Wer oft mit der DB fährt - oder auch nicht fährt - *hö hö hö*, muss oft Erfahrungen mit den Unzulänglichkeiten des deutschen Bahnsystems machen. Es ist wie mit dem Kapitalismus allgemein: der hat auch immer wieder versprochen, was er nie einhält. Während der Kapitalismus aber abgeschafft gehört, gehört die DB massiv ausgebaut, völlig verstaatlicht, umfassend restrukturiert und demokratisch verwaltet. Bis dahin können sich die Mitfahrerinnen und Nicht-Mitfahrerinnen genau wie ich über dieses unzuverlässige DingsBums ärgern, was den Namen Bahn kaum verdient.
Wer kennt diese Situationen nicht?
Man will am Freitag um 18 Uhr nach der Arbeit oder nach dem letzten Kurs von Stadt A nach Stadt B fahren, um zum Vorglühen mit den Freunden rechtzeitig zu kommen, aber die DB hat eine Verspätung von zwei Stunden, sodass alle Freunde bereits ohne einen losgezogen sind?
Frau will am späten Sonntag Abend von Stadt B nach Stadt A zurückkommen. In Stadt B gibt es zwar Muttis Lob und Vatis Kirschtorte, aber am Montag muss Frau ja um 8 Uhr morgens in Stadt A malochen. Das 120 € teure ICE-Ticket kostet aber nicht nur einen Haufen Geld (= Arbeit), sondern ist auch völlig wertlos, weil der ICE außerplanmäßig in Stadt C verendet. Frau muss sich also in Stadt C für weitere 30 € ein Hostel für 5 Stunden buchen, um früh morgens doch noch lebendig in Stadt A anzukommen.
Charlie-Ston, der Pitbull, fährt gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber sein Herrchen ist leider schwarzhaariger Migrant. Ausgerechnet das Herrchen wird von der DB-Security als einziger im ganzen Zug herausgefischt, um einer Ausweiskontrolle zu erliegen, die völlig unbegründet ist.
Der Skinhead in der nächsten Sitzreihe mit der tattoowierten 88 auf der Glatze wird natürlich ignoriert oder nett angelächelt.
Charlie-Ston wird für seinen antirassistischen Protest gegen diese Ungerechtigkeit in Form eines empörten Bellens böse angestarrt.
Eine völlig überfüllte Bahn. Die zweite Klasse ist dermaßen stickig, dass das Wasser von der Decke tropft. Die erste Klasse wird nicht für die Gäste zweiter Klasse geöffnet. Sind halt Gäste zweiter Klasse. Mann schwitzt übertrieben und fühlt sich wie im Dschungel. Frau entblößt sich wie am Sandstrand im Sommer.
Es ist Sommer. Die Klimaanlage funktioniert natürlich nicht. Die Angestellten der DB müssen Eis oder Wasser umsonst anbieten, damit es nicht zur Revolution in der Bahn kommt. Die Erfahrung der französischen Revolution, als die Angestellten und Kleinbürger zusammen mit den Arbeitern und Bauern die Könige kalt gestellt haben, soll sich ja nicht wiederholen.
Es ist Winter. Die Heizung funktioniert natürlich nicht. Die Angestellten der DB bieten Kaffee an oder empfehlen, die Jacke wieder anzuziehen. Aus den Russlandfeldzügen hat die DB ja gelernt, dass Wärme wichtig ist für die Moral des Kanonenfutters.
Es ist irgendeine Jahreszeit. Die DB zeigt eine Verspätung von 30 Minuten auf fünf verschiedenen Gleisen an.
Der Krieg ist zwar schon vorbei, aber die DB nutzt offenbar gerade in deiner Bahn die Technik aus dem ersten Weltkrieg, ohne sie sachgemäß zu warten.
Wer hat eine dieser übl(ich)en Situationen noch nicht miterlebt? Und wer hat alle oder die meisten erfahren müssen?
17-19? 19-17? Da es viele noch immer nicht checken: Vor einem Jahrhundert fing mit dem roten November die Umwälzung des ganzen Jahrtausends statt. Diese Umwälzung, die mit der Novemberrevolution in Russland 1917 und mit der Novemberrevolution 1918 in Deutschland ihren Anfang nahm, war Epoche machend. Die Welt wird nie mehr so sein wie sie war.
