"Man(n) muss seinen Lindhagen und die anderen Lindwürmer da draußen erlegen."
Montag, 10. Februar 2014
Der (neokonservative) Medicus?!
Die kürzlich erschienene Verfilmung von Der Medicus ist kein platter und langweiliger Film wie so viele andere deutsche Produktionen. Dennoch kann man den etwas faden Geschmack westlicher Propaganda nicht loswerden. Philipp Stölzls Werk ist daher beachtenswert, aber mit Vorsicht zu genießen.
Das christliche England im 11. Jahrhundert: Rob Cole muss als Kind im tiefsten Mittelalter erleben, wie seine Mutter an der mysteriösen "Seitenkrankheit" stirbt. Nur die Adoption durch den Bader, einen vagabundierenden Mediziner, rettet dem traumatisierten Jungen das Leben.
Rob wird seither vom Wunsch angetrieben, eine Heilung für die "Seitenkrankheit" und andere Gebrechen zu finden. Der Bader bringt ihm all sein Wissen bei, aber das rettet den Bader nicht davor, an grauem Star zu erkranken. Denn die katholische Kirche hat ja Wissenschaft und Technik enge Grenzen gesetzt, sodass auch die Medizin der abendländischen Christen äußerst rückständig bleiben musste.
Jüdische Mediziner können die Sehkraft des Baders wiederherstellen und damit den Geist der Wissenschaft in Rob entfachen. Von den jüdischen Ärzten erfährt er, dass ihr Wissen im Vergleich zum Genie des größten Mediziners der Welt, Ibn Sinas, nichts ist. Rob beschließt daher, als Jude getarnt ins hoch zivilisierte Persien nach Isfahan zu reisen, um Ibn Sinas Schüler zu werden, der unter der Herrschaft des islamischen Schahs keine Christen unter seinen Schülern dulden kann.
Unterwegs begegnet Rob seiner zukünftigen Liebe, der jüdischen Spanierin Rebecca, die aber einem anderen Mann versprochen ist. Die unvermeidliche Affäre zwischen den beiden kostet sie beinahe den Kopf, aber im Grunde ist das nur eine Nebenhandlung.
Der Hauptkonflikt ist der zwischen Robs Drang nach Befreiung der Menschen vor Gebrechen durch Wissenschaft und Medizin und seinen konservativen Widersachern, sei es der vorsichtige Ibn Sina, der Schah, die Mullahs oder die Seldschuken, auf deren Widerwillen er als stößt.
Die filmische Umsetzung der Romanhandlung, die Schauspielerwahl, die schauspielerischen Leistungen, die Musik, die beeindruckenden Bilder und die Vielschichtigkeit des Films sind ziemlich gut gelungen.
Die Stimmung einiger Szenen wird teilweise sehr schön wiedergegeben. Man glaubt sofort, dass Rob wirklich von Wissensdrang getrieben wird. Der Konflikt zwischen seiner Neugierde und der religiösen Realität, in der er sich befindet, wird ganz wunderbar deutlich. Die schändliche Zurückgebliebenheit des christlichen Europa muss den Zuschauer einfach empören. Und die Zivilisiertheit der Juden und Moslems muss Respekt einflößen.
Ibn Sina wird wie der höchste Repräsentant der Menschheit dargestellt. Seine Weisheit und Intelligenz sind fast ebenso schön wie die großartigen Bilder von prächtigen Bauten der Perser. Auch die zwischenmenschlichen Dynamiken werden auf sympathische Weise realisiert, wie etwa in der kleinen Romanze zwischen Rob und Rebecca, oder in den Schüler-Lehrer-Beziehungen in Ibn Sinas Schule und zwischen den verschiedenen Autoritäten, die auf subtile und weniger subtile Weise ihre Machtkämpfe führen. All das macht den Film sehenswert, wenn auch nicht grandios, da der Film zwar Pathos hat, aber zu wenig Eros.
Von einem, der auszog...
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| "Liebe überwindet alle Hindernisse"? Wohl kaum, aber immerhin ist die Schauspielerin Emma Rigby nicht schlecht gewählt. |
Rob wird seither vom Wunsch angetrieben, eine Heilung für die "Seitenkrankheit" und andere Gebrechen zu finden. Der Bader bringt ihm all sein Wissen bei, aber das rettet den Bader nicht davor, an grauem Star zu erkranken. Denn die katholische Kirche hat ja Wissenschaft und Technik enge Grenzen gesetzt, sodass auch die Medizin der abendländischen Christen äußerst rückständig bleiben musste.
Jüdische Mediziner können die Sehkraft des Baders wiederherstellen und damit den Geist der Wissenschaft in Rob entfachen. Von den jüdischen Ärzten erfährt er, dass ihr Wissen im Vergleich zum Genie des größten Mediziners der Welt, Ibn Sinas, nichts ist. Rob beschließt daher, als Jude getarnt ins hoch zivilisierte Persien nach Isfahan zu reisen, um Ibn Sinas Schüler zu werden, der unter der Herrschaft des islamischen Schahs keine Christen unter seinen Schülern dulden kann.
Unterwegs begegnet Rob seiner zukünftigen Liebe, der jüdischen Spanierin Rebecca, die aber einem anderen Mann versprochen ist. Die unvermeidliche Affäre zwischen den beiden kostet sie beinahe den Kopf, aber im Grunde ist das nur eine Nebenhandlung.
Der Hauptkonflikt ist der zwischen Robs Drang nach Befreiung der Menschen vor Gebrechen durch Wissenschaft und Medizin und seinen konservativen Widersachern, sei es der vorsichtige Ibn Sina, der Schah, die Mullahs oder die Seldschuken, auf deren Widerwillen er als stößt.
Die schöne Seite des Films
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| "Eine Reise aus der Dunkelheit ins Licht" |
Die Stimmung einiger Szenen wird teilweise sehr schön wiedergegeben. Man glaubt sofort, dass Rob wirklich von Wissensdrang getrieben wird. Der Konflikt zwischen seiner Neugierde und der religiösen Realität, in der er sich befindet, wird ganz wunderbar deutlich. Die schändliche Zurückgebliebenheit des christlichen Europa muss den Zuschauer einfach empören. Und die Zivilisiertheit der Juden und Moslems muss Respekt einflößen.
