Sonntag, 28. Juni 2015

"Kontraste" von Disarstar

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"Kontraste"-DVD-Cover
Vor zwei Tagen, am 26. Juni 2015, ist Disarstars neues Album bei Showdown Records veröffentlicht worden. Und heute kam "Kontraste" in Form der Limited Fanbox bei mir an. Ich habe es soeben das erste Mal durchgehört und bin begeistert. Wieder eine enorme Leistungssteigerung bei dem Jungen! Und auf so hohem Niveau, das er erreicht hat, heißt das wirklich viel. Sowohl die Inhalte und Stimmtechniken wie auch die musikalische Unterlegung sind bei Disarstar ausgefeilter als je zuvor.

Das Album greift die für ihn typischen Themen wieder gekonnt auf: Die linksradikalen Hoffnungen ebenso wie zerschlagene Träume, den Klassenkampf genau wie die Enttäuschung in der Liebe, die gekränkte Seele wie auch die kranke Klassengesellschaft und - den obligatorischen Diss gegen inhaltslose Rapper. Die vielen Kontraste, die "der Straßenjunge" (DIE ZEIT) in seinem Leben erlebt hat, prägen also auch dieses Album. Mit Hagen Stoll, Teesy und Mohammed Ali Malik bietet uns Disarstar drei features an. Der Stil des Albums beweist in mehrfacher Hinsicht einen Reifungsprozess. Das ganze Album erinnert stark an den fantastischen Titel "Demontage" aus dem Album "Tausend in einem", der schon seinerzeit einen qualitativen Sprung markierte. Auch die härteren Tracks wie "Bis zum Hals", "Ausser Rand und Band" und "Nahdistanz" sind weniger hektisch als einige der älteren Titel, die eine Widerspiegelung der inneren Hektik des Künstlers waren. Titel wie "Lange isses her", "Therapiestunde" und "Kosmologie" haben zudem etwas zutiefst Beruhigendes. Die Seelenruhe, die bei Disarstar spätestens mit "Tausend in einem" eingekehrt ist, erfährt hier eine schöne Vertiefung. Dennoch ist die alte Empörung über gesellschaftliche Verhältnisse das treibende Moment auch dieses Albums. Etwas schade ist, dass die früher häufigeren Referenzen der Titel aufeinander (O-Ton: "aus dem Herzen" oder "tausend in einem") weniger geworden sind. Zugleich wirkt diese Änderung wie ein innovativer Gegensatz gegenüber dem früheren Stil. Alles in allem hat Disarstar mit "Kontraste" wieder einen großen Coup gelandet.

Jeder Fan wird sich über das Zubehör in der Fanbox freuen. (Naja, nicht jeder. Nur die mit der Fanbox.) Neben der "Kontraste"-DVD werden einem auch eine Bonus-DVD mit drei sehr guten Bonus-Tracks und Acapella-Versionen, eine Fahne (für Demos mit einem eigenen Disarstar-Block?), ein Poster, Sticker, Aufnäher und Armband geboten. Wer die Fanbox nicht hat, kann aber auch die einfache DVD genießen.

Die "Kontraste"-DVD gibt es für 15,99 €, die Limitierte Fanbox gab es zumindest mal für den doppelten Preis.

Hier die Tracklist:

1. Vision (Intro)
2. Bis zum Hals
3. Außer Rand und Band
4. Kaleidoskop (feat. Hagen Stoll)
5. Therapiestunde
6. Wer ich bin
7. 100 Jahre
8. Halb so wild
9. Nahdistanz
10. Capitis Deminutio Maxima
11. Anno 2300
12. Mein Palast (feat. Teesy)
13. Lange isses her
14. Kosmologie (feat. Mohammed Ali Malik)

Bonustracks der Fanbox:

15. Feuerrot
16. Schauspielerin
17. Auf und ab

Sonntag, 22. März 2015

Der halbe Präsident eines halben Landes (von Alexej Albu)