Nur Reaktionäre im Club der Schwachmaten glauben immer wieder das Gegenteil. Und nein, sie tun es nicht, weil sie als Reaktion auf irgendetwas Club Mate trinken. Nein, sie tun es, weil sie auf revolutionäre Veränderungen in der Geschichte wie Schwachmaten reagieren. Bekennende Reaktionäre leben in einer Traumwelt, in der die Familien beisammen am Tisch sitzen und das patriarchalische Familienoberhaupt reden predigen lassen, in der es keine Weltkriege und keinen Holocaust gab oder in der der Kapitalismus eine akzeptable Wirtschaftsform ist. Das ist natürlich alles Unsinn. Aber erklär mal einem Schwachsinnigen, dass das unsinnig ist. Egal. Denn ich schreibe an die Sinnsuchenden.
Isso, Schwesta. Glaub mir, Bruda. Ja, "Ф-Пачка", ich meine dich. So wie du 17 bist und unreif erscheinst wie ein kleines Kind, so erschien die Menschheit 1917 noch unreif wie ein kleines Kind. Aber 1917 begann die verspätete Pubertät der Menschengeschichte. Und mit der Pubertät beginnt das Erwachsenwerden. Aus der Umnachtung geht's hinauf zur Erleuchtung. Mit 18 wird man volljährig und ist für sein eigenes Schicksal verantwortlich, selbst wenn noch nicht alles so klappt, wie man will. Man raucht eine Kippe oder trinkt seinen Wodka, selbst wenn es einem schadet. Aber man darf und soll es auch ruhig.
Denn nur, wenn man einige Male übel auf die Fresse gefallen ist, weiß man als Baby, als Kind, und als Jugendlicher irgendwann, wie man aufrecht geht. Ausgewachsene Affen und menschliche Babies sollen ja in etwa die selbe Intelligenz haben. Aber wäre es nicht bedenklich, wenn ein ausgewachsener Mensch, der keineswegs behindert wird, sich wie ein Affe verhält?
Und wenn man schon 17 ist, dann sollte man das Ziel haben, 19 zu werden und sich entsprechend verhalten. Für einen Menschen von 19 Jahren dagegen schickt es sich nicht, wenn er die ganze Zeit über mit einem Minderjährigen verwechselt wird. Die 17 steht für Revolution, für Revolution des Geistes und des Materiellen, für einzelne Menschen wie auch für die Menschheit. 1917 war die Menschheit 17. Sie sollte sich ihrem Alter entsprechend verhalten, finde ich.
Ich will damit sagen:
es ist für uns alle irgendwann an der Zeit, erwachsen zu werden.
Teil 5 der Serie zu Deutschrappern mit Anspruch. Diesmal geht es um Amewu (früher auch Halbgott genannt).
Amewu ist irgendwie sowas wie ein John Lennon des Deutschrap. Er bietet uns Texte tiefster Empörung, die auf magische Weise dennoch beruhigend wirken. Seine Musik hat etwas Meditatives an sich. Sie ist durchgehend durchdacht. Da Amewu viel vorgedacht hat, sind sie auch leicht zu verstehen. Jeder Text beweist die überlegene Intelligenz dieses Ausnahmetalents. Dennoch wird man die Texte immer wieder anhören müssen, weil sie einen nicht mehr loslassen.
Andererseits wurde er angeblich von Kollegah als bester Doubletimer der Welt gelobt, weil er so schnell rappen kann. Amewus Technik ist ohnehin einen eigenen Artikel wert. Hier ist jedoch erstmal nicht der Platz dafür. Seine Inhalte interessieren uns doch viel mehr.
Musik und Weisheit
Was heißt Rap für Amewu und wieso rappt er? Gegenüber rap.de hat er erklärt, worum es ihm beim Rap geht:
"Darum, dass ich das, was ich mache, gut mache, in seinem gesamten Kontext gut. Ich mache Rap, ich könnte aber auch ein Restaurant aufmachen, gut kochen, mit guten Zutaten, und das zu einem guten Preis anbieten. Das verstehe ich unter gut."