Ibn Sina wird wie der höchste Repräsentant der Menschheit dargestellt. Seine Weisheit und Intelligenz sind fast ebenso schön wie die großartigen Bilder von prächtigen Bauten der Perser. Auch die zwischenmenschlichen Dynamiken werden auf sympathische Weise realisiert, wie etwa in der kleinen Romanze zwischen Rob und Rebecca, oder in den Schüler-Lehrer-Beziehungen in Ibn Sinas Schule und zwischen den verschiedenen Autoritäten, die auf subtile und weniger subtile Weise ihre Machtkämpfe führen. All das macht den Film sehenswert, wenn auch nicht grandios, da der Film zwar Pathos hat, aber zu wenig Eros.
Die hässliche Seite des Films
Andererseits hat der Film seine hässliche Seite. Denn irgendwie wirkt der Film trotz der vielleicht guten Intentionen irgendwie propagandistisch und dabei nicht gerade im besten Sinne. Demokratische und soziale Propagandafilme sind oft allein schon deswegen sehenswert. Aber Propaganda für die Überlegenheit des Okzidents und die prinzipielle Unterlegenheit des Orients ist kaum schön darzustellen. Sie muss hässlich und ein wenig Ekel erregend sein. Viele Zuschauer werden diesen Aspekt des Films übersehen haben, aber er ist definitiv vorhanden.
Der Film weicht von der Handlung her an einigen relevanten Stellen stark von der Buchvorlage ab. Und das geschieht sicher bewusst, um der okzidentalen Ideologie der Überlegenheit des christlichen Abendslandes Tribut zu zollen. Rob sieht zwar ein, dass das christliche Europa rückständig ist und dass Forschung nötig ist. Aber schon die Tatsache, dass er sich als Jude tarnen muss, ist wohl ein wichtiger Aspekt der westlichen Propaganda im Film. So wirken die muslimischen Perser gegenüber den Christen etwas unfair und sogar unterdrückerisch. Auch die antisemitisch wirkenden Ressentiments im Film von Seiten einiger Moslems erzeugen einen ähnlichen Eindruck. Die hochgläubigen muslimischen Mullahs wirken weltfremd, etwas fanatisch und zugleich korrupt. Auch scheint das Verbot der Autopsie und Sektion ("Schändung") hinderlich zu sein. Daher kommt es der nötigen Dramatik des Films entsprechend auch zu einer Beulenpest in Isfahan. Ibn Sina und seine Schüler retten die Stadt, natürlich durch Robs geniale Auffassungsgabe.
Rob kommt ja nicht umsonst aus dem Westen. Was ihn so besonders macht, ist das gläubige Herz von einem, der auszog, um die Wahrheit in der christlichen Nächstenliebe, hier am Beispiel der Medizin, zu finden. Die kleine Sünde, dass er sich und seinen christlichen Glauben verleugnet, um sein großes Ziel zu erreichen, ist zutiefst menschlich. Im Film heiligt der christliche Zweck somit die Mittel. Da ist die kleine Lüge und die Affäre mit der verheirateten Frau halb so schlimm, wie es scheint. Auch, dass er unerlaubter Weise den Leichnam eines Patienten seziert erscheint nicht nur als mutige Tat im Widerspruch zu allen drei abrahamitischen Religionen von Judentum, Christenheit und Islam, sondern auch als der wahre Kern des abendländischen Denkens: Wissenschaft und Moral in einer neuen Einheit. Wissenschaftliche Notwendigkeit und moralische Notwendigkeit müssen, so belehrt uns der Film, durch mutige Einzelpersonen, die keine Angst haben vor scharfer Kritik von allen Seiten, vereint werden. Aber nicht nur Wissenschaft und Moral finden im Film in unserem guten Christen Rob Cole zusammen.
Auch die Politik kommt nicht zu kurz. Die christlich-idiotischen Dogmatiker im mittelalterlichen Okzident kommen im Film zwar schlecht weg, aber sie sind ja ungebildet, dumm und egozentrisch. Dennoch haben sie die ein hervorragendes Individuum hervorgebracht wie Rob Cole, der zudem ein wirklich guter Christ ist, obwohl er betrügt und ehebricht. Denn sein Kampf für den guten Zweck auch gegen den Widerstand der alten, konservativen Moral der etablierten Mächte rechtfertigt offenbar seine kleinen Sünden. Immerhin laufen da draußen weit größere Gefahren herum, repräsentiert von pesttragenden Flöhen und Ratten, fanatischen Mullahs, autokratischen Schahs, eifersüchtigen Ehemännern und barbarischen Seldschuken, die keine Moral und keinen Gott kennen. In solch einer Welt muss, so suggeriert der Film, offenbar gelogen und betrogen werden. Für außergewöhnliche Individuen gilt scheinbar keine moralische Grenze. Am Ende beichtet der gläubige Christ freilich seine Sünden und wird dadurch auch noch zum christlichen Heiligen und Märtyrer angesichts der drohenden Verurteilung durch Christen, Juden und Moslems. Aber der Film lobt die Überschreitung der Moral aller Religionen im Sinne des höheren Zwecks.
Geopolitische Ansagen macht der Film scheinbar auch. Es ist kein Zufall, dass der etwas tyrannische Schah sich mit Rob Cole anfreundet. Es ist auch kein Zufall, dass die muslimischen Mullahs irgendwie fanatisch und zugleich korrupt wirken. Es ist auch kein Zufall, dass die Seldschuken, diese gottlosen Mörder von Frauen, Kindern und betender Moslems, als das größte Übel erscheinen. Es ist auch kein Zufall, dass sich diese atheistischen Seldschuken ausgerechnet mit den religiösen Mullahs verbünden, um den Schah zu stürzen. Es ist noch weniger ein Zufall, dass dieses Szenario an Ereignisse im 20. Jahrhundert erinnert.
Man tausche Rob Cole durch den neokonservativen Westen, angeführt von den USA und Großbritannien, den persischen Schah des Mittelalters durch den persischen Schah Reza Pahlewi, die damaligen Mullahs durch die Mullahs von Ayatollah Chomeini und die atheististischen Seldschuken Persiens durch die atheistischen Kommunisten Irans aus und schon hat man eine neokonservative Propaganda gegen das heutige iranische Regime.