Auf http://liva.com.ua gibt es bemerkenswerte Artikel ukrainischer Linker. Alexej Albus (ukr. Олексiй Албу) Artikel "Der halbe Präsident eines halben Landes" (Полупрезидент полустраны) gehört dazu. Hier liegt er mit reichlicher Verspätung, ohne jedoch seine Bedeutung im März 2015 verloren zu haben, leicht gekürzt auf Deutsch vor.

von Alexej Albu

Der halbe Präsident eines halben Landes


Im Land geht ein Bürgerkrieg in großem Stil vonstatten. Er kostet jeden Tag Männern, Frauen, Kindern und Alten das Leben. In Gebrauch sind Flugzeuge wie Panzer. Die Städte werden von Artilleriesalven beschossen. Aber es scheint so als würde das niemanden in den Regierungsräumlichkeiten in Kiew interessieren. Der Leiter der zentralen Wahlkommission Ochendowskij erklärte selbstsicher, dass "die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine juristisch absolut unanfechtbar sein werden". Mag sein. Immerhin ist es unter dem neuen Wahlgesetz möglich, dass die Wahlen bei einer beliebigen Anzahl an Wahlteilnehmern für gültig erklärt werden. Das heißt, dass wenn nur Poroschenko, Timoschenko, Tjagnibok und Ljaschko kandidiert hätten, ihre Kandidaturen gültig gewesen wären.

Es muss zudem gesagt werden, dass dies die Elite der herrschenden Klasse der Ukraine zufriedenstellt, die die Amtseinführung des Präsidenten frenetisch feierte. Das bezeichnende Foto vom Kapitalisten Rinat Achmetow, auf dem er sich beim Präsidentenbankett freundschaftlich mit dem leidenschaftlichen Sprecher der Donezker Oligarchen und Maidan-Redner, Jurij Luzenko, unterhält, zeigt deutlich, in wessen Interessen diese Imitation einer Willensäußerung des Volkes organisiert wurde.

Es interessiert sie nicht, dass die Hälfte des Landes Poroschenko nicht unterstützt, dass die Wahlen unter der Bedingung eines Bürgerkrieges stattfanden, unter ständigen Attacken auf Aktivisten und Agitatoren, die mit dem "einzig möglichen" Kandidaten nicht einverstanden waren, was verdächtig selten gezeigt wurde. Um es klar zu sagen: Die Frage der Legitimation Poroschenkos wurde schon Ende Februar entschieden als die USA und die EU sich für den Schokoladen-Oligarchen entschieden und die ukrainische Bourgeoisie hörig die Entscheidung ihrer Meister im Namen der Rettung von Kapitalien und Privilegien akzeptierte.

Die Regionen in Opposition zum einzigen Kandidaten der Oligarchie waren bei den Wahlen überhaupt nicht vertreten. Um es klar zu sagen: Man ließ das Land zwischen dem Maidan und dem Maidan wählen. Das erinnert an die alte politische Anekdote über die Wahl eines lateinamerikanischen Diktators, bei denen auf den Anweisungen für die Wähler nur zwei Varianten angegeben sind:
-Ja, bin nicht dagegen!
-Nein, bin nicht dagegen!

