter 16 Jahren in Haft sind oder vermißt werden. Über 10 000 Kinder sind seit Ausrufung des Ausnahmezustands verhaftet worden. In den südafrikanischen Gefängnissen und Konzentrationslagern wird systematisch gefoltert. Auch viele Kinder werden mißhandelt. Die physischen und vor allem psychischen Schäden, die diesen Kindern zugefügt werden (Elternkontakt, Kleiderwechseln ist während der Haftzeit untersagt), sind nicht abzusehen.

Ich glaube nicht an friedlichen Übergang. Auch nicht an neue "Gleichgewichte" nach libanesischer Art. Hitler und Stalin stehen den südafrikanischen Tyrannen zu Gevatter. Ein solches Regime wird nur stürzen, wenn die zivilisierte Welt es tatsächlich in Bann stellt, seine verletzliche Wirtschaft boykottiert, die diplomatischen Beziehungen abbricht und sich klar auf die Seite der Unterdrückten stellt. Bischof Tutu, Nelson Mandela, Joe Slovo zeigen Europa den Weg. Maurice Duverger, Jura-Professor an der Sorbonne, der kein Revolutionär und nicht einmal ein Sozialdemokrat ist, hat 1972, während der amerikanischen Terrorbombardemente auf Hanoi und Haiphong, das Konzept vom "äußeren Faschismus" (le fascisme extérieur) geprägt. Wir Westeuropäer leben in marken-echten Demokratien. Meinungsfreiheit , Menschenrechte, Volkssouveränität sind bei uns Wirklichkeit (wenigstens zu einem großen Teil). Unsere Demokratien aber beruhen auf Grundwerten, die nur wirksam bleiben können, der Zeit und der Erosion standhalten, wenn sie universale Geltung erlangen.

Moralische Grundwerte mit regional beschränkter Haftung kann es nicht geben. Wenn die Staats-, Partei- und Gewerkschaftsapparate Westeuropas weiterhin den "äußeren Faschismus" betreiben - das heißt: eine Außenpolitik der Menschen-Verachtung, der Allianz mit Tyrannen -, dann zerfallen auch bei uns unmerklich die moralischen Werte, ohne die keine Demokratie überleben kann. Die Befreiung des südafrikanischen Volkes ist daher eine Bedingung für das Überleben der Demokratie in Europa.



*Eventuelle Tippfehler mögen verziehn werden. Und bei Copyright-Fragen: Ziegler oder der Verlag mögen sich, so unwahrscheinlich es ist, beschweren, falls sie die unentgeldliche Werbung in ihrem Sinne hier fürchten.

Montag, 26. Mai 2014

Separatismus und Terrorismus bei Uiguren, Rassismus und Chauvinismus bei den Han




Das muslimische Turkvolk fühlt sich wirtschaftlich, politisch und kulturell von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Umgekehrt wirft Chinas Regierung uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor.

Das schreibt RP Online. Welche Seite hat nun Recht? Ist die Kritik an vermeintlicher Unterdrückung der Uiguren durch Han-Chauvinismus berechtigt? Oder sind Separatismus und Terrorismus die wirklichen Probleme der Region? Sind beide Seiten im Irrtum oder haben beide Seiten Recht? Was kann man glauben und was nicht?

Nach dem Terror vom April und Mai 2014, der mehreren Dutzend Menschen das Leben kostete, verschärft der chinesische Staat seine "Anti-Terror-Kampagne". RP Online schreibt dazu:

Auch landesweit sind die Sicherheitsmaßnahmen verschärft worden. Bewaffnete Polizisten mit schusssicheren Westen patrouillieren die U-Bahnen in den Metropolen, kontrollieren Reisende auf Bahnhöfen oder demonstrieren verstärkt Präsenz auf den Straßen. China erhöhe nicht nur zeitweise die Sicherheitsstufe, sondern mache den "Kampf gegen den Terror" zum Alltag, schrieb die Staatsagentur Xinhua. "Solche Bemühungen sind notwendig geworden, weil das Land anhaltend terroristische Angriffe erlebt."

Der "Kampf gegen den Terror" wird zum Alltag... In den USA, Europa und Israel hat solch ein "Alltag" dazu geführt, dass Bürgerrechte und Freiheiten stark beschränkt und der Willkür der Staatsmacht geopfert wurden. In vielen Ländern gibt es seit einigen Jahren "Anti-Terror"-Gesetze, die dieser Willkürherrschaft als legaler Tarnmantel dienen. Der Staat sorgt mit solchem "Recht" für die "Sicherheit" der Bevölkerung, indem er die eigene Bevölkerung allgemein unter "Terrorverdacht" stellt. Der Staat wird damit gegenüber den Bürgern ermächtigt und verselbständigt.

Unter Politologen spricht man seit einigen Jahren in diesem Sinne von "postdemokratischen" Zuständen, in denen nur noch die Hüllen demokratischer Verfahren bestehen, während der politische Inhalt in diesen Hüllen ein undemokratischer oder sogar antidemokratischer ist. Eine politologische Studie hat vor Kurzem entsprechend festgestellt, dass die USA keine Demokratie, sondern eine Oligarchie sind, dass also nicht das Volk herrsche, sondern eine kleine Minderheit von Superreichen. Ähnliches trifft auf die EU zu, die sogar von liberalen und konservativen Kritikern wegen mangelnder Legitimation und undemokratischer Prozesse kritisiert wird. Man schaue bloß, was Schmidt und Schünemann in ihrer Einführung zur Europäischen Union schreiben, obwohl sie ihr wohl gesonnen sind.