Tatsächlich waren die iranischen Mullahs mit Hilfe der iranischen Kommunisten an die Macht gekommen, indem sie den Schah stürzten. Der Schah ist in den Augen der israelischen, amerikanischen und europäischen Neokonservativen ein kleineres Übel gewesen. Und die Sünde der Kriegsführung gegen das heutige iranische Regime wäre die kleinere Sünde im Vergleich zur Unterlassung und zur Unterordnung unter die etablierte Moral. Dass der Schah in Wirklichkeit beim iranischen Volk verhasst war, das kümmert nicht wirklich, denn die Mullahs sind ja heute noch verhasster.
Und der Okzident repräsentiert ja den Fortschritt, der auch mit militärischer Gewalt, Lug und Trug durchgesetzt werden darf, wie der Film es so plastisch darstellt. Der außergewöhnliche Kreuzfahrer des fortschrittlichen Westens darf sich demnach über die Rückschrittlichkeit des Ostens erheben und diesen zur Not mit Lüge und Gewalt im Namen der christlichen Nächstenliebe und des Fortschritts unterwerfen.
In der Epoche des "War on Terror" neokonservativer A*schgesichter gegen unliebsame Regierungen und Massenbewegungen, in der ein Regime nach dem anderen gestürzt wird und in dem die Region des Nahen Ostens nicht bloß die Realität eines großen Bürgerkrieges, sondern auch das Potenzial eines größeren regionalen und internationalen Krieges verschiedenster Mächte in sich birgt, ist diese Darstellung Teil einer neokonservativen Propaganda im Sinne der Herrscher dieser Welt. Die Moral in Der Medicus kann leicht im Sinne der westlichen Kriegstreiber-Rhetorik gedeutet werden. Der Zweck, "Freedom & Democracy", heiligt demnach die Mittel, Lug, Trug, Heuchelei, Mord und Totschlag. Die neokonservative Agenda der großen Westmächte kann so verharmlost und gefördert werden. Wenn abgefuc&te Kreaturen wie der androgyne Terrorlord "Angelo Merte", der scheindemokratische "Obamaniac", der ultrarechte "Netanjahova" und die im Kern nur nach Liebe dürstende russische Pu§§mu++er "Putain" Rhetorik des common sense und des common good in ihre Fre$$en nehmen, dann teilen sie im Grunde die Moral des neokonservativ gedeuteten Medicus. Die katastrophalen Resultate dieser Doppelmoral sind bekannt.
Insofern ist Der Medicus von Stölzl ein schöner Film einerseits und eine hässliche Propaganda für den Neokonservatismus andererseits. Denn die feine Romanhandlung, die Idee des Fortschritts durch Synthese der besten Erkenntnisse und der Überschreitung von Grenzen und die kluge Darstellung politischer Dynamik wird überschattet von westlicher Arroganz, neokonservativer Heuchelei und orientalistischer Stereotypenbildung. Die Crux der Sache ist, wie man den Film rezipiert. Leider kann Der Medicus leicht neokonservativ und eurozentrisch gedeutet werden.
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| Ibn Sina, Rob Cole und der Schah |
Der Film weicht von der Handlung her an einigen relevanten Stellen stark von der Buchvorlage ab. Und das geschieht sicher bewusst, um der okzidentalen Ideologie der Überlegenheit des christlichen Abendslandes Tribut zu zollen. Rob sieht zwar ein, dass das christliche Europa rückständig ist und dass Forschung nötig ist. Aber schon die Tatsache, dass er sich als Jude tarnen muss, ist wohl ein wichtiger Aspekt der westlichen Propaganda im Film. So wirken die muslimischen Perser gegenüber den Christen etwas unfair und sogar unterdrückerisch. Auch die antisemitisch wirkenden Ressentiments im Film von Seiten einiger Moslems erzeugen einen ähnlichen Eindruck. Die hochgläubigen muslimischen Mullahs wirken weltfremd, etwas fanatisch und zugleich korrupt. Auch scheint das Verbot der Autopsie und Sektion ("Schändung") hinderlich zu sein. Daher kommt es der nötigen Dramatik des Films entsprechend auch zu einer Beulenpest in Isfahan. Ibn Sina und seine Schüler retten die Stadt, natürlich durch Robs geniale Auffassungsgabe.
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| "Mut kennt keine Grenze". Stimmt, denn im arabischen Raum kämpfen auch kleine Jungs mit Steinen gegen tyrannische Regimes. |
Auch die Politik kommt nicht zu kurz. Die christlich-idiotischen Dogmatiker im mittelalterlichen Okzident kommen im Film zwar schlecht weg, aber sie sind ja ungebildet, dumm und egozentrisch. Dennoch haben sie die ein hervorragendes Individuum hervorgebracht wie Rob Cole, der zudem ein wirklich guter Christ ist, obwohl er betrügt und ehebricht. Denn sein Kampf für den guten Zweck auch gegen den Widerstand der alten, konservativen Moral der etablierten Mächte rechtfertigt offenbar seine kleinen Sünden. Immerhin laufen da draußen weit größere Gefahren herum, repräsentiert von pesttragenden Flöhen und Ratten, fanatischen Mullahs, autokratischen Schahs, eifersüchtigen Ehemännern und barbarischen Seldschuken, die keine Moral und keinen Gott kennen. In solch einer Welt muss, so suggeriert der Film, offenbar gelogen und betrogen werden. Für außergewöhnliche Individuen gilt scheinbar keine moralische Grenze. Am Ende beichtet der gläubige Christ freilich seine Sünden und wird dadurch auch noch zum christlichen Heiligen und Märtyrer angesichts der drohenden Verurteilung durch Christen, Juden und Moslems. Aber der Film lobt die Überschreitung der Moral aller Religionen im Sinne des höheren Zwecks.
Geopolitische Ansagen macht der Film scheinbar auch. Es ist kein Zufall, dass der etwas tyrannische Schah sich mit Rob Cole anfreundet. Es ist auch kein Zufall, dass die muslimischen Mullahs irgendwie fanatisch und zugleich korrupt wirken. Es ist auch kein Zufall, dass die Seldschuken, diese gottlosen Mörder von Frauen, Kindern und betender Moslems, als das größte Übel erscheinen. Es ist auch kein Zufall, dass sich diese atheistischen Seldschuken ausgerechnet mit den religiösen Mullahs verbünden, um den Schah zu stürzen. Es ist noch weniger ein Zufall, dass dieses Szenario an Ereignisse im 20. Jahrhundert erinnert.
