Samstag, 30. November 2013

Kriegserklärung an die DB! (Serie: DB = €#$, Teil 1)

Diese Artikelserie ist meine persönliche Kriegserklärung an die so genannte Deutsche Bahn (DB). Für mich heißt DB so viel wie Drecksbahn, Drangsalierungsburschen, Dom Babok (= russ.: Haus des schmutzigen Geldes).

Die DB ist so ein Haufen von kapitalistischen Betrügern, dass man ihm vernichtende Antiwerbung gönnen sollte. Diese Artikelserie zur DB sammelt daher alle bösen Gerüchte und alle Negativschlagzeilen über die DB.

Helft mir, indem ihr mit mir lästert, kommentiert und aufklärt über die Machenschaften der DB! Entscheidend ist dabei das Kommentieren, die Versendung von privaten Nachrichten und Links an mich. So können wir eine gemeinsame Kriegserklärung daraus machen!

Zeigen wir's der DB! Zeigen wir der Drecksbahn, dass dass sie mehr als ein Rad ab hat!

Karikatur von Pfohlmann auf http://www.toonpool.com/cartoons/DB%20Service_21346#


Freitag, 29. November 2013

Klassenherrschaft und Technokratie (Serie: Gefahren der technokratischen Revolution, Teil 1)



"In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der »Weltgeschichte«; aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mußten sterben. – So könnte jemand eine Fabel erfinden"
Die "klugen Tiere" sind natürlich die Menschen, wir. Nietzsche könnte am Ende mit seinem Gedankenspiel über das Ende der Menschheit Recht behalten. Vielleicht wird die Menschheit einfach wieder verschwinden. Das wäre für das Universum so etwas wie der Tod einer Fliege. Wen würde es dann noch kümmern, was in der Welt so passiert? Das kann uns egal sein. Nicht egal sollte uns sein, wie es zum Ende der Menschheit kommen könnte.

Fiktive Existenzbedrohungen in der Zukunft


Jedes Jahr werden in Büchern, TV-Serien, Filmen etc. millionenfach in diversen Science Fiction-Szenarien die Gefahren der Zukunft beschworen: Da gibt es die Terminators, die uns den Krieg erklären und die Matrix, die uns zu lebenden Batterien verwandelt. Da gibt es die völlige Verelendung der arbeitenden Menschen auf der Erde, während die Reichen auf die paradiesische Weltraumstation Elysium umziehen. Oder den Exodus der Reichen auf einer hochmodernen High-Tech-Arche nach der Klimakatastrophe und Sintflut. Ebenso gibt es das Szenario der Vereisung des Globus oder die Bedrohung durch Asteroiden. Oder auch die Welt, die von Tornados verwüstet wird. Da gibt es weiterhin unzählige Varianten der Alien-Invasion, der Zombie-Apokalypse und des dritten Weltkrieges. Man darf natürlich die X-Men- und X-Women-Mutanten und die Gentechnik-Unfälle nicht vergessen, die es da so gibt. 

Diese Szenarien scheinen für naive Leser erstmal bloße "Fiction" zu sein, die mit "Science" nichts zu tun hat. Tatsächlich hat Science Fiction viel mehr mit Wissenschaft und Realität zu tun als uns lieb ist. All diese Szenarien kommen nämlich aus der kaputten Wirklichkeit von heute. Es werden nur aus realen Trends, die in die falsche Richtung gehen, mögliche katastrophale Endresultate künstlerisch und zugespitzt dargestellt. Auch gesellschaftskritische Aktivisten und Theoretiker weisen schon lange darauf hin, dass die fiktionalen Dystopien nicht so fern sind wie wir hoffen.

Reale Existenzbedrohungen in der Vergangenheit


Seitdem es die Atombombe und noch mehr seitdem es mehrere Atommächte gibt, haben die Mächtigen dieser Welt das Schicksal der Welt in der Hand. Schon mehrmals ist es fast zu Atomkriegen gekommen.