Wie die USA und die EU wurde China nach dem Anschlag vom 11. September 2001 in den paranoiden "Kampf gegen den Terror" gesogen. Schon damals wurde der Staat restriktiver. 2014 verschärft sich das jedoch noch. Der Terror bzw. die gefühlte Terrorgefahr wird zum Alltag, zumindest zum Alltag der Sicherheitsbeamten des Staates. Es ist zu erwarten, dass sie in Zukunft auf Bedrohung sensibler, d.h. aggressiver, reagieren werden als bisher. Man laufe bloß nicht mit nem langen Bart durch die Gegend und schreie "Allahu akbar!" oder dergleichen. Das könnte ungewollt böse enden. Xi Jinping, der Präsident der Volksrepublik, verlautbarte das entsprechende Ziel, "dass die Terroristen so unbeliebt werden wie Ratten, die über die Straße huschen und über die jeder sagt: 'Erschlagt sie!'"

Rassismus und Han-Chauvinismus sind in China keine Hirngespinste. Sogar Mao Zedong, der Gründervater der Volksrepublik, warnte wiederholt vor dem Überlegenheitsgefühl der Han-Chinesen gegenüber den ethnischen Minderheiten in China. So schrieb Mao 1953 mahnend:

In einigen Gebieten sind die Beziehungen zwischen den Nationalitäten bei weitem nicht so, wie sie sein sollten. Für Kommunisten ist das eine unerträgliche Situation. Wir müssen die unter vielen Mitgliedern und Kadern unserer Partei noch in einem ernstzunehmenden Maße existierenden groß-han-chauvinistischen Vorstellungen eingehend kritisieren, die nichts anderes sind als Ausdruck des reaktionären Denkens der Grundherrenklasse und der Bourgeoisie, des für die Kuomintang charakteristischen Denkens im Hinblick auf die Beziehungen zwischen den Nationalitäten. Fehler in dieser Hinsicht müssen unverzüglich berichtigt werden. Delegationen unter der Führung von Genossen, die mit unserer Nationalitäten-Politik gut vertraut sind und tiefe Sympathie für die immer noch unter Diskriminierung leidenden Landsleute der Minderheiten hegen, sollten die von nationalen Minderheiten bewohnten Gebiete besuchen, sich dort ernsthaft der Untersuchungsarbeit und dem Studium widmen und den lokalen Partei- und Regierungsorganen bei der Aufdeckung und Lösung der Probleme helfen. Diese Besuche dürfen auf gar keinen Fall so aussehen, daß man "vom Pferderücken aus die Blumen bewundert".

Genau jener "Ausdruck des reaktionären Denkens der Grundherrenklasse und der Bourgeoisie" ist ein großes Problem des heutigen China. Wie in anderen Ländern versuchen die bewussten Vertreter der herrschenden Klassen auch in China, die Bevölkerung zu spalten. Rassismus und Chauvinismus sind typische Spaltungswerkzeuge herrschender Eliten im Kampf gegen Rebellion und Widerstand der Massen gegen die Eliten. Rassismus und Chauvinismus spalten die Massen. Und sie töten. Den Herrschenden ist daran gelegen, diese Herrschaftsmittel zu kontrollieren. Wenn nötig, werden sie im Sinne der Herrschenden genutzt. Aber ein rassistischer Flächenbrand ist den Eliten meist nicht genehm, denn dann droht ihnen wiederum der Machtverlust. Ein Gleichgewicht von Rassismus und Egalitarismus ist genau das, was für eine stabile Herrschaft für gewöhnlich optimal ist. In umfassenden Krisenzeiten kann sich das ändern und die einseitige Ausrichtung mag den Mächtigen von Vorteil sein.

In einer Gesellschaft wie der heutigen chinesischen kann eine praktische Schürung von Rassismus und Chauvinismus bei formellem Einsatz für Gleichberechtigung für die Eliten durchaus von großem Vorteil sein. Die Wirtschaft Chinas schwächelt im Vergleich zu den letzten drei Jahrzehnten: Es gibt eine Überakkumulation von Kapital und Waren auf der einen Seite und eine Unterversorung mit Gütern auf der anderen Seite. Es gibt nicht nur leer stehende Wohnungen und Häuser, sondern ganze Städte, die menschenleer sind. Die Immobilienblase in China droht ebenso wie in den USA zu platzen. Massenarbeitslosigkeit, niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und die mangelnde politische Vertretung der arbeitenden Bevölkerung verbessern die Lage nicht gerade. 300 Millionen WanderarbeiterInnen leben in äußerst prekären Zuständen. Moderne Sklaverei, Kriminalität, Prostitution und Verelendung sind in den unteren und ehemals mittleren Schichten Chinas keine Seltenheit. Alle diese Missstände gefährden potenziell die Ordnung im Land der Mitte, denn der "Extremismus" des Elends kommt aus der Mitte des Landes. Es ist die gewöhnliche Bevölkerung (laobaixing 老百姓), vor der die chinesischen Eliten am meisten Angst haben.