Man tausche Rob Cole durch den neokonservativen Westen, angeführt von den USA und Großbritannien, den persischen Schah des Mittelalters durch den persischen Schah Reza Pahlewi, die damaligen Mullahs durch die Mullahs von Ayatollah Chomeini und die atheististischen Seldschuken Persiens durch die atheistischen Kommunisten Irans aus und schon hat man eine neokonservative Propaganda gegen das heutige iranische Regime.
Tatsächlich waren die iranischen Mullahs mit Hilfe der iranischen Kommunisten an die Macht gekommen, indem sie den Schah stürzten. Der Schah ist in den Augen der israelischen, amerikanischen und europäischen Neokonservativen ein kleineres Übel gewesen. Und die Sünde der Kriegsführung gegen das heutige iranische Regime wäre die kleinere Sünde im Vergleich zur Unterlassung und zur Unterordnung unter die etablierte Moral. Dass der Schah in Wirklichkeit beim iranischen Volk verhasst war, das kümmert nicht wirklich, denn die Mullahs sind ja heute noch verhasster.
Und der Okzident repräsentiert ja den Fortschritt, der auch mit militärischer Gewalt, Lug und Trug durchgesetzt werden darf, wie der Film es so plastisch darstellt. Der außergewöhnliche Kreuzfahrer des fortschrittlichen Westens darf sich demnach über die Rückschrittlichkeit des Ostens erheben und diesen zur Not mit Lüge und Gewalt im Namen der christlichen Nächstenliebe und des Fortschritts unterwerfen.
In der Epoche des "War on Terror" neokonservativer A*schgesichter gegen unliebsame Regierungen und Massenbewegungen, in der ein Regime nach dem anderen gestürzt wird und in dem die Region des Nahen Ostens nicht bloß die Realität eines großen Bürgerkrieges, sondern auch das Potenzial eines größeren regionalen und internationalen Krieges verschiedenster Mächte in sich birgt, ist diese Darstellung Teil einer neokonservativen Propaganda im Sinne der Herrscher dieser Welt. Die Moral in Der Medicus kann leicht im Sinne der westlichen Kriegstreiber-Rhetorik gedeutet werden. Der Zweck, "Freedom & Democracy", heiligt demnach die Mittel, Lug, Trug, Heuchelei, Mord und Totschlag. Die neokonservative Agenda der großen Westmächte kann so verharmlost und gefördert werden. Wenn abgefuc&te Kreaturen wie der androgyne Terrorlord "Angelo Merte", der scheindemokratische "Obamaniac", der ultrarechte "Netanjahova" und die im Kern nur nach Liebe dürstende russische Pu§§mu++er "Putain" Rhetorik des common sense und des common good in ihre Fre$$en nehmen, dann teilen sie im Grunde die Moral des neokonservativ gedeuteten Medicus. Die katastrophalen Resultate dieser Doppelmoral sind bekannt.
Neokonservative Moral
Sonntag, 9. Februar 2014
Ein paar sehenswerte Videos über den "Nahostkonflikt" und demokratische Israelkritik
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| Bild von Fotolia |
Eretz Nehederet / Wundervolles Land - Antizionismus in Israel
"72 min Hebräisch/Englisch/Deutsch mit deutschen Untertiteln
Was hat der Zionismus aus der israelischen Gesellschaft gemacht?
Die Frage scheint paradox und ist doch zentral für die israelische Linke: Der Zionismus hat die israelische Gesellschaft überhaupt erst erschaffen -- und zugleich ein Knäuel aus Militarismus, permanentem Ausnahmezustand und rassistischer Ausgrenzung hervorgebracht.
Im Dokumentarfilm «Eretz Nehederet / Wundervolles Land» nehmen Aktivistinnen und Aktivisten verschiedener linker Organisationen jene Mythen auseinander, die die israelische Gesellschaft von Anfang an bestimmen, und stellen ihnen die politischen Realitäten des Landes gegenüber. Schnipsel aus Spiel-, Dokumentar- und Propagandafilmen zeigen, wie tief die herrschende Ideologie im medialen Bild verankert ist und von welchen Brüchen sie durchzogen ist.
Es entsteht ein Porträt der radikalen Linken in Israel und eine Hommage an die Subversiven des Landes."
Gilbert Achcar: Die Araber und der Holocaust
"Die Araber und der Holocaust - Der arabisch-israelische Krieg der Geschichtsschreibungen
Die "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" (http://www.juedische-stimme.de/) und die "Edition Nautilus" (http://www.edition-nautilus.de/progra...) laden ein zu Buchvorstellung, Lesung und Gespräch mit dem Autor Gilbert Achcar. Fanny Michaela Reisin, Präsidentin der Internationalen Liga für Menschenrechte, stellt das soeben auf Deutsch erschienene Buch vor.
In dem bereits auf Englisch, Arabisch und Französisch erschienenen Buch unternimmt Gilbert Achcar eine längst überfällige, umfassende und differenzierte Darstellung der unterschiedlichen arabischen Reaktionen auf den Holocaust. Er erörtert, wie ein Krieg der Narrative um den Holocaust und die Nakba entbrannte. Sein Buch ist ein wichtiger Beitrag gegen Vorurteile und Rassismus in jeder Form, seien sie antiarabisch, antimuslimisch oder antisemitisch, und eine Grundlage für die Verständigung im Nahost-Konflikt."
Israeli Leftist Antizionist Tikva Honig-Parnass on 60th anniversary of Israel
"Israeli Writer-Activist Tikva Honig-Parnass, Who Fought for Israel's Founding in 1948, on 60 Years of Palestinian Dispossession and Occupation
We continue our coverage of the sixtieth anniversary of the founding of the state of Israel, what Palestinians call the Nakba, or catastrophe. We begin with Tikva Honig-Parnass, an Israeli who fought with Jewish paramilitary units and the Israeli army, participating in the military operations that expelled over 750,000 Palestinians. Today, she's an anti-Zionist leftist writer and activist who has been involved with anti-occupation, women's, and Mizrahi movements in Israel since the 1960s."
