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Sonntag, 20. November 2016

Boris Kagarlitzki: Fünf Fragen zu den Parlamentswahlen in Russland


Mit einiger Verspätung kommt hier die Übersetzung eines Textes des russischen Soziologen und Historikers Boris Kagarlitzki vom 21. September 2016 (Четыре вопроса о выборах), in dem er die Parlamentswahlen in Russland aus linkssozialistischer Sicht beleuchtete.*

© kremlin.ru
Putin gibt einen Wahlzettel ab © kremlin.ru

Fünf*Fragen zu den Parlamentswahlen in Russland

von Boris Kagarlitzki

Die Wahlen zur Staatsduma des Jahres 2016 versprachen, die offensten und kompetitivsten der letzten Jahre zu werden und ließen hoffen, dass nun alles ganz anders sein würde als 2011. Die Wahlen fanden statt, aber das Resultat war fast so unerwartet wie merkwürdig. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Unzufriedenheit verbesserte die Regierungspartei überraschenderweise dramatisch ihre Stellung. Die regierungsnahen politischen Kommentatoren stellten freudig einen Vertrauenszuwachs der Bevölkerung gegenüber der Regierung fest, wobei sie zugleich eine niedrige Wahlbeteiligung zugaben. Aber das sei kein Anlass zur Trauer, wie der Ökonom Jossif Diskin in der Wahlnacht anmerkte, da die Leute bei uns in Russland die Regierung und den Präsidenten so liebten und ihm derart vertrauten, dass sie den Gang zur Wahl nicht einmal für nötig erachteten.

Dessen ungeachtet findet man, wenn man die Wahlergebnisse genauer betrachtet, eine ganz einfache und in der Tat nicht gerade angenehme Erklärung.

Erste Frage: Niedrige oder hohe Wahlbeteiligung?


Der offiziellen Statistik zufolge war die Wahlbeteiligung an den Dumawahlen von 2016 sehr niedrig. Die Grundlage für diese Einschätzung ist ein Vergleich der amtlichen Ergebnisse dieser Abstimmung mit der des Jahres 2011. Dieses Jahr betrug die Wahlbeteiligung 47,76 Prozent, im Jahr 2011 gingen hingegen 60,1 Protzen der Berechtigten wählen. Augenscheinlich ist die Bürgerbeteiligung zurückgegangen, wäre da nicht dieser merkwürdige Umstand gewesen: Die Zahlen der vorherigen Wahlen wurden enorm frisiert. Darüber redeten und schrieben nicht nur Regierungskritiker. Selbst Beamte gestanden dies ein, womit sie zugleich ihre Rechenfehler erklärten (die berüchtigten “146 Prozent” der aufsummierten Stimmanteile aller Parteien im Gebiet Rostow, die man Wladimir Tschurow als Vorsitzendem der Wahlkommission zuschrieb).

Eben dieses Anwachsen der Anzahl wählender Bürger im gesamten Verlauf der 2000er Jahre war der Kern der Wahlfälschungen in Russland.

Letztere frisierten die Zahlen von “Einiges Russland”, welches alles in allem gar nicht schlecht abschnitt, nicht im selben Ausmaß wie die Wahlbeteiligung, konnten doch aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung Zweifel über die Legitimität der Wahlen aufkommen, deren Aussagekraft aufgrund des katstrophalen Wahlboykotts seitens der Bevölkerung geschwunden ist – und dementsprechend auch Zweifel an den Ergebnissen von “Einiges Russland”.

Nach 2011 änderte sich die Situation. Nachdem die damalige Wahlwälschung in großem Stile, die einen Skandal und Wählerproteste hervorgerufen hatte, im Grunde genommen schon Vergangenheit war, fingen die Regierenden an, auf eine Aufteilung der Mandate zu achten, sodass sie nun vorsichtiger vonstatten gehen sollte. Das Resultat war, dass vor dem Hintergrund scheinbar wachsender Bürgerbeteiligung die Zahlen zur Wahlbeteiligung dramatisch absanken.

Die Regierenden befürchteten, dass eine erhöhte Wählerbeteiligung die Ergebnisse der Regierungspartei verschlechtern würde. Die Aufrufe zur Wahl zu gehen, beschränkten sich in vielen Fällen auf ein symbolisches Mindestmaß. Und sogar der tschetschenische Führer Ramsan Kadyrow, der durchgehend eine hundertprozentige Wahlbeteiligung der Bevölkerung organisierte (sofern man der offiziellen Version Glauben schenkt), gab ungewohnte Töne von sich: Auf die Frage von Journalisten, ob die Beteiligung knapp 100 Prozent erreichen würde, erinnerte Kadyrow daran, dass eine gewisse Anzahl von Wählern gegenwärtig den Haddsch begehe und in Mekka oder Medina sei, wodurch man von solch einem Prozentsatz nicht reden könne.