Es lohnt sich, die offizielle Positionierung Moskaus zu beachten, die es rechtzeitig zur Amtseinführung des Präsidenten schaffte, ihren zuvor zurückgerufenen Botschafter zu entsenden, der eine äußerst ernste Anspielung in Richtung des Kiewer Regimes in Bezug auf das neue Staatsoberhaupt machte, das im Kreml aufmerksam beäugt wird. Es gibt keine Zweifel, dass der Schokoladen-Milliardär die Vertreter der russischen Eliten eher zufriedenstellt als die Rebellen im proletarischen Donbass, die gegen diese Handlungen Russlands protestierten. Aber ungeachtet der so freundschaftlichen Unterstützung seitens der ukrainischen Eliten und der Hauptakteure im großen Spiel zwischen den Imperialisten wird der Status des Oligarchen-Präsidenten stets politisch makelhaft und illegitim bleiben. Er ist und bleibt eine Übergangslösung, die von den Protestwellen hinweggeschwemmt wird, die aufgrund der sozioökonomischen Krise auf uns zukommen werden. Und das Foto von der Amtseinführung Petro Poroschenkos mit den feiernden Oligarchen und mit korrumpierten nationalistischen Politikern wird in späteren Geschichtslehrbüchern auf der selben Seite zu finden sein wie die Fotos von der sterbenden Frau aus Lugansk ohne Beine und die Fotos von getöteten Kindern beim Beschuss von Slawjansk.

Man wird sich an ihn als eines halben Präsidenten eines halben Landes erinnern, ganz wie in den Gedichten Puschkins, dessen Andenken man einige Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten so schändlich entweihte:
Halb-Lord, Halb-Wucher,
Halb-Weiser, Halb-Ignorant,
Halb-Bösewicht, doch es gibt Hoffnung,
Dass er letztlich einem Ganzen weiche.

Alexej Albu

Dienstag, 10. Februar 2015

Alexithymie, Depression und die kranke Gesellschaft

Es ist höchste Zeit für einen Artikel über die sogenannte Alexithymie, die Depression und die kranke Gesellschaft, in der sie entstehen.

Die Depression


Mittlerweile hat sich die epidemische Ausbreitung depressiver Zustände weltweit herumgesprochen. Die sogenannte Depression wird als "Volkskrankheit", als "Krebs der Seele"  oder als DIE Krankheit des modernen Menschen schlechthin gehandelt. gesundheit.de schreibt über die Häufigkeit der Depression: "Aktuelle Zahlen sprechen von circa fünf bis sechs Millionen depressiven Menschen in Deutschland. Man geht davon aus, dass über elf Prozent aller Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken." Sechs Millionen Depressive allein in Deutschland und 11 Prozent, die depressive Phasen selbst erlitten haben! Das ist eine ganze Menge. Die Anzahl der Depressiven auf der ganzen Welt ist noch viel erschreckender: "Schätzungen zufolge leiden weltweit inzwischen circa 350 Millionen Menschen unter einer Depression. Bis zum Jahr 2020 werden Depressionen oder affektive Störungen laut Weltgesundheitsorganisation weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit sein", so das Bundesministerium für Gesundheit. Schockierend ist diese Zahl vor allem deswegen, weil 40 bis 70 Prozent aller Selbstmorde, so gesundheit.de, im Rahmen einer Depression ausgeführt werden und fast jeder Patient mit einer schweren Depression zumindest Selbstmordgedanken gehabt habe. Depression tötet.

Die kranke Gesellschaft


Depression tötet. Und die Gesellschaft sieht mehr oder weniger zu. Natürlich werden Depressive meist nicht einfach sterben gelassen, sondern behandelt. Aber die Depression wird dabei wie eine somatische Erkrankung des Gehirns behandelt und selten wie eine nachvollziehbare Reaktion auf eine "kranke Gesellschaft". Erich Fromm, der marxistisch-humanistische Psychoanalytiker und Sozialpsychologe, nannte die gegenwärtige, kapitalistische Gesellschaft "krank", weil sie die Menschen krank mache. Kapitalistische Konkurrenz, soziale Ungleichheit und die liberalen Illusionen erzögen die Menschen zu zerstörerischem und selbstzerstörerischem Verhalten. Ob damit nun die Natur des Menschen beschädigt werde, wie Fromm meint, ist hier unerheblich. Entscheidend ist, dass der Mensch in solch einer Gesellschaft krank werde, körperlich und seelisch. Im Grunde tötet vielleicht die Depression Menschen, aber Menschen machen andere Menschen depressiv. Es sind demnach menschliche Beziehungen, die Menschen krank machen und letztlich töten. So kann man fragen: "Wie kommt es nur, wird sich wohl so mancher psychologisch Interessierte hin und wieder fragen, daß immer mehr Menschen immer rücksichtsloser zu werden scheinen? Die meisten der weitverbreiteten Erklärungsmodelle greifen auf die Erkenntnisse Freuds und einiger seiner Schüler (z.B. Fromm, Adler) zurück: sie erklären die mangelnde Empathie der Rücksichtslosen seit längerem mit Kindheitstraumata, mit emotionaler Vernachlässigung in der Kindheit, mit der Prügelstrafe, Mißbrauch und ähnlichem. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß auch weitaus subtilere 'Erziehungs'-Methoden zur Verringerung der Gefühlsfähigkeit führen können." Laut Fromm führen kapitalistische Konkurrenz, soziale Ungleichheit und der liberale Individualismus zusammen genommen zur verinnerlichten Vereinsamung und Gefühlsblindheit, die mit der Depression einhergehen.


Die Alexithymie


Depressive kennen das Gefühl der völligen Vereinsamung und die Gefühlsblindheit, die man auch "Alexithymie" nennt. "Wörtlich bedeutet Alexithymie: Nicht-Lesen-Können von Gefühlen", so Focus online. Das Nicht-Lesen-Können der eigenen Gefühle wie auch der Gefühle Anderer sind zwei Seiten der selben Medaille. Für diese Unfähigkeit machen sich Depressive üblicher Weise selbst verantwortlich. Und wenn sie "Gefühle" entwickeln, dann sind es oft Schuld"gefühle". Aber auch die nicht-depressive Gesellschaft sieht die Schuld tendenziell in den Depressiven selbst. Ein Schuldeingeständnis der Gesellschaft würde ja auch ihrem ganzen kapitalistischen, ungleichen und scheinbar liberalen Aufbau widersprechen. Es würde bedeuten, dass nicht das Gehirn oder der schwache Wille des Depressiven an seinem Zustand ursächlich ist, sondern die kranke Gesellschaft selbst. Und daraus müsste eine gesellschaftliche Debatte folgen, die am ganzen Aufbau der Gesellschaft Zweifel bestärkt. Eine Anerkennung der gesellschaftlichen Ursachen und Auslöser der Gefühlsblindheit und der Vereinsamung der Menschen in der gegenwärtigen Gesellschaft müsste den Kapitalismus, die Klassengesellschaft und die individualistische Ideologie herausfordern. Und um das zu tun, müsste die kranke Gesellschaft sich selbst heilen, sich selbst revolutionieren.

*Wichtiger Hinweis

Medizinische Hinweise auf einem nicht-medizinischen Blogeersetzen keine individuelle Diagnose und Behandlung durch Spezialisten.

Montag, 9. Februar 2015

Bürgertum vs. Unterschicht im SPIEGEL

"Umso größer das Bedürfnis der Mittelschichten, sich abzusetzen gegenüber den gesellschaftlichen Verlierern. Sich und anderen zu vergewissern: Mir kann nicht passieren, was der Unterschicht passiert, denn ich bin grundlegend anders als die." - so steht es geschrieben in einem absolut bemerkenswerten Artikel von Christian Rickens im SPIEGEL:

"Bürgertum vs. Unterschicht: Arbeitslos? Selbst Schuld!"


 

Dienstag, 6. Januar 2015

ARD-Interviews mit Pegida-Anhängern in voller Länge

Die Aussagen der Pegida-Anhänger in diesen Interviews zeigen uns alles Wesentliche über ihre Gesinnung.
Unartikuliertheit und Uninformiertheit treffen auf nationalistische, rassistische und antisemitische Ressentiments, die auf der Straße zu einem völkischen Mob mutieren.
Das Produkt ist die Pegida und ihre Ableger.