Shlomo Sand: Challenging notions of a Jewish People
"Israeli Professor Shlomo Sand talks up the ideas of his new book, The Invention of the Jewish People, challenging the underlying logic of the State of Israel as a homeland for the Jewish People.
He argues those who claim to be of the Jewish People cannot claim a blood connection with the original Jewish inhabitants of the Holy Land, but converts along the way. His book was a best-seller in Israel for 19 weeks in 2009."
Norman Finkelstein: The Coming Breakup of American Zionism
Amira Hass: Israel - Palestine - Fear of the Future
"Award winning Israeli human rights journalist Amira Hass spoke in Winnipeg on September 30, 2011 about the need to end Israel's occupation of Palestinian territory. Her visit was sponsored by Canadians for Justice and Peace in the Middle East and KAIROS: Canadian Ecumenical Justice Initiatives.
Camera: Paul S. Graham and Harold Shuster
Editing and production: Paul S. Graham, http://paulsgraham.ca"
Noam Chomsky: US Israeli Crimes Against Palestine
"Noam Chomsky Speaks at Brown University Filmed by Paul Hubbard Additional camera - Robert Malin Sponsored by Common Ground - Apr-20-2010"
Moshe Machover: Completing the Arab revolution
"This video was taken at the Communist Party of Great Britain’s annual school, the Communist University, which took place from August 9 – 16 2008 in south London. For more info, reports and comments visit www.cpgb.org.uk"
Moshe Machover - Iran, Israel, and nuclear weapons
"Moshe Machover discusses the tensions between Iran and Israel and the effect of nuclear weapons on the region at the Hopi weekend school (June 14-15)."
Samstag, 8. Februar 2014
Liebenswerte Politik ist politisierte Liebe
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit einer Freundin in der Bahn über Politik geredet habe. Wir waren uns einig, dass Politik und Liebe zusammengehören. Sie meinte sogar wörtlich: "Politik ist Liebe!" Jemand, der uns lauschte, spottete aus der Entfernung über dieses Gespräch oder diese geniale Idee. Ja, die Idee ist wirklich merkwürdig. Zugegeben. Aber ich halte an ihr fest.
Doch was soll solch ein Wandel bringen? Fromm stellt fest: "Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man strebt, nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen." Die meisten Menschen, die ganzen Horden von "Zombies" und "Cyborgs" da draußen, haben keine Motivation zum Leben. Sie vegetieren wie Gemüse vor sich hin. Da hilft auch lautes Kichern, Saufen, Abtanzen und wilder Sex nichts. Sie bleiben dennoch lebende Tote. Denn es fehlt ihnen an echter Motivation. Christoph Hess, ein moderner Philosoph von heute, hat in vielen seiner Texte diese Idee ausformuliert. In einem Text über die Unendlichkeit sagt er: "Ich entschuldige mich bei dir, dass ich träume, denn deine Euphorie für das Sein wurde endgültig abgeführt." Er provoziert damit natürlich. Aber zugleich erklärt er, was er unter Motivation versteht:
Liebe ist Motivation. Liebe treibt Menschen wirklich an. Fromm sagt "Liebe ist eine Aktivität und kein passiver Affekt. Sie ist etwas, das man in sich entwickelt, nicht etwas, dem man verfällt." Fromm geht noch weiter. Er reduziert Liebe nicht auf die erotisch-sexuelle Liebe, sondern versteht sie weit umfassender. Fromm insistiert darauf, "daß sie in allen ihren Formen stets folgende Grundelemente enthält: Fürsorge, Verantwortungsgefühl, Achtung vor dem anderen und Erkenntnis." Eine Definition Fromms von Liebe ist besonders beachtenswert:
Es gibt natürlich auch andere Motive und andere Motivationen, aber im Grunde handelt jeder Mensch mehr oder weniger aus Liebe und Motivation. Sogar die schlechtesten Menschen sind im Grunde von einer Abart der Liebe getrieben. Auch in diesen Menschen steckt irgendwo, so darf man annehmen, ein guter und liebenswerter Kern, denn sie sind Menschen, selbst wenn sie "Zombies" oder "Cyborgs" der kapitalistischen Maschine sind.
Auch der jämmerlichste Nazi-Köter ist trotz seiner Unbarmherzigkeit im Geiste ein kleines Kind, das nur gedrückt und geliebt werden will. Aber keiner liebt Nazis. Deswegen hat man keine Toleranz für Nazis und keinen Sex mit Nazis. Da hilft ihnen ihr "Schrei nach Liebe" (Die Ärzte) auch wenig. Nazis sollen aufhören, Nazis zu sein. Dann kuschelt man auch mehr mit ihnen. Natürlich "kuscheln" Nazis auch viel miteinander. Es soll ja auch eine homosexuelle Untergrund-Szene im Nazi-Untergrund geben, in der sich Menschen ganz besonders nach Liebe sehnen und vielleicht auch deswegen Nazis geworden sind, weil unsere Gesellschaft sie diskriminiert. Aber das "Kuscheln" von Nazis ist natürlich nicht wirkliches Kuscheln, sondern bloß die Imitation zärtlicher Verhaltensweisen, damit sie sich nicht wie die völligen Schwachköpfe und lieblosen Zombies fühlen, die sie sind. Jedenfalls sehnen sich auch Nazis in ihrem tiefsten Inneren nach einer liebenswerten Politik und nach politisierter Liebe.
Liebenswerte Politik und politisierte Liebe sind im Grunde das selbe. Solche Politik und Liebe sind der "Geist einer Gesellschaft, die zum Mittelpunkt Personen hat" (Fromm). Aber da solch eine Gesellschaft noch fern ist, müssen Politik und Liebe darauf hinarbeiten, die gewünschte Gesellschaft zu erreichen. Politik und Liebe gehören untrennbar zusammen, sofern man liebenswerte Politik machen will, sofern man als Politiker und Nicht-Politiker geliebt werden will.