Nachdem die USA im 2. Weltkrieg Japan mit zwei Atombomben niedergestreckt hatten, kam es im Koreanischen Krieg beinahe zum ersten Atomkrieg. Psychopathen im amerikanischen Militär wollten gegen China, das in den Konflikt verwickelt war, Atombomben nutzen. Damals hatte Chinas Verbündeter, die Sowjetunion, bereits selbst Atombomben. Jahre später kam es zur Kuba-Krise, die ebenfalls knapp an einem Atomkrieg vorbeigeführt hat. Gegenwärtig gibt es Bürgerkrieg im Nahen Osten und mehrere Atommächte sind in diesen Krieg verwickelt. Der atomare Vernichtungskrieg droht uns also immer wieder. Die Gefahr wird nicht einmal geringer. Sie wird größer.

Die amerikanischen Atombomben von Hiroshima und Nagasaki waren nichts im Vergleich zu den Bomben, über die unsere herrschenden Herrschaften heute verfügen. Nicht nur gibt es einzelne Bomben, die das zigfache der Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe haben, sondern es gibt davon auch 1000 mal mehr.

Die Herren dieser Welt könnten alles Leben auf der Erde vernichten, wenn sie nur einen Teil dieser Bomben gleichzeitig zünden würden. Der Atomkrieg bedroht den Bestand der Menschheit, der Tier- und Pflanzenwelt, eigentlich sogar der ganzen uns bekannten Welt.

Wir gefährden uns selbst am meisten. Wir sind selbstzerstörerische Tiere. Wir sind die gefährlichste, grausamste und amoralischste Killermaschine, die die Welt je gekannt hat. E-Coli-Bakterien, Giftige Skorpione, wilde Raubtiere und das AIDS-Virus, die unzählige Menschen auf dem Gewissen haben, haben weit weniger Menschen getötet als wir.

Sie haben vielleicht auch mehr Gewissen als wir. Wer weiß? Immerhin gab es in der Menschheitsgeschichte so unfassbare Gräuel und Untaten, dass man sie für Horrorgeschichten halten könnte, um Kindern wie Erwachsenen Angst einzujagen. Aber keine fiktive Geschichte kann auch nur annähernd die Schrecken der Realität darstellen. Selbst entrüstende Dokumentationen oder Spielfilme über den Holocaust oder das Nanjing-Massaker kommen nicht im Geringsten an die Realität heran.

Es gibt fast kein Horrorszenario, das die reale Welt nicht bereit hält. Die fiktiven Szenarien können uns dafür aber ergreifen und prägen. Kommen wir daher zu einem der interessantesten Szenarien der Science Fiction.

Das Zestörungspotenzial im modernen Kapitalismus




"Am 29. August 1997 endeten drei Milliarden Leben. Die Überlebenden des nuklearen
Feuers nannten den Krieg den Tag des jüngsten Gerichts. Sie überlebten nur, um sich einem neuen Alptraum gegenüberzustehen: dem Krieg gegen die Maschinen."
Dieser Horror entstammt dem Action-Film "Terminator 2", der davon handelt, wie intelligente Killermaschinen entwickelt werden, die sich gegen ihren Herren, den Menschen, auflehnen und einen Vernichtungskrieg gegen ihn anfangen. Sie beginnen einen Atomkrieg, wobei die Hälfte der Menschen auf einen Schlag stirbt. Der Rest wird von den Maschinen per Hand eliminiert. Die Killermaschine Mensch trifft auf eine noch effizientere Killermaschine, die definitiv keinerlei Gewissensbisse hat. Zum Glück hat sich dieses Schreckensszenario bisher nicht bewahrheitet.

Die Bedrohung der Menschheit durch unkontrollierbare Technologien besteht aber noch immer und wird Jahr für Jahr gefährlicher. Denn der Kapitalismus konnte bisher keine Lösung für die größten gesellschaftlichen Probleme bieten. Er vertieft diese vielmehr, weil er offenbar ein unkontrollierbares und schwer berechenbares System ist. Und er war als sadistisches Kind schon scheiße. Als zynischer Greis ist er aber noch viel schlimmer geworden. 

Denn die Zuspitzung der internationalen Konkurrenz führt weiterhin zu Verelendung und Ohnmacht auf der einen Seite und zu mehr Reichtum und Macht auf der anderen Seite. Die Geopolitik der verschiedenen Staaten führt zu immer neuen Kriegen. Der Drang nach Profit führt zu unglaublichen wissenschaftlichen Erkenntnissen und genialen Technologien auf der Seite der Reichen und Mächtigen zu einem umso krasser werdenden Ausschluss der Armen und Ohnmächtigen von diesen Früchten der Industriegesellschaft.