Es geht ihm wie eine Zen-Buddhisten um Konzentration auf die Gegenwart, darf man annehmen. Das, was man tut, egal was es ist, gut tun. Es bewusst tun. Darum geht es im Zen. Sogar eine Tee-Zeremonie kann man auf diese Weise meistern. Aber es geht ihm dabei nicht um Fachidiotentum.
Was er thematisiert, sind die Höhen und Tiefen des Mensch-Seins. Allerdings ist Amewu dabei nie wütend über die Niedertracht und Erbärmlichkeit der Menschen. Er wirkt wie ein abgeklärter Mönch, der uns ein paar gute Ratschläge gibt. Es ist ein einziger Genuss, diese Weisheit aufzusaugen, die wie die Würze des Lebens schmeckt.
In einem Interview mit rap.de erklärt er, wie er auf seine Texte gekommen ist:
"Das sind die Themen, die am ehesten meinem Alltag entsprechen. Ich denke viel über so was nach. Ich denke sowieso viel nach, und wenn, dann fast nur über so was. Ich denke viel über meine persönliche Entwicklung nach. Ich beherrsche diesen Verdrängungsmechanismus nicht. Als es in der Schule mit Politischer Weltkunde anfing, wurde mir langsam klar, dass eigentlich alles am Arsch ist. Oder Erfahrungen mit Freunden oder Frauen, wo man sich irgendwann fragt, warum gebe ich mir das überhaupt noch? Und warum habe ich trotzdem noch das Bedürfnis, mich gegenüber den Leuten gut zu verhalten? Ich bin da immer sehr extrem in meinem Denken, deshalb habe ich mir gesagt, entweder ich gehe jetzt den kaputten Weg und mache, was ich will und jeden, der im Weg steht, räume ich beiseite oder ich versuche, unabhängig davon, wie abgefuckt Leute zu mir sind, den guten Weg zu gehen. Ich habe den kaputten Weg mal zu Ende gedacht, aber das war für mich kein lebenswertes Leben, deshalb habe ich mich dann für den anderen entschieden."
Das macht Amewu unheimlich sympathisch. Vielleicht liegt es auch an seiner Erdung. Er scheint mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen, während er zum Himmel hochschauend den Lauf der Dinge an sich vorbeiziehen lässt. Vielleicht liegt es auch an seinem tiefen Verständnis der menschlichen Situation. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass er wahnsinnig schöne Musik macht? Schon sein erstes Album "Entwicklungshilfe" war jedenfalls bereits eine Klasse für sich. Das zweite Album verblüfft noch mehr.
Leidkultur
In seinem zweiten Album "Leidkultur" ist Amewu wie ein Beichtvater, dem man zuhört und der einem zuhört. Das Album hat Amewu selbst in irgend einem Interview ungefähr so angekündigt: "Leid, Leid, noch mehr Leid und gute Mucke." Der erste Track, "Leidkultur", hat es echt in sich. Da steckt wirklich 'ne Menge Leid drin. Thema ist die Hoffnungslosigkeit in dieser Welt der Leidkultur:
Ah, erzähl mir nichts von Hoffnung Diese Welt ist wie ein Taser, der mir Schläge in den Kopf pumpt Impulse und Gedanken bilden ein Meer meiner Möglichkeiten Die mir Böses zeigen und versuchen, es schön zu kleiden Ich habe Angst zu erfrieren
[...]
Streit' mit mir selbst, streit' mit der Welt Nächte sind kurz, gleich ist es hell Ich seh den Bildschirm und er zeigt mir die Welt Entscheidet für mich, wer ist Feind, wer ein Held?
[...]
