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Dienstag, 8. März 2016

"Heraus zum 8. März! Bekämpft das Patriarchat und den Imperialismus!"



Heraus zum 8. März!
Bekämpft das Patriarchat und den Imperialismus!


Wir, die Roten Frauenkomitees Hamburg und Wien, rufen alle revolutionären und fortschrittlichen Kräfte, Aktivisten der Frauenbewegung, Frauen im allgemeinen und insbesondere alle Arbeiterinnen, zu einer kraftvollen Feier des 8. März auf, dem Internationalen Frauentag. Wir wollen, dass der 8. März dieses Jahr ein Zeichen setzt, in dem er die wachsende revolutionäre Frauenbewegung auf dem Vormarsch zeigt. Der 8. März ist ein besonderer Kampftag, ein Tag an dem Frauen überall auf der Welt ihre Stimmen gegen das Patriarchat erheben und auf der Straße ihre Entschlossenheit für ihre Emanzipation zu kämpfen zeigen. Es ist eine dringende Notwendigkeit für die Entwicklung der kommunistischen Bewegung, und der revolutionären Bewegung im allgemeinen, jeden Standpunkt der die Unterdrückung der Frau als einen politischen „Nebenwiederspruch“ betrachtet oder jeden Feminismus als „kleinbürgerlich“ betrachtet zu zerschlagen. Die Frauen der Arbeiterklasse leiden unter einer doppelten Unterdrückung, zu der Unterdrückung als Teil des Proletariats kommt die Unterdrückung durch das Patriarchat. Die Frauen der Arbeiterklasse werden nicht nur durch die Lohnsklaverei ausgebeutet, sondern außerdem durch die Sklaverei unter dem Patriarchat. Eine kommunistische und revolutionäre Politik ist ihren Namen nur als solche wert, solange sie Ausdruck der Interessen der meist Unterdrückten und Ausgebeuteten ist, entsprechend kann keine kommunistische und revolutionäre Kraft die besondere Rolle und Bedeutung der Mobilisierung, Politisierung und Organisierung der Frauen, insbesondere der Arbeiterinnen, negieren, ohne sich selbst als Betrüger zu demaskieren. Diejenigen, die in der „linken Szene“ den Kampf gegen das Patriarchat zu einem Kampf gegen „Sexismus“ reduzieren haben Überhaupt nichts vom Standpunkt des Marxismus verstanden und die die glauben, dass es ausreicht mit Verhaltensregeln, welche besagen, dass solange Männer nicht Pornografie gucken oder Frauen anbaggern alles in Ordnung ist und die Frau „gleichberechtigt“ ist, die sind in der Tat Verteidiger des Patriarchats, ihre Apologeten in der revolutionären Bewegung.

Im Dienste der Weiterentwicklung der kämpfenden klassenbewussten Frauenbewegung ist es notwendig die Trennungslinien zwischen dem bürgerlichen, dem kleinbürgerlichen und dem proletarischen Feminismus zu ziehen, um den letzteren zu stärken und die Arbeiterinnen zu ermutigen ihre Rolle in den ersten Reihen des Klassenkampfes einzunehmen.



Download des Plakates: Klick hier!

Wir lassen uns nicht spalten: bürgerlicher Feminismus ist imperialistischer Chauvinismus!


Die Imperialisten, d.h. die Herrschenden in der BRD und Österreich, benutzen die sogenannte „Flüchtlingskrise“, um eine zynische Doppelpolitik zu betreiben: auf der einen Seite versuchen sie die Arbeiterklasse weiter zu spalten und die ausländischen Arbeiter zu benutzen, um die einheimischen Arbeiter weiter zurückzudrängen, kurz, um die Ausbeutung der Arbeiterklasse insgesamt zu verschärfen und teilweise auf diesem Grund eine faschistische Massenbewegung zu schaffen. In diesem bösen Spiel benutzen sie alle Mittel, in der letzten Periode auch insbesondere den bürgerlichen Feminismus. Der von den staatlichen Behörden der BRD losgelassene „Skandal“ wegen Silvester in Köln und der folgende Aufschrei im bürgerlichen und kleinbürgerlichen Lager, suggeriert, dass das Patriarchat vor allem ein „Problem“ der Männer der dritten Welt sei. In den „erleuchteten“ Ländern BRD und Österreich sei die Frau „gleichgestellt“. Die Übergriffe seien ein „kulturelles Problem“ usw., am Ende nichts anderes als der „Kampf der Kulturen“ den die Yankee-Imperialisten seit Anfang der 1990-er Jahre als „Rechtfertigung“ für ihre imperialistische Aggression gegen die arabischen Völker propagiert. Wir revolutionäre Frauen verurteilen als proletarische Feministinnen diesen abscheulichen Versuch die Frauenmassen gegen andere Teile der unterdrückten Massen zu hetzen. Das Vorhandensein von halbfeudalen stockreaktionären Standpunkten und Haltungen unter der absoluten Mehrheit der Einwanderer aus der dritten Welt ist für uns kein Geheimnis und es entspricht dem halbkolonialen und halbfeudalen Zustand ihrer Herkunftsländer. Das ist aber in keinem Fall eine Rechtfertigung, um imperialistischen Chauvinismus zu verbreiten. Die Männer der dritten Welt sind voll mit patriarchaler Ideologie, genau wie die Männer der imperialistischen Länder. Den einen zu denunzieren und als einen perversen Vergewaltiger darzustellen und den anderen als zivilisierten Gutmenschen darzustellen, heißt nur der imperialistischen Aggression zu dienen und nichts anderes als bürgerlicher Feminismus. Die imperialistischen Nationen sind diejenigen, die die Nationen der dritten Welt in Sklaverei halten, sie saugen ihr Blut durch den bürokratischen Kapitalismus aus und halten sie unterjocht in halbfeudalen und halbkolonialen Verhältnissen und das ist genug, um den imperialistischen Nationen jedes Recht auf moralische Verurteilungen der Bevölkerung dort abzuerkennen. Wir kämpfen für die Einheit der Unterdrückten und lassen uns nicht spalten und darum haben wir nichts gemeinsam mit dem bürgerlichen Feminismus.

Idealismus bekämpfen: es reicht nicht, dass die Frau zum Gewehr greift, das Ziel muss der Kommunismus sein, um die Emanzipation erkämpfen zu können!


Der Ursprung der Unterdrückung der Frau liegt in der Klassengesellschaft, im Privateigentum und sie kann nur zusammen mit dem Privateigentum verschwinden, d.h. im Kommunismus. Entsprechend ist der Kampf um die wahre Emanzipation der Frau untrennbar mit dem Kampf für den Kommunismus verbunden. Die Unterdrückung der Frau kommt durch materielle Ursachen, der gesamte patriarchale Mist mit allen seinen Ausdrücken, seien es religiöse, kulturelle, soziale usw., sind nicht etwas vom Himmel gefallenes, sondern haben eine materielle Grundlage. Das Gegenteil behauptet der kleinbürgerliche und bürgerliche Feminismus, für sie ist das Problem vor allem von ideologischem und kulturellem Charakter; egal mit welcher wörterdrehenden sprachwissenschaftlichen Finesse sie versuchen es zu vertuschen, für diese Leute ist das Problem, dass Männer „böse sind“ – was nichts anderes ist als Idealismus. Solange dieser Idealismus nur eine Quelle für Diskussionen des Lebensstils ist, ist er relativ harmlos. Aber wenn er die kämpfenden Bewegungen dominiert, wird sein Effekt verheerend.

In der menschlichen Gesellschaft ist eine Revolution nicht der Wechsel von einer Regierungsform zu einer anderen, eine Revolution ist ein Gewaltakt mit dem eine Klasse die Diktatur einer anderen stürzt und ihre eigene errichtet. Über eine „Frauenrevolution“ in der Klassengesellschaft zu reden ist im „besten Falle“ reiner Idealismus, ansonsten ein Betrug. Im gegenwärtigen menschlichen Panorama trennen Klassen die Menschen mehr als das Geschlecht. Die Frauen können nicht alle gemeinsam kämpfen. Den wahren Kampf um die Befreiung können die Töchter des Volkes nur zusammen mit dem Proletariat und unter der Führung seiner Vortruppe auskämpfen, das gilt für jede Form der Revolution und jedes Land. Das wird noch deutlicher, wenn wir uns daran erinnern, dass wir uns in der Ära des Imperialismus und der proletarischen Revolution befinden und die Bourgeoisie unfähig ist die Aufgaben der demokratischen Revolution durchzuführen. Idealisten können in der gegenwärtigen Welt über eine „Revolution“ reden die nicht vom Proletariat geführt wurde, Marxisten nicht.

Trotz des großartigen Heroismus und der bewundernswerten Opferbereitschaft mit welcher Frauen heute die Gewehre ergreifen und kämpfen, um eigene Strukturen durchzusetzen, wird dies zu nichts anderem führen als eine Evolution der Formen der patriarchalen Unterdrückung, solange sie nicht Teil von einer wahren demokratischen oder sozialistischen Revolution sind, welche beide nur unter der Führung des Proletariats, die sich in der Kommunistischen Partei konkretisiert, möglich sind.

Der proletarische Feminismus ist eine Demarkationslinie zwischen Revisionismus und Marxismus und als solcher ist er eine Waffe im Kampf für die Rekonstitution der Kommunistischen Parteien


Der Revisionismus hat die Kommunistischen Parteien in Europa ausnahmslos zerstört. Die Kommunisten kämpfen darum ihre Parteien zu rekonstituieren, um ihren Wiederaufbau einzuleiten, um die höchste Form des Klassenkampfes einzuleiten, als Teil und im Dienst der proletarischen Weltrevolution. Die Arbeiterinnen haben einen besonderen Drang dazu dieser Aufgabe auf jeder Ebene zu dienen; denn durch den Kommunismus können wir uns von der Doppelunterdrückung befreien. Ohne eine wahre Kommunistische Partei ist es unmöglich den Kampf in Richtung der Emanzipation zu entwickeln. Als revolutionäre Frauen haben wir so einen doppelten Anlass, um für die Rekonstitution der Kommunistischen Partei zu kämpfen.

Wir brauchen Kommunistische Parteien neuen Typs, marxistisch-leninistisch-maoistische Parteien, die sich durch Aktionen militarisieren und den Volkskrieg in jedem Land auf die konkreten Bedingungen der Revolution anwenden. Solche Parteien verstehen den proletarischen Feminismus als einen Teil der Ideologie des Proletariats, des Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus. Solche Parteien messen ihre Erfolge in einem wichtigen Teil in wie weit sie Aktivistinnen, Kämpferinnen und Militante und unter diesen weibliche Kader und Führerinnen hervorbringen, die nicht zur Dekoration da sind, sondern um ihre Verantwortung für die gesamte Entwicklung der revolutionären Bewegung anzupacken. Solche Parteien sind nicht Gewissenserleichterer der Kleinbürger oder Bandenbezeichnungen der Facebookhelden, die sich als Häuptlinge über ihre Sippe einbilden. Solche Parteien sind Kampfabteilungen des internationalen Proletariats; ein Truppe, die Vortruppe, der Klasse.

Ohne die Emanzipation der Frau wird es keine Emanzipation der Menschheit geben. Ohne den Kampf der klassenbewussten Frauen wird es keine Revolution geben. Ohne die Kommunistinnen in Formierung werden die Kommunistischen Parteien sich nicht als wahre solche rekonstituieren. Die „Frauenfrage“ ist nicht eine Nebensache. Die Rolle der Frau in der Revolution ist eine entscheidende im Kampf für den Kommunismus. In diesem Sinne:

Heraus zum 8. März!

Bekämpfen wir das Patriarchat und den Imperialismus!

Nieder mit dem bürgerlichen Feminismus und dem imperialistischen Chauvinismus!

Proletarischer Feminismus für den Kommunismus!



Rotes Frauenkomitee Hamburg                                            Rotes Frauenkomitee Wien
Februar 2016

Sonntag, 16. März 2014

Rechte Tendenzen in Russland

Das Symbol der "Slawischen Union"
(russ. Славянский союз, "СС"/"SS").
In Russland gelten für rechte Tendenzen ähnliche Muster wie auch in anderen europäischen Ländern: die unsoziale und undemokratische Politik der Regierungen fördert seit langem die Unzufriedenheit der Bevölkerung. Proteste der Menschen gegen diese Politik werden staatlicherseits ignoriert oder unterdrückt. Die ungelösten sozialen Spannungen befördern aber nicht nur demokratischen Protest, sondern auch eine rechte Reaktion auf die Unfähigkeit des Staates.

Der Staat wiederum unterdrückt rechte Tendenzen nicht konsequent, sondern nutzt sie für sich aus. Denn rechte Gesinnungen sind ein probates Mittel zur Spaltung der Bevölkerung entlang ideologischer Linien und sind damit ein Ablenkungsmanöver, um über die sozialen Kernprobleme hinwegtäuschen. Daher werden rechtsextreme Organisationen nicht verboten und entmachtet, sondern an der staatlichen Leine gehalten. Nazipropaganda und faschistische Bewegungen können so legal agieren.

Das ehemalige Kernland der Sowjetunion hat daneben aber besondere Umstände, die die rechten Tendenzen enorm befördern. Russland und die Sowjetunion waren schon immer Vielvölkerstaaten, wobei die Russen die größte und bedeutendste Ethnie sind. Der Zerfall der Sowjetunion desillusionierte die Russen, denen es seitdem schwer fällt an eine sozialistische Alternative zu glauben. Politische Konflikte mit Polen, der Ukraine, dem Balkan, den zentralasiatischen Staaten und tschetschenischen Separatisten provozierten rassistische Ressentiments. Der Vielvölkerstaat war nun wie der Sozialismus in den Augen vieler Menschen endgültig gescheitert. Der katastrophale Privatisierungskurs der 90er stürzte Millionen von Russen zudem ins Elend und Not. Vielen erscheint eine nationale Wiedergeburt der Russen daher als einzige Lösung.

Die Erfahrung der stalinistischen Herrschaft und die extremen Zustände der 90er prägen noch heute den russischen Rechtsextremismus. Die rechten Kameradschaften Russlands sind auch wegen dieser Erfahrung die vielleicht gefährlichsten der Welt. Abgesehen davon, dass viele die NS-Bewegung offen als Vorbild anerkennen und äußerst gewalttätig sind, trainieren sie wie keine andere Nazi-Bewegung für den Bürgerkrieg und bilden paramilitärische Truppen aus. Nahkampf, Messerkampf, Schusswaffengebrauch, Bombenbauen und Ähnliches gehört zum Standard-Repertoire rechter Terrorgruppen in Russland. Zu ihrem Wahn von einem bereinigten "Russland für die Russen" gehört auch die verbrecherische Methode, Ausländer wie auch Linke und Homosexuelle zu terrorisieren, zu verletzen und zu demütigen, wobei Videos davon systematisch veröffentlicht werden. Unliebsame Gruppen sollen abgeschreckt und vertrieben werden.

Kameradschaften wie die "Slawische Kraft" und die "Slawische Union" ("SS") propagieren zudem die Vertreibung "schwarzer" Ausländer, die Einheit einer "weißen Rasse", den Zusammenschluss der Nazis des Westens, antimuslimischen Rassismus, die Rückbesinnung auf slawische Traditionen und "Ordnung" im Staate. In Russland gibt es auch christliche-orthodoxe Antisemiten, sogenannte Nationalbolschewisten, Nationalliberale und faschistoide Regierungsvertreter, deren rechte Tendenzen sich mit anderen Ideologien vermischen. Es ist kein ganz unrealistisches Szenario, dass in Russland wie in der Ukraine die rechte Regierung von einer Nazi-Regierung ersetzt wird.






Montag, 2. Dezember 2013

Howard Zinn: "A People's History of the United States" (1999)




"Mr. Zinn talked about his book, "A People's History of the United States: 1492-Present", published by Harperperennial Library. 

He focused on his research for the book that spans American history from Christopher Columbus's arrival to an afterward on the Clinton presidency. He also stressed the importance of including the voices of blacks, women, American Indians, war resisters, and poor laborers of all nationalities into American history. After his prepared remarks he answered questions from the audience."


10/16/99

Donnerstag, 21. November 2013

"Man muss stark sein" - eine Rezension zu "Captain Phillips"

Das moralische US-Bürgertum


"Captain Phillips" handelt nicht von Captain Phillips. Der Titel trügt. Der Film beginnt zwar so als wäre der Captain der Held des Films und in der ersten halben Stunde wirkt es noch immer so. Aber das ändert sich bald und es wird klar, dass der Captain in der Handlung des Films nur eine Nebenfigur ist. Der eigentliche Held des Films ist das US-Bürgertum.

Was ist die Handlung des Films? Richard Phillips, ein irischstämmiger Amerikaner und braver Kapitän, muss einen Frachter mit Rohstoffen und weiteren Produkten nach Somalia bringen. Es kommt, wie es kommen musste. Eine Gruppe somalischer Piraten versucht, das Schiff zu kapern, um damit für sich und ihre ominösen Bosse den Lebensunterhalt zu verdienen. Aber die Piraten stoßen auf den entschiedenen Widerstand der Schiffscrew von Captain Phillips und auf die überlegene staatliche Gewalt der weisen USA.

Gleich am Anfang des Films wird die Moral des braven US-Bürgers von Captain Phillips ausgesprochen, während er sich mit seiner Frau über die Zukunft ihrer Kinder in der heutigen globalisierten Welt unterhält:

"Für unsere Kinder wird es nicht leicht. Die werden in einer anderen Welt leben als wir in ihrem Alter. Die beiden entwickeln sich super, aber es beunruhigt mich, dass Danny die Schule nicht ernst genug nimmt. Ich meine, wenn er den Unterricht schwänzt könnte ihm das, es könnte ihm doch noch schaden, wenn er einen Job sucht. Weißt du? Bei der Konkurrenz! Als ich angefangen habe, konnte man es zum Kapitän schaffen, wenn man einfach fleißig seine Arbeit machte. Aber für die Jungs, die jetzt anfangen: Die Firmen wollen alles immer schneller und billiger. Fünfzig Typen streiten sich um jeden Job. Es ist nicht mehr wie früher. Es gibt einfach keinen Stillstand. Man muss stark sein, um da draußen zu überleben."

Die ganze Sprechweise von Phillips erscheint wie die eines schüchternen, ruhigen Bürgers, der seine Disziplin beherrscht, aber von der globalisierten Welt von heute ein wenig überfordert wird. Als er durch den Piratenangriff in die Rolle des Verteidigers seiner Crew gezwungen wird, zeigt sich, dass er durchaus ein "starker" Mann ist. Während er in Gefangenschaft gerät, hilft er seiner Crew mit allen gewaltfreien Mitteln, der Gewalt der Kriminellen zu entkommen. Letztlich wird er aber überwältigt und kann nur noch von der Streitmacht der USA gerettet werden. Der kleine Held wird damit zur Nebenfigur, die gegenüber dem amerikanischen Staat in den Hintergrund tritt. Sie repräsentiert die ganze Moral des Films und steht selten so erhaben da in einem Hollywood-Film. Ihre Widersacher, die kriminellen Globalisierungsverlierer, wirken hingegen wie ohne jede Moral.

Die kriminellen Globalisierungsverlierer


Die somalischen Piraten bleiben während der zweistündigen Handlung merkwürdig anonym. Sie werden zwar mit Namen genannt und aus der Nähe gezeigt. Aber der Zuschauer wird mit ihnen nie wirklich warm. Man erfährt nicht allzu viel über ihre Motive oder ihren Hintergrund. Allerdings gibt es einige Schlüsselszenen, in denen sie dem Zuschauer näher gebracht werden. An einer Stelle unterhält sich Captain Phillips mit einem der Entführer. Er versucht gar nicht, die Piraten zu verstehen, sondern stellt bloß die eigene Position dar:

"Wir hatten Nahrungsmittel für hungernde Afrikaner dabei. Auch für Somalia."
Sein Entführer wehrt sich mit einer Dritte-Welt-Kritik an der Globalisierung:

"Ja sicher. Reiche Länder helfen gern Somalia. Große Schiffe kommen in unser Meer. Nehmen alle Fische mit. Was sollen wir noch fangen?"

Offenbar waren die Piraten früher somalische Fischer. Der Fischgrund vor Somalia wurde von der westlichen Großfischerei ausgebeutet, womit den Fischern der Lebensunterhalt genommen war. Was ihnen übrig geblieben ist, ist offenbar die Piraterie. Die ungerechte Globalisierung produziert also das Übel der kriminell gewordenen Globalisierungsverlierer. Das wird im Film ganz deutlich. Die Piraterie ist der verzweifelte Protest der Dritten Welt.

Aber diese bietet den Piraten offenbar auch keinen Ausweg aus ihrer elenden Lage. Denn obwohl sie wöchentlich ein Schiff kapern und teilweise Millionen Dollar ergattern, kriegen sie davon offenbar so gut wie nichts. Das Beutegut muss an irgendwelche Bosse weitergeleitet werden, die nur an zwei oder drei Stellen kurz erwähnt werden. Die Bosse werden gewiss reich, während die Piraten selbst arme Teufel bleiben, die sich ausgerechnet mit einer Supermacht anlegen müssen.

Captain Phillips schlägt den Piraten mehrfach vor, eine Beute von 30.000 Dollar ohne weitere Konsequenzen mitzunehmen. Für somalische Verhältnisse ist das ein gewaltiges Vermögen. Aber die Piraten lehnen das mehrfach ab mit Verweis auf die zu kleine Summe und die Anforderungen ihrer Bosse.

Der Konflikt der altersweisen Supermacht mit den missgünstigen Globalisierungsverlierern


Natürlich werden sie dafür, dass sie das großzügige Angebot unseres braven Kapitäns ausschlagen von einer noch großzügigeren und größeren Gewalt konfrontiert. Die See-Streitkräfte der USA sollen den Konflikt lösen. Und wie sie ihn lösen!

Ganz anders als man die US-amerikanische Gewalt in Konflikten mit Vietnam, Afghanistan, Irak, Iran, Yugoslawien, Libyen, Syrien usw. kennt, tritt sie in diesem Film auf. In den genannten Konflikten ballern die US-Streitmächte wie wildgewordene Cowboys auf alles, was sich bewegt und massakrieren damit stets Unmengen an Zivilisten. Noch dazu foltern und misshandeln sie die Gegner. Die USA sind historisch gesehen wohl der aggressivste, brutalste und unmoralischste Staat der Weltgeschichte. Sie heucheln ein großes Interesse an Freiheit und Demokratie vor, während sie diese zwei Ideen sogar im eigenen Land den Bordstein beißen lassen.

In "Captain Phillips" erscheint die wild gewordene Supermacht jedoch wie der altersweise Sheriff der globalisierten Welt. Den Piraten wird mit großer Geduld und sehr verständnisvoll eine friedliche Lösung nach der anderen angeboten. Die Offiziere und Soldaten der Supermacht wirken durchgehend wie disziplinierte Diener ihres Staates und der ganzen Welt. Sie sind Verkörperungen eines höheren Prinzips, einer höheren Moral, die sich ihrer völligen Überlegenheit völlig bewusst ist. Die schlecht bewaffneten und durchaus unmoralischen Piraten der Dritten Welt treffen hier auf eine haushoch überlegene Militärmacht, die mit allen Mitteln für globales Recht und Ordnung eintritt. Dass die Piraten dabei nicht allzu gut wegkommen, sollte den Zuschauer nicht wundern.

Das wird dann auch von Captain Phillips, dem Vertreter des braven US-Bürgertums, am Ende des Films moralisch gerechtfertigt. Denn obwohl die Motivation und die naive Hoffnung der Piraten auf einen Ausweg aus ihrem Elend erwähnt werden, sind sie im Film letztlich doch nur Kriminelle, die es dem Rest der Welt nicht gönnen, von der Globalisierung profitiert zu haben. Gegen die zu Verbrechern gewordenen Fischer ruft der Captain protestierend aus: "Ihr seid keine einfachen Fischer!" Deren Schicksal ist damit besiegelt. Die weise Supermacht USA siegt daher natürlich. Sie setzt in der Handlung durch, was als Moral des Films und des US-Bürgertums gelten darf: "Man muss stark sein".