Politik und Politikverdrossenheit
Ein Großteil der Weltbevölkerung ist politikverdrossen. In Deutschland ist das Problem seit vielen Jahren bekannt. Die Leute haben keinen Bock mehr auf Politik. Sie erwarten von ihr nichts mehr. Oder sie erwarten, nur noch verarscht zu werden. Fast allen Menschen ist klar, das Politik ein dreckiges Geschäft ist, in dem man sich kaum mit Ruhm bekleckern kann, aber mit viel Schmutz. Die real existierende Politik ist moralisch verkommen und intellektuell bankrott. Sie ist unredlich und verlogen. Sie dient ganz offenbar nicht den Interessen der Weltbevölkerung, sondern einer verschwindend winzigen Minderheit. Die 99% stehen gegen 1%, zu dem die politische und wirtschaftliche Elite der Welt gehört. Die Elite ist unser Feind. Wir sind der Feind der Elite. Das wissen die meisten von uns und daher kümmern wir uns meist nicht um das, was die da oben machen.
Politik und Politisierung
Obwohl ein Großteil der Bevölkerung zum großen Teil politikverdrossen ist, ist doch nie die ganze Bevölkerung ganz politikverdrossen. Irgendjemand will bestimmt auch in der tiefsten Umnachtung noch Politik machen. Und das ist kaum zu vermeiden. Leute sind ja noch nicht völlig kontrollierbar, sondern bloß manipulierbar. Das wissen auch die politischen und wirtschaftlichen Eliten, deren Privilegien von Politik abhängen.
Da die Bevölkerung nicht völlig kontrolliert werden kann, muss sie zumindest in Schach gehalten und in gewissem Rahmen gelenkt werden. Sie muss, wenn sie zu verdrossen ist, wieder für Politik mobilisiert werden. Politisierung ist also ein politisches Mittel der Politiker, um ihre Ziele zu erreichen. Die Ziele sind vor allem ein hohes Gehalt, eine gesicherte Rente, Bankkonten in der Schweiz, Ruhm und Ehre, Macht, Weltherrschaft usw. Das Übliche eben. Andererseits können einige Ziele auch realen Menschen außerhalb des Politikbetriebs angehören.
Politisierung funktioniert deswegen, weil den Menschen nichts anderes übrig bleibt als sich mit Politik zu beschäftigen. Wenn sie extrem ausgenommen und verarscht werden, müssen sie irgendwann das kleinere Übel wählen, damit es nicht noch schlimmer wird. Protest-Wähler wählen dann auch mal Parteien und Politiker am Rande des Establishments, also okkulte, spiritualistische, knallrechte oder völlig absurde Wahlmöglichkeiten wie die FDP und die AfD. Andere wählen aus grotesken Gründen solche Parteien wie die CDU, die Grünen oder die SPD, die sich mehr oder weniger sozial und demokratisch geben, um ihren antisozialen und elitären Charakter zu tarnen. Manche wählen vielleicht auch wirklich demokratische und soziale Parteien wie DIE LINKE.
Die Medien helfen den Eliten für gewöhnlich aber dabei, dass nicht allzu viele Wähler die Linkspartei wählen. Sie erwähnen sie seltener. Sie machen sie lächerlich. Sie gehen nicht auf ihre Inhalte ein. Wenn sie sie erwähnen, dann meist mit negativer Konnotation oder mit Konzentration auf das Unpolitische. Politiker anderer Parteien werden dagegen weit mehr thematisiert, ernst genommen und gefeiert. Und selbst wenn die Politik oder der Stil der nicht-linken Politiker kritisiert wird, dann lenkt es dennoch von den Inhalten der Linkspartei ab. Denn DIE LINKE kann nur punkten, wenn man sich ernsthaft mit ihren Positionen auseinandersetzt, während Merkel auch dann schon punktet, wenn man Mitleid für sie hat oder sich über sie aufregt, nur um dann niemanden mehr zu wählen. Nicht-Wählen stärkt die rechten und elitären Parteien, weil deren Wähler auch dann wählen, wenn gute Leute aus Protest nicht wählen. Politikverdrossenheit kann also den Hass und die Massenverachtung in der Politik schüren. Aber es geht auch anders.
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| Erich Fromm |
Liebenswerte Politik ist politisierte Liebe
Erich Fromm hat in seinem Klassiker Die Kunst des Liebens den Kern der Sache getroffen. Der Marxist hat in seinen Büchern die kranke Natur des Kapitalismus und des durchschnittlichen Lebens trefflich und verständlich herausgearbeitet.
So schrieb er über die Politikverdrossenheit der Menschen:
Ein Satz ist besonders eindeutig, was Politik im Kapitalismus und die Liebe angeht:
Fromm sagt also, es gibt zwei Prinzipien, die sich gegenseitig ausschließen. Der Kapitalismus ist der Feind aller Liebe. Er ist ein liebloses, kaltes System "toter Arbeit", die die Liebesfähigkeit der Menschen unterdrückt und in Zynismus und Nihilismus verwandelt. Wo auch immer Liebe auftaucht, da stört der Kapitalismus den oder die Liebenden daran, die Liebe zu verwirklichen.
So schrieb er über die Politikverdrossenheit der Menschen:
"Tatsächlich steckt er [Zynismus] hinter der Auffassung des Durchschnittsbürgers, der das Gefühl hat: 'Ich wäre ja recht gern ein guter Christ - aber wenn ich damit ernst machte, müßte ich verhungern.' Dieser 'Radikalismus' läuft aber auf einen moralischen Nihilismus hinaus. Ein solcher 'radikaler Denker' ist genau wie der Durchschnittsbürger ein liebesunfähiger Automat, und der einzige Unterschied zwischen beiden ist der, daß letzterer es nicht merkt, während ersterer es weiß und darin eine 'historische Notwendigkeit' sieht. Ich bin der Überzeugung, daß die absolute Unvereinbarkeit von Liebe und 'normalem' Leben nur in einem abstrakten Sinn richtig ist."
Ein Satz ist besonders eindeutig, was Politik im Kapitalismus und die Liebe angeht:
"Unvereinbar miteinander sind das der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zugrunde liegende Prinzip und das Prinzip der Liebe."
Auch deswegen ist heute die romantische Vorstellung von Liebe in den Liebesfilmen so attraktiv. Im echten Leben ist so eine Liebe so gut wie unmöglich. Sie wird immer wieder von den Realitäten zunichte gemacht. Hegel sagte: "der Konflikt zwischen der Poesie des Herzens und der entgegenstehenden Prosa der Verhältnisse sowie dem Zufalle äußerer Umstände" sei typisch für die moderne Kunst in der kapitalistischen Gesellschaft.
Hegel hatte Recht. Denn in den Liebesfilmen wird nur aufgegriffen, was sich die durchschnittlichen Bürger der bürgerlichen Gesellschaft bloß erträumen oder eben in Form von Kunst genießen können. Die "Prosa der Verhältnisse", das graue alltägliche Leben, zieht auch die höchsten Höhenflüge der Liebe in den graubraunen Sumpf des kapitalistischen Alltags. Dieser Alltag besteht aus monotoner Arbeit, monotoner Freizeit und illusionären Träumen. Es ist doch absolut natürlich und menschlich, dass die Leute dann zu Drogen, Gewalt, Kriminalität, Hass, Zerstörung und Selbstzerstörung greifen, um in solch einem prosaischen Leben ihre eigene Lyrik auszudrücken. Allerdings wäre es wiederum zynisch und nihilistisch, diesen status quo einfach hinzunehmen. Es ist ein inakzeptabler und absolut bekämpfenswerter Zustand.
Wer will, dass seine oder ihre Kinder in so einer gottlosen und gottverdammten Welt aufwachsen müssen? Gibt es völlig gewissenlose Maschinen, denen es gleichgültig ist, wie ihre Nachfahren leben müssen? Schämen sich diese Menschen nicht, wenn sie existieren? Wahrscheinlich gibt es völlig verkommene Kreaturen, denen all das egal ist. Es sind lebende Tote oder "Cyborgs der Maschinerie" (Cr7z), die daher keine Moral und keine Scham kennen. Sie machen einfach.
So machen sie auch Politik. Die Politik für solche Menschen und von solchen Menschen ist Politik in den Abgrund, Politik in die Selbstauslöschung, Politik, deren Damoklesschwert nicht nur über das seelische Überleben der Menschlichkeit, sondern auch über das physische Überleben der Menschheit urteilt. Fromm drückte das so aus: "Zum ersten Mal in der Geschichte hängt das physische Überleben der Menschheit von einer radikalen Veränderung des Herzens ab." Radikale Veränderung des Herzens? Yoga? Meditation? Ja, auch. Aber es geht vor allem darum, die eigene Einstellung zum Leben radikal zu ändern, indem das "Wesen des Menschen" anders aufgefasst wird als bisher:
"Das Wesen der Liebe zu analysieren, heißt ihr allgemeines Fehlen heute aufzuzeigen und an den gesellschaftlichen Bedingungen Kritik zu üben, die dafür verantwortlich sind. Der Glaube an die Möglichkeit der Liebe als einer individuellen Ausnahmeerscheinung ist ein rationaler Glaube, der sich auf die Einsicht in das wahre Wesen des Menschen gründet."
"Liebe braucht keine Motive, Liebe ist Motivation".
Liebe ist Motivation. Liebe treibt Menschen wirklich an. Fromm sagt "Liebe ist eine Aktivität und kein passiver Affekt. Sie ist etwas, das man in sich entwickelt, nicht etwas, dem man verfällt." Fromm geht noch weiter. Er reduziert Liebe nicht auf die erotisch-sexuelle Liebe, sondern versteht sie weit umfassender. Fromm insistiert darauf, "daß sie in allen ihren Formen stets folgende Grundelemente enthält: Fürsorge, Verantwortungsgefühl, Achtung vor dem anderen und Erkenntnis." Eine Definition Fromms von Liebe ist besonders beachtenswert:
"Liebe ist die tätige Sorge für das Leben und das Wachstum dessen, was wir lieben."
Es gibt natürlich auch andere Motive und andere Motivationen, aber im Grunde handelt jeder Mensch mehr oder weniger aus Liebe und Motivation. Sogar die schlechtesten Menschen sind im Grunde von einer Abart der Liebe getrieben. Auch in diesen Menschen steckt irgendwo, so darf man annehmen, ein guter und liebenswerter Kern, denn sie sind Menschen, selbst wenn sie "Zombies" oder "Cyborgs" der kapitalistischen Maschine sind.
Auch der jämmerlichste Nazi-Köter ist trotz seiner Unbarmherzigkeit im Geiste ein kleines Kind, das nur gedrückt und geliebt werden will. Aber keiner liebt Nazis. Deswegen hat man keine Toleranz für Nazis und keinen Sex mit Nazis. Da hilft ihnen ihr "Schrei nach Liebe" (Die Ärzte) auch wenig. Nazis sollen aufhören, Nazis zu sein. Dann kuschelt man auch mehr mit ihnen. Natürlich "kuscheln" Nazis auch viel miteinander. Es soll ja auch eine homosexuelle Untergrund-Szene im Nazi-Untergrund geben, in der sich Menschen ganz besonders nach Liebe sehnen und vielleicht auch deswegen Nazis geworden sind, weil unsere Gesellschaft sie diskriminiert. Aber das "Kuscheln" von Nazis ist natürlich nicht wirkliches Kuscheln, sondern bloß die Imitation zärtlicher Verhaltensweisen, damit sie sich nicht wie die völligen Schwachköpfe und lieblosen Zombies fühlen, die sie sind. Jedenfalls sehnen sich auch Nazis in ihrem tiefsten Inneren nach einer liebenswerten Politik und nach politisierter Liebe.
Liebenswerte Politik und politisierte Liebe sind im Grunde das selbe. Solche Politik und Liebe sind der "Geist einer Gesellschaft, die zum Mittelpunkt Personen hat" (Fromm). Aber da solch eine Gesellschaft noch fern ist, müssen Politik und Liebe darauf hinarbeiten, die gewünschte Gesellschaft zu erreichen. Politik und Liebe gehören untrennbar zusammen, sofern man liebenswerte Politik machen will, sofern man als Politiker und Nicht-Politiker geliebt werden will.
Aber erst die "menschliche Gesellschaft" (Marx) ist eine Gesellschaft, die von liebenswerter Politik und politisierter Liebe dominiert wird. Bis dahin ist es noch weit. Bis dahin werden wohl noch viele ultrarechte, konservative, liberale, linksliberale, GroKo-mäßige und pseudosozialistische Regierungen gestürzt. Erst eine Regierung, die im Grunde schon keine Regierung mehr ist, weil sie nicht mehr systematisch unterdrückt und ausbeutet, wird eine liebenswerte Regierung sein, die auf eine liebenswerte Gesellschaft zusteuert, indem sie die Liebe politisiert und liebenswerte Politik macht. Sowas gab es bisher nur sehr selten. Und immer, wenn es das gab, wurde der Versuch niedergemacht von hasserfüllten Menschen...
Donnerstag, 6. Februar 2014
Große Geister und Kleingeister
Große Denker werden spätestens nach ihrem Tod meist entsetzlich entstellt oder vollkommen vergessen. Alles von Format wird formatiert, alles mit Bedeutung umgedeutet. Das geschieht solange bis die Wurzel, der Kern, das radikal Neue an einem Gedanken genauso langweilig gemacht wird wie das lange schon Gewohnte. Der radikale Inhalt wird entleert und entsorgt. Bloß die Hülle bleibt. Es ist wie mit einer Wohnung, von der bloß die Fassade übrig bleibt, während die persönliche Innenarchitektur meist schwindet, sobald ein neuer Geist die Wohnung bezieht.
Die kafkaeske Verwandlung
Solche Umwandlung ist normal in der Klassengesellschaft, aber in der kapitalistischen Klassengesellschaft nimmt dieser Umwandlungsprozess geradezu perverse, kafkaeske Züge an.
Die Verwandlung von Franz Kafka stellt diese hässliche Wahrheit ganz schön dar. "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt." Obwohl Gregors Kern als geliebter Sohn der Familie Samsa derselbe geblieben ist, verwandelt er sich für seine Familie in ein ekelhaftes Ungeziefer. Er wird damit in eine neue Hülle gesteckt, die mit seinem Kern nicht mehr viel gemein hat. Zugleich gewöhnt sich die Familie an die neue Hülle Gregors, nur um aus ihm am Ende einen toten Hund (oder Käfer) zu machen.
Hegel, ein toter Hund?
Hegel, der größte Denker unter den Deutschen Idealisten des 19. Jahrhunderts, wurde wie so viele große Denker zum toten Hund erklärt - und das schon zu Lebzeiten! Denn wer die lebendigen Gedanken eines großen Denkers sterilisiert, der behandelt auch den Denkern wie einen kastrierten Hund, der kein Leben mehr schaffen kann. ;-)
Marx hat sich über diese Behandlung Hegels zurecht empört. Ein längeres Zitat mag veranschaulichen, was gemeint ist:
"Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil. Für Hegel ist der Denkprozeß, den er sogar unter dem Namen Idee in ein selbständiges Subjekt verwandelt, der Demiurg des wirklichen, das nur seine äußere Erscheinung bildet. Bei mir ist umgekehrt das Ideelle nichts andres als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle. Die mystifizierende Seite der Hegelschen Dialektik habe ich vor beinah 30 Jahren, zu einer Zeit kritisiert, wo sie noch Tagesmode war. Aber grade als ich den ersten Band des 'Kapital' ausarbeitete, gefiel sich das verdrießliche, anmaßliche und mittelmäßige Epigonentum, welches jetzt im gebildeten Deutschland das große Wort führt, darin, Hegel zu behandeln, wie der brave Moses Mendelssohn zu Lessings Zeit den Spinoza behandelt hat, nämlich als 'toten Hund'. Ich bekannte mich daher offen als Schüler jenes großen Denkers und kokettierte sogar hier und da im Kapitel über die Werttheorie mit der ihm eigentümlichen Ausdrucksweise. Die Mystifikation, welche die Dialektik in Hegels Händen erleidet, verhindert in keiner Weise, daß er ihre allgemeinen Bewegungsformen zuerst in umfassender und bewußter Weise dargestellt hat. Sie steht bei ihm auf dem Kopf. Man muß sie umstülpen, um den rationellen Kern in der mystischen Hülle zu entdecken."
Seht ihr tote Hunde?
Wie mit Hegel ging man dann auch mit Marx um, sobald er tot war. Aus einer lebendigen Philosophie des größten revolutionären Denkers bis heute wurde ein Idiot gemacht. Man brachte Phrasen über das Hineinwachsen des Kapitalismus in den Sozialismus, über staatliche Allheilmittel und über die naturgesetzliche Unvermeidbarkeit des Kommunismus. Mit Marx hatten diese Ideen nicht mehr viel zu tun. Sowohl die Sozialdemokraten wie auch die Stalinisten "verhundsten" Marx auf solche Weise.
Aber ihre Regierungsgewalt überwältigte auch die schärfsten Kritiker diese Idiokratien, dieser Regierungen der Idioten. Rosa Luxemburg wurde 1919 mit Hilfe der SPD-Bonzen erschossen, Trotzki wurde 1940 von einem Agenten Stalins mit dem berühmten Eispickel erschlagen und Chen Duxiu wurde 1929 für Stalins völliges Versagen in China aus der Kommunistischen Partei Chinas ausgeschlossen, sodass er 1942 relativ ohnmächtig sterben musste. Auch Adorno, Brecht, Einstein, Gramsci, Luxemburg, Marcuse, Zetkin etc. bellten zu laut. Sie alle wurden im Anschluss wie tote Hunde behandelt. Man wollte sie einschläfern, um sie dann auszustopfen. Denn der radikale Kern dieser Denker war gemeingefährlich.
Das ist dem klügeren, gemeinen Bürger bewusst. Er weiß, dass sie die Gemeinheit des Bürgers gefährdeten. Denn sie kritisierten die bestehenden Verhältnisse, die Zwänge, die Unfreiheit, die Unterdrückung, Knechtung, Ausbeutung durch das Bürgertum. Man musste diese Hitzköpfe kalt stellen. Dafür mussten sie also begraben und totgeschwiegen werden. Und wo sie nicht totgeschwiegen werden konnten, hat man sie in totlangweiligen Sendungen totgesagt oder in Grund und Boden geschimpft.
Doch Totgesagte leben länger. Und die Gespenster großer Denker lasten wie ein Alp auf den Schultern der bürgerlichen Gesellschaft. Und sie spuken noch immer, um die Bourgeoisie in Angst und Schrecken zu versetzen.
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| "'Elwood' wurde 2007 zum 'hässlichsten Hund der Welt' gewählt. Jetzt ist der Mix aus Chinesischem Schopfhund und Chihuahua gestorben", so die BILD-"Zeitung", das dreckige Kampfblatt |
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