Für eine Einschätzung der wirklichen Wahlbeteiligung muss man die gegenwärtige Stimmabgabe mit der Bürgermeisterwahl Moskaus im Jahr 2013 vergleichen. Die Beteiligung von Politikern und Wählern war damals sehr hoch, die Wahlen waren wirklich kompetitiv, da sogar Alexei Nalalwny als Kandidat zugelassen wurde. Die Hauptstadt war nach den Protesten von 2011 und 2012 noch nicht ganz abgekühlt, weswegen sowohl die Opposition als auch die Regierung sich bemühten, ihre Anhänger maximal zu mobilisieren. Das Ergebnis: Die Beteiligung betrug 26,46 Prozent. Und nun verkündet man, dass in der Hauptstadt 35 Prozent der Berechtigten zur Wahl gingen. Mit anderen Worten: Ein Drittel mehr sei zur Wahl gegangen.

Wenn man diese Resultate mit der Information aus der Provinz vergleicht, kann man schlussfolgern, dass die Hauptstadt die Gebiete in Sachen politischer Beteiligung überholt habe.

Es ist unwahrscheinlich, dass die wirkliche Wählerbeteiligung in den Wahlen von 2011 landesweit höher war als in Moskau 2013. Aber selbst wenn wir annehmen, dass die wirkliche Beteiligung 30 Prozent erreicht habe, so widerspricht dieses Resultat diametral der offiziellen Einschätzung. Sofern sie dieses Mal genauer und gewissenhafter gerechnet haben, ergibt sich, dass die Beteiligung sowohl in der Hauptstadt als auch in den Regionen nicht sehr gering war, sondern im Gegenteil eher hoch.

Im berühmten Vortrag von S. Sulakschin wird das Anwachsen der Beteiligung in den Wahlen von 2011 weit bescheidener eingeschätzt – nicht um ein Mehrfaches, sondern “insgesamt” um 10 bis 11 Prozent. Daraus folgt, dass sie schätzungsweise 50 Prozent erreichten. Aber auch in diesem Fall ergibt das, dass die Beteiligung von 2011 ungefähr die gleiche war wie im Jahr 2016. Das würde dann bedeuten, dass es kein dramatisches Absinken der Beteiligung gab.

Mehrere Analysten nehmen tatsächlich an, dass die Beteiligung dieses Jahr höher war, wobei sie ungefähr 36,5 erreiche. Der Autor dieser Berechnung schließt das “anomale Wahlverhalten” aus, bei dem in den letzten eineinhalb Stunden die Beteiligung plötzlich auf 90 Prozent der Wähler hochsprang. Hier kam es wohl zu einer dreisten Zahlenmanipulation. Aber man muss anmerken, dass es für solche Anomalien schon früher Raum gab. Um es schon vorab zu sagen: Wenn man dieser Berechnung Glauben schenkt, ergibt sich, dass zumindest ein Viertel der Wähler seine Stimme nicht abgegeben hat. Folglich stellt ungefähr ein Drittel der “Stimmen” eine Auffüllung oder Zahlenmanipulation dar. Das führt uns zum nächsten Problem: Kam es im Verlauf der Wahlen zu einer sinnvollen Fälschung?

Zweite Frage: Wie wurden die Stimmen verteilt?


Meinungsumfragen vor den Wahlen zeigten eine dramatische Verschlechterung der Werte von “Einiges Russland”. Die offiziellen Wahlergebnisse stellten sich dann genau umgekehrt dar. Ein Fehler der Soziologie? Möglicherweise. Dann aber ein gewaltiger. Wesentlich ist, dass der Fehler dann ausgerechnet von den offiziellen soziologischen Diensten durchgeführt wurde, die immer dazu geneigt haben, die Werte für “Einiges Russland” höher einzuschätzen.

Wir brauchen uns die Zahlen des Lewada-Zentrums nicht anzuschauen, welches “Einiges Russland” auf 31 Prozent geschätzt und das Stempel der “ausländischen Agentur” aufgedrückt bekommen hat. Nehmen wir die Zahlen des Allrussischen Zentrums der Erforschung der öffentlichen Meinung, die unmittelbar vor der Abgabe der Stimmen veröffentlicht wurden. Seiner Berechnung zufolge beabsichtigten 39,3 Prozent der Befragten, für “Einiges Russland” zu stimmen. Zum Vergleich: Ein anderer führender soziologischer Dienst, der Fonds “Öffentliche Meinung”, gab “Einiges Russland” 41 Prozent der Stimmen. Dabei ist alles korrekt. Die Zahlen sind im Rahmen statistischer Abweichung. Weiterhin verteilten die Umfragen die Stimmen völlig eindeutig: Auf Platz zwei die Liberal-demokratische Partei Russlands (10-11 Prozent), auf Platz drei die Kommunistische Partei der Russischen Föderation (8,7-9 Prozent). Etwas schlechter stellte sich die Sache für “Gerechtes Russland” dar. Auch hier ist die Differenz im Rahmen der statistischen Abweichung, wenn auch groß. Beim Fonds “Öffentliche Meinung” erhielt sie 4 Prozent, beim Allrussischen Meinungsforschungszentrum waren es 5,3 Prozent (entsprechend dem ersten Fall wäre sie unter die 5 Prozent-Hürde gefallen, dem zweiten Fall entsprechend über diese gekommen).