Du hast eine Meinung, sie hat eine Meinung Er hat eine Meinung zu dem allen Woher hast du deine? In der Propaganda gibt es nämlich einiges an Fallen Heute ist es dies, gestern war es jenes Morgen ist es das Vielleicht bist du für den Frieden, schürst dabei den Krieg Bist für Liebe, aber schürst den Hass
Es gibt gerade in diesem Lande der Leidkultur genügend Menschen, die für Frieden sind, aber Krieg schüren, die Liebe wollen, aber Hass zwischen den Völkern predigen. Amewu zu hören könnte gegen diesen Wahnsinn helfen. Auch unter jenen, die sich als fortschrittlich verstehen. Respekt dafür, Mann!
Einzelkampf
In "Einzelkampf" geht es zunächst einmal um den Kampf des Einzelnen gegen die Verlogenheit der Gesellschaft. Aber der Text bleibt nicht bei der Lyrik des Ichs stehen. Er wird außerordentlich politisch, obwohl kein Stückchen aufdringlich, dafür aber schön ironisch:
Ich bleib' ungemütlich, weil ich es will. Du sagst, ich kann so nichts ändern, doch ich bleibe gechillt, denn dieser Sound fließt durch die Straßen und verändert Details. Ich weiß, wie mein Wirken aussieht und erkenn' es bereits.
[...]
Jeder fragt sich, warum sich das Leben hier im Land verschlimmert. Roland Koch gab uns die Antwort: "Es sind die Migrantenkinder" Du bist ein sehr guter Christ, und Jesus ist an deiner Seite. Triff dich im Problembezirk mit ihm, und ihr schmeißt ein paar Steine!
Amewu zeigt den ganzen Mist auf, aber schmeißt mit keinen Steinen. Besonders cool an Amewu ist, dass er nicht nur pessimistisch das die falsche Richtung und Hoffnungslosigkeit feststellt, sondern auch in die richtige Richtung weist. Aber auch dabei wirkt er nicht lehrerhaft oder streng, sondern wie ein mitfühlender und mitleidender Mensch, der selbst gesündigt und gefehlt hat.
Fortschritt
In "Fortschritt" formuliert Amewu treffende Gesellschaftskritik. Es ist ein ganz vortrefflicher Fingerzeig auf den jetzigen Wachstumswahn der kapitalistischen Gesellschaft:
Wir rennen für die Lüge, rennen über Menschen Wer von uns kann denn schon beim Rennen überdenken? Rennen über Wälder, Tiere, Meere, über Seen Und denken sogar wir können sogar die Konsequenzen übergehen
Typisch für unseren mitfühlenden Rapper ist, dass er religiöse Motive aufgreift:
Wie wenige haben die Richtung des Wegs denn noch für sich selbst gewählt? Im Allgemeinen glauben die Menschen, dass nur noch ein Held so lebt Doch gibt es einmal einen Helden, der sich erhebt, dann fällt er stets Denn wie soll er denn Berge versetzen, wenn ihr euch nicht mal selbst bewegt? Ja, wir haben die Propheten und es gibt die Religion Doch wenn keiner nach ihr lebt, warum sitzt sie auf dem Thron? Unsere heiligen Bücher sind doch nur Trophäen an der Wand Doch Trophäen verleihen leider deiner Seele keinen Glanz Wir sehen in die Distanz, ziehen das Leben aus dem Land Jeder redet über Angst, doch folgt dem Weg dann wie gebannt Kriegszustand, plötzlich laufen alle durcheinander Wohin sollen wir auch flüchten, wenn das Ziel uns nie bekannt war?
Das Universelle in jedem einzelnen Geist
"Universelle" ist einfach... der hegelianische Weltgeist gerappt. Es geht um die Einheit der Gegensätze im menschlichen Geist. Das Lied ist dermaßen über alles erhaben, was es sonst im Rap gibt, dass man sich fragt, wie Amewu auf die Idee kommen konnte, derartiges zu rappen. Hat er Hegel gelesen und sich gedacht, man müsse ihn jetzt einfach mal musikalisch formen? Oder hat er einfach einen gebufft? Man weiß es nicht. Jedenfalls ist die ganze Umsetzung der Idee dermaßen episch und vollkommen, dass es fast eine Beleidigung ist, nur ein paar Zeilen vom Text zu zitieren. Aber man kann ja nach diesen schönen Worten das Lied auf Dauerschleife immer wieder anhören:
Ich bin der reiche Typ ohne einen Cent in der Tasche Bin immer nüchtern und häng an der Flasche Denke so gern nach, weil ich Denken so hasse Bin der Wärter und bin auch der Gefängnisinsasse Der größte Egoist und beschenke die Massen Lass die Finger von dem, was ich mit den Händen anfasse Extrem nachtragend und kenn' keine Rache Immer tief traurig, weil ich ständig nur lache Ich verhunger', weil ich viel zu viel zu essen hab' Sitz in der letzten Reihe, auf dem besten Platz Kann das Leben nicht genießen und schätze das Fühl mich leicht wie ein Vogel, denn ich schlepp 'ne Last
Amewu schmeichelt uns Halbtieren sogar. In einem weiteren Interview erklärt er seinen alten Künstlernamen Halbgott so:
"Für mich sind alle Leute Halbgötter, das ist für mich nichts Besonderes. Wir haben halt mehrere Seiten an uns, man muss jetzt auch nicht unbedingt religiös sein, um sich mit dem Konzept Gott auseinanderzusetzen. Ich glaube das ist eine bestimmte Seite, die wir alle haben."
Bruder, Amewu, ich würde dir ja gerne glauben, aber hast du meine Nachbarin Schakkeline und ihren Bruder Schastin kennengelernt? Sind das etwa Halbgötter? ;-) Nun ja. Egal. Kommen wir zum Ernst des Lebens zurück.
Verlust
"Long Lost Relative" ist ebenfalls wunderschön und kritisch zugleich. Unbedingt anhören oder besser noch, jetzt gleich online ansehen!
Was uns das Lied namens "Demut" lehrt, sollte klar sein. Es ist ein sehr ruhiges, eindringliches Lied mit viel wehleidiger Selbsterkenntnis:
Ich bin einsam, kann viele Dinge nur mit mir selbst teilen. Schaffst weder dich noch mich, doch würde gerne die Welt heilen. Spiel mit dem Feuer, doch passe nicht auf. Die Seele brennt, mein Körper ist ein abgefackeltes Haus. Die Augen glühen noch wie Glut, bevor sie erlischt. Keiner bemerkt mein verstorbenes Ich. Sie sagen, das ist mein Charakter, ich wäre so und sorgen sich nicht.
Doch wer ich bin, bleibt verborgen im Licht. Es tut mir Leid, (so) Leid, endlos Leid. Wer ich war, wie ich bin. Ihr wisst, wer ihr seid. Ich hab Menschen gekränkt, zu oft Schwäche gezeigt. Bitte habt Nachsicht, ich erkenns mit der Zeit.
"Abschied" (ft. Phase) behandelt den Verlust von den nächsten, geschätzten und geliebten Menschen. Wer jemanden schon Mal verloren hat, wird dieses Lied hoch schätzen. Beim Hören kommen Selbstkritik, Selbstmitleid, Selbsterkenntnis und Selbstdisziplinierung ganz selbstverständlich auf. Kein Wunder bei solchen Zeilen von Phase:
Sie sagen: irgendwann wird die Wut in dir vergehen Und in vielen, vielen Jahren wirst du nichts mehr davon sehen Das sind leider nur Phrasen, die sie dir sagen, weil sie dich tragen Wollen, aber nicht können, weil sie nicht sehen, wie es dir geht Die Last deiner Worte auf meinen Schultern zu schwer Die Erinnerung an dein Lachen, Wodka Pullen zu leer Ich schieße mich ab, wieder am Schnaps, wieder bei Nacht draußen Bilder von dir du bist nicht hier, Worte die laufen
Aber das Lied führt über das Selbst und die Selbstbeschäftigung hinaus und das macht es zu einer bittersüßen Erzählung, die alles an Emotionen und Gedanken im Hörer wecken kann. Die Erzählung bietet einen Trost und Moral an:
Wie viele sind noch da und wie viele sind gegangen? Leb in Frieden mit denen, die du liebst, hilf ihnen wo du kannst Wenn die Reise nah ist, dann weich nicht von ihrer Seite Und reist einer ohne Abschied, dann begleite ihn im Geiste
Man denkt vielleicht an Mutter und Großmutter oder an andere Menschen, die man verloren hat oder an Menschen, die man nie verlieren möchte. Ich kann nur empfehlen, auf Amewu und Phase hier zu hören. Ansonsten könnte es später viel Leid bedeuten.
Fazit
Und übrigens, Amewu, ja, du hast Recht: zu viel Nachdenken macht depressiv in dieser Dreckswelt. Aber man kann es auch so ausdrücken: Nachdenken darüber, dass es zig tausende Leute gibt, die Musik von Miley Cyrus feiern und auch noch kaufen, während du nur von einigen Wenigen gekannt wirst, macht traurig. Liebe Mitmenschen, schämt euch, wenn ihr freiwillig mehr Tier als Halbgott seid. Hört Amewu! Der hat's drauf. Denn er erhebt euch in höhere Sphären, ganz ohne dass ihr einen bufften müsst.
Eine Ikone des Freiheitskampfes ist gestorben. Er opferte seine Freiheit für seine Mitmenschen. Er kämpfte für seine Ideale. Er wurde mit Jesus Christus verglichen. Er hat Millionen Menschen ermutigt. Und er war ein Vorbild für jeden, der für die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Solidarität einsteht.
Nelson Mandela kämpfte aber nicht nur für abstrakte Ideale. Er kämpfte gegen einen ganz konkreten Feind der Freiheit. Er kämpfte gegen einen der ungerechtesten Staaten des 20. Jahrhunderts: den südafrikanischen Apartheidsstaat.
Der Apartheidsstaat trennte die Menschen seines Staates per Gesetz in zwei Klassen: die weiße Herrenrasse, die weniger als 10 Prozent der Bevölkerung ausmachte und die schwarze Bevölkerung, die die überwältigende Mehrheit ausmachten und zu Menschen zweiter Klasse dekretiert wurden. Die Schwarzen konnten sich kaum frei äußern, sie genossen keine Freizügigkeit, sie genossen kaum soziale Mobilität, wurden drangsaliert, terrorisiert und verunglimpft durch die Herrschenden des Staates. Der schwarze Bürger in Südafrika war im wahrsten Sinne des Wortes "ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen" und die Weltöffentlichkeit war Schuld daran. Dass Mandela letztlich die Apartheid besiegen und Präsident eines neuen, demokratischeren Staates in Südafrika werden konnte, hat er nicht zuletzt einer internationalen Solidaritätsbewegung zu verdanken, die nicht mehr wegschaute, sondern den staatlichen Rassismus des alten Regimes unter Druck setzte.
Nun ist Mandela gestorben. Aber die Überwindung der südafrikanischen Apartheid war nur ein Schritt auf dem Weg hin zu einer freien Weltgesellschaft. Selbst im neuen Südafrika sind Diskriminierung, Ausbeutung und staatliche Unterdrückung noch Gang und Gäbe. Denn das größte Hindernis zum Ziel einer freien Welt ist das kapitalistische Staaten- und Wirtschaftssystem, dass auf der Unterdrückung der Mehrheit durch eine Minderheit beruht.
Mandela hätte sich gefreut, wenn er die Überwindung des israelischen Apartheidssystems erlebt hätte. Denn Israel diskriminiert die palästinensische Bevölkerung auf dem Gebiet des historischen Palästina ebenso, wie es der südafrikanische Staat mit der schwarzen Bevölkerung tat. Israels staatliche Diskriminierung der Bevölkerung unter seiner Hoheit geht aber noch über die südafrikanische hinaus. Denn die Palästinenser haben für Israels Wirtschaft weniger Bedeutung. Sie haben deswegen kaum eine Möglichkeit, sich alleine von der israelischen Apartheid zu befreien. Sie benötigen internationalistische Solidarität aus allen Ländern, die Druck ausübt auf Israel, die PLO, die Hamas und die anderen Regime in der Region.
Die Überwindung des zionistischen Rassismus wäre ein weiterer großer Schritt hin zu einer Gesellschaft, die frei ist von Diskriminierung und Unterdrückung aller Art, von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Ausbeutung, Armut und Krieg.