Diese Früchte werden von den Ausbeutern genüsslich konsumiert, während die Ausgebeuteten ihr Leben lang dreckige, monotone, sinnlose und schlecht entlohnte Lohnarbeit machen müssen. Während sich der Luxus für die Herrschenden immer weiter entwickelt, stagnieren die Beherrschten noch immer auf niedrigem Niveau. Was für die einen eine völlig fremde Welt ist, ist für die anderen Alltag und umgekehrt. Denn wer satt ist, wird nie einen Hungernden verstehen. Allerdings kontrollieren selbst die verantwortlichen Profiteure dieses Systems das System nicht. Es kontrolliert vielmehr sie. Der Teufel verändert dich, wenn du dich auf ihn einlässt.

Unkontrollierbare Herrschaftstechniken


Was hindert die Menschheit daran, das Horrorszenario aus "Terminator 2" in den nächsten Jahrzehnten wahr werden zu lassen? Ich denke, nicht allzu viel.

In Terminator 2 fragt ein Nachwuchswissenschaftler den führenden Kopf, der für das US-Militär die erste intelligente Killermaschine entwickeln soll, über dieses wahnsinnige Projekt aus. Die Antwort sollte den Zuschauer verstören: “Ich habe ihnen die selbe Frage gestellt. Und wissen sie, was man mir gesagt hat? Fragen Sie nicht!”

Im Film hat sogar der für den Krieg mit den Maschinen hauptsächlich verantwortliche Forscher keine Kontrolle über seine Erfindung. Er ist bloß eine Marionette mächtigerer Interessen. Zwar wendet er sich letztlich gegen diese Interessen, indem er seine eigene Erfindung zu zerstören versucht. Natürlich scheitert er jedoch, damit die Filmreihe weitergehen kann. Aber werden auch wir scheitern oder können wir sicher sein, eine bessere Zukunft zu erleben? Ich denke, die Zeit spielt jedenfalls gegen uns.

Um die zukünftige Gefahr abschätzen zu können, sollte man das heutige Kräfteverhältnis der zwei kämpfenden Seiten beachten. Wenn der kapitalistische Staat bisher alle sozialistischen Erhebungen besiegt hat, liegt das daran, dass seine Herrschaftstechniken unserem Widerstand überlegen sind. Abgesehen von der resignativen oder zustimmenden Haltung vieler Menschen zur herrschenden Ordnung gibt es weitere subtile und gewaltsame Herrschaftstechniken, die wir bisher nicht kontrollieren können.

Die leidenden Massen der Bevölkerung wehren sich zwar in regelmäßig ausbrechenden Massenbewegungen und -protesten. Manchmal stürzen diese irgendwelche Mubaraks, Gaddafis oder vielleicht auch Erdogans und Merkels. Aber bisher wurden revolutionäre Erhebungen immer wieder von der Staatsmacht unterdrückt. Am Ende hat der Staat sich immer retten können. Die Menschen kämpfen aber immer wieder von Neuem gegen die Repression durch den Staat.

Die Technik ist dabei nur ein Mittel im Kampf dieser beiden Seiten. Allerdings ist sie im kapitalistischen System wohl kaum kontrollierbar, denn der Kapitalismus ist ein anarchisches System blinder Konkurrenz.

Der technische Stand der Herrschaftstechniken heute


Nach der Fukushima-Katastrophe hat die Robotik weltweit einen gewaltigen Schub erfahren. Denn Roboter kann man auch ohne Gewissensbisse und vor allem ohne Geldverlust zur Reparatur in ein verseuchtes Kraftwerk schicken. Internationale Forscherteams haben bereits Roboter entwickelt, die klettern, sprinten, tanzen, Gesichter und Stimmen identifizieren und Fahrzeuge bedienen können. In Japan hat ein Künstler im Alleingang einen laufenden Panzer mit integrierter Schusswaffe entwickelt. Der technische Stand der von Präsident Obama so gerne benutzten Bomber-Drohnen ist damit schon überholt. Es gibt bereits fortschrittlichere Tötungsmaschinen.