Die übrigen Parteien schnitte mit großem Abstand weit schlechter ab und waren praktisch chancenlos.

Wirklich alle soziologischen Dienste machten zwei sehr große Gruppen von Respondenten aus, die zahlenmäßig ungefähr gleich stark waren: Diejenigen, die unentschlossen waren und diejenigen, die nicht beabsichtigten zu wählen.

Die Unentschlossenen ändern das Bild im Grunde nicht: Ihre Stimmen “verschmieren” entlang des politischen Spektrums ungefähr proportional zu den Stimmen der Entschiedenen. Es gibt tatsächlich Ausnahmen, aber darüber später.

Was diejenigen angeht, die nicht wählen wollten, so hat ihre Gegenwart in Umfragen das Bild ein wenig korrigiert. Wenn man die Ergebnisse nochmals berechnet und diese Gruppe abzieht, sollten die Prozentsätze aller Parteien ansteigen. In dem Maße, in dem die Zahlen des Allrussischen Meinungsforschungszentrums und des Fonds “Öffentliche Meinung” in dieser Hinsicht mehr oder weniger zusammenfallen, kann man einen Mittelwert angeben. “Einiges Russland” hätte, wenn man den Umfragen glaubt, ungefähr 46 bis 47 Prozent der Stimmen bekommen müssen (annähernd so viel wie es nach Verkündung der ersten Hochrechnungen am Abend des 18. September erhalten sollte). “Gerechtes Russland” hätte ungefährt 6 Prozent bekommen (es erhielt 6,2 Prozent). LDPR und KPRF erzielten ganz andere Werte. Die Umfragen prognostizierten der LDPR den zweiten Platz und der KPRF den dritten. Die Kluft hätte größer sein müssen. Nach der Wahl verkündete man, dass die beiden Parteien die Plätze getauscht haben, wobei sie ungefähr die gleiche Stimmzahl einsammelten.

Im Vergleich zu den Prognosen der Soziologen wuchs das offizielle Ergebnis von “Einiges Russland” dramatisch an, sodass es am Morgen des 19. September 54,17 Prozent erzielte. Woher kamen diese Stimmen?

Dritte Frage: Haben sich die Soziologen geirrt?


Die Soziologie kann sich irren. Aber ihre Fehler haben in der Regel gewisse Ursachen, die man in zwei Gruppen einteilen kann. Ein Fehlertyp kommt daher, dass im letzten Moment vor den Wahlen irgendwelche Ereignisse vonstatten gehen, die die Stimmung in der Gesellschaft dramatisch verändern. In diesem Fall “verschmieren” die Stimmen der Unentschiedenen nicht auf der Skala, sondern konzentrieren sich schroff, sodass sie die Position einer Partei oder eines Kandidaten stärken.

In diesem Fall kam es zu keinerlei Ereignissen kurz vor den Wahlen, sofern man die Serie von Korruptionsskandalen und die Videoreportage über die Luxus-Villa ignoriert, in der der Listenführer von “Einiges Russland”, Dmitri Medwedew, entspannt. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Nachrichten die gesellschaftliche Tendenz im Sinne der Regierungspartei beeinflussen konnten.

Eine andere mögliche Variante ist: Die Stichproben, auf denen die Umfragen basierten, veralten. Dergleichen passiert, wenn in der Gesellschaft ernsthafte Verschiebungen vonstatten gehen, welche die soziale Struktur, die Einkünfte, das Verhalten der Menschen ändern. Solche Verschiebungen geschahen bei uns im Grunde in der Periode zwischen 2012 und 2016. Die ökonomische Krise führte zum Anwachsen der Arbeitslosen- und Armenzahl und zur drastischen Verschlechterung der Lage der Mittelklasse. Konnten diese Verschiebungen die Situation zum Nutzen von “Einiges Russland” verändern?

Viel logischer ist die Annahme, dass man die Stimmen für “Einiges Russland” einfach frisierte. Man kann begründet annehmen, dass man der Regierungspartei ungefähr 5 bis 7 Prozentpunkte zusätzlich zuschrieb.

Allein, es ist unmöglich, der einen Partei Stimmen zuzuschreiben, ohne sie anderen abzuziehen. Warum protestiert da niemand?

Vierte Frage: Warum sind alle zufrieden?