Die Terrorgefahr am Rande Chinas, am Rande der chinesischen Gesellschaft und am Rande der geographischen Mitte des Landes, in Xinjiang etwa, kommt den so furchtsamen Eliten gelegen. Terror und Angst vor dem "Anderen" lenken die gesellschaftliche Mitte selbst von den Kernproblemen der Gesellschaft ab. Nicht mehr Korruption, Bestechung, Kriminalität, Ausbeutung und Unterdrückung durch Staat und Kapital geraten in den Fokus der Aufmerksamkeit. Vielmehr lenken politische Reaktionen von Terroristen und Separatisten auf diese Kernprobleme die Bevölkerung ab. Die wenigen Sympathisanten von Terror und Abspaltung werden so zum kollektiven Feind der "Mitte". Dieser Feind wird damit zum Opfer des chinesischen Han-Chauvinismus, der es den gewöhnlichen Chinesen ermöglicht, unter sich solidarisch zu bleiben, aber die Probleme der Minderheiten zu bagatellisieren und sie zu diskreditieren.

Wem nützt es? Nicht den Han und nicht den Uiguren, zumindest nicht den gewöhnlichen Menschen unter ihnen. Es nützt den Gewinnern und aufstrebenden Eliten des Landes. Sie profitieren von der Ausbeutung und Unterdrückung, von Terror und Anti-Terror, von Angst und Hass zwischen den Massen, von den "Widersprüchen im Volke" (Mao). Ihre Herrschaft ist unter anderem auf dem Prinzip von "Teile und Herrsche" gebaut. Die Mitte, d.h. die gewöhnlichen Menschen im Land der Mitte, sollten sich nicht spalten lassen entlang von ethnischen oder religiösen Linien. Sie sollten sich zusammentun und das tun, wozu die Hymne der Volksrepublik Chinas sie auffordert...

Mittwoch, 19. Februar 2014

Von Zombies und Regierungen

In diversen Ländern dieser surrealen Welt werden die Staatsbürger auf den Straßen bereits behandelt wie in dem großartigen Film 28 Weeks Later, in dem eine Zombie-Epidemie in London ausbricht und das Militär daraufhin den Befehl erhält, wahllos in die Menge der Menschen und Zombies zu schießen, also jeden und jede auf den Straßen zu erschießen. 

Das mag übertrieben brutal und unrealistisch wirken, weil ja Zombies auf den Straßen sind und ein zivilisierter Staat sowas in der Realität sonst angeblich nie machen würde. Aber die Realität ist weitaus brutaler. 


Die Menschen werden jetzt schon und schon lange von ihren eigenen Regierungen auf den Straßen niedergemäht. Und sie werden nicht niedergeschossen, weil sie Zombies sind oder wenn sie zu Zombies werden, sondern wenn sie drohen, keine regierungsgläubigen, hörigen und untertänigen Zombies mehr zu sein, wenn sie protestieren, streiken, rebellieren. 

Die Menschen, die selbstbewusst ihre Rechte auf den Straßen vertreten, werden von den Regierungen "ruhig gestellt", damit die Staatsgeschäfte in Ruhe weitergehen können. Menschen sollen Zombies sein, denn Zombie-Menschen sind den Regierungen dieser Welt am liebsten. Solche Zombie-Menschen denken kaum selbstständig und sie agieren noch viel weniger selbstständig. Und Eigenbrötler, die keine Zombies mehr sind, können so leicht für verrückt erklärt werden. Das ist überhaupt die beste Methode. 

Vor Verrückten hat Mensch nämlich Angst, weil sie so unberechenbar sind. Das Volk soll aber berechenbar bleiben. Ein unberechenbares Volk ist für die Regierungen dieser Welt nicht regierbar und daher auch kein Volk mehr, sondern eine Ansammlung von "staatsgefährdenden" Verrückten. Vielleicht sollten noch viel mehr Menschen vom staatlich vorgegebenem Karriereweg "abrücken", "verrücken", "verrückt werden"?




Im Folgenden ein paar öffentlich noch zugängliche Videos dazu:

Staatsgewalt gegen Zivilisten im Film 28 Weeks Later






Staatsgewalt gegen Zivilisten in der Ukraine, Februar 2014






Staatsgewalt gegen Zivilisten in der Türkei, 2013?






Staatsgewalt gegen Zivilisten in Ägypten, 2013?






Staatsgewalt gegen Zivilisten in China, 1989






Staatsgewalt gegen Zivilisten in Deutschland, 2012










Donnerstag, 13. Februar 2014

Русский мат в стихах Русских поэтов

Вот Русский мат в стихах Русских поэтов

Пушкин А. С. - «Орлов с Истоминой в постеле»


Орлов с Истоминой в постеле
В убогой наготе лежал.
Не отличился в жарком деле
Непостоянный генерал.
Не думав милого обидеть,
Взяла Лаиса микроскоп
И говорит: "Позволь увидеть,
Чем ты меня, мой милый, ёб".

Пушкин А. С. - «В Академии наук»


В Академии наук
Заседает князь Дундук.
Говорят, не подобает
Дундуку такая честь;
Почему ж он заседает?
Потому что жопа есть.

Пушкин А. С. - «Накажи, святой угодник»


Накажи, святой угодник,
Капитана Борозду,
Разлюбил он, греховодник,
Нашу матушку пизду

Пушкин А. С. - «Недавно тихим вечерком»


Недавно тихим вечерком
Пришел гулять я в рощу нашу
И там у речки под дубком
Увидел спящую Наташу.
Вы знаете, мои друзья,
К Наташе вдруг подкравшись, я
Поцеловал два раза смело,
Спокойно девица моя
Во сне вздохнула, покраснела;
Я дал и третий поцелуй,
Она проснуться не желала,
Тогда я ей засунул хуй -
И тут уже затрепетала.

Пушкин А. С. - «От всенощной вечор идя домой»


От всенощной вечор идя домой,
Антипьевна с Марфушкою бранилась;
Антипьевна отменно горячилась.
«Постой, — кричит, — управлюсь я с тобой;
Ты думаешь, что я уж позабыла
Ту ночь, когда, забравшись в уголок,
Ты с крестником Ванюшкою шалила?
Постой, о всем узнает муженек!»
— Тебе ль грозить! — Марфушка отвечает:
Ванюша — что? Ведь он еще дитя;
А сват Трофим, который у тебя
И день и ночь? Весь город это знает.
Молчи ж, кума: и ты, как я, грешна,
А всякого словами разобидишь;
В чужой пизде соломинку ты видишь,
А у себя не видишь и бревна.

Пушкин А. С. - «Смеетесь вы, что девой бойкой»


Смеетесь вы, что девой бойкой
Пленен я, милой поломойкой.

Она не старая мигушка,
Не кривожопая вострушка
И не плешивая ебушка.

Лермонтов М. Ю. - «О как мила твоя богиня»


Экспромт

О как мила твоя богиня.
За ней волочится француз,
У нее лицо как дыня,
Зато жопа как арбуз.


Лермонтов М. Ю. - «К Тизенгаузену»


Не води так томно оком,
Круглой жопкой не верти,
Сладострастьем и пороком
Своенравно не шути.
Не ходи к чужой постеле
И к своей не подпускай,
Ни шутя, ни в самом деле
Нежных рук не пожимай.
Знай, прелестный наш чухонец,
Юность долго не блестит!
Знай: когда рука господня
Разразится над тобой
Все, которых ты сегодня
Зришь у ног своих с мольбой,
Сладкой влагой поцелуя
Не уймут тоску твою,
Хоть тогда за кончик хуя
Ты бы отдал жизнь свою.

Есенин С. А. - «Ветер веет с юга и луна взошла»


Ветер веет с юга
И луна взошла,
Что же ты, блядюга,
Ночью не пришла?

Не пришла ты ночью,
Не явилась днем.
Думаешь, мы дрочим?
Нет! Других ебём!

Есенин С. А. - «Не тужи, дорогой, и не ахай»


Не тужи, дорогой, и не ахай,
Жизнь держи, как коня, за узду,
Посылай всех и каждого на хуй,
Чтоб тебя не послали в пизду!

Маяковский В. В. - «Вы любите розы? А я на них срал»


Вы любите розы?
а я на них срал!
стране нужны паровозы,
нам нужен металл!
товарищ!
не охай,
не ахай!
не дёргай узду!
коль выполнил план,
посылай всех
в пизду
не выполнил -
сам
иди
на
хуй.


Маяковский В. В. - «Гимн онанистов»


Мы,
онанисты,
ребята
плечисты!
Нас
не заманишь
титькой мясистой!
Не
совратишь нас
пиздовою
плевой!
Кончил
правой,
работай левой!!!

Маяковский В. В. - «Лежу на чужой жене»


Лежу
на чужой
жене,
потолок
прилипает
к жопе,
но мы не ропщем -
делаем коммунистов,
назло
буржуазной
Европе!
Пусть хуй
мой
как мачта
топорщится!
Мне все равно,
кто подо мной -
жена министра
или уборщица!

Маяковский В. В. - «Нам ебля нужна»


Нам ебля нужна
как китайцам
рис.
Не надоест хую
радиомачтой топорщиться!
В обе дырки
гляди -
не поймай
сифилис.
А то будешь
перед врачами
корчиться!

Маяковский В. В. - «Эй, онанисты»


Эй, онанисты,
кричите "Ура!" -
машины ебли
налажены,
к вашим услугам
любая дыра,
вплоть
до замочной
скважины!!!

Некрасов Н. А. - «Наконец из Кенигсберга»


Наконец из Кенигсберга
Я приблизился к стране,
Где не любят Гуттенберга
И находят вкус в говне.
Выпил русского настою,
Услыхал "ебёну мать",
И пошли передо мною
Рожи русские писать.

Sonntag, 9. Februar 2014

Ein paar sehenswerte Videos über den "Nahostkonflikt" und demokratische Israelkritik

Bild von Fotolia

Eretz Nehederet / Wundervolles Land - Antizionismus in Israel


"72 min Hebräisch/Englisch/Deutsch mit deutschen Untertiteln
Was hat der Zionismus aus der israelischen Gesellschaft gemacht?
Die Frage scheint paradox und ist doch zentral für die israelische Linke: Der Zionismus hat die israelische Gesellschaft überhaupt erst erschaffen -- und zugleich ein Knäuel aus Militarismus, permanentem Ausnahmezustand und rassistischer Ausgrenzung hervorgebracht.
Im Dokumentarfilm «Eretz Nehederet / Wundervolles Land» nehmen Aktivistinnen und Aktivisten verschiedener linker Organisationen jene Mythen auseinander, die die israelische Gesellschaft von Anfang an bestimmen, und stellen ihnen die politischen Realitäten des Landes gegenüber. Schnipsel aus Spiel-, Dokumentar- und Propagandafilmen zeigen, wie tief die herrschende Ideologie im medialen Bild verankert ist und von welchen Brüchen sie durchzogen ist.
Es entsteht ein Porträt der radikalen Linken in Israel und eine Hommage an die Subversiven des Landes."


Gilbert Achcar: Die Araber und der Holocaust


"Die Araber und der Holocaust - Der arabisch-israelische Krieg der Geschichtsschreibungen
Die "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" (http://www.juedische-stimme.de/) und die "Edition Nautilus" (http://www.edition-nautilus.de/progra...) laden ein zu Buchvorstellung, Lesung und Gespräch mit dem Autor Gilbert Achcar. Fanny Michaela Reisin, Präsidentin der Internationalen Liga für Menschenrechte, stellt das soeben auf Deutsch erschienene Buch vor.
In dem bereits auf Englisch, Arabisch und Französisch erschienenen Buch unternimmt Gilbert Achcar eine längst überfällige, umfassende und differenzierte Darstellung der unterschiedlichen arabischen Reaktionen auf den Holocaust. Er erörtert, wie ein Krieg der Narrative um den Holocaust und die Nakba entbrannte. Sein Buch ist ein wichtiger Beitrag gegen Vorurteile und Rassismus in jeder Form, seien sie antiarabisch, antimuslimisch oder antisemitisch, und eine Grundlage für die Verständigung im Nahost-Konflikt."


Israeli Leftist Antizionist Tikva Honig-Parnass on 60th anniversary of Israel


"Israeli Writer-Activist Tikva Honig-Parnass, Who Fought for Israel's Founding in 1948, on 60 Years of Palestinian Dispossession and Occupation
We continue our coverage of the sixtieth anniversary of the founding of the state of Israel, what Palestinians call the Nakba, or catastrophe. We begin with Tikva Honig-Parnass, an Israeli who fought with Jewish paramilitary units and the Israeli army, participating in the military operations that expelled over 750,000 Palestinians. Today, she's an anti-Zionist leftist writer and activist who has been involved with anti-occupation, women's, and Mizrahi movements in Israel since the 1960s."


Shlomo Sand: Challenging notions of a Jewish People


"Israeli Professor Shlomo Sand talks up the ideas of his new book, The Invention of the Jewish People, challenging the underlying logic of the State of Israel as a homeland for the Jewish People.
He argues those who claim to be of the Jewish People cannot claim a blood connection with the original Jewish inhabitants of the Holy Land, but converts along the way. His book was a best-seller in Israel for 19 weeks in 2009."


Norman Finkelstein: The Coming Breakup of American Zionism



Amira Hass: Israel - Palestine - Fear of the Future


"Award winning Israeli human rights journalist Amira Hass spoke in Winnipeg on September 30, 2011 about the need to end Israel's occupation of Palestinian territory. Her visit was sponsored by Canadians for Justice and Peace in the Middle East and KAIROS: Canadian Ecumenical Justice Initiatives.
Camera: Paul S. Graham and Harold Shuster
Editing and production: Paul S. Graham, http://paulsgraham.ca"



Noam Chomsky: US Israeli Crimes Against Palestine


"Noam Chomsky Speaks at Brown University Filmed by Paul Hubbard Additional camera - Robert Malin Sponsored by Common Ground - Apr-20-2010"


Moshe Machover: Completing the Arab revolution


"This video was taken at the Communist Party of Great Britain’s annual school, the Communist University, which took place from August 9 – 16 2008 in south London. For more info, reports and comments visit www.cpgb.org.uk"


Moshe Machover - Iran, Israel, and nuclear weapons


"Moshe Machover discusses the tensions between Iran and Israel and the effect of nuclear weapons on the region at the Hopi weekend school (June 14-15)."







Mittwoch, 5. Februar 2014

Menschen, Recht und Menschenrecht

In diesem Artikel geht es um das Verhältnis von Rechten und speziell Menschenrechten zu ihren Schöpfern, den Menschen. Teil 1 der Serie über Menschenrechte und Klassenkämpfe.

Menschen, Rechte und Menschenrechte


Es existiert kein Recht und kein Menschenrecht ohne Menschen. Menschen machen sich ihre Rechte. Menschenrechte sind daher nicht angeboren, sondern sozial konstruiert. Sie entstehen im Kopf der Menschen und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Ohne Menschen, die für Recht und Menschenrechte eintreten, gibt es keine Rechte und keine Menschenrechte. Der Mensch ist also die Wurzel des Rechts. Das Recht an seiner Wurzel zu erfassen, am Menschen, ist radikal sein in Bezug auf Recht und Ordnung.

"Recht", "Recht haben", "Recht behalten" usw. sind also soziale Konstrukte, Erfindungen der Menschen. Es sind im Grunde Ideen oder Werte, die das Handeln der Menschen anleiten sollen, damit es nicht zu unnötigen zwischenmenschlichen Problemen, d.h. zu Unrecht, kommt. Unrecht ist ebenfalls eine soziale Konstruktion, aber das ändert nichts daran, dass Recht und Unrecht äußerst real sind. Überall auf der Welt gibt es Recht und Unrecht in ganz großem und in ganz kleinem Maßstab. Zum einen gibt es bereits Unterdrückung zwischen zwei Menschen, familiäre Unterdrückung, häusliche Gewalt, Mobbing, Kriminalität und strukturelle Gewalt auch in den aller modernsten Gesellschaften. Diese müssen im Sinne des Rechts bekämpft werden, wenn nötig auch mit Hilfe staatlichen Rechtes oder mit kleinen, persönlichen Aufständen. Zum anderen gibt es ganz großes Unrecht auf höchster Ebene.

Aber alles echte Recht der Welt steht auf Seiten der Unterdrückten und entlarvt ausnahmslos alle Unterdrücker und Tyrannen dieser Welt. Insofern sind Ausdrücke wie "Recht haben" oder "Recht behalten" absolut treffend. Recht haben, Rechte, Anerkennung und Achtung der Menschenrechte, Wahrheit, Ehrlichkeit, Ehrwürdigkeit, Würde und Kampf für Menschenrechte gehören ohne Zweifel zusammen. "Unrecht haben" und "bloß gestellt sein" sind ebenso treffend. Denn Unrecht haben, Unrecht, "Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte", Lug, Trug, Würdelosigkeit, Heuchelei und Tyrannei gehören ohne Zweifel ebenfalls zusammen


Das Problem ist, dass sich Unrecht stets als Recht tarnt. Auch die größten Tyrannen schämen sich nicht, Worte wie "Wahrheit", "Freiheit", "Gerechtigkeit", "Gleichheit", "Demokratie", "Recht" usw. mit ihrer Heuchelei zu beschmutzen. Solche Heuchelei dient immer der Verkleidung von Egoismus, Partikularinteressen und Unrecht im strahlenden Kleid des Rechts. Tyrannen schmücken sich nicht umsonst immer mit den Insignien und Reliquien von Heiligen, Märtyrern und Freiheitskämpfern.

Gerade die Staatsmacht und die sogenannte "Herrschaft des Rechtes", gleich wie modern die jeweilige Gesellschaft ist, dienen ja vor allem den Interessen des jeweiligen Staates und den Herrschenden. Durch "die Herrschaft des Rechts" behalten die Herrschenden Recht. Das herrschende Recht ist in der Klassengesellschaft an sich stets das Recht der Herrschenden, der herrschenden Kapitalisten, der stärkeren Klassen, des Stärkeren. Wie die herrschenden Gedanken die Gedanken im Sinne der Herrschenden sind, ist das herrschende Recht im Sinne der Herrschenden.

In der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 wird der "Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung" als "letztes Mittel" zum Zweck der Durchsetzung von Menschenrechten benannt:

"[...] da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen [...]"

Da Aufstände nie völlig friedlich sein können, wurde damit also die Gewalt als legitimes Mittel gegen Tyrannei und Unterdrückung durch die Unterzeichnerstaaten der Erklärung anerkannt. Die Erklärung wurde also im Sinne von Staaten unterzeichnet, die sich die internationale Durchsetzung der Menschenrechte auf die Fahne geschrieben haben. Das geschah nur drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, des bisher barbarischten und tyrannischsten Menschenmordes der Weltgeschichte, was ausgerechnet vom hochmodernen deutschen Staat und seinen Verbündeten und den Alliierten umgesetzt wurde. Nach dem Massenmorden kam die späte Erkenntnis, dass man durch internationales Recht oder frühzeitigen Aufstand viele unnötige Todesopfer hätte verhindern können. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 diente also vor allem der Beruhigung der Gewissensbisse der Herrschenden und der Legitimation der damals herrschenden Staatsmächte.

"Demokratie"? Die Herrschaften ("Kratie") pissen auf das Volk ("Demo(s)"), Karikatur von Oliver Schopf: http://www.oliverschopf.com/img/pol_kar/welt/w603x486/demokratie_protest.jpg





Woher kann man wissen, dass nicht die Rettung echter Menschenleben und echtes Recht die oberste Priorität bei der Erklärung einnahmen? Ganz einfach. Im selben Jahr als die Erklärung proklamiert wurde, 1948, wurde z.B. mit Hilfe einiger Unterzeichner-Staaten jegliches Menschenrecht mit Füßen getreten und mit ihm gleich hunderttausende Palästinenser aus ihrer Heimat vertrieben und unzählige ermordet, misshandelt und vergewaltigt, um den Staat Israel auf ehemals palästinensischem Boden zu sichern.

Als Antwort auf die Gründung Israels kam es in den umliegenden arabischen Staaten zu einem gewaltsamen Aufstand gegen das, was sie als ungeheuerliches Unrecht und als Heuchelei einiger Unterzeichner-Staaten auffassten: die Beraubung und Vertreibung hunderttausender Menschen von ihrem "rechtmäßigen" Territorium. Die Zionisten, die mit allen Mitteln für die Gründung eines jüdischen Staates kämpften, sahen das natürlich anders. Für viele von ihnen war Palästina das "rechtmäßige" Territorium der Juden.

Dass dieser Zwist um Recht und Unrecht bis heute anhält und den Weltfrieden nicht nur bedroht, sondern völlig unmöglich macht, zeigt wie wichtig es den Menschen ist, "Recht zu behalten", "Recht zu haben". Dass der Konflikt erst ein Ende nehmen kann, wenn ein sogenannter "Rechtsstaat" in diesem Gebiet gegründet wird, der allen seinen Anwohnern, Einwohnern und Bürgern gleiches Recht zugesteht, ist den linken Antizionisten und linken Postzionisten schon lange klar. Aber Nationalisten und Zionisten diverser Länder wollen solch eine Lösung offenbar nicht, weil es ihre Herrschaft oder ihre Privilegien bedrohen würde.

Wenig später kam es 1950-1953 zum Korea-Krieg, in dem die zwischen Nordkorea, der UdSSR und China einerseits und Südkorea und den USA andererseits ein weiterer katastrophaler Krieg ausbrach, in dem allein über eine Million Chinesen, eine Million Südkoreaner und zwei einhalb Millionen Nordkoreaner starben, nur um beim Eroberungskrieg die selben Grenzen wie zuvor wiederherzustellen und bis heute die militarisierteste Region der Welt zu schaffen. Man darf daran zweifeln, ob es den Kriegsführern um Menschenrechte ging.

Die USA bekleckerten sich schon seit den 50er Jahren nicht mit Ruhm als sie in der "McCarthy-Ära" Kommunisten, Sozialisten, Radikale, Demokraten und unpolitische Bürger verfolgten. Presse- und Gewissensfreiheit sind offenbar ohnehin nicht das Ding des amerikanischen Staates. Aber der amerikanische Vietnam-Krieg von 1965-1975 überbot alle bisherigen Schandtaten der USA noch bei weitem. Wie der Korea-Krieg war auch der Vietnam-Krieg ein Stellvertreter-Krieg zwischen der westlichen und der östlichen Supermacht und wieder ging es um ein geopolitische Aufteilung eines Landes nach politischen Sympathien. Diesmal siegten jedoch die Stellvertreter des Ostblocks, indem sie ganz Vietnam eroberten und dem amerikanischen Kriegsterror zehn Jahre lang Widerstand leisteten. Die Bilanz des Krieges schloss bis zu vier Million tote Zivilisten und Soldaten ein, aber auch hunderttausende Verletzte, Traumatisierte und Deklassierte. Es ging hier nicht um Menschenrecht, sondern um Klassenkampf und Geopolitik.

Die Liste der Verbrechen der Unterzeichner-Staaten kann beliebig lang weitergeführt werden. Der staatlichen Untaten und Gräuel gibt es unzählige. In der Klassengesellschaft erfolgen Tyrannei und Unterdrückung mehrheitlich durch staatliche Bürokratien und die Herrschenden, da die Macht der herrschenden Klassen und die Staatsmacht zusammen die mächtigsten Gruppen auf diesem Planeten sind. Aber selbst die modernsten Staaten sind heute nicht frei von Tyrannei und Unterdrückung.

Der deutsche Staat unterdrückt seine Bevölkerung auf subtile und offensichtliche Weisen. Außerdem unterdrückt er gewisse Gruppen der Gesellschaft kaum, während er andere in hohem Maße zu unterwerfen versucht. Seine unterdrückerischen Methoden umfassen zum einen subtile Maßnahmen wie strukturelle Gewalt, systematische und tolerierte Diskriminierungen und staatliche Ideologieproduktion durch Medien, Zensur und Desinformation. Zum anderen schließen seine Methoden auch erbärmliche Diffamierungskampagnen, brutale Polizeigewalt und Militäreinsätze ein.

Auf fast jeder antifaschistischen Aktion, sei sie noch so friedlich, schlagen die Bullen zu oder sprühen zumindest aus Spaß ein wenig Pfefferspray raus. Oft werden jugendliche Aktivisten gedemütigt und misshandelt, wenn sie nach einer Aktion unrechtmäßig inhaftiert werden für begrenzte Dauer. Die Polizeigewalt bei den Nazi-Blockaden gegen Demokraten und in Stuttgart gegen die bürgerlichen Demonstranten werden niemals vergessen werden. Die Polizei ist dafür da, um zuzuschlagen. Sie ist der tollwütige Pitbull des Staates.

Dieser Staat ist ein Staat, der die Menschheit hasst. Sogar einen Großteil seiner eigenen Bevölkerung behandelt er wie Abschaum, aber andere Völker behandelt er noch viel schlimmer. Oberst Klein, der für die Ermordung von Zivilisten in Afghanistan auch noch zum General befördert worden ist, ist nur ein Beispiel für die Menschenverachtung durch den bundesrepublikanischen Staat.

Aber wenn sogar so moderne Staaten wie die BRD noch immer zutiefst repressiv sind, was bringen dann Rechte, Menschenrechte und andere Errungenschaften? Sind Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und dergleichen dann nicht nutzlos und bloße Fassade im Sinne der Herrschenden? Nein. Die Errungenschaften, die über Jahrhunderte und Jahrzehnte erkämpft worden waren, sind neben dem Leben selbst das größte Gut für die Menschheit. Aber sind die Errungenschaften nicht automatisch gekommen? Immerhin entwickelt sich die Gesellschaft ja stets weiter. Nein. Die gesamten Errungenschaften für die Menschheit sind Errungenschaften, die den herrschenden Klassen im Klassenkampf abgerungen worden waren. Alles andere ist schlecht gewordener Quark.

Die Erkämpfung von Menschenrechten in weltweiten Klassenkämpfen


Die gesamten Errungenschaften für die Menschheit sind also Errungenschaften, die den herrschenden Klassen im Klassenkampf abgerungen worden waren? Ist dem so? Was ist denn mit der Demokratie, mit der Gleichheit vor dem Gesetz, mit der Pressefreiheit, mit der Krankenversicherung, mit dem Verbot der Kinderarbeit, mit der Schulbildung, mit der Aufklärungsphilosophie, mit der Emanzipation der Frau und dem Ende der Sklaverei? Sind das etwa im Klassenkampf errungene soziale Errungenschaften? Kamen diese Dinge an sich nicht automatisch zustande? Waren sie nicht ein an sich natürliches Produkt der gesellschaftlichen Entwicklung? Sind sie nicht Teil der menschlichen Natur?

Nein, allein schon die Idee ist zum Totlachen lächerlich. An sich wurden all diese Dinge von unterdrückten Menschen für sich errungen, mit viel Mühen und im Klassenkampf, d.h. sie sind soziale Konstrukte, die den Herrschenden aller Zeiten mit Gewalt abgezwungen wurden. Denn die Herrschenden hatten an sich zunächst keinerlei Interesse an diesen Dingen. Aber sobald die Dinge sich durchgesetzt hatten und es nicht mehr normal war, Kinder zur Arbeit zu schicken oder Bürger vor dem Gesetz offenbar ungleich zu behandeln, war es im Interesse der herrschenden Klassen, diese Errungenschaften in gewissem Maße für sich zu vereinnahmen und sie in gewisser Weise nicht anzuzweifeln.

Die Ideale der französischen Revolution mussten im Klassenkampf durchgesetzt werden.

Denn das Verbot von Kinderarbeit, von Sklaverei, von Vergewaltigung in der Ehe etc. und die selbstverständlich erscheinenden Rechte der Frau, wählen zu können, nach eigenem Gewissen abtreiben zu können, sich scheiden zu können etc. sind ebenso Früchte des schärfsten Klassenkampfes wie die Proklamation der Menschenrechte in der französischen Revolution von 1789 und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948.

Das Recht auf Klassenkampf ist das Recht der Menschen


Unser Fazit kann lauten: Das Recht auf Klassenkampf ist das ureigenste Recht der Menschen. Die Menschheit ist in höchstem Maße an Klassenkampf interessiert. Ohne Klassenkampf käme die Menschheit keinen Schritt voran. Es gibt aber, seit es die Klassengesellschaft gibt, an sich ohnehin keinen Moment, in dem es nicht zum Klassenkampf kam. Klassenkampf und Klassengesellschaft sind im Grunde das selbe. Das eine ist daher ohne das Andere nicht denkbar. Die Utopie einer kapitalistischen Klassengesellschaft ohne Klassenkampf ist bloßes Fantasieprodukt wie das Schlaraffenland auch. Es kann keine Klassengesellschaft ohne Klassengesellschaft geben. 

Allerdings kann Klassenkampf zurückgedrängt, gedämpft und verschleiert werden. Es kann, wie heute in Deutschland z.B., dazu kommen, dass Klassenkampf fast nur von einer Seite betrieben wird. Es kann zu einer relativen Dominanz des Klassenkampfes von oben kommen. Es kann passieren, dass sich die unterdrückten Klassen kaum wehren, stumm und passiv bleiben, während zugleich ihre innersten Klasseninteressen mit Füßen getreten werden. Die Schlangenlederstiefel der Herrschenden können unter Umständen auf die Pantoffeln der Beherrschten treten, ohne das letztere aufschreien, protestieren oder rebellieren. Das ist in Deutschland im Grunde in den letzten Jahrzehnten passiert. In Griechenland passiert dagegen zur Zeit etwas ganz Anderes. Da wird geschrien, protestiert und rebelliert was das Zeug hält. Allerdings reicht der Protest der griechischen Arbeitenden nicht aus, um die Menschenfeind-Clique des dunklen Lords Angelo Merte zu verscheuchen, die mit Klassenkampf von oben ganz Europa verwüstet.

In der französischen Revolution von 1789, in der russischen Revolution von 1917, in der deutschen Revolution von 1918, in der chinesischen Revolution von 1925-1927, in der spanischen Revolution der 30er Jahre und so weiter kam es dagegen zur Dominanz des Klassenkampfes von unten. Die unterdrückten Klassen wurden selbstbewusst und wagemutig. Daher nahmen sie sich das Recht, mit dem "letzten Mittel", dem Aufstand, die Herrschenden und Tyrannen dieser Welt in Angst und Schrecken zu versetzen. Dem Menschen wäre mehr von diesem "Schrecken" zu wünschen, damit überall auf der Welt die Menschenrechte durchgesetzt werden.