Darüber hinaus gibt es Technologien, die als Mittel der kapitalistischen Staatsmacht für uns noch viel gefährlicher werden könnten. Das US-Militär erforscht etwa im Bereich der Nanotechnologie und der Biotechnologie neue Ausrüstungen wie z.B. ultraleichte und unsichtbare Anzüge und die Muskelkraft vervielfachende Exoskelette für Soldaten. Auch Laser-, Mikrowellen- und elektromagnetische Waffen werden bereits getestet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis es die ersten intelligenten Killermaschinen gibt. Im Film erobern die "Terminators" die Welt und unterdrücken die Menschen. Was sie da errichten, kann man im Grunde "Technokratie" nennen. Die Technik scheint zu herrschen, während der Mensch beherrscht wird. Das ist aber keine bloß fiktive Gefahr. Die Technokratie ist bereits eine jetzt bestehende Gefahr in der kapitalistischen Gesellschaft.

Technokratie in der kapitalistischen Gesellschaft


Wissenschaft und Technik sind im Kapitalismus einerseits dem Bewusstsein und Interesse der Herrschenden unterworfen und damit teils steuerbar. Andererseits sind sie der kapitalistischen Verwertungslogik unterworfen. Aber weder der Staat noch der Markt können die Technik kontrollieren. Die Technik droht vielmehr, sich zu verselbständigen, da das Resultat am Ende offen ist.

Wir wissen nicht, ob es einen Atomkrieg geben wird, ob die Killermaschinen der Zukunft sich gegen die gesamte Menschheit wenden werden oder ob die Gentechnik die Menschheit auslöschen wird. Was wir aber jetzt schon wissen können, ist, dass die Technik den Herrschenden dient. Sie investieren in die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, neuer Technologien und neuer Herrschaftstechniken.

Ihre Profitlogik hat bereits zur Entwicklung nicht-intelligenter Maschinen in der industriellen Revolution geführt. Es kam in den letzten Jahrzehnten bereits zur Revolution des Informationszeitalters. Die Revolutionen der Nano-Technik, der Quantenphysik, der Genmanipulation und der Robotik stehen noch an. Sie alle sind unter den Bedingungen der kapitalistischen Klassengesellschaft Teil dessen, was ich hier "technokratische Revolution" nennen will. Es ist eine technologische, soziale, ökonomische und politische Revolution, die dem Ausbau der bestehenden Klassenherrschaft dient.

Die Herrschenden im Kapitalismus sind die Kapitalisten. Ihr Denken und Handeln dreht sich um ihre Klassenlage. Ihre Klassenlage ist die von abgehobenen Herren dieser Welt. Ihnen sind unsere menschlichen Situationen so gut wie fremd. Unser Wohlbefinden ist natürlich nicht ihre Priorität. Natürlich sind Weltfrieden, Freude und Eierkuchen auch nicht gerade die Probleme, die diesen Herrschaften den Kopf zerbrechen. Krieg und Frieden sind höchstens Mittel für ihre mehr oder weniger bewusste Herrschaft.

Aber selbst wo die Herrschenden bewusst globale Entwicklungen beeinflussen, wie es z.B. George Soros ganz eindrücklich tut, kontrollieren sie ihr Herrschaftssystem nicht. Sie sind zwar die kapitalistischen Herren dieser Welt. Aber auch der Befehl der Herren geht im lauten Gewirr und der bunten Hektik der kapitalistischen Welt unter.

Die in Klassen und Klassenfraktionen gespaltene kapitalistische Gesellschaft lässt sich nicht kontrollieren, weil es an einem zentralen oder kollektiven Kommandoposten fehlt. Denn die Interessen der einzelnen konkurrierenden Fraktionen verhindern solche Entscheidungsfindung. Statt dessen zerstreiten sich die politischen und wirtschaftlichen Fraktionen immer wieder.

Selbst in solchen Gremien wie im Bundestag, in der Bundesregierung, im EU-Parlament, in der kommunistischen Partei Chinas, im US-Senat oder in der UNO treffen die verschiedensten Interessen aufeinander, sodass gemeinsame Entscheidungen stets auf Kompromissen zwischen den Mächtigen beruhen. Das lässt erahnen, dass noch viele unerwartete Ereignisse und Gefahren auf uns zukommen werden.

Und wir können ahnen, dass die unkontrollierte Technik einer demokratischen Kontrolle durch die ganze Gesellschaft bedarf. Eine solche demokratisch kontrollierte Technik könnte allen Menschen dienen. Dafür brauchen wir aber eine Demokratisierung und soziale Umgestaltung von Staat und Wirtschaft, die den Kern unseres Systems in Frage stellen würde.

Aber wir dürfen auch hoffen, dass sich keines der Horrorszenarien als Folge der technokratischen Revolution durchsetzen wird, sondern die demokratische und soziale Revolution, denn:

"Alle Dunkelheit der Welt kann das Licht einer einzigen Kerze nicht auslöschen." 

Montag, 25. November 2013

Die Araber und der Antizionismus, Teil 1

Eine jede Betrachtung des Nahostkonfliktes ist überschattet vom arabisch-israelischen Krieg der Geschichtsschreibungen. Gilbert Achcar, Professor für Entwicklungspolitik und Internationale Beziehungen an der School of Oriental and African Studies in London, hat dem Thema ein Buch gewidmet. Achcars Buch “Die Araber und der Holocaust” (2012 bei Edition Nautilus erschienen) ist ein wertvoller Beitrag, der dabei hilft, “die Logik des Krieges der Narrative zu beleuchten”, wie Achcar selbst hofft.

Achkars humanistische und wissenschaftliche Perspektive


Achcar schreibt im Vorwort zur deutschen Ausgabe des Buches über seine Motivation:

So hoffe ich, dass die deutsche Ausgabe meines Werks dazu beitragen wird, Licht in die Finsternis zu bringen, die der Instrumentalisierung dieses Konflikts Vorschub leistet, und all jenen Argumente zu liefern, die allein von dem beseelt sind, was die deutsche Geschichte an Wertvollstem hervorgebracht hat – Humanismus und Internationalismus.

Achcar schreibt also ganz im Sinne der humanistischen Ideen solcher Denker wie Karl Marx. Einseitige Parteinahme für die eine oder andere Bevölkerung lehnt er ebenso ab wie die verschiedenen mehr oder weniger versteckten Formen von Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus oder religiösem Fanatismus. Einerseits kritisiert er all die Vertreter der Israelkritik und des Antizionismus, die nicht zugleich am Humanismus und Wohl aller Menschen orientiert sind.

Er kritisiert andererseits auch reaktionäre Vertreter der pro-israelischen Seite, des Zionismus, die das Wohl des israelischen Staates über das Wohl der Menschen im Nahen Osten stellen. An solchen Zionisten kritisiert er vor allem auch, dass sie sogar den Völkermord an den Juden wie auch üble Antisemitismus-Vorwürfe instrumentalisieren, nur um jede Politik des israelischen Staates heilig zu sprechen.

Immer wieder kommt Achcar auch auf die zionistisch motivierte Propaganda zu sprechen, die die arabische und antizionistische Seite völlig verzerrt und einseitig darstellt. Wissenschaftler wie Benny Morris oder Bernard Lewis, die es eigentlich besser wissen müssten, werden für Falschdarstellungen oder zynische Positionen zu Recht gebrandmarkt. Morris z.B. sieht nach seinem Rechtsruck hin zum antimuslimischen Rassismus in allen Moslems grundsätzlich Antisemiten. Achcar bedauert das:

Morris, ein Historiker, der immer darauf bestanden hat, dass für ihn nur “die Fakten” und wissenschaftliche Gründlichkeit auf der Basis hinreichender Belege zählen, hat sich also zu einem ideologischen Diskurs hinreißen lassen, der im beginnenden 21. Jahrhundert allzu üblich geworden ist: einer Mischung aus Neokonservatismus made in the USA und Neozionismus, beides unterfüttert mit Islamophobie.

Dagegen ist es Achcars erklärtes Ziel, dabei zu helfen, "einen Dialog zwischen Arabern und Israelis auf der Grundlage gemeinsamer humanistischer Werte" aufzubauen. Er tut das, indem er zu allererst Humanismus und Wissenschaftlichkeit verbindet. 

Dazu gehört die Fähigkeit, zu differenzieren. Anders als viele zionistische Wissenschaftler wie etwa Bernard Lewis, der alle Araber unter einen Kamm schert und zwischen ihren diversen Ansichten nur einen einzigen antisemitischen Sumpf sehen kann, beweist Achcar tatsächlich mit seinem Buch, wie wichtig ihm die “die Fakten” und wissenschaftliche Gründlichkeit auf der Basis hinreichender Belege sind. Sein Buch ist daher nicht bloß eine politische Abwehr gegen menschenfeindliche Politik im Nahen Osten, sondern auch ein solider wissenschaftlicher Beitrag zum Thema.

Im ersten Teil seines Buches unterscheidet er im Wesentlichen zwischen den vier großen politischen Strömungen im arabischen Raum: westlich orientierten Liberalen, Kommunisten, Nationalisten und reaktionären und/oder fundamentalistischen Panislamisten. 

Diese untersucht er im Detail auf ihre Einstellungen und Beziehungen zum nationalsozialistischen Völkermord an den Juden, zum Antisemitismus und zum Zionismus in der Zeit von 1933 bis 1947. Den zweiten Teil des Buches über diese Einstellungen ab der Nakba von 1948, also nach der Vertreibung von über 700.000 Palästinensern aus Palästina durch die zionistischen Siedler, ordnet er eher chronologisch. 

Er zeigt, wie der arabische Nationalismus im Stile des ägyptischen Nasserismus nach der Nakba zur dominanten Strömung wurde, dann aber vom Befreiungsnationalismus der PLO und schließlich vom Panislamismus ersetzt wurde. Dabei belegt er, wie sich die antizionistischen Einstellungen der Araber veränderten.

Arabische Reaktionen auf den Nationalsozialismus und den Antisemitismus (1933-1947)


Die arabischen Liberalen


Die westlich orientierten Liberalen unter den Arabern bis 1947 werden heutzutage gerne von neokonservativen Politikern des Westens ignoriert oder sogar kategorisch verleumdet. Rassistische Moslemhasser unterstellen den Arabern, als Moslems immer auch Feinde der Demokratie und Antisemiten zu sein. Gerade die arabischen Liberalen jener Zeit bewiesen aber eine weitaus menschenfreundlichere, tolerantere und demokratischere Haltung als angeblich aufgeklärte und liberale Politiker in Europa, indem sie deren inkonsequente Haltung und deren christlich geprägten Antisemitismus und Rassismus konsequent kritisierten. Achcar schreibt:


Die von einer demokratischen, humanistischen Kultur geprägten liberalen Westler unter den Unabhängigkeitsbefürwortern in der arabischen Welt lehnten den Nationalsozialismus von Anfang an ab. Das hinderte sie nicht daran, aus ihrer antikolonialistischen Gesinnung heraus gegen den Zionismus zu sein. Für die zionistische Bewegung stellten die westlich orientierten Liberalen ein großes Ärgernis dar, da sie am glaubwürdigsten unter Verweis auf die Werte der antifaschistischen westlichen Kultur die Grundlagen des Zionismus kritisieren konnten.

Liberale Demokraten konnten also sowohl Antifaschisten als auch Antizionisten sein, indem sie die rassistische, nationalistische und kolonialistische Natur sowohl des Faschismus wie auch des Zionismus sahen.

Die nahöstlichen Kommunisten


Die Kommunisten waren ebenso von vornherein erklärte Gegner des Antisemitismus und Nationalsozialismus:

Aus ideologischen Gründen lehnten die Marxisten in der arabischen Welt, darunter viele einheimische oder eingewanderte Juden, den Nationalsozialismus durchweg entschieden ab. [...] Die Marxisten waren es vor allem, die den Zionismus als rassistische Bewegung verurteilten, sie waren aber auch für die fragwürdige Gleichsetzung von Zionismus und Nationalsozialismus verantwortlich – deren wichtigste logische Konsequenz war, was oft vergessen wird, dass sie beiden Ideologien gleich ablehnend gegenüberstanden.

Trotz der dummen Gleichsetzung von Zionismus und Nationalsozialismus waren die arabischen (und jüdischen) Kommunisten grundsätzlich nicht Judenfeinde, sondern verteidigten sowohl Juden wie auch Araber vor Rassismus und Kolonialismus. Was man den Kommunisten dieser Zeit aber vorwerfen sollte, ist, dass sie keinerlei internationale Kampagne zur Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge aus Europa gestartet hatten und dass sie nach dem Völkermord an den Juden wiederum nicht mehr konsequent genug gegen den rassistischen Kolonialismus der Zionisten vorgingen, sondern Israels Staatsgründung unterstützten. Das brachte sie für längere Zeit in Verruf, sodass die Nationalisten als die konsequenten Vertreter der arabischen Unabhängigkeitskämpfe erscheinen konnten.

Die arabischen Nationalisten


Die arabischen Nationalisten hatten ein weit problematischeres Verhältnis zu NS, Holocaust und Juden. Hier gab es durchaus Antisemiten und Rassisten, die einen gewissen Einfluss hatten. Es gab unter den arabischen Nationalisten durchaus auch Sympathisanten und Nachahmer des europäischen Faschismus. Aber diese Minderheit innerhalb der Nationalisten war selten und kaum von religiös und rassistisch motiviertem Antisemitismus geprägt. 

Achcar sieht die Tendenzen zum Ultranationalismus und Faschismus eher als reaktionäre Antwort auf den Kolonialismus und die politischen Konkurrenten im arabischen Raum. Achcar geht im Detail auf die wirren Ansichten solcher Reaktionäre ein und kritisiert sie ausgiebig. Achcar differenziert hier aber:

Es gilt zu unterscheiden zwischen jenen, die vorübergehend und in Abwägung ihrer Interessen gehandelt, aber ihre Distanz zum Faschismus gewaht haben, und denen, die sich zu ihrer ideologischen Übereinstimmung mit Rom und/oder Berlin bekannten und es mit ihrer Bindung an die Achsenmächte ernst meinten.

Außerdem zeigt sich in Achcars Untersuchungen, dass die arabischen Nationalisten die Juden vor antisemitischen Pogromen eher geschützt haben als es die europäische Bevölkerung tat. Auch lehnte der Großteil der Nationalisten die Nachahmung, Stärkung und Bewunderung des europäischen Rassismus, Antisemitismus, Faschismus und Imperialismus ab. Er vermerkt weiterhin

dass der schlimmste Antisemitismus, den [der Irak] in den 1940er Jahren erlebte, nichtnationalistischen Regierungen zuzuschreiben ist, sondern auf das Konto jenes Mannes geht, den die Nationalisten und generell die Bevölkerung am meisten hassten: des englandfreundlichen Nuri al-Sa’id, der 1949 in seiner Amtszeit als Premierminister drohte, die irakischen Juden massenweise zu vertreiben.

Die rechten Panislamisten


Was die “reaktionären und/oder fundamentalistischen Panislamisten” angeht, so gab und gibt es wie bei den Nationalisten auch hier eine breite Palette an Einstellungen. Der düsterste Antisemitismus samt Verschwörungstheorien, Zuschreibung überzeitlicher Merkmale, mangelnder Differenzierung zwischen Juden und Zionisten und rigidester Ablehnung der westlichen Kultur konkurriert mit der traditionell islamischen Toleranz gegenüber friedlichen Juden und Christen. Solch Panislamismus kann beides beinhalten. Er war aber eine reaktionäre Antwort auf den Kolonialismus des Westens:

[Diesem Panislamismus] sollte die Rolle eines islamischen Bollwerks gegen den Westen zukommen. Dieser Panislamismus neigte stets zur fanatischen Ablehnung der kulturellen Moderne des Westens. Reaktionäre und fundamentalistische, gegen den Westen und westliche Einflüsse eingestellte Muslime griffen daher das Banner des Panislamismus auf und verbündeten sich mit den arabischen Nationalisten in einem Kampf gegen die gemeinsamen Feinde. Je rechter die Einstellungen dieser Nationalisten, desto stärker waren die Bande zwischen den beiden Strömungen [...] Sie trafen sich in einer Mischform von arabisch-islamischem Nationalismus.

Nicht der Islam per se, nicht einmal der islamische Fundamentalismus oder politische Islam per se, sondern nur bestimmte Strömungen und Einzelpersonen innerhalb dieser waren antisemitisch oder nazifreundlich. 

Der Mufti von Jerusalem, die widerlichste Gestalt in diesem Zusammenhang, pendelte zwischen Rom und Berlin, um seine engen Kontakte zu den italienischen und deutschen Faschisten zu pflegen. Er übernahm sogar weite Teile der Naziideologie und machte arabischsprachige Propaganda für den NS-Staat. Aber seine Nähe zum deutschen Rassenantisemitismus entwickelte sich erst spät, als er nach einem Scheitern in der arabischen Welt dort sein eh nicht besonders großes Ansehen fast völlig verloren hatte. 

Auch der Wandel Rashid Ridas, einer wichtigen Person im Zusammenhang mit dem Wahabismus bzw. Salafismus, vom relativ toleranten Verteidiger der Juden zum wilden Antisemiten zeigt, dass selbst die reaktionärsten islamischen Strömungen nicht notwendiger Weise antisemitisch sein müssen. 

Achcar besteht darauf, dass die konkrete Betrachtung der sozialen Gründe für Antisemitismus und andere Einstellungen entscheidend ist:
Diese unerlässliche Kontextualisierung der arabischen Einstellungen gegenüber den Juden und dem Holocaust macht den entscheidenden Unterschied aus zwischen einer berechtigten und begründeten Verurteilung dessen, was tatsächlich verurteilenswert ist – wohl wissend, dass die arabischen Einstellungen breit gefächert und oft untadelig, wenn nicht sogar vorbildlich waren -, und jener unterschiedslosen Dämonisierung, die nur in araberfeindlichen Rassismus und Islamophobie münden kann.

Alles Reaktionäre?


Aus Achcars Ausführungen wird deutlich, dass im Grunde alle wichtigen politischen Strömungen im arabischen Raum antizionistisch waren. Zugleich wird klar, dass sich Liberale und Kommunisten ziemlich konsequent gegen den Faschismus und Antisemitismus engagiert haben, während Nationalisten und Panislamisten von relativ linken und demokratischen Einstellungen, die sich denen der Liberalen und Kommunisten annäherten, bis hin zu extremem Antisemitismus und bis hin zur Nähe zum Faschismus alle Varianten kannten. 

Allen Arabern von damals oder auch nur der Mehrheit zu unterstellen, sie seien Islamisten, Judenfeinde, Reaktionäre, Faschisten oder dergleichen gewesen, ist wissenschaftlich nicht haltbar und eine Art des Eurozentrismus bzw. Rassismus. Die arabische Bevölkerung scheint bis 1947 trotz ihres Antizionismus insgesamt weit weniger rassistisch und antisemitisch gewesen zu sein als die europäische Bevölkerung insgesamt. 

Das darf nie vergessen werden, wenn den Arabern oder Moslems unterstellt wird, sie seien wegen ihrer Kultur von Grund auf Antisemiten oder Antidemokraten. Solche Pauschalisierung ist bloß ein Mittel der Kriegsvorbereitung und der Unterdrückung. Das sollten sich auch pseudolinke Neokonservative und Rassisten merken. Vielmehr muss selbst bei Reaktionären unter den Arabern und Moslems anhand ihres Lebenslaufs differenziert werden, wenn man ihre Einstellungen zu den Juden wirklich ernsthaft betrachten will. 

Auch muss zwischen Juden, Zionisten, Israelis und den entsprechenden Einstellungen unterschieden werden. Gerade aber viele Zionisten in Israel und z.B. auch die pseudolinken Zionisten und Kriegstreiber in Deutschland unterscheiden selten ausreichend. Für sie sind israelische Juden und israelische Zionisten ebenso das selbe wie Araber, Moslems, fanatische arabische Nationalisten und fanatische antisemitische Panislamisten. 

Achcar zeigt, dass gewissenhafte politische Kritik nur mit gewissenhafter Differenzierung funktioniert.

Sonntag, 24. November 2013

Erklärung ohne Erklärung


1. "Du bist nicht das Geld auf deinem Konto! Du bist der singende, tanzende Abschaum der Welt!"

2. Du bist "ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen" und ich ja auch ... shit!

3. "Und ich bin über 10.000 Jahre alt und mein Name ist Mensch!"

4. "Ihr seid so, wie eure Leichen - Im Keller gefangen!"

5. "Wir haben einen Feind, der nimmt uns den Tag. Der lebt von unserer Arbeit und der lebt von unserer Kraft!"

6. "Der Bourgeois sieht in seiner Frau ein bloßes Produktionsinstrument!"

7. Combat in Warfare without a Revolution is like "Mortal Kombat" without a Finishing Move!

8. "Was wir alleine nicht schaffen - das schaffen wir dann zusammen!"

9. "Und es wird keine 10.000 Jahre mehr dauern, denn die Zeit ist reif!"

. Der Finishing Move gegen den Bourgeois - ?, Kreuz, Dreieck, ?, Viereck, L1, ?, links, links, links!