Buchstäblich am Vorabend der Wahl veröffentlichte die KPRF Aufrufe zu Protestmeetings, auf denen – so drohte sie – die Fälschung aufgedeckt werden sollte. Viele Kandidaten sprachen auf Wählerversammlungen von möglichem Betrug. Die Wahlen gingen vorüber und es folgte völlige Stille. Ist etwa alles gut verlaufen?

Die Analyse der Umfragen lässt den Schluss zu, dass der Hauptlieferant der Stimmen für “Einiges Russland” die Partei von Wladimir Schirinowski war. Die Umverteilung geschah auf ihre Kosten. So erklärt sich auch der unerwartete Abstieg der LDPR vom zweiten auf den dritten Platz, trotz dessen, dass alle Umfragen, unabhängig von den Abständen zwischen ihnen, eine andere Tendenz zeigten.

Dessen ungeachtet verkündete Schirinowski in der Wahlnacht sofort, ohne die letzte Auszählung abzuwarten, dass er die Wahlergebnisse akzeptiere. Der Fernsehsender “Rossia-24” zeigte fast den ganzen Tag die Zentrale der LDPR, in dem der Parteiführer eine lange und – gegen seine Gewohnheit – schlaffe Rede hielt. Wir können nicht wissen, was hinter den Kulissen geschah, aber der Schluss liegt nahe, dass man dem Führer oder den Führern der LDPR die bittere Pille versüßt hat. Der Verlust der Sitze in der Duma wurde höchstwahrscheinlich durch irgendetwas kompensiert. Da der Parteiführer schon lange nicht mehr jung ist und den Eindruck eines sehr überdrüssig gewordenen Menschen macht, wird sich ihm die Frage gestellt haben, womit und wie er in die Rente gehen wird. Und man darf hoffen, dass diese Frage jetzt endlich entschieden wurde.

Die Partei Gennadi Sjuganows, die ihres Zeichens das größte Wachstum an Beobachtern im ganzen Land verzeichnen konnte, kann damit zufrieden sein, dass sie den zweiten Platz belegt. Um genau zu sein, sei angemerkt, dass dieser zweite Platz einem vernachlässigbaren Anstieg der erhaltenen Stimmen entstammt. Mit anderen Worten werden die Parteien ungefähr dieselbe Menge an Mandaten erhalten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei der letzten nächtlichen Auszählung der KPRF sogar noch einige Stimmen im Vergleich zum eigentlichen Ergebnis geschenkt wurden. In der gegebenen Situation gibt es für Sjuganow und sein Umfeld keinerlei Grund zum Protest. Was “Gerechtes Russland” angeht, so müssen ihre Leute äußerst glücklich sein, dass sie in der Duma verblieben ist.

Die Regierung hat die absolute und sogar die Verfassungsmehrheit, die sie seit 2011 nicht mehr hatte. Die übrigen Parteien erhielten Abgeordnetensitze und wahrscheinlich einige andere Vorzüge, von denen sie der Öffentlichkeit nichts mitteilen werden.

Alle sind zufrieden.

Und hier stellt sich die nächste Frage: Wozu braucht der Kreml all das?

Fünfte Frage: Wozu?


Die Regierungspartei ging ihren Aufgaben in der Duma auch ohne die Zweidrittelmehrheit prächtig nach, die sie in der vorherigen Parlamentswahl verloren hatte. Die Vertreter der herrschenden Kreise gingen berechtigterweise davon aus, dass die oppositionellen Parteien völlig loyal und ungefährlich sein würden, sodass sie uns neue Wahlen versprechen konnten – wie nie zuvor kompetitive, ehrliche und offene Wahlen. Und das Auftauchen einiger echter Oppositioneller würde dem Parlament in den Augen der Gesellschaft und der internationalen Gemeinschaft nur noch mehr Legitimation verleihen, dabei das Machtmonopol der Loyalisten aber keineswegs gefährden.

Zudem überzeugte der stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung, Wjatscheslaw Wolodin, die Öffentlichkeit nachhaltig davon, dass die Duma aufgrund des Auftauchens einiger Direktmandatsträger pluraler werden und sich das Zentrum des politischen Lebens dorthin verlagern würde. Aber nein, alles passierte genau in umgekehrter Richtung: Die Duma ist gänzlich zum Monolithen geworden und Wolodin selbst wird, wie es aussieht, seinen Posten loswerden und versetzt… in eben diese Duma.

Wie könnte man hier nicht an die Geschichte des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak erinnert werden, der, konfrontiert mit einer Wirtschaftskrise, für den Fall der Fälle das ohnehin schon loyale Parlament “säuberte” und Wahlen durchführen ließ, die den unseren von heute überraschend ähneln. Dies verschloss von selbst alle Perspektiven für eine Diskussion über schrittweise und kontrollierte Reformen, was den Nährboden für die spätere Entwicklung des Landes hin zur Katastrophe geschaffen hatte.

Übrigens stehen in Russland Reformen an, nur nicht ganz solche, die sich die Bevölkerung erhofft.

Der Ausgang der Wahlen ist weniger der Ausdruck des Willens der Bürger als vielmehr das Resultat eines Kampfes in den Kreml-Kreisen, der hinter den Kulissen ausgefochten wird. Insofern ist das Anwachsen der Abgeordneten von “Einiges Russland” gemäß der Listenaufstellung kein Zufall. Soweit nun Direktmandatsträger in die Duma einziehen, stellt sich die Frage der Fraktionsdisziplin. Direktmandatsträger ihrer Vollmachten zu berauben ist sehr schwierig, Listenabgeordnete hingegen kann man jederzeit ersetzen, falls es einen verbindlichen Beschluss seitens der Partei oder Fraktion gibt. Wenn es in einer Fraktion eine Mehrheit von Listenabgeordneten gibt, ist eine Kontrolle sichergestellt.

Wozu? Was hat die Regierung vor, dass ihr die Kontrolle über ihre eigenen Abgeordneten so wichtig erscheint?

Wahrscheinlich kann man von einem neuen Paket antisozialer Gesetze ausgehen, die klar und deutlich im Widerspruch stehen zur Rhetorik von “Einiges Russland” und des Kremls vor den Wahlen. Unter solchen Umständen könnten einzelne Abgeordnete einen plötzlichen Rückzieher machen. Aber wenn es sich bloß auf ein oder zwei Menschen beschränkt, die sich bei der Abstimmung enthalten oder im entscheidenden Moment “krank” werden, ändert das nichts an der Situation. Entscheidend ist, dass kein Keil in die Fraktion oder Partei getrieben wird.

Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass es für die herrschenden Kreise noch schwerwiegendere Gründe für die Formierung eines monolithischen Parlaments gibt. Ein Indiz kann man unter den Dokumenten des Finanzministeriums finden, das unerwarteterweise Finanzmittel für Präsidentschaftswahl… des Jahres 2017 reserviert hat.

Unter anderem hatten wir auf “Rabkor” darüber im Zusammenhang mit den Dumawahlen bereits geschrieben und vorhergesagt, dass damit die vorzeitige Durchführung der Präsidentschaftswahlen vorbereitet wird.

Wozu um ein Jahr vorverlegte Wahlen?

Auf ökonomischer Ebene ist dies mit der Erschöpfung finanzieller Ressourcen verbunden. Die Mittel des Stabilisierungspakets werden im nächsten Jahr erschöpft sein, wie man uns bereits gewarnt hatte, und damit auch die Mittel der Regierung, brodelnde Konflikte – soziale wie auch solche innerhalb der Elite – zu dämpfen. Die frühzeitigen Wahlen sind zudem von politischer Bedeutung. Laut Verfassung darf sich ein Präsident, der zurücktreten musste, nicht nochmals aufstellen lassen. Mit anderen Worten müsste Putin unter solchen Umständen in Rente gehen oder ein anderes, weniger bedeutendes Amt übernehmen. Es ist nur folgerichtig vorzuschlagen, die entsprechende Stelle im Grundgesetz zu ändern. Dafür benötigt man aber eine Verfassungsmehrheit.

Was aber, wenn diese Mehrheit nicht zustande kommen sollte?





*Anmerkung des Übersetzers: Da der Text relativ eilige verfasst wurde, schlich sich in den Titel ein kleiner Fehler ein. Im Original ist von "vier Fragen" die Rede, obwohl der Autor fünf Fragen herausgestellt hat.


Freitag, 7. März 2014

Ja, die Deutschen - friedlich, sozial und im Einklang mit ihren Nachbarn ;-p

Das wenig neutrale "Zweite Deutsche Fernsehen" (ZDF) hat eine Doku-Reihe über "Die Deutschen" ausgestrahlt, um die deutschen Bürger zu verstrahlen. Insgesamt ist sie sehr sehenswert, aber man sollte die Titel jeder Folge der Realität anpassen. Im Folgenden ein Vorschlag:

Die Deutschen 00 - Die Wege der Deutschen in den Abgrund

Die Deutschen 01 - Das "Otto"-Reich ;-)

Die Deutschen 02 - Das erotische Verhältnis von Heinrich und Papst

Die Deutschen 03 - Rotbart und Löwenmähne haben sich lieb

Die Deutschen 04 - Luther und die Nation im Kampf gegen sein Rülpsen und Furzen

Die Deutschen 05 - Wallenstein und der heilige Krieg des christlichen Europa

Die Deutschen 06 - Preußens Fritzl und die Kaiserin der (eigenen) Kinder

Die Deutschen 07 - Wie die Deutschen Napoleon bekämpften, um die eigene bürgerlich-demokratische Gesellschaft zu bekämpfen

Die Deutschen 08 - Robert Blum und die gescheiterte Revolution, in der die Deutschen wieder einmal zeigten, dass das Bürgertum seit 1848 Angst vor der Demokratie hat

Die Deutschen 09 - Bismarck, dieser Otto, der ein ziemlich schlechtes Vorbild für gute Schüler ist, und das Deutsche Reich, das ein ziemlich schlechtes Vorbild für gute Nationen ist

Die Deutschen 10 - Der Antisemit Kaiser Wilhelm und der Weltkrieg, den er zusammen mit den elenden SPD-Bonzen mit zu verschulden hat

Die Deutschen - "Das Making of" oder: Wie machen wir eine sehenswerte Doku-Serie, die schon nicht mehr aktuell ist, weil Deutschland schon wieder nicht mehr friedlich, sozial und im Einklang mit seinen Nachbarn lebt? ;-)

Viel Spaß beim Sehen!



Freitag, 21. Februar 2014

Thesen zum Fall Edathy

1. Edathys Schuld wurde noch nicht bewiesen und schon krakelten die Häscher von allen Seiten und warfen gleichzeitig die ersten Steine.

2. Selbst wenn Edathy als SPD-Mitglied Spott verdient, so ist die Vorverurteilung Edathys durch Teile der Öffentlichkeit jämmerlich.

3. Wenn die Vorwürfe gegenüber Edathy irgendwie und ohne Fälschungen nachgewiesen werden können, (was in so einem Fall kaum zu erwarten ist) muss er natürlich bestraft und platt gemacht werden - und die ganzen anderen Schänder in den etablierten Parteien gleich mit ihm, indem alle Untaten der Herrschenden ebenso transparent gemacht und entsprechend verfolgt werden.

4. In diesem Fall wäre der Fall Edathy aber gewiss der aller geringste Skandal und das Zetergeschrei der Herrschenden würde "MORDIO!" weichen.

5. Wenn sich die Vorwürfe gegenüber Edathy irgendwie als falsch herausstellen könnten, so sollte Edathy dennoch "auspacken", d.h. alle seine Infos über die widerlichen Machenschaften im kriminellen Flickenteppich, der der Staat Deutschlands ist, an die Öffentlichkeit geben.

6. Aber wie soll die Unschuld Edathys bewiesen werden, falls die Geheimdienste oder andere Kräfte innerhalb der Staatsmacht ihm alles Vorgeworfene untergeschoben haben?

7. Es wäre nicht das erste Mal, dass der so genannte Rechtsstaat sich als Instrument äußerst korrupter und äußerst krimineller Beamter, Bonzen und Bösewichte erwiesen hätte.

8. "Whistleblower" und potenzielle "Whistleblower" sind große Gefahren für die so genannte "innere Sicherheit" ganzer Staaten, d.h. für die Geheimhaltung der Machenschaften von konkreten Personen im öffentlichen Dienst.

9. "Whistleblower" entlarven die Lügen, Märchen und Lügenmärchen der Staaten, die sich kindsunschuldig geben, um die Menschen zu täuschen.

10. Die Geheimdienste sind grundsätzlich NICHTS anderes als Geheimwaffen gegen die eigenen Bevölkerungen, gegen ihre demokratischen Bestrebungen und gegen die Demokratie selbst.

11. Die Geheimdienste wären allenfalls dann ausnahmsweise wirkliche Waffen im Kampf für Demokratie und Recht, wenn sie demokratisch kontrolliert wären und sich gegen die herrschenden Oligarchen wendeten, was aber praktisch nie vorkommt, auch nicht bei deutschen Geheimdiensten und auch nicht beim "Verfassungsschutz", der ja bekannter Maßen mit Nazis eng kooperiert.

12. Die Auflösung aller Geheimdienste und die Forderung nach Transparenzmachung der Machenschaften von Staatsvertretern und Volkszertretern sollte daher als fällige Forderung Konsens sein.

Donnerstag, 14. November 2013

Chinas neue Partei! Die Partei des Bo Xilai?!


Die Partei des Bo Xilai?


Seit einer Woche gibt es in der Volksrepublik China eine neue Partei mit dem Namen "Zhixiandang". Der Name Zhixiandang heißt so viel wie "Partei der Verfassungshoheit" oder "Die Partei, für die die Verfassung die oberste Autorität ist". Die Partei wurde letzten Mittwoch, am 6. November, von Wang Zheng gegründet. Wang Zheng ist Professorin am "Beijing Institute of Economics and Management" und scheint eine Unterstützerin des tief gefallenen Politstars Bo Xilai zu sein. Sie hält die Entmachtung und Verurteilung Bo Xilais für verfassungswidrig und will sich mit der neuen Partei nun politisch für eine Einhaltung der chinesischen Verfassung einsetzen.

Bis letztes Jahr war Bo Xilai der Chef der Kommunistischen Partei (KP) in der größten Stadt Chinas Chongqing. Er war nicht nur in Chongqing beliebt bei der Bevölkerung und gefürchtet bei seinen Rivalen. Er war auch einer der mächtigsten Männer Chinas. Viele Beobachter haben einen weiteren Aufstieg Bos in die höchste Etage der Partei- und Staatsführung vorhergesagt.

Letztes Jahr wurde Bo jedoch plötzlich entmachtet, seiner Ämter enthoben und aus der Partei ausgeschlossen. In diesem September wurde er dann für Bestechlichkeit, Korruption und Machtmissbrauch zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Frau war letztes Jahr bereits wegen Mordes zum Tod verurteilt worden, darf aber vermutlich ebenfalls eine lebenslange Haft absitzen.

In den Medien wurde die neue Partei, die sich für einen gerechten Prozess gegen Bo Xilai einsetzt und diesen zum Vorsitzenden in Abwesenheit ernannt hat, bereits als Bo Xilai-Partei interpretiert. Aber ist die neue Partei der Verfassungshoheit tatsächlich nur ein Bo-Fanclub oder ist sie doch mehr als das?

Die neue Partei im Kontext des Einparteiensystems


In den Medien (unten sind die Links zu den wichtigsten Quellen) in Deutschland und weltweit wird die Gründung der neuen Partei mit von einigen Stimmen bereits mit Vorbehalten begrüßt. Till Fähnders schreibt für die faz ganz richtig:
"Wenn jemand in China eine neue Partei gründet, dann lässt sich das nur als ein Akt gegen das bestehende politische System interpretieren. Denn außer ein paar untergeordneten Blockparteien zählt in China nur die Kommunistische Partei."
Chinas bestehendes politisches System ist eine staatskapitalistische Einparteienherrschaft. Die Kommunistische Partei Chinas ist die herrschende Partei in diesem System. Mit einer kommunistischen, klassenlosen Gesellschaft hat die chinesische Gesellschaft aber nur gemeinsam, dass die kapitalistische Klassengesellschaft in China genauso wie die klassenlose Gesellschaft eine Gesellschaft ist... Ansonsten sind Chinas Gesellschaft und die noch nicht reale kommunistische Gesellschaft so verschieden wie Tag und Nacht. Oder wie Staatskapitalismus und Kommunismus...

Die acht kleineren "demokratischen Parteien", sind Blockparteien wie es sie in der DDR gab. Sie sind in Wirklichkeit weder wirklich demokratisch, noch wirkliche Parteien. Sie vertreten zwar die Interessen bestimmter Bevölkerungsgruppen, aber sie bilden keinerlei Opposition zur Einparteienherrschaft der KP Chinas. 

Nun stellt sich die Frage, in wiefern die Zhixiandang eine oppositionelle Partei darstellen wird. Die Blockparteien wurden wie die KP Chinas vor der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 gegründet. Bis dahin waren sie eigenständige Parteien. Nach 1949 sind sie zu Marionetten der KP geworden. 

Alle anderen Parteien wurden seither in China früher oder später unterdrückt. Das berühmteste Beispiel ist die Demokratische Partei Chinas. Sie wurde 1998 von chinesischen Liberalen offiziell gegründet und bald darauf verboten. Ihre Mitglieder wurden durch Verhaftungen und Gefängnishaft bestraft. Die Partei existiert in den USA als Exilgruppe weiter. Sie hat sicher noch unzählige Sympathisanten in China, aber von großer Bedeutung ist sie wohl nicht. 

Es gibt sicherlich noch andere Gruppen, die man als illegale Parteien oder parteiähnliche Organisationen begreifen kann. Aber sie arbeiten im Untergrund oder verdeckt innerhalb der KP Chinas. Gruppen wie die religiöse Meditationssekte Falun Gong werden verfolgt und terrorisiert.

Wenn nun also eine Wirtschaftsprofessorin an einer renommierten Universität lauthals die Gründung einer Partei zur Einhaltung der chinesischen Verfassung proklamiert und auch noch den kürzlich entthronten und verurteilten Bo Xilai verteidigt und zum Ehrenvorsitzenden der neuen Partei erklärt, ahnt man, dass merkwürdige Dinge vor sich gehen in China. Hat Frau Wang Zheng den Verstand verloren oder hat sie noch ein Ass im Ärmel?

Die Parteigründerin Wang Zheng über die neue Partei


Die Parteigründerin Wang Zheng hat sich bereits öffentlich geäußert. Auf die Frage, ob es kein rechtliches Problem ist, solch eine Partei wie ihre zu gründen, gibt Wang eine kecke Antwort: "Als die Kommunistische Partei gegründet wurde, hat sie sich auch nicht registriert. Damals war sie eine revolutionäre Partei!" 

Außerdem soll sie auf die anfangs geringe Mitgliederschaft der KP Chinas bei ihrer chinaweiten Gründung 1921 verwiesen haben. Die Mitgliederzahl der neuen Partei übersteige die Mitgliederzahl der damaligen KP bereits. Abgesehen davon, dass das nicht stimmt, weil die KP bei ihrer Gründung über 50 Mitglieder hatte und die Verfassungspartei nur etwas mehr als ein Dutzend Gründungsmitglieder habe, konnte Wang Zheng noch keine genaueren Zahlen über neue Mitglieder und Sympathisanten seit der Gründung am 6. November nennen.

Den Prozess gegen Bo Xilai hält sie nicht für einen verfassungskonformen Prozess, sondern für einen politischen Schauprozess. Daher sei eine politische Lösung dieses Falles nötig. Außerdem hält sie Bo Xilai für einen Sozialisten, der sich von den anderen Führungsköpfen in China unterscheide. Als bekennender Sozialist und Parteichef in Chongqing habe er die Verfassung befolgt, die China zu einer sozialistischen Gesellschaft erkläre.

Anders als Bo Xilai hätten die anderen politischen Führer das Ideal der Gleichheit mittlerweile vergessen. "In China gibt es eine tiefe Kluft zwischen Arm und Reich. Einige sind sehr reich, einige sehr arm. Aber Bo Xilai hat Chongqings Geldmittel genutzt, um das Leben der gewöhnlichen Massen zu bessern", lobt Wang den entmachteten Populisten. Allerdings sei die neue Partei keine Bo Xilai-Partei, betont sie. Bo Xilai wurde zum Vorsitzenden ernannt, um der Partei eine populäre Symbolfigur zu liefern. Es geht demnach nicht um die politische oder private Person Bo, sondern um den juristischen Fall Bo. 

Obwohl Wang Zheng den Vergleich zur einst revolutionären KP zog und die Zhixiandang als politisches Mittel zur Lösung des politischen Schauprozesses von Bo Xilai und seiner Frau sieht, betont sie dennoch, dass sie nicht gegen die Einparteiherrschaft sei. 

Sie finde auch die bereits bestehende Verfassung der Volksrepublik gut. Aber die Gesetze werden nicht konsequent umgesetzt. Für Wang stellt sich also die Frage, ob ihre neue Partei helfen kann, die Verfassungshoheit zu realisieren. In der Verfassung wird betont, dass niemand über den Gesetzen stehe. Zugleich ist die "Führungsrolle" der KPCh gesetzlich verankert und sie wird faktisch immer wieder gegen Gesetze geltend gemacht, wenn es die Interessen der Herrschenden gebieten. 
Es stellt sich die Frage nach dem Potenzial der neuen verfassungszentrierten Partei, die Führungsrolle der egozentrierten Kommunistischen Partei herausfordern zu können.

Die Gründung der neuen Partei als erster Test für die neue Führung des chinesischen Staatskapitalismus


Die Partei wurde wenige Tage vor der dritten Plenarsitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei gegründet. Das ist eine gezielte Provokation für die chinesische Staatsführung. In diesen Tagen wurde mit Sicherheit unter den roten Oligarchen der KP hitzig debattiert.

Die noch frischen Nachfolger von Ex-Präsident Hu Jintao und Ex-Regierungschef Wen Jiabao müssen Kopfschmerzen gehabt haben in diesen Tagen. Xi Jinping und Li Keqiang sind erst seit einem Jahr Staatschef bzw. Regierungschef und müssen sich überlegen, ob sie demnächst als relativ liberale "Reformer" oder als verachtenswerte "Hardliner" betrachtet werden wollen.

Das Plenum des ca. 200 Mann starken Zentralkomitees hat bereits einschneidende Reformen in Wirtschaft und Verwaltung angekündigt. Die Frage ist nicht wirklich, ob diese Reformen einschneidend sein werden. Das ist kaum zu erwarten. Fähnders, der Ostasien-Korrespondent der faz, schreibt denn auch: "Eine völlig neue Wirtschaftspolitik wird auch bei den Profiteuren des chinesischen Staatskapitalismus auf Gegenwehr stoßen."

Die Profiteure des chinesischen Staatskapitalismus sind vor allem die herrschenden Bürokraten im Partei- und Regierungsapparat und die Großkapitalisten, die mit ihnen verbündet oder vermischt sind. Aber auch große Teile der Mittelschichten haben bislang von Chinas autoritärem Kapitalismus wirtschaftlich profitiert und dafür ihre politische Freiheit verkauft. Sogar gewisse Schichten der Arbeiterschaft fühlen sich dem Staat aufgrund seiner staatlichen Transferleistungen und Vergünstigungen zu Loyalität verpflichtet. Außerdem fürchten nicht wenige Chinesen ein Auseinanderbrechen ihres Nationalstaates.

Die Frage ist also weniger, ob es radikale Reformen von oben geben wird. Es ist eher zu fragen, ob die KP in Zukunft noch immer plump auf offene Unterdrückung neuer Parteien setzen wird oder ob sie sie auf geschickte Weise in gewissem Rahmen gewähren lässt.

Hier wie versprochen die Links zu den einschlägigen Artikeln: