Freitag, 2. Mai 2014

Juice Rap News: Israel vs. Palestine (ft. Kerry, Bibi & Norman Finkelstein)


Sehr kreative, informative und amüsante Darstellung des Nahost-Konflikts in Form von Rap.

Хлеб Ников

"Ник та мэр" - матерятся французские Ники.
Никита Хрущёв и мать его только знали
как настоящего горняка лица выглядели,
так и познакомились с русскими Никами.

Но, позабыл ли первый секретарь ЦКа
настоящих горнорабочих и отца-шахтёра?
Настойчивый сын своего отца и Сталина
ни как не забудет отечественного рода!

Ну как-нибудь забыл хлеб Ников французских.
Неужели сын своего отца и Сталина, обоих,
неуживчивым стал, и врагом горнорабочих?
Ников боится международных, противных.



Санёк, второе Мая 2014 года.



Dienstag, 29. April 2014

Ja, die Deutschen...

...sind schon ein eigenartiges Völkchen. Nicht Alles, aber Vieles läuft bei den Deutschen ein wenig anders als bei anderen Völkern.

*Zynismus an*

Z.B. ist schon das Wörtchen "Volk" in Deutschland teils von gänzlich anderer Bedeutung als bei jedem anderen beliebigen Volk. Wenn ein Deutscher "Volk" sagt, dann muss er sich einige Sekunden später zunächst einmal verängstigt umsehen, ob ihn nicht jemand scheel anstarrt. Denn während die Franzosen trotz vieler Enthauptungen bei ihrem Volk stets erhobenen Hauptes vom "peuple", die Russen mit ihrem Weltrekord an Nazi-Schlägern vom "narod" (народ), die Chinesen vom "renmin" (人民) und sämtliche englischsprachigen Menschen vom "people" und den "peoples" schwadronieren können, können, dürfen und sollen die Deutschen ganz besonders aufpassen, wenn sie an "Volk" und "Völker" auch nur denken! Denn das deutsche Volk ist ja gemäß einer sehr deutschen Erzählung das "Täter-Volk". Das "Täter-Volk" ist ein Volk, dass sich immer mal wieder von anderen Völkern so bedrängt fühlt, dass es ab und an Weltkriege beginnt, Zivilisten und Soldaten industriell ermordet und die Schuld dann auf die Russen schiebt. Denn: "Der Russe steht vor der Tür." 

Auch wenn "der Russe" höflich anklopft, so fühlt sich das deutsche Volk stets bedrängt und eingeengt. Irgendwie hat der russische народ es geschafft, ein ungeheuer weites Gebiet zu erobern und sich mehr "Lebensraum" zu sichern als für ein Volk nötig. Das deutsche Volk hingegen, das scheint immer mal wieder neidisch zu werden, neidisch nicht nur auf das russische Volk mit seinem "Lebensraum", sondern auch auf das britische Volk mit seinen großen Inseln, auf das französische Volk mit seinem Recht darauf, gesittet und ohne Angst vor Ertappung vom "peuple" zu parlieren, und schließlich auf alle Englisch sprechenden Menschen des Planeten, die problemlos über "people" und "peoples" diskutieren dürfen. Ja, der Völkerneid scheint ein besonderes Merkmal des deutschen Volkes zu sein. Andere Völker dürfen recht starke und gefährliche Nazis und ihre legalen Parteien aufweisen.


Das deutsche Volk dagegen kann es sich noch nicht leisten, wieder allzu ausufernden Nazi-Terror zu dulden. Immerhin durfte es mit dem NSU-Terror seinen Ausgleich für den RAF-Terror der 70er und 80er haben. Und der Staat des deutschen Volkes durfte auch schon artig zusehen, wie sich das Nazi-Netzwerk ausgebreitet hat. Auch durfte man die Schuld auf die Opfer schieben. Das gefällt einem "Täter-Volk" recht gut, die Schuld auf die Opfer zu schieben. Aber so richtig loslegen darf das deutsche Volk noch immer nicht. Die Franzosen, die Italiener, die Ungarn, die Griechen, die Russen und selbst die West-Ukrainer dürfen ordentliche Kameradschaften aufbauen, in denen man das "Täter-Volk" verherrlichen darf und für die das Verletzen wehrloser Menschen eine Tugend ist. Aber für das deutsche Volk ist es nie zu spät, denn schon immer war es etwas verspätet.

http://rsv.daten-web.de/
Die Verspätung ist eine weitere Tugend des deutschen Volkes. Verspätet wurde die deutsche Nation unter Bismarck mit dem Schwerte und der Kanone geschaffen. Wie üblich mussten einige Franzosen, Österreicher, Dänen und allgemein einige Zivilisten sterben. Aber für die Nationengründung des deutschen Volkes musste das ja wohl erlaubt gewesen sein. Aber auch mit dem Imperialismus und der Ausbeutung ferner Kolonien war das deutsche Volk spät dran. Also baute man eine starke Flotte auf, drohte den Chinesen mit einer rassistischen "Hunnen-Rede" und arbeitete fleißig auf den absehbaren Weltkrieg zu. Ach, natürlich musste man nebenbei über die Juden, die Russen und die Völker anderer Staaten herziehen. Aber auch mit den "Revolutionen von unten" war das deutsche Volk spät dran, weshalb dann die erste ordentliche Arbeiterrevolution in Deutschland umso kräftiger an den morschen Verhältnissen rütteln durfte. Arbeiter, Matrosen, Soldaten und Berufsrevolutionäre ohne Vaterland beendeten den Ersten Weltkrieg 1918 wieder, setzten den Kaiser des deutschen Volkes ab, der ja bekanntlich keine Parteien und nur noch das deutsche Volk kannte und bauten das demokratischste Staatswesen der deutschen Geschichte auf, die sozialistische Republik.


http://rsv.daten-web.de/

Aber da das deutsche Volk verspätet mit der Demokratie in Berührung kam, war sogar die "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" (SPD) nicht sonderlich demokratisch gesinnt und verriet daher die demokratischste Bewegung der deutschen Geschichte, um eine jämmerliche Weimarer Republik zu errichten. Dafür musste die "SPD" zunächst die alten Genossen und Genossinnen loswerden, die im Spartakusbund, der USPD bzw. in der Kommunistischen Partei Deutschlands organisiert waren. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden daher auf Order von "Sozialdemokraten" mit Hilfe von faschistischen Freikorps ermordet. So verfährt nunmal ein "Täter-Volk" mit seinen Juden und Kommunisten. Was will man da machen außer die Obrigkeiten stürzen? Genau das versuchten die Kommunisten daher immer mal wieder, aber das deutsche Volk war noch nicht reif für Frieden und internationale Solidarität. Immerhin wurde es ja durch den Versailler Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg von den Siegervölkern geknechtet. Ein "Täter-Volk" ist aber ungerne Knecht und knechtet lieber andere Völker. Also kam der "Führer" des deutschen Volkes an die Macht, um sie alle zu knechten. 

Die Reichs...eh, Bundeskanzlerin
verführt das deutsche Volk
Da wären wir wieder beim Hobby des "Täter-Volkes", sich umzingelt zu fühlen, Weltkriege anzufangen, industriellen Massenmord zu begehen und die Schuld den Russen zuzuschieben. "Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt abwird Bombe mit Bombe vergolten! Wer mit Gift kämpft, wird mit Giftgas bekämpft!" Zurückgeschossen, genau, was sonst? Die Russen, meinetwegen auch die Slawen allgemein, sind immer Schuld. Die Russen sind Schuld, weil sie so viel "Lebensraum" haben und das deutsche Volk nicht. Welche Ungerechtigkeit! Pfui! Daher ruft ein deutsches Volk unter einem kaltschnauzigen Kanzler oder einer kaltschnauzigen Kanzlerin nunmal zum Krieg mit "dem Russen". 

"Der Russe" hat angefangen! "Der Russe" hat eine slawische Stirn! "Der Russe" ist so böse und diktatorisch, dass man ihm unter einer deutschen Diktatur Böses antun muss! "Der Russe" will es doch auch, den Krieg und die Unterwerfung! Egal. "Der Russe" ist an allem Schuld!

Das deutsche Volk?
Das sind keine Witzchen unter zwei guten Freunden, wie unter Gerhard Schröder und Wladimir Putin etwa, sondern blutiger Ernst. Wenn das deutsche Volk nach seiner Verspätung auch mal am Ort des Geschehens angekommen ist, dann knallt es aber richtig! Entsprechend legen diverse Journalien dieser Tage nahe, "der Russe" vor der Tür hätte mal wieder Lust, mit dem deutschen Volk Krieg zu spielen. Das Weltkrieg-Beginnen ist ja das große Hobby eines "Täter-Volkes". Entsprechend wünscht es sich den Krieg herbei und weint wie ein des Friedens überdrüssiges Volk, um seinen Krieg zu bekommen. "KriegkriegkriegkriegKrieg!" ist der Wunschtraum eines "Täter-Volkes". Die Bundeskanzlerin tritt entsprechend hinter das Volk zurück, um zu schauen, wann es dem Volk den großen Krieg schenken kann. Die kleinen Kriege in Afghanistan und Somalia reichen ja nicht. Zu wenig "Lebensraum" da. Aber die sibirische Steppe! Das wär doch mal was! Mit einem neuen Weltkrieg könnte man auch wieder Zivilisten ebenso wie Soldaten opfern. Diesmal eignet sich "der Jude" nicht so sehr als Zielscheibe. Dafür gibt es ja "den Hartzer", "den Extremisten" oder "den Islamisten". Und die Schuld kann das deutsche Volk ja auf "den Russen vor der Tür" schieben. Dann kann das deutsche Volk auch wieder erhobenen Hauptes vom "Volk" schwadronieren und seine eigenen mächtigen Kameradschaften aufbauen.

Ja, die Deutschen sind schon ein eigenartiges Völkchen. Nicht Alles, aber Vieles läuft bei den Deutschen ein wenig anders als bei anderen Völkern.

Die Patrioten von KIZ



*Zynismus aus*





Montag, 28. April 2014

Zwischen Dostojewskij und 2Pac

Zwischen Dostojewskij und 2Pac liegen Welten. Und dennoch ist der Abstand zwischen diesen beiden Menschen viel geringer als es scheint.

  • Dostojewskij war Schriftsteller, 2Pac war Rapper.
  • Dostojewskij war ein Mensch des 19. Jahrhunderts, 2Pac einer des 20. Jahrhunderts.
  • Dostojewskij war weißer Russe, 2Pac war schwarzer Amerikaner.
  • Dostojewskij war entschieden orthodoxer Christ und russischer Nationalist, 2Pac war mehr oder weniger Atheist und kam aus der Szene der Black Panthers.
  • Dostojewskij war adliger Abstammung und verarmte im Laufe der Zeit, 2Pac kam aus dem Ghetto und stieg als Parvenu zu Ruhm und Reichtum auf.

Die Gegensätze scheinen unüberbrückbar zu sein. Das stimmt aber nicht. Die Welten, die diese zwei Persönlichkeiten von einander trennen, können nicht verschleiern, dass es bedeutsame Gemeinsamkeiten zwischen ihnen gibt. Dostojewskij und 2Pac einen viele Gemeinsamkeiten:

  • Dostojewskij und 2Pac machten erstaunliche Wandlungen durch. 
  • Beide waren zutiefst entwurzelte Menschen, die letztlich trotz aller Hindernisse Wurzeln schlagen konnten.
  • Beide saßen im Gefängnis und hatten ein feines Gespür für die Nöten und Leiden der unteren Schichten. 
  • Beide hassten ganz besonders die Ungerechtigkeiten in ihrem Land.
  • Beide verpackten ihre Messages in ihrer Sprachkunst.
  • Beide befragten ihre Klientel auf ihren Glauben und Glaubwürdigkeit 
  • Beide forderten die Menschenwürde für alle Menschen.

Vielleicht mag das an der Nase herbeigezogen klingen. Aber es gab zu allen Zeiten und überall auf der Welt Menschen, die sich gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt empörten und zum Sprachrohr der Armen, Elenden, Verdächtigten und Verachteten machten. Dostojewskij und 2Pac gehören zu den Ikonen dieser ausgeschlossenen Menschen. Denn sie konnten auf ihre Art mit den Unterdrückten dieser Welt mitleiden und mitfühlen. Und sie konnten dies Mitgefühl in Worte fassen, die auf ewig unsterblich sind. 

Aber wozu braucht es solch einer Analogie zwischen einem Romanautor und einem Rapper? Ganz einfach. Auch die größten Unterschiede können Menschen einen, wenn sie Menschlichkeit in Ehren halten. Staatsbürgerliche, ethnische, religiöse, sprachliche und politische Grenzen können angesichts eines echten Humanismus verblassen. Sofern nicht das Trennende betont wird, sondern das Einende, kann menschliche Einheit hergestellt werden. Das gilt auch für Klassengesellschaften, die ja immer von Klassengegensätzen durchzogen sind. Der Kapitalismus wird immer die Gesellschaft bleiben, in der das Kapital die Arbeit ausbeutet und unterdrückt. Aber über den Klassenkampf hinweg kann eine Form der Solidarität hergestellt werden, die auch den berechtigten Klassenhass überwindet. Es wäre naiv zu glauben, dass politische und ökonomische Grenzen unerheblich sind. Keineswegs. Die sind von größter Bedeutung und müssen es auch sein. Links ist nicht gleich rechts. Und Gleichgültigkeit ist nicht Leidenschaft. Nazis, Faschisten, Ultrarechte, Rassisten und Chauvinisten sind natürlich Feinde der menschlichen Einheit. Da kann es keine Diskussion drüber geben. Und Linke müssen selbstverständlich die Einheit der Arbeiterklasse anstreben und die erklärten Feinde von Sozialismus und Demokratie kritisieren, und - wenn nötig -bekämpfen. Dennoch muss es Ziel aller Menschen sein, die Einheit des Menschengeschlechts zu erreichen. Erst wenn die Menschheit von Menschlichkeit erfüllt ist, können wir davon sprechen, eine menschliche Gesellschaft erreicht zu haben. Bis dahin ist das, was wir Gesellschaft nennen, nur ein barbarisches und brutales Chaos, ein Kampf aller gegen alle, ein allgemeiner Kriegszustand zwischen den Einzelnen. 

Dostojewskij und 2Pac sahen das nicht anders. Aber was bringt uns diese Feststellung? Die Klassenkämpfe und Kriege wüten weiter. Die Kapitalisten bekämpfen weiterhin die Armen. Die Linken bekämpfen weiterhin das Kapital. Die Rassisten und Faschisten hetzen weiter. Die Sozialisten und Demokraten kritisieren weiterhin das System. Es gibt also überall Spaltungen und Spaltungstendenzen. Und die sind notwendig und unausweichlich. Also was bringt die Feststellung, dass Dostojewskij und 2Pac liebe Menschen waren, Friede, Freude und Schnaps forderten? 

Wir befinden uns heute, im Jahr 2014, in einer höchst gefährlichen Phase, in einer für die gesamte Menschheit höchst gefährlichen Phase, in einer Phase, die an die Zeit vor den großen Kriegen im 20. Jahrhundert erinnert. Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, dessen Ausmaße kaum ein Mensch erwartet hatte. Die Krieg führenden Parteien, ob Deutsche oder Franzosen, erwarteten einen schnellen Krieg. Statt dessen kam es zu vier Jahren der brutalsten Materialschlacht, in der die jungen Menschen wie Schießpulver verschossen wurden, in der sie zum reinsten Kanonenfutter wurden, in der sie wie Schlachtvieh reihenweise abgeschlachtet wurden. 2015, nächstes Jahr, jähren sich viele weitere Jubileen: Das Ende des Zweiten Weltkrieges, der Abwurf der ersten Atombombe auf einen Feind und die Aufdeckung der beispiellosen Verbrechen der Nazis an der europäischen Bevölkerung. Wir dürfen nie vergessen, was in den großen Kriegen angerichtet wurde. Ken Jebsen hat völlig Recht, wenn er Mark Twain darin zitiert, dass Krieg furchtbar einfach ist: Alte Männer, die sich persönlich kennen, schicken junge Männer (und Frauen) gegen ihre eigenen Interessen in den Kampf auf Leben und Tod gegen andere junge Frauen und Männer, um die Interessen von alten Männern (und Frauen) zu bedienen. Das ist Krieg. 

Heute, 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges, droht erneut ein Krieg in Europa. Auch diesmal drohen die alten Männer (und Frauen) in Deutschland den alten Männern (und Frauen) in Russland. Auch diesmal drohen die Herrschaften in Russland zurück. Was droht, wenn zwei Seiten sich gegenseitig bedrohen? Es droht eine Eskalation! Wie im Ersten und Zweiten Weltkrieg sind die Folgen solch eines neuen Krieges in Europa nicht abzusehen. Naja, Albert Einstein, der geniale Denker und Sozialist, meinte zwar ganz klar: 

"Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen."

Aber was hat schon ein Sozialist und ein Genie noch dazu überhaupt zu melden? Die alten Idioten an den Schalthebeln der Macht bestimmen die Politik und nicht irgendwelche Ikonen der Weisheit oder Menschen mit Herz und Verstand. Nein, gewissenlose Menschen beherrschen uns heute, Menschen mit sehr beschränktem Horizont und sehr flexibler Moral. Es sind die Heuchler, die Lügner, die Mörder und Verbrecher, die uns beherrschen. Die Guten werden diffamiert, ausgegrenzt, inhaftiert und sogar ermordet. Es ist ja schon fast wie in einem Politthriller, wie in Staatsfeind Nr. 1, in Shooter oder Inside WikiLeaks. Aber diese Filme spiegeln einen guten Teil der Realität wieder. Man braucht nicht einmal eine Verschwörungstheorie. Jeder, der sich mit der hohen Politik näher beschäftigt hat, weiß, dass dort kaum hehre Ziele, sondern eher niedrige Instinkte antreiben. Wir werden von hungrigen und blutdurstigen Bestien beherrscht. Zugegeben: Sie tragen Anzüge oder Abendkleider. Sie können manchmal sogar nett lächeln (außer Merkel vielleicht). Manche wie Berlusconi können sogar tanzen (Obama ausgenommen) und andere können ebenso hart austeilen wie einstecken (wie Putin). Aber das macht diese Herrschaften nicht zu zivilisierten Menschen. Die Herrschenden sind Barbaren, die uns für unsere Empörung gegen sie Barbarei vorwerfen. Sie bringen die typischen Argumente aller herrschenden Klassen an: Der Mensch sei nunmal niedrig, böse und barbarisch. Daher brauche er eben eine Regierung, die seine schlechte Natur zügele und so weiter und so fort.


Dostojewskij und 2Pac betonen dagegen die Wandlungsfähigkeit der Menschen. Dinge können sich ändern! Dostojewskij forderte den "neuen Menschen", der in christlicher Nächstenliebe und Gottgefälligkeit alle Unterschiede der Herkunft und des Standes vergessen sollte. 2Pac betonte die Verwandlung des Menschen mit seinen Umstanden. Nicht umsonst heißt eins seiner besten Lieder "Changes" (zu Deutsch: Verwandlungen). 2Pac fragte in seinem Song "Who do u believe in?" auch nach dem Glauben und der Einheit der Menschen:

Who do you believe in?Is it Buddah, Jehovah, or Jah? Or Allah?Is it Jesus? Is it God? Or is just yourself?Definately not to be imposed, being a demonBecause this is the joy of believing!Men, to believe in yourselvesBut for sure, the higher powerResides only to ride in the heart of the trueFrom the soul, of the man; for truth never has an alibiIn the poetry, or in it's realmThat's what pulls all words togetherJust to understand, that every man, is his OWN manAnd only man can satisfy the manOnly the soul of the man, the feelings of the manThe for realness of the manYou can't shake the man when you feel the man you know the manAnd you gotta call yourself because you are that man

Wenn heute also wieder ein großer Konflikt der Nationen ansteht, der in einen großen Krieg ausufern könnte, dann sollte man vielleicht ausnahmsweise Mal nicht den Lügenmärchen der herrschenden Barbaren glauben. Vielleicht sollte man auf Einstein hören oder auf den eigenen Überlebensinstinkt. Denn die Herrschenden werden gewiss nicht selbst in den Krieg ziehen. Verbalradikal vielleicht, ja, klar. Da bekriegen sie sich in aller Konsequenz. Aber die Konsequenzen ihres Verbalradikalismus "kriegen" dann wir zu spüren. Die Herren und Damen "da oben" werden sich vielleicht sogar auf irgendwelchen entfernten Inseln in Freundschaft zum Bacardi-Cola oder zum Puschkin-Wodka treffen. Das war schon mit dem russischen Zaren und dem deutschen Kaiser so ähnlich, nur dass sie keine Cola tranken. Es war auch zwischen dem britischen Premier Churchill und Stalin nicht anders. Es war schon immer so, dass die Differenzen der Herrschenden untereinander beim Essen und Puschkin-Wodka am Abend verschwunden waren. Allerdings würden sie heute damit den Namen Puschkins in den Schmutz ziehen. 
Dostojewskij hielt 1880, auf dem Höhepunkt seines schriftstellerischen Schaffens, eine brillante Rede zu Ehren Puschkins und über die unversellen Ideale der Menschlichkeit. Er sagte:

"Einem echten Russen [ist] Europa ... ebenso teuer wie Rußland selbst, weil unser Schicksal eben Universalität ist, und nicht die mit dem Schwert erworbene, sondern die Kraft der Brüderlichkeit und unseres brüderlichen Strebens zur Wiedervereinigung der Menschen... Und späterhin werden wir, d.h. natürlich nicht wir, sondern die künftigen russischen Menschen, alle bis zum letzten begreifen, daß ein wahrer Russe werden eben dies heißt: danach streben, endgültig Versöhnung in die europäischen Widersprüche zu bringen, der europäischen Sehnsucht den Ausweg zu zeigen in der russischen Seele, der allmenschlichen und allvereinenden, in sie mit brüderlicher Liebe alle unsere Brüder aufzunehmen und letzten Endes, vielleicht, auch das endgültige Wort der großen allgemeinen Harmonie auszusprechen, der brüderlichen endgültigen Harmonie nach dem Gesetz des Evangeliums [der Nächstenliebe] Christi!"

Man muss kein Russe oder Christ sein, um nachzuempfinden, was Dostojewskij meinte. Man muss einfach ein wenig Verstand und Herz mitbringen. Die Rede von Dostojewskij hat sogar seinen persönlichen Feind, den Schriftsteller Turgenjew, dazu gebracht, Dostojewskij in Freundschaft zu küssen. Dostojewskijs Frau überlebte ihn übrigens um 38 Jahre. Ist es nicht ein komischer Zufall, dass sie kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, 1918, auf der Krim-Halbinsel starb, auf der nun der heutige Konflikt zwischen Deutschland und Russland eskaliert?

Im Grunde ist das, was Dostojewskij, 2Pac, Einstein und die anderen großen Geister aller Zeiten forderten, das eine große Ziel des Menschen: Die Einheit der Menschheit unter menschenwürdigen Bedingungen! 

Donnerstag, 24. April 2014

Zerrissen zwischen Yin und Yang - eine Filmkritik zu "Man of Tai Chi"

Man of Tai Chi (2014) ist endlich wieder ein innovativer Kampfkunst-Film mit bemerkenswerter Handlung und Besetzung.

Die Handlung


Die Handlung von Man of Tai Chi ist typisch für asiatische Kampfkunstfilme: der begabte, aber ungestüme Kampfkunst-Schüler hat einen weisen Meister, der dem Jüngling noch viel über das Leben und alles Gute beibringen muss. Der Bösewicht ist natürlich selbst ein Kampfkunst-Meister, der aber seine Kampfkunst für niedere Zwecke missbraucht. Das Gute und das Böse treffen im körperlichen und im mentalen Kampf auf einander und das Gute gewinnt. So weit so gut.

Tai Chi im Sog der modernen Gesellschaft


Aber Man of Tai Chi geht unendlich viel weiter über dieses typische Schema hinaus. Es bietet eine tiefere Einführung in die chinesische Philosophie ebenso wie in die modernsten Techniken des heutigen Action-Films. Es gibt eine höchst bemerkenswerte Moral von der Geschichte und eine ebenso erstaunliche filmische Umsetzung dieser Moral. 

Der talentierte Tiger Chen (Tiger Hu Chen) trainiert bei einem weisen Meister (Hai Yu) des Tai Chi. Abgesehen von seinen traditionellen Atemübungen zur Stärkung von Körper und Geist erprobt Tiger Chen sein Können auch in Kampfsport-Wettkämpfen. Auf diese Weise kommt er auch in Kontakt zum Bösewicht Donaka Mark (Keanu Reeves). Mark ist nicht nur ein extrem guter Kämpfer, sondern auch ein extrem böser Unternehmer. Als Kapitalist richtet er illegale Wettkämpfe aus, um durch die Schaulust der Konsumenten an brutalen Kämpfen möglichst viel Geld zu verdienen. Tiger Chen wird kurzerhand zum "Bewerbungsgespräch" beim Bösewicht eingeladen. Die finanziellen Probleme des Klosters, in dem er trainiert, sind der finale Anreiz für Tiger Chen, um sich auf die Kämpfe einzulassen. Denn wie in allen guten Filmen vermischen sich gute Motive mit schlechten Motiven. Tiger Chen will einerseits das Kloster seines Meisters mit den Kampfgewinnen retten. Andererseits will der ehrgeizige Kämpfer auch beweisen, dass sein Tai Chi mehr als Show ist.

Entsprechend begrüßt ihn ein Gegner mit den Worten: "Tai Chi ist nichts als Show". Tiger Chen beweist jedoch immer wieder, dass sein Tai Chi allen möglichen Kampfsportarten weit überlegen ist. Ob Judo, Ringen, Mixed Martial Arts oder hartes Kungfu - Tiger Chens Tai Chi erscheint immer überlegen. Was Tiger Chen nicht ahnt ist, dass die illegalen Kämpfe live übertragen werden, um auf ihm einen Star zu machen. "Und jetzt, Tiger, bist du ein Star!" sagt man ihm. "Ist es nicht das, wofür du gekämpft hast?", fragt ihn der Böse. 

Tiger Chens Erfolg führt ihn jedoch, wie in fast allen Filmen besseren Kampfkunstfilmen, auf den falschen Weg. Sein großes Talent wird so zum Mittel übler Tendenzen. Denn es wird deutlich, dass ihm der Erfolg zu Kopf steigt und er übermütig und überheblich wird. Er lässt sich immer mehr auf die zwielichtigen Machenschaften seines Kontrahenten Mark ein und wird dadurch zum Komplizen des Bösen. Gekämpft wird nun nicht mehr für die Rettung eines Klosters, sondern für Ruhm und Ehre. Tiger bleibt zwar gegenüber seinen ultrareichen "Fans" skeptisch, aber zugleich genießt er die Aufmerksamkeit der High Society.

Tiger gerät also in den Sog der modernen Gesellschaft. Der Kapitalismus verschlingt auch die größten Talente, um daraus letztlich Profit zu schlagen. Tiger und seine Fähigkeiten werden zur bloßen Ware degradiert, um zahlungskräftigen Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. 

Die Deformierung von Tigers Persönlichkeit durch die Verführung "von oben" geht so weit, dass er seine Wurzeln vergisst. Der Schüler wendet sich, wie in so vielen Kampfkunstfilmen, gegen den Meister. Es kommt zum Kampf zwischen Altersweisheit und jugendlicher Explosivkraft. Tiger ist sogar versucht, seine Kontrahenten zu töten. Der gewissenlose Bösewicht Mark fragt ihn daher: "Hast du Angst davor, was du ihnen antun könntest? Das musst du nicht." Profit geht im Kapitalismus eben über Moral.

Natürlich wird Tiger Chen nicht einfach zum Bösewicht. Seine Begabung verhindert ein völliges Abdriften in die tiefsten Tiefen der menschlichen Moral. Es kommt, wie es kommen musste: die böse Seite des Schülers kämpft mit der guten Seite, indem es zum Kampf mit dem guten Meister und mit dem bösen Meister kommt. Genug gespoilert. Welche Moral steckt weiterhin im Film?

Extremitäten, Extreme und Exzentrik


Tai Chi bzw. Taiji (太极) bedeutet wörtlich übersetzt ungefähr "die höchsten Extreme", "die größten Gegensätze" oder "allerhöchste Polarität". Taijiquan (太极拳), die chinesische Kampfkunst, ist in der chinesischen Philosophie der Gegensätze im Grunde das körperliche und geistige Mittel des Menschen, um Harmonie zu erreichen. Harmonie wird durch das angemessene Verhältnis von körperlichen und geistigen Kräften erreicht. Die körperlichen Extreme, vor allem die "Extremitäten", d.h. die Gliedmaßen des Menschen, sind in diesem Sinne ebenso ein Teil der Harmonie wie die geistigen Extreme. Die geistigen Extreme, die Gefühle, Motive, Gedanken und unbewussten Prozesse im Körper sind der andere Teil der Harmonie. Taijiquan soll diese zwei sehr unterschiedlichen Seiten in Form von Meditation, Atemübung, Betätigung der Gliedmaßen und geistige Prozesse zusammenbringen. Die Harmonisierung der verschiedensten Kräfte ist das Ziel.

Im Film Man of Tai Chi geht es genau um das Thema der Harmonisierung der verschiedensten Kräfte, die im Gegensatz zu einander zu stehen scheinen. Körper und Geist, Gefühle und Intellekt, Ruhe und Bewegung, Moral und Interesse, Yin und Yang etc. sollen mit einander in Einklang gebracht werden - das lehrt der Meister von Tiger. Aber Tiger ist selbst noch kein Meister. Also begreift er diese tiefere Wahrheit des Tai Chi nicht und verstößt gegen die chinesische Philosophie.

Tiger lässt sich auf die westliche Ideologie, auf das Recht des Stärkeren, auf das Faustrecht und auf den Kapitalismus ein. Nicht die östliche Weisheit, sondern die westliche Arroganz treibt ihn an. Der Gegensatz von West und Ost spiegelt so auch den Gegensatz von jung und alt, von gut und böse wieder. Das Gute ist aus dieser Perspektive heraus aber nicht die Schwarz-Weiß-Sicht, die von den Predigern der "Achse des Guten" oder der "Achse des Bösen" gefeiert wird. Das Gute ist vielmehr die angemessene Behandlung der Gegensätze.

Die westliche Philosophie und Ideologie ist zum großen Teil analytisch, auf die Einzelheit, auf das Besondere und das Ego bezogen. Sie durchdringt die höchsten Ideen des Westens ebenso wie die Alltagsphilosophie der Menschen im Westen. Sie konzentriert sich auf Symptome, auf einzelne Krisenherde und Erscheinungen. Sie ist im Kern extremistisch und exzentrisch. Für alle Probleme der Welt scheint sie spezielle Wundermittel zu haben - ob für Krankheiten, Unglück oder gesellschaftliche Probleme.

Die östliche, namentlich die chinesische Philosophie ist im Gegensatz dazu tendenziell holistisch, auf die Gesamtheit, auf das Gemeinsame und gegen das Ego gerichtet. Sie durchdringt die höchsten Ideen des Ostens noch immer, während der Alltag der Menschen im Osten sich immer mehr dem des Westens annähert. Die chinesische Philosophie betont dennoch die Ursachen, die Zusammenhänge und Mechanismen von Mängeln, Krankheiten, Krisen und Erscheinungen.

Dieser Gegensatz von östlicher und westlicher Philosophie wird in wenigen Filmen so brillant dargestellt wie in Man of Tai Chi. Denn der Sog der modernen, kapitalistischen Konsumgesellschaft korrumpiert nicht nur in der Realität immer mehr das Denken in Zusammenhängen und die internationale Solidarität, sondern der Sog des Kapitalismus zerstört auch den Charakter, die Persönlichkeit und die Integrität des Einzelnen. Tiger Chen im Film Man of Tai Chi ist die individuelle Verkörperung dieses Verfallsprozesses, in dem der Kapitalismus auch den letzten Rest von Kultur seinem Gebot unterwirft.

Das Gebot der Stunde, das höchste Gebot des Kapitalismus ist der Kampf "jeder gegen jeden", der allgemeine Konkurrenzkampf, die kapitalistische Konkurrenz, die Akkumulation um der Akkumulation willen. Das Gebot des Taiji ist die Harmonie der Menschen untereinander, die allgemeine Liebe zu Mensch und Natur, die harmonische Gesellschaft, die "große Einheit" (大同).

"Die große Einheit" ist eine immer wiederkehrende Idee in der chinesischen Philosophie. So idealistisch und irrig sie sein mag, so viel besser ist sie im Vergleich zur katastrophalen neoliberalen Ideologie, die die gesamte Menschheit bedroht. Der Neoliberalismus ist unter Führung der westlichen, vor allem US-amerikanischen Hegemonie, zur mächtigsten und gefährlichsten Ideologie der Geschichte geworden. Der rücksichtslose Kampf der Nationen und Gesellschaften ist im Neoliberalismus zum Dogma erstarrt und verhindert nicht nur den Weltfrieden, sondern zerstört die Grundlage aller Harmonie auf dem Planeten. Insofern spiegelt der Film Man of Tai Chi viel mehr wieder als bloß den klischeehaften Kampf von Gut und Böse oder von West und Ost. Der epische Kampf des aufstrebenden chinesischen Tai Chi-Schülers gegen das niederträchtige amerikanische Kapitalistenschwein symbolisiert den Aufstieg Chinas im Verlauf des Abstiegs der USA im globalen Maßstab.

Allerdings sollte man den Westen auch nicht völlig einseitig schlecht reden. Die besten Ideen über die Einheit der Gegensätze kommen immerhin von Deutschen. Hegel, die Hegelianer, Marx und die Marxisten brachten "die Lehre von der Einheit der Gegensätze" auf das höchste Niveau. Auch die Einheit von Theorie und Praxis, von Körper und Geist und von Absicht und Tat wurden in dieser Tradition des Denken, im dialektischen Denken, aufs höchste Level gebracht. Hegel sagte nicht umsonst ganz im Sinne der Moral von Man of Tai Chi: Die Wahrheit einer Absicht ist die Tat.

Fazit


Man of Tai Chi vereint die typische trashige Story vom übermütigen Helden im Kampf mit dem weisen Meister und dem abgrundtief bösen Antihelden mit einer bemerkenswerten Moral und großartiger filmischer Umsetzung in Bild und Akkustik. Der Film ist also sehenswert und wird im Laufe der Jahre zweifellos immer wertvoller werden. Chinas globale Bedeutung steigt ebenso an wie die Aktualität der östlichen Philosophie in einer multipolaren Welt voller